Riester-Bausparen: 3 :1 für Wüstenrot

Riester-Bausparen Test

In unserem Vergleich ist die Bausparkasse Wüstenrot in drei von vier Modell­fällen spitze. Dabei bietet ihr Tarif auf den ersten Blick noch nichts Besonderes.

Woran erkennt man einen guten Bauspar­tarif? Am guten Gesamt­ergebnis in unserem Test. Ohne so einen ausgeklügelten Vergleich haben Bausparer kaum eine Chance, gute Angebote zu erkennen. Dafür spielen zu viele Merkmale in einem Bauspar­tarif zusammen.

Viele Bausparer achten vor allem auf die Spar- und Darlehens­zins­sätze. Das liegt nahe – und führt doch in die Irre. In unserem Test der Riester-Tarife bieten die LBS Baden-Württem­berg und Ost mit 1,5 Prozent die höchsten Sparzinsen. Die LBS Bayern hat mit 2,75 Prozent den güns­tigsten Kreditzins. Die LBS Ost lockt mit der nied­rigsten Kreditrate. Schwäbisch Hall hat die kleinste Spanne zwischen Darlehens- und Gutha­benzins. Die Toptarife kommen aber von Wüstenrot, der Aachener und der Alten Leipziger.

Bis zu 1 500 Euro Unterschied

Auf den ersten Blick bieten die Spitzen­tarife nichts Besonderes (siehe Tabelle „Riester-Tarife im Überblick“). Doch in unseren Modell­fällen liegen sie rund 500 bis 1 500 Euro vor den schlechtesten Angeboten im Test. Und die sind sicher nicht die schlechtesten am Markt, denn viele Kassen drückten sich vor dem Test.

Tatsäch­lich können selbst Experten anhand der nackten Tarifmerkmale meist nicht entscheiden, ob ein Bauspar­vertrag günstig oder teuer ist. Neben den Zins­sätzen spielen mehr als ein Dutzend weitere Faktoren ein Rolle: Abschluss- und Konto­gebühren, Mindest­guthaben, Zuteilungs­fristen, die Höhe des Tilgungs­beitrags, Wahl­rechte des Bausparers und vieles mehr.

Der Tarif legt außerdem nur die Rahmenbedingungen fest. Die Qualität eines Angebots hängt auch davon ab, wie gut die Bausparsumme auf den Bausparer abge­stimmt ist. Ist sie viel zu hoch, taugt auch ein Vertrag in einem guten Tarif nichts.

In diesem Fall kann die Bausparsumme erst Jahre nach dem geplanten Bau oder Kauf zugeteilt werden. Der Bausparer braucht einen Zwischen­kredit.

Die vier Finanztest-Modell­fälle

Ob Top oder Flop – das zeigt sich beim Bausparen immer nur am konkreten Angebot. Finanztest hat sich deshalb von den Bausparkassen Angebote für vier Modell­kunden erstellen lassen.

Im Modellfall 1 plant der Sparer sein Eigenheim in sieben Jahren und im Modellfall 2 in zehn Jahren. Die monatliche Sparrate beträgt jeweils 150 Euro. Sie reicht aus, damit Sparer mit mindestens einem Kind die vollen Riester-Zulagen erhalten und außerdem den steuerlich absetz­baren Höchst­betrag (2 100 Euro im Jahr) ausschöpfen.

Im Modellfall 3 ist der Bau oder Kauf ebenfalls in zehn Jahren geplant. Der Sparer hat aber ein nied­riges Einkommen von 20 000 Euro brutto im Jahr. Er spart nicht mehr als nötig, um die maximale Zulage von jähr­lich 339 Euro für sich und sein Kind zu erhalten. Dafür reicht eine monatliche Sparrate von 40 Euro aus. Da er nur wenig Steuern zahlt, sind für ihn die möglichen Steuer­vorteile nicht so wichtig.

Im Modellfall 4 spart der Bausparer wieder monatlich 150 Euro. Der Bau oder Kauf des Eigenheims ist in 10 oder 15 Jahren geplant. Der Vorschlag der Bausparkasse soll daher auch für den Fall geeignet sein, dass der Bausparer nach zehn Jahren noch nicht baut und weiters­part.

Riester-Bank­sparplan als Maßstab

Maßstab für die Bewertung ist eine Finanzierung ohne Bauspar­vertrag: Dabei legt der Sparer sein Geld in einen Riester-Bank­sparplan mit einer Rendite von 1,50 Prozent an. Zum Bau- oder Kauf­termin setzt er das Guthaben als Eigen­kapital ein. Seinen Kreditbedarf deckt er komplett mit einem Hypothekendarlehen einer Bank zu einem Effektivzins von 5,25 Prozent.

Durch diesen Maßstab werden die Bauspar­angebote trotz der unterschiedlichen Bausparsummen, Tilgungs­raten und Lauf­zeiten vergleich­bar. Am besten sind die Angebote, mit denen der Bausparer gegen­über der reinen Bank­finanzierung am meisten Zinsen spart.

Niemand kann heute absolut sicher sein, ob er seine Eigenheimpläne verwirk­lichen wird. Deshalb berück­sichtigt unsere Bewertung auch den Nachteil, den der Bausparer hat, falls er doch kein Eigenheim finanziert. Der Nachteil geht je nach Modell mit 20 oder 30 Prozent in die Bewertung ein.

Wüstenrot Nummer 1 für Finanzierer

Klar die Nummer 1 für die künftige Haus­finanzierung ist die Bausparkasse Wüstenrot mit ihrem Riester-Tarif RB/FX, den es ab einer Bausparsumme von 50 000 Euro gibt. Bausparer profitieren hier nicht nur von einem nied­rigen Kreditzins­satz (2,80 Prozent), sondern auch von einem im Verhältnis zu den Sparbeiträgen besonders hohen Darlehen.

Das zahlt sich aus. In unserem Modellfall 2 beispiels­weise (Bau oder Kauf in zehn Jahren) gibt der Wüstenrot-­Kunde im Vergleich zum Bank­sparplan 2 250 Euro weniger Zinsen für seine Finanzierung aus – in heutigem Geld­wert ausgedrückt. Gegen­über den Angeboten der anderen Kassen im Test spart er rund 800 bis 1 300 Euro.

Anders sieht es aus, wenn der Bausparer seine Eigenheimpläne aufgibt. Dann geht es ihm bei Wüstenrot wie bei den meisten anderen Kassen: Ihm bleibt nur ein schlecht verzinster Spar­vertrag. Da Wüstenrot nur 0,5 Prozent Zinsen pro Jahr zahlt, ist der Zins­verlust gegen­über einem guten Riester-Bank­sparplan sogar besonders hoch.

Aachener gut für Unent­schlossene

Bausparer mit nur vagen Eigenheimplänen sollten sich deshalb eher für die Aachener Bausparkasse oder Schwäbisch Hall entscheiden. Beide zahlen einen Zins­bonus, wenn der Bausparer kein Darlehen nimmt und sein Guthaben auf einen anderen Riester-Vertrag über­trägt oder bis zur Rente weiter spart.

Dadurch bekommen die Sparer in unseren Modell­fällen auf ihren Bauspar­vertrag mehr Zinsen als auf einen Bank­sparplan mit einer Rendite von 1,5 Prozent. Bei diesen Bausparkassen können Bausparer deshalb am wenigsten falsch machen. Egal, ob sie später bauen oder nicht: Mit ihrem Vertrag liegen sie nie ganz daneben.

Dieser Artikel ist hilfreich. 167 Nutzer finden das hilfreich.