Riester-Bauspar­verträge im Test Test

Mit den Toptarifen aus unserem Test sichern sich Bausparer schon heute eine güns­tige Finanzierung fürs Eigenheim.

Auf den ersten Blick scheint Bausparen heute völlig uninteres­sant zu sein. Die Sparzinsen sind kläglich. Viele Kassen nehmen mehr Gebühren, als sie Zinsen zahlen. Und für das spätere Bauspardarlehen verlangen sie zwar nied­rige Kreditzinsen, die heutigen Immobilien­kredite vieler Banken sind aber billiger.

Doch der Schein trügt. Nie war Bausparen so attraktiv wie heute. Die nied­rigen Zinsen für das Bauspardarlehen sind garan­tiert – auch wenn der Bausparer sein Darlehen erst in zehn Jahren abruft und die Zinsen am Kapitalmarkt bis dahin dreimal so hoch sein sollten wie heute. Diese Sicherheit bietet kein anderes Finanz­produkt.

Die schlechte Verzinsung in der Spar­phase fällt dagegen nicht mehr so stark ins Gewicht. Banken bieten zurzeit auch nicht viel höhere Zinsen.

Bausparen ist daher eine gute Wahl für Sparer, die sich nied­rige Zinsen für ihre künftige Finanzierung sichern wollen. Haben sie Anspruch auf die staatliche Riester-Förderung Riester-Rente - schnell erklärt, geht das am besten mit einem Riester-Bauspar­vertrag. Durch Zulagen und Steuer­vorteile sparen Riester-Bausparer mehr Eigen­kapital an als mit einem unge­förderten Vertrag. Sie kommen mit einem kleineren Kredit aus, können ihn schneller tilgen und sparen Zinsen. Und seit Anfang des Jahres können sie ihren Riester-Vertrag auch für eine Umschuldung oder einen alters­gerechten Umbau einsetzen.

Wüstenrot erneut Testsieger

Finanztest hat die besten Riester-Tarife anhand von vier Modell­kunden ermittelt, die in 7 bis 15 Jahren ein Eigenheim planen (Tabellen Modell­fall 1 bis 4 und Riester-Bauspartarife im Überblick). Wie in den beiden Vorjahren schneidet Wüstenrot am besten ab. Ihr Tarif RC/FX steht zweimal an der Spitze und einmal auf dem zweiten Platz.

Gute Riester-Tarife bieten aber auch die Alte Leipziger, die Deutsche Bausparkasse Badenia und die Bausparkasse Mainz. Markt­führer Schwäbisch Hall konnte sich zumindest in einem Modell­fall unter die Top Drei mischen.

Welcher Tarif am besten ist und welche Sparraten und Bausparsummen optimal sind, hängt stets von den Zielen der Bausparer ab. Finanztest erklärt deshalb Schritt für Schritt, wie sie zum maßgeschneiderten Vertrag kommen.

Erster Schritt: Fördervoraus­setzungen prüfen

Sinn hat ein Riester-Bauspar­vertrag nur für Sparer, die Anspruch auf die Riester-Förderung haben Riester-Rente - schnell erklärt. Sie dürfen den Vertrag außerdem nur für eine Immobilie einsetzen, die sie auf Dauer selbst nutzen.

Gefördert wird der Bau oder Kauf eines Eigenheims, ein alters­gerechter Umbau oder die Entschuldung der eigenen Immobilie durch die Ablösung eines bestehenden Kredits. Vermietete Immobilien, Ferien­häuser oder herkömm­liche Sanierungs- und Modernisierungs­arbeiten sind von der Förderung ausgeschlossen.

Ein Riester-Bauspar­vertrag lohnt sich außerdem nur für Bausparer, die recht sicher sind, dass sie ihre Eigenheimpläne verwirk­lichen und das güns­tige Bauspardarlehen nutzen können. Sonst bleibt ihnen nur ein schlecht oder mäßig verzinster Spar­vertrag.

Zweiter Schritt: Sparrate fest­legen

Zwei Eckpunkte sollten Bausparer fest­legen, bevor sie Angebote einholen: den Zeit­punkt, zu dem sie Guthaben und Darlehen für ihre Finanzierung voraus­sicht­lich benötigen, und die Sparrate, die sie monatlich zahlen wollen.

Die Sparrate ergibt sich bei Riester-Verträgen vor allem aus den Förderregeln. Die meisten Kunden schöpfen die Förderung optimal aus, wenn sie den steuerlich geförderten Höchst­betrag einzahlen. Das sind jähr­lich 2 100 Euro abzüglich der ihnen zustehenden Riester-Zulage.

Beispiel maximale Einzahlung. Ein Sparer ohne Kinder verdient 40 000 Euro brutto im Jahr. Er kann 154 Euro Zulage bekommen und zusätzlich 530 Euro Steuern sparen, wenn er seine Riester-Einzahlungen steuerlich geltend macht. Dafür muss er 1 946 Euro (2 100 minus 154) im Jahr einzahlen, das sind 162,17 Euro im Monat.

Eine Ausnahme gilt für Sparer, die wenig verdienen oder so hohe Kinder­zulagen erhalten, dass ihnen der Riester-Vertrag keine oder nur geringe Steuer­vorteile bringt. Sie zahlen am besten nur so viel Geld ein, wie nötig ist, um die volle Zulage zu bekommen. Dieser Mindest­eigenbeitrag liegt bei 4 Prozent des Brutto­einkommens des Vorjahres, abzüglich der Zulage.

Beispiel Mindest­einzahlung. Ein Allein­stehender mit einem Kind (2008 geboren) und jähr­lich 20 000 Euro Brutto­einkommen muss nur 346 Euro im Jahr oder rund 29 Euro im Monat einzahlen. Dafür bekommt er 454 Euro Zulagen.

Er könnte darüber hinaus noch einen kleinen Steuer­vorteil von 64 Euro erzielen – müsste dafür aber 1 300 Euro zusätzlich einzahlen. Das lohnt sich nicht, weil er diesen Betrag plus Zinsen im Renten­alter versteuern müsste.

Dritter Schritt: Bauspar­angebote einholen

Von mindestens drei güns­tigen Bausparkassen aus unserem Test sollten sich Sparer Angebote einholen. Bei der Auswahl orientieren sie sich an den Ergeb­nissen für den Modell­fall, dessen Zeitplan ihrem Vorhaben am nächsten kommt (Tabellen Modell­fall 1 bis 4 und Tabelle Riester-Bauspartarife im Überblick).

Sparrate und gewünschte Zuteilung geben sie vor, möglichst auch ungefähr die Monats­rate, die sie später maximal für das Bauspardarlehen zahlen wollen. Aufgabe der Bausparkassen ist es, die Bausparsumme so zu berechnen, dass sie pünkt­lich zur Verfügung steht und der Kunde aus seiner Spar­leistung ein optimales Darlehen heraus­holt.

Zu jedem ordentlichen Angebot gehört ein Spar- und Tilgungs­plan. Daraus geht hervor, wann der Vertrag voraus­sicht­lich zugeteilt wird, wie viel der Kunde bis dahin anspart, wie hoch das Darlehen ist und welche Rate dafür zu zahlen ist.

Vierter Schritt: Spar- und Tilgungs­pläne vergleichen

Ob ein Angebot auf die Ziele des Bausparers zuge­schnitten ist, lässt sich meist schon an zwei Kriterien erkennen:

  • Die Bausparsumme wird zeit­nah zum geplanten Bau oder Kauf zugeteilt. Das vermeidet eine längere und eventuell teure Zwischen­finanzierung.
  • Die Bewertungs­zahl des Vertrags liegt zum Zuteilungs­termin nur knapp über der von der Bausparkasse berechneten Zielbe­wertungs­zahl, die der Vertrag mindestens erreichen muss. Die Bewertungs­zahl ist eine Kenn­ziffer für die Spar­leistung des Bausparers (Grafik: Fahrplan für Bausparer). Ist sie viel höher als nötig, holt er aus seiner Spar­leistung weniger heraus, als der Tarif hergibt.

Schwieriger ist es, die Bauspar­angebote miteinander zu vergleichen. Es bringt nichts, nur die Spar- und Darlehens­zinsen, Gebühren und sons­tige Konditionen gegen­über­zustellen. Die nackten Tarifmerkmale sagen nichts darüber aus, ob ein Bauspar­angebot günstig oder ob es teuer ist. Entscheidend sind Höhe und Zeit­punkte aller Zahlungen, die sich aus den Spar- und Tilgungs­plänen ergeben.

Ein korrekter Vergleich ist nur mithilfe geeigneter Computer­programme möglich. Wer sich mit Bausparen etwas auskennt, kann dafür den Bausparrechner von Finanztest nutzen. Persönliche Unterstüt­zung beim Vergleichfinden Bausparer bei den Verbraucherzentralen. Eine neutrale Beratung − auch zu den Bedingungen der Riester-Förderung – ist vor Vertrags­abschluss ohnehin sinn­voll.

Fünfter Schritt: Vertrag abschließen

Vor der Unter­schrift unter den Bauspar­antrag sollten Sparer prüfen, ob die darin einge­tragene Tarif­variante und die Bausparsumme mit dem Angebot über­einstimmen. Am besten erteilen sie der Bausparkasse auch die Voll­macht, für sie jedes Jahr den Antrag auf Riester-Zulagen zu stellen.

Meist ist der Vertrag mit einem kosten­pflichtigen Abo für die Zeit­schrift der Kasse verbunden. Wer sie nicht will, muss sie oft ausdrück­lich ablehnen oder die Passage streichen – auch beim Testsieger Wüstenrot.

Sechster Schritt: Regel­mäßig über­prüfen

Riester-Bauspar­verträge müssen regel­mäßig gewartet werden. So müssen Sparer die Bausparkasse informieren, wenn sich die Voraus­setzungen für die Riester-Zulagen ändern, etwa wenn sie für ein Kind kein Kinder­geld mehr bekommen. Wer nicht den steuerlich geförderten Höchst­betrag einzahlt, sollte jedes Jahr prüfen, ob seine Einzahlungen ausreichen, um die volle Zulage zu erhalten.

Wichtig ist es auch, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob der Bauspar­vertrag an ein neues Sparziel angepasst werden muss. Das ist zum Beispiel nötig, wenn Bausparer früher als geplant bauen wollen. Die Zuteilung können sie beschleunigen, indem sie zum Beispiel eine Sonderzahlung leisten oder in eine Tarif­variante mit höherem Tilgungs­beitrag wechseln. Braucht der Bausparer das Geld später als geplant, ist es oft nötig, die Bausparsumme zu erhöhen.

Siebter Schritt: Bei Plan­änderung aussteigen

Wenn sich die Eigenheimpläne zerschlagen, ist es meist sinn­voll, den Vertrag aufzulösen. Bausparer können zwar weitersparen und ihr Guthaben in eine lebens­lange Geld­rente umwandeln lassen. Eine akzeptable Rente kommt aber allenfalls heraus, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt dauer­haft nied­rig bleiben und die Bausparkasse den nied­rigen Gutha­benzins um einen Bonus aufstockt Tabelle: Riester-Bauspartarife im Überblick.

Die meisten Bausparkassen zahlen aber nur kümmerliche 0,1 bis 1,0 Prozent Zinsen auf das Guthaben. Dann gibt es nur eine vernünftige Strategie: Das Geld auf einen rent­ableren Riester-Spar­vertrag über­tragen. Das ist mit einer Frist von maximal drei Monaten zum Quartals­ende möglich.

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