Riester-Chat Meldung

Finanztest-Experten Theodor Pischke und Jörg Sahr.

Die Kritik an der Riester-Rente zeigt Wirkung: Der Boom bei den Riester-Verträgen ist vorbei. Spür­baren Zuwachs gibt es allein beim Wohn-Riester. Neben Riester-Bausparverträgen hat Finanztest aktuell auch Riester-Rentenversicherungen getestet. Fragen speziell zu diesen beiden Produkten sowie zur Riester-Förderung allgemein beant­worten die Finanztest-Experten Theodor Pischke und Jörg Sahr. Lesen Sie hier das Chat­protokoll.

Lohnen sich Fonds­sparpläne über­haupt?

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top-1-Frage aus dem Pre-Chat:

A. Buch­holz: Ich habe seit Beginn der Riesterrente einen Vertrag bei der DWS mit Riesterrente TopRente. Ich habe den Vertrag mit 27 Jahren abge­schlossen und wollte 100% Aktien, da ich noch viel Zeit bis zur Rente habe. Aufgrund des ewigen Hin- und Her der Fonds wird aber jegliche Rendite kaputt gemacht. Ich habe jetzt über einen Zeitraum von 12 Jahren gerade einmal 3% Rendite. Ist es dann über­haupt noch sinn­voll, in Aktien zu investieren, wenn die Fonds­gesell­schaft eigentlich jegliche Rendite vernichtet?

Theodor Pischke: Wir haben aktuell die klassische Riester-Rentenversicherung und die Riester-Bausparverträge getestet. Wie Sie richtig sagen, kann man aber auch mit einem Fonds-Sparplan riestern. Wie auch bei allen anderen Riester-Produkten müssen auch hier die Anbieter bei Renten­beginn wenigs­tens die gezahlten Beiträge des Sparers und die staatliche Förderung garan­tieren. Die Fonds­gesell­schaften müssen also dafür Sorge tragen, dass ein Fonds­sparplan zu Beginn der Rente nicht im Minus ist. Sie ziehen dann also die Reiß­leine, wenn die Märkte ins Minus rutschen. Das kann dazu führen, dass das Geld eben dann nicht umge­schichtet wird, wenn eigentlich noch alles in Ordnung ist. Riester-Fondssparpläne haben von allen Riester-Produkten die höchsten Rendite­chancen. Ob sie aber verwirk­licht werden, hängt vom Markt­verlauf ab. Heftiges Auf und Ab wie in den letzten Jahren ist einer guten Rendite nicht zuträglich, weil es dann häufig zu Umschichtungen kommt. Die Kehr­seite der hohen Rendite­aussichten ist also: Bei Riester-Fondssparplänen ist auch das Risiko am höchsten, am Ende tatsäch­lich nur mit den Einzahlungen (inklusive staatlicher Förderung) dazu­stehen.

Die klassische Riester-Renten­versicherung

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

sigori: Meine Frau und ich haben seit 2005 eine Riester-Renten­versicherung (Allianz-Klassik). Nun hört man, dass die freiwil­ligen Leistungen der Versicherung unsicher sind, zum Beispiel bezüglich des Zins­satzes oder über­haupt. Wie sieht das nun hier konkret aus? Muss ich bei meiner Versicherung fragen, was mir damals zugesichert wurde, oder gibt es hier gesetzliche Rege­lungen?

Theodor Pischke: Das große Plus einer klassischen Riester-Renten­versicherung (wie die Riester-Rente Klassik der Allianz) ist die Planungs­sicherheit. Sie erfahren bereits bei Vertrags­schluss, wie hoch die Renten­zusage ist, das heißt wie viel Rente Sie später mindestens bekommen werden. Diese Leistung ist sicher. Darüber hinaus beteiligt Sie der Versicherer an den Über­schüssen. Wie hoch die sind, ist jedoch ungewiss. Was Ihnen der Versicherer hier bei Vertrags­schluss verspricht, ist nichts anderes als eine unver­bindliche Prognose. Als Sie 2005 Ihren Vertrag geschlossen haben, lag der Garan­tiezins noch bei 2,75 Prozent. Diese Verzinsung auf den Spar­anteil Ihres Beitrags ist Ihnen während der gesamten Vertrags­lauf­zeit sicher. Würden Sie jetzt einen neuen Vertrag anderswo schließen, betrüge der Garan­tiezins nur noch 1,75 Prozent auf den Spar­anteil.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

k.o.: Sehr geehrter Herr Pischke und sehr geehrter Herr Sahr, kann ich von meiner bestehenden Riester-Renten­versicherung der DEVK (über Sparda-Bank) zur Riester-Renten­versicherung der HUK24 (wo ich auch PHP und HRV abge­schlossen habe) wechseln? Welche Nachteile müsste ich gegebenenfalls in Kauf nehmen? Was müsste ich beachten, um möglichst wenig Nachteile zu haben? Wann und wie wäre ein Wechsel möglich? Was müsste ich konkret in welcher Reihen­folge tun? Vielen Dank im Voraus für Ihre Information! MfG KO

Theodor Pischke: Die HUK 24 hat in unserem aktuellen Test am besten abge­schnitten. Wenn Sie jetzt von der DEVK dorthin wechseln, bekommen Sie dort ein Angebot nach den derzeit gültigen Konditionen. Dies bedeutet also, Sie bekommen auch den Garan­tiezins von 1,75 Prozent. Wenn Sie bei der DEVK schon seit vielen Jahren einen Vertrag haben, ist der Garan­tiezins dort höher. Auch haben Sie bei der DEVK womöglich die Abschluss­kosten schon bezahlt und es fließt mehr von Ihrem Beitrag in den Spartopf. Wenn Sie jetzt bei der HUK 24 neu beginnen, steigen Sie mit einem nied­rigen Garan­tiezins ein, der für die gesamte Vertrags­lauf­zeit gilt. Außerdem fallen auch hier wieder Abschluss­kosten an. Einen Wechsel sollten Sie sich daher gut über­legen.

Wohn­riester und Immobilien­kredit

Kluki: Meine Frau und ich besitzen seit Jahren jeweils einen Riester­vertrag (Fond­sparplan). Zwischen­zeitlich haben wir ein gebrauchtes Haus gekauft bezeihungs­weise mit einem klassischen Annuitätendarlehen finanziert und zwei Kinder bekommen. Ich habe über­legt, zusätzlich einen Wohnriestervertrag abzu­schließen, um dorthin zumindest die hohen Kinder­zulagen fließen zu lassen, um in ein paar Jahren daraus Geld entnehmen zu können und meinen Hauskredit zu tilgen. Macht das Sinn? Was mache ich mit den alten Verträgen?

Jörg Sahr: Sie brauchen für die Tilgung Ihres Kredits gar keinen neuen Riester-Vertrag abzu­schließen. Sie können dafür auch das angesparte Vermögen aus Ihrem bestehenden Vertrag verwenden. Diese Möglich­keit gibt es ab Januar 2014. Voraus­setzungen sind: Sie müssen mindestens 3 000 Euro entnehmen. Sie müssen die Entnahme bei der Zentralen Zula­gestelle für Alters­vermögen (ZFA) beantragen und auch den Anbieter recht­zeitig darüber informieren, in der Regel mit einer Frist von mindestens drei Monaten zum Quartals­ende. Außerdem muss der Darlehens­vertrag die zusätzliche Tilgung zulassen.

Moderator: Hier eine aktuelle Frage:

Jens2: Hallo, kann ich als Selb­ständiger auch riestern?

Theodor Pischke: Ja, voraus­gesetzt Sie sind in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert. Das gilt aber längst nicht für alle Selb­ständigen. Die zweite Möglich­keit: Wenn Sie verheiratet sind und Ihre Frau in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert ist, dann können Sie auch (als mittel­bar Förderberechtigter) einen Riester-Vertrag abschließen.

Moderator: ... und noch eine aktuelle Frage:

ckorff: Ich habe sehr verschiedene Aussagen zur Eigenheim­förderung mit Riester gelesen. Was muss ich beachten, wenn ich einen Riesterbausparplan zur Eigenheim­finanzierung nutze – außer dass ich das Geld nur für den Neubau oder Kauf einer selbst genutzten Immobilie nutzen darf? Kann ich die Besteuerung vermeiden, indem ich das entnommene Geld wieder zurück­zahle?

Jörg Sahr: Sie müssen vor allem darauf achten, dass der Bauspar­vertrag zu Ihren Eigenheimplänen passt, insbesondere zu dem Zeit­punkt auch zur Verfügung steht, zu dem Sie Ihre Pläne verwirk­lichen wollen. Lassen Sie sich deshalb immer einen Anspar- und Tilgungs­plan von der Bausparkasse erstellen. Eine Besteuerung des Wohn­förderkontos können Sie nur vermeiden, wenn Sie einen Betrag in Höhe des Konto­standes wieder in einen anderen Riester-Spar­vertrag einzahlen. Dann müssen Sie später aber die Renten­auszah­lungen aus diesem Vertrag versteuern.

c.monty: Auf test.de habe ich diese Aussage gelesen: „Riester-Sparer dürfen jetzt Kapital, das sie in beliebigen Riester-Verträgen angespart haben, jeder­zeit für die Entschuldung der eigenen vier Wände einsetzen.“ Frage hierzu: Welche Einschränkung hinsicht­lich der Kapitalent­nahme zur Entschuldung sind vorgesehen? Wie oft kann ich Kapital entnehmen? Wie hoch ist der minimale/maximale Betrag der Kapitalent­nahme? Wieviel Kapital muss mindestens im Riester-Vertrag verbleiben?

Jörg Sahr: Es muss sich um die Tilgung eines Darlehens handeln, das Sie zum Bau oder Kauf einer selbst genutzten Immobilie aufgenommen haben, nicht etwa zur Modernisierung. Die Mindest­entnahme beträgt 3 000 Euro. Wenn Sie nur einen Teil Ihres Guthabens verwenden wollen, müssen noch mindestens 3 000 Euro auf dem Vertrag stehen bleiben. Eine Entnahme ist auch mehr­fach möglich.

Staatliche Förderung nutzen

Chris: Meine Frau (47) und ich (43), mitt­lerweile 2 Kinder, riestern seit 2005 über die Union ProfiRente in der Höhe, dass maximaler Sonder­ausgaben­abzug in der Einkommens­steuer möglich ist. Sollten wir etwas ändern?

Theodor Pischke: Nein. Sie machen offen­bar alles richtig. Gleich mit welchem Riester-Produkt Sie vorsorgen. Riester lohnt sich dann, wenn Sie ein gutes Angebot wählen und die maximale staatliche Förderung nutzen.

Moderator: ... und eine aktuelle Frage:

kuli: Hallo, ich bin Allein­verdiener, verheiratet mit 2 Kindern, ich zahle ein Haus ab und zum Sparen bleibt sehr wenig bis nichts übrig. Lohnt sich bei meinem Fall Wohn-Riester oder sollte ich lieber Renten-Riester für meine Frau machen. Welche Gesell­schaft empfehlen Sie bei geringem Spar­potenzial? DANKE an das Team.

Jörg Sahr: Wenn die Zins­bindung Ihres Darlehens endet, können Sie den Anschluss­kredit als Riester-Darlehen mit staatlicher Förderung abschließen. Sie erhalten dann für die Tilgung dieses Darlehens die gleichen Zulagen und Steuer­vorteile wie für einen Riester-Spar­vertrag oder eine Riester-Renten­versicherung. In diesem Fall müssen Sie also keinen zusätzlichen Spar­vertrag abschließen, um die Riester-Förderung zu nutzen.

Alternative Betriebs­rente

Baeri: Die Firma meiner Tochter (allein­stehend) hat vor 5 Jahren eine Direkt­versicherung (Pensions­kasse) abge­schlossen und zahlte monatlich 200 Euro ein. Sicher eine gute Alters­vorsorge. Nun hat sie allerdings die Firma gewechselt und zahlt die 200 Euro als Direkt­versicherung von ihrem Brutto­gehalt selbst. Macht es Sinn, das Geld besser in eine Riester Rente zu investieren und die Direkt­versicherung still zu legen?

Theodor Pischke: In der Juni-Ausgabe von Finanztest haben wir Riester-Rente und Betriebsrente verglichen. Das Ergebnis war zwiespältig. Wenn Ihre Tochter sich mit Fonds nicht auskennt, käme als Riester-Alternative ein Banksparplan oder eine klassische Rentenversicherung in Frage. Wie bei der Direkt­versicherung auch, bekommen Sie bei der Riester-Renten­versicherung schon bei Vertrags­schluss eine verbindliche Renten­zusage. Ihre Tochter könnte anhand unseres jüngsten Tests gute Angebote machen lassen und die ihr dort gemachten Renten­zusagen mit der Mindest­rente ihrer Direkt­versicherung vergleichen. Sie muss dann bitte auch bedenken, dass bei einem Wechsel dann auch wieder Abschluss­kosten anfallen.

Moderator: ... und noch eine aktuelle Frage:

Stirlez: Liebe Experten, meine Frage ist eigentlich einfach: Hat meine Lebens­part­nerin auch einen Anspruch auf Riester-Zulagen? Mein Riester-Vertrag läuft seit 10 Jahren, ich lebe mit meiner Lebens­gefähr­tin zusammen seit 7 Jahren unver­heiratet, sie arbeitet auf Teil­zeit. Vielen Dank.

Theodor Pischke: Ob Sie verheiratet sind oder nicht, spielt dann keine Rolle, wenn Ihre Part­nerin selbst renten­versicherungs­pflichtig beschäftigt ist. Sie hat dann einen eigenen Anspruch auf die Riester-Förderung.

Moderator: ... und eine aktuelle Frage:

janosch: Mich verunsichert die vielfältige Kritik an den Riester­angeboten. Daher habe ich (30 Jahre alt) noch immer keinen Riester­vertrag abge­schlossen. Oft hört man „die Politik müsse nachbessern“. Mir stellt sich die Frage: ist damit zu rechnen, dass die Politik nachbessert und dass Verbesserungen gegebenenfalls dann auch auf alte Verträge, rück­wirkend, angewendet werden? Oder lohnt sich das Warten auf die Politik?

„Riester“ allein ist kein Qualitäts­stempel

Theodor Pischke: Mit einer zusätzlichen Alters­vorsorge sollten Sie so früh wie möglich beginnen, wenn Sie nicht schon ausreichend abge­sichert sind. Für die Riester-Rente gilt: „Riester“ allein ist kein Qualitäts­stempel, es kommt immer darauf an, ein gutes Angebot zu wählen und die volle staatliche Förderung zu nutzen. Denn die Förderung macht die Riester-Rente attraktiver als eine vergleich­bare rein private Vorsorge. Es ist einfach besser, mit Hilfe des Staates fürs Alter vorzusorgen, als die gesamte Beitrags­last alleine zu schultern. An allgemein­politischen Diskussionen über das Renten­system beteiligen wir uns nicht – obwohl wir privat sicher eine Meinung dazu haben. Wir wollen jetzt jedoch Vorsorgesparern helfen, unter den gegebenen Umständen die richtige ergänzende Alters­vorsorge zu finden.

hmichels: Hallo, mein Sohn ist 22 Jahre alt und zur Zeit noch Student mit Neben­job auf 450,- Euro Basis. Kann er eine Riester­versicherung abschließen? Wenn ja, welche Vertrags-Art ist sinn­voll, worauf sollte er dabei achten, wer ist der preis­werteste unter den seriösen Anbietern? Herz­lichen Dank im voraus.

Theodor Pischke: Es macht Sinn, auch als Student zu riestern, wenn man die Beiträge aufbringen kann und vor allem, wenn man die staatliche Förderung nutzen kann. 450-Euro-Jobber können dies, voraus­gesetzt, sie haben sich nicht aus der gesetzlichen Renten­versicherung verabschiedet. Zu Ihrer Frage nach dem richtigen Vertrag: Von seinem Alter her käme beispiels­weise ein Fonds­sparplan in Frage, voraus­gesetzt Ihr Sohn möchte sich mit Fonds beschäftigen. Einfacher wäre ein Bank­sparplan. Alles Weitere zu Produkten und Tarifen finden Sie unter www.test.de/riester.

Moderator: Wir nähern uns der Schluss­viertel­stunde des Chats.

Tina: Ich bin weiblich, 38 Jahre alt, habe 2 Kinder und 2 vermietete Eigentums­wohnungen und lebe bei meinem Lebens­gefährten in dessen Immobilie. Weiterer Hausbau ist nicht vorgesehen. Ich mache derzeit Eltern­zeit, ab nächstem Jahr bin ich wieder teil­zeit­beschäftigt. Die Riester-Renten­versicherung habe ich bei Debeka abge­schlossen. Der BHW-Berater rät dringend, auch wegen hoher Verwaltungs­kosten und kurzer Garan­tierente (5 Jahre), zu Wohn­riester zu wechseln. Es wäre auch sinn­voll, wenn keine Baufinanzierung benötigt wird, da sie bei Renten­beginn ausgezahlt und in die Rente angelegt werden könne. Ist das tatsäch­lich sinn­voll?

Jörg Sahr: Nein. Interes­sant ist ein Riester-Bauspar­vertrag nur für Sparer, die später ein güns­tiges Bauspardarlehen für die Finanzierung einer Immobilie nutzen können. Als reiner Spar­vertrag mit anschließender Verrentung taugt ein Bauspar­vertrag wegen der sehr nied­rigen Gutha­benzinsen nicht. Daran ändert auch der Bonus wenig, den die BHW Bausparkasse zahlt, wenn der Sparer bis zum Renten­beginn durch­spart. Behalten Sie Ihren bestehenden Vertrag.

Auch für Spät­einsteiger kann sich das Riestern lohnen

baleine65: Hallo, ich bin 48 Jahre alt und habe erst in 2012 begonnen, selbst zu arbeiten ( 5 Kinder im Alter von 15, 20, 22, 23 und 29 Jahren und von 2008 bis 2012 nochmals studiert). Bin erst seit März diesen Jahres wieder verheiratet. Bisher habe ich nur eine Kapital-Lebens­versicherung der Allianz zur Alters­vorsorge. Mein Bank­berater (Sparkasse) meinte, man müsste dringend etwas tun. Was ist über­haupt sinn­voll? Bekomme im Moment nur 900€ Gehalt (Anerkennungs­jahr=Praktikant). Und für meinen Mann? Danke!

Theodor Pischke: Ja, wenn Sie bisher noch keine andere Alters­vorsorge haben, macht es Sinn, zu riestern. Bei einem Einkommen von 10.000 Euro im Jahr müssen 400 Euro (4 Prozent des Brutto­einkommens) in den Riester-Vertrag fließen. Davon steuert der Staat 154 Euro Grund­zulage bei und weitere 185 Euro für jedes Kind, für das Sie Kinder­geld bekommen. Wenn Sie noch Kinder­geld für Ihre beiden jüngsten Kinder bekommen, erhalten Sie also insgesamt 524 Euro Förderung, das sind nun schon mehr als die 400 Euro, die eigentlich in den Vertrag fließen müssten. Trotzdem sind Sie verpflichtet, 60 Euro im Jahr selbst einzuzahlen. Sie bekommen also für einen Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr eine staatliche Förderung von 524 Euro. Wenn Sie dann mit den Jahren mehr verdienen, müssen Sie darauf achten, dass inklusive der Förderung immer 4 Prozent Ihres Brutto­einkommens des Vorjahres gespart werden.

hoffi96: Habe eine Riester Rente mit flexibler Alters­grenze vom 01.12.25 bis 01.12.30. Wenn ich Ende des Jahres 2025 entscheiden würde, das mir die Riester Rente ausgezahlt wird, kann ich dann trotzdem noch in einer Beschäftigung stehen oder muss ich in Rente/Ruhe­stand sein, um die Riester Rente zu erhalten?

Theodor Pischke: Die Riester-Rente sollte dann beginnen, wenn Sie in den Ruhe­stand treten. Dies ist jedoch nicht zwingend. Die Riester-Rente beginnt an dem Tag, der im Vertrag fest­gelegt ist.

Probleme mit der Zulagen­stelle

Moderator: eine weitere aktuelle Frage:

wolfigang: Ich habe bei meinem Riester­vertrag den Anbieter gewechselt und habe seitdem keine Zulagen mehr erhalten. Das läge an Problemen beim Wechsel, versichert mir mein Anbieter, die Volks­bank Heuchelheim, und gibt der Zulagen­stelle die Schuld. Aber die Angelegenheit zieht sich nun seit 3 Jahren ohne Ergebnis. Noch zu erwähnen: auch der Vertrag meiner Frau hängt an dem Vorgang, da sie mittel­bar begüns­tigt ist. Meine Frage: Wo kann ich mich über die Zulagenstelle beschweren bzw. was kann ich tun für schnel­lere Bearbeitung?

Theodor Pischke: Wenden Sie sich zunächst direkt an die Zulagen­stelle und nehmen Sie aber auch den Anbieter in die Pflicht. Es ist kein guter Kunden­service, wenn die Volks­bank Sie im Regen stehen lässt. Sollten Sie in den nächsten Wochen keinen Erfolg haben, können Sie sich gern an uns wenden, wir gehen der Sache dann nach.

Chaski: Da wir nur eine geringe Rente erwarten dürfen, ist unsere Strategie, bei Renten­beginn nach Südamerika auszuwandern (Wir haben dort bereits Grund­eigentum und Aufenthalts­status). Ist Riestern trotzdem zu empfehlen? Wir erhielten schon mehr­fach die Auskunft, unsere Ansprüche bei dauer­haftem Verlassen des EU-Gebietes zu verlieren, unsere Beiträge wären futsch; andere Berater verneinen das. Wie ist die recht­liche Lage?

Theodor Pischke: Nein. Sie müssen dann zwar nicht Ihre einge­zahlten Beiträge zurück­zahlen, sondern nur die staatliche Förderung. Aber wenn Sie fest vorhaben, die EU zu verlassen, macht ein Riester-Vertrag wohl keinen Sinn für Sie.

Riester­vertrag still­legen

Moderator: Kommen wir zu unserer letzten Frage im heutigen Chat.

Schnuppsel60: Ich bin Anfang 50, habe einen erwachsenen Sohn, für den ich noch bis Mai 2014 Kinder­geld erhalte. Außerdem bewohne ich eine selbst genutzte Eigentums­wohnung, finanziert über eine klassische Annuitäten­finanzierung. Ich würde gerne den Riester­vertrag still­legen und das dadurch gesparte Geld dann in meine erhöhte Tilgung stecken. Ist das sinn­voll?

Jörg Sahr: Grund­sätzlich ist die Schuldentilgung eine gute Geld­anlage, weil sie eine relativ hohe Zins­ersparnis bringt. Dafür brauchen Sie nicht auf Zulagen und Steuer­vorteile aus der Riester-Förderung zu verzichten. Wenn die Zins­bindung Ihres Darlehens endet, können Sie für die Anschluss­finanzierung ein zertifiziertes Riester-Darlehen aufnehmen. Außerdem haben Sie ab dem kommenden Jahr die Möglich­keit, Ihr Guthaben aus einem bestehenden Riester-Vertrag zur Schuldentilgung zu verwenden, spätestens am Ende der Zins­bindung oder schon vorher als Sondertilgung, wenn das laut Kredit­vertrag möglich ist.

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