Wer für einen Riester-Vertrag möglichst viel Förderung haben will, muss oft mehr ­einzahlen, als für die volle Zulage nötig ist. Dann nimmt er auch alle Steuervorteile mit.

Jetzt sind die ersten Produkte für die private Altersvorsorge à la Riester auf dem Markt. Finanztest hat die neuen Angebote von Banken-, Investment- und Versicherungsgesellschaften durchleuchtet. Ist der Vertrag bis zum Jahresende geschlossen und der eigene Sparbeitrag eingezahlt, überweist Riester im nächsten Jahr die ersten Zulagen aufs Sparkonto.

Zusätzlich gibt es für viele Steuerersparnisse von Eichel. Die bringen vor allem kinderlosen und gut verdienenden Riester-Sparern mehr Geld als die staatlichen Zulagen. Jeder rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer oder Beamte kann nämlich in der Steuererklärung für 2002 die Zulage vom Staat und den eigenen Sparbeitrag bis zur Höhe von insgesamt 525 Euro als Sonderausgaben absetzen. Ist die dadurch erzielte Steuerersparnis höher als die Riester-Zulage, schreibt das Finanzamt die Differenz im Steuerbescheid für 2002 gut.

Der Sonderausgabenabzug bis 525 Euro ist auch dann möglich, wenn die Zulage und der eigene Mindestsparbeitrag zusammen niedriger als 525 Euro sind. In diesem Fall müssen Riester-Sparer nur mehr Geld selbst sparen, bis der Höchstbetrag von 525 Euro erreicht ist. Das können alle, die im letzten Jahr brutto weniger als 52 500 Euro verdient haben. Das Aufstocken des eigenen Sparbeitrags lohnt sich aber nur, wenn dadurch die Steuerersparnis steigt.

An den Förderquoten in den Tabellen können Riester-Sparer sehen, wie viel Prozent der Staat für das Geld, das sie selbst in ihren Vertrag einzahlen, springen lässt. Die Förderquoten sind quasi die Staatsrendite für das selbst investierte Geld. Mit ihr kann normalerweise keine Bank-, Investment- oder Versicherungsgesellschaft mithalten.

Die Förderquote für die Zuzahlung ist zwar mitunter nicht so hoch wie für den Mindestbeitrag. Trotzdem lohnt es sich häufig, mehr Geld auszugeben, als für die Zulage nötig ist. Oft bringt die Zuzahlung sogar mehr Förderung als der eigene Mindestsparbeitrag.

Solange es nur um die Höchstzulage von Riester geht, kann man noch leicht selbst ausrechnen, wie hoch die eigene Einzahlung sein muss. Die meisten können in der Gehaltsabrechnung für den letzten Dezember oder im Steuerbescheid für 2001 die Höhe ihres Bruttolohns aus dem letzten Jahr nachlesen. 1 Prozent davon muss jeder mit Anspruch auf Riester-Förderung zusammen mit der Zulage vom Staat sparen. Dann geht nächstes Jahr die volle Zulage von 38 Euro aufs Sparkonto ein. Für jedes Kind, für das es Kindergeld gibt, kommen 46 Euro dazu. Wie hoch die eigene Einzahlung sein muss, damit es auch die volle Steuerersparnis gibt, zeigen die Tabellen.

Rechnung für Alleinstehende

Der Finanztest-Mustersparer Hans Meisel ist allein stehend und hat im letzten Jahr 50 000 Euro brutto verdient. Er muss für die Höchstzulage insgesamt 500 Euro anlegen. Davon zieht er die 38 Euro von Riester ab. Die restlichen 462 Euro muss er selbst für seinen Altersvorsorgevertrag ausgeben, wenn er keinen Cent Zulage verschenken will.

Hat Hans Meisel zwei kleine Kinder, für die er Kindergeld erhält, kürzt er die 462 Euro noch um zwei Kinderzulagen à 46 Euro und spart selbst nur 370 Euro. In diesem Fall bekommt er insgesamt 130 Euro als Höchstzulage.

In beiden Fällen ist es jedoch besser, er stockt den Mindestbeitrag um 25 Euro auf. Zahlt er als Single den optimalen Sparbeitrag von 487 Euro, ist die Steuerersparnis 16 Euro höher. Zahlt er als Alleinstehender mit zwei Kindern 395 Euro ein, bekommt er 13 Euro mehr Steuerersparnis.

Ganz anders fällt der Vergleich aus, wenn Hans Meisel letztes Jahr als Single nur 10 000 Euro brutto verdient hat. Dann muss er für die volle Zulage von Riester nur 62 Euro selbst sparen und kommt damit auf eine Förderquote von 61,3 Prozent. Steuerersparnisse erhält er mit so wenig Bruttolohn nicht – auch wenn er mehr spart. Das Aufstocken lohnt sich deshalb nicht.

Ehepaare: Beide müssen sparen

Bei Ehepaaren kommt es darauf an, ob beide Partner oder nur einer Anspruch auf Riester-Förderung hat. Sind beide Beamte oder rentenversicherungs­pflichtige Arbeitnehmer und schließen beide einen Altersvorsorgevertrag ab, muss jeder zusammen mit der Riester-Zulage 1 Prozent seines 2001 verdienten Bruttolohns sparen.

Hat auch Hans Meisels Frau Anne letztes Jahr brutto 50 000 Euro verdient, muss sie nach Abzug ihrer Zulage ebenfalls 462 (500–38) Euro selbst für ihren Riester-Vertrag ausgeben. Beide zusammen haben dann 100 000 Euro Bruttolohn und müssen 924 Euro für die vollen Zulagen sparen. Mit zwei Kindern sind es 832 (2 x 500–38–38–92) Euro.

Die Zulagen für die Kinder kann Anne Meisel von ihrem Sparbeitrag abziehen. Ihr Mann bekommt sie nur aufs Sparkonto überwiesen, wenn das Ehepaar das ausdrücklich beantragt.

Die beiden sollten auf jeden Fall 50 Euro mehr in ihre Riester-Verträge einzahlen. Ohne Kinder bekommen sie 32 Euro und mit zwei Kindern 30 Euro extra Steuerersparnis vom Staat. Mit Kindern sind deshalb 882 Euro der optimale Sparbeitrag, ohne Kinder 974 Euro.

Ehepaare: Nur einer muss sparen

Es gibt auch Riester-Sparer, die für die Zulage von Riester keinen einzigen Cent selbst sparen müssen. Dazu gehören etwa Ehepartner, die Hausfrau oder Hausmann und nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Sie haben keinen eigenen Anspruch auf Riester-Förderung, können sie aber trotzdem erhalten.

Bei ihnen reicht es, wenn der Ehemann oder die Ehefrau als Beamter oder rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer Anspruch auf die staatliche Förderung hat. Dann kann auch der andere einen Riester-Vertrag abschließen und dafür 38 Euro Zulage bekommen – ohne dass er selbst Geld ausgeben muss. Auch sein Verdienst zählt bei der Berechnung des Sparbeitrags nicht mit.

Das ist bei Meisels zum Beispiel so, wenn Anne Meisel als nicht rentenversicherungspflichtige Hausfrau ebenfalls einen Riester-Vertrag abschließt. Damit Meisels beide die vollen 38 Euro Zula­ge bekommen, muss Hans Meisel dann zusammen mit dem Riester-Zuschuss 1 Prozent seines im letzten Jahr verdienten Bruttolohns sparen. Bei 50 000 Euro brutto sind das 500 Euro.

Davon kann Meisel seine eigene und die Zulage seiner Frau abziehen, insgesamt also minus 76 Euro. Die restlichen 424 Euro muss er auf seinen Riester-Vertrag überweisen. Mit zwei Kindern, für die es Kindergeld gibt, sind es 92 (2 × 46) Euro weniger und nur 332 Euro.

In beiden Fällen lohnt es nicht, dass Meisels mehr Geld in ihre Verträge ­einzahlen. Sie können dadurch keine zusätzlichen Steuerersparnisse herausholen. Mit zwei Kindern bekommen sie gar nichts vom Finanzamt. Ist das Ehepaar kinderlos, sind es 76 Euro, die das Finanzamt gutschreibt – ob mit Mindest- oder Höchstbeitrag, ist egal.

Die 76 Euro Steuerersparnis gibt es natürlich nur, wenn Hans Meisel die Zulagen vom Staat und seinen eigenen Sparbeitrag in die Steuererklärung für 2002 als Sonderausgaben einträgt. Die Zulage für seine Frau und auch die Kinderzulagen kann Meisel mit absetzen.

Hat Anne Meisel dagegen als Beamtin oder Arbeitnehmerin einen eigenen Anspruch auf Riester-Förderung, muss sie selbst Geld einzahlen und kann ihren Sparbeitrag und die Zulage vom Staat selbst in der Steuererklärung als Sonderausgaben absetzen.

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