Gefördertes Bausparen bleibt erste Wahl, um sich gegen steigende Kreditzinsen abzu­sichern. Doch das Angebot schrumpft.

Bausparen ist seit Jahren die beliebteste Riester-Sparform. Doch die Kritik an der staatlich geförderten Alters­vorsorge hat auch im Geschäft der Bausparkassen Spuren hinterlassen: Die Zahl der Riester-Bausparer stieg im vergangenen Jahr nur noch um 127 000. Ein paar Jahre zuvor war der Anstieg noch mehr als doppelt so hoch.

Auch das Angebot schrumpft. Aachener Bausparkasse, Alte Leipziger und Bausparkasse Mainz haben den Vertrieb ihrer Fördertarife einge­stellt. Debeka, Deutscher Ring und Signal Iduna hatten bei Wohn-Riester gar nicht erst mitgemacht.

Riester-Bausparen weiter attraktiv

Ein Riester-Bauspar­vertrag bleibt dennoch erste Wahl für Sparer, die mittel- bis lang­fristig in die eigenen vier Wände ziehen wollen. Auf ihre Sparraten bekommen sie zwar nur klägliche Zinsen. Dafür sichern sie sich schon heute einen güns­tigen Kredit für ihre Finanzierung. Die Option auf das Darlehen bietet hand­feste Vorteile:

  • Der Zins­satz für das Bauspardarlehen von meist 2,0 bis 2,5 Prozent ist garan­tiert – auch wenn der Bausparer sein Darlehen erst in zehn Jahren abruft und die Zinsen am Kapitalmarkt bis dahin dreimal so hoch sein sollten wie heute. Keine andere Sparform bietet diese Sicherheit.
  • Mit einem Bauspar­vertrag brauchen Immobilienkäufer nur ein geringeres Darlehen von einer Bank. Dadurch wird die Gesamt­finanzierung oft güns­tiger.
  • Riester-Bausparer profitieren von staatlichen Zulagen und oft von zusätzlichen Steuer­vorteilen – sowohl für die Sparraten als auch für die Tilgung des Bauspardarlehens (So nutzen Bausparer die Förderung). Durch die Förderung können sie mehr Eigen­kapital ansparen und ihren Kredit schneller zurück­zahlen. Obwohl sie die geförderten Beträge im Alter versteuern müssen, bleibt unterm Strich ein ordentliches Plus.

Testsieger Schwäbisch Hall

Finanztest hat die besten Riester-Tarife für Sparer ermittelt, die in sieben oder zehn Jahren den Bau oder Kauf einer Immobilie planen (Tabelle Riester-Bauspartarife). Klarer Testsieger ist Schwäbisch Hall. Der Markt­führer belegt in unseren drei Modell­fällen gleich zweimal den ersten und einmal den zweiten Platz.

LBS Ost, Deutsche Bank Bauspar und LBS Saar schafften es in jeweils zwei Modell­fällen unter die Top 3.

Die Spitzenreiter profitieren allerdings von der Schwäche der Konkurrenz. Mehrere Riester-Tarife, die in unserem Vergleich vor zwei Jahren vorne lagen, werden heute nicht mehr angeboten (Finanztest 12/2015). Die Alte Leipziger hat ihre Riester-Tarife komplett einge­stellt. Wüstenrot und LBS Bayern haben die alten Tarife durch neue ersetzt, die für Sparer nicht mehr so attraktiv sind wie die alten. Dadurch rutschten andere Bausparkassen in der Rangliste nach oben.

Gebühren höher als Sparzinsen

Eines zeigt der Test deutlich: Die Zeiten, in denen sich Bausparen auch als reine Geld­anlage lohnte, sind endgültig vorbei. Die meisten Bausparkassen zahlen auf das Guthaben nur noch kümmerliche 0,10 Prozent Zinsen im Jahr. Im Gegen­zug kassieren sie eine Abschluss­gebühr von 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, die in den ersten fünf Jahren mit den Sparraten verrechnet wird. Dazu kommt meist noch eine Jahres­gebühr von 12 bis über 20 Euro, die zumindest in der Spar­phase fällig wird.

Alle Bausparkassen im Test verlangen bis zur Zuteilung mehr Gebühren, als sie an Zinsen zahlen. Bausparer haben daher am Ende der Spar­zeit weniger auf dem Konto als zum Beispiel auf einem Riester-Bank­sparplan mit einer Verzinsung von 1 Prozent. Für Sparer, die – wie im Modell­fall 2 – zehn Jahre lang den geförderten Höchst­betrag von 2 100 Euro einzahlen, summiert sich der Nachteil auf 1 552 bis 1 870 Euro.

Vorteil bei steigenden Zinsen

Damit sich Riester-Bausparen trotz mick­riger Sparzinsen lohnt, müssen zwei Voraus­setzungen erfüllt sein:

  • Der Sparer setzt den Vertrag später tatsäch­lich für die Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie ein, kann also das Darlehen und die Riester-Förderung für seine Finanzierung nutzen.
  • Die Zinsen steigen. Nur dann wäre das zins­feste Bauspardarlehen güns­tiger als ein Bank­darlehen, dessen Zins­satz von der Zins­entwick­lung am Kapitalmarkt abhängt.

Die Zins­ersparnis gegen­über einem Bank­darlehen muss außerdem hoch genug sein, um die schlechte Verzinsung in der Spar­phase mindestens auszugleichen. Unterm Strich wird sich Bausparen nur lohnen, wenn das Zins­niveau in den kommenden Jahren um mindestens 1 bis 2 Prozent­punkte steigt.

Ob das so kommt, kann niemand zuver­lässig voraus­sagen. Als Versicherung gegen steigende Zinsen bleibt Bausparen aber eine gute Wahl für Sparer, die recht sicher sind, dass sie ihre Eigenheimpläne verwirk­lichen.

Unser Rat

Riester-Vertrag. Wenn Sie in einigen Jahren ein Eigenheim bauen oder kaufen möchten, ist ein Riester-Bauspar­vertrag erste Wahl. Sie sichern einen Teil Ihrer Finanzierung gegen steigende Zinsen ab und profitieren von staatlicher Förderung. Bausparen lohnt aber nur, wenn Sie später wirk­lich finanzieren.

Testsieger. Holen Sie von güns­tigen Bausparkassen Angebote für Ihren Spar­wunsch ein. Spitzenreiter im Test sind SchwäbischHall, LBSOst, Deutsche BankBauspar und LBS Saar.

Plan. Lassen Sie sich einen Spar- und Tilgungs­plan erstellen. Achten Sie darauf, dass der Vertrag etwa zu der Zeit zugeteilt wird, zu der Sie bauen oder kaufen wollen. Möchten Sie einen Kredit ablösen, muss der Vertrag spätestens zum Ende der Zins­bindung zugeteilt sein.

Rechner. Mit unserem Bausparrechner können Sie Angebote mit und ohne Riester-Förderung vergleichen.

Warten auf die Zuteilung

Dreh- und Angel­punkt beim Bausparen ist der Zuteilungs­termin. Das ist der Zeit­punkt, ab dem der Sparer über die vereinbarte Bausparsumme – sie besteht aus seinem angesparten Guthaben und dem Bauspardarlehen – verfügen kann.

Vor der Zuteilung muss der Bausparer je nach Tarif ein Mindest­guthaben von 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme ansparen. Außerdem muss sein Vertrag eine ausreichend hohe Bewertungs­zahl, die sogenannte Zielbe­wertungs­zahl, erreichen.

Die Bewertungs­zahl ist eine Kenn­ziffer, mit der die Bausparkassen an monatlichen oder vierteljähr­lichen Stich­tagen die Spar­leistung ihrer Bausparer bewerten. Erst wenn der Sparer an einem Stichtag sowohl das Mindest­guthaben als auch die Zielbe­wertungs­zahl erreicht, kann er wenige Monate später mit der Zuteilung rechnen (Fahrplan für Bausparer).

Bausparsumme muss passen

Für Bausparer ist es wichtig, dass die Bausparsumme zumindest ungefähr zu dem Zeit­punkt zur Verfügung steht, an dem sie das Geld für den geplanten Bau oder Kauf benötigen. Erfolgt die Zuteilung nur wenige Monate später, ist das nicht weiter schlimm. Die Zeit lässt sich mit einem Zwischen­kredit von der Bausparkasse oder einer Bank ohne größeren Aufwand über­brücken.

Ein Zwischen­kredit über mehrere Jahre kann die Finanzierung aber erheblich verteuern. Das gilt gerade für den Fall steigender Zinsen – ein Szenario, vor dem der Bauspar­vertrag eigentlich schützen soll.

Bausparer sollten daher nur Angebote einholen, bei denen der Vertrag zeit­nah zum Wunsch­termin zugeteilt werden kann. Die passende Bausparsumme kann die Bausparkasse anhand der gewünschten Sparrate und der geplanten Spardauer berechnen.

Ob das Angebot zu ihren Zielen passt, über­prüfen Sparer am besten anhand eines Spar- und Tilgungs­plans, den sie sich von der Bausparkasse aushändigen lassen. Daraus geht hervor, wie viel sie einzahlen müssen, wann die Bausparsumme voraus­sicht­lich zugeteilt wird, wie hoch das Guthaben dann ist und welche Rate sie bis zur Schuldentilgung für das Bauspardarlehen aufbringen müssen.

Zuteilungs­termin nicht garan­tiert

Mit einer Unsicherheit müssen Bausparer auch bei den besten Bauspar­angeboten leben: Der Zuteilungs­termin ist nicht garan­tiert. Er hängt nicht nur von ihrem Spar­verhalten, sondern auch von der Geschäfts­entwick­lung der Bausparkasse ab - etwa von den einge­henden Sparbeiträgen und der Zahl der Bausparer, die ihr Darlehen bean­spruchen. Deshalb dürfen Bausparkassen keine festen Termine zusagen.

Ihre Zuteilungs­prognosen bieten trotzdem eine gute Orientierung. Die Warte­zeiten der Bausparkassen sind seit vielen Jahren stabil. Und vor Kurzem hat die Bundes­bank bescheinigt, dass auch bei abrupt steigenden Zinsen nicht mit längeren Zuteilungs­fristen für Bausparer zu rechnen sei.

Optimale Sparrate bestimmen

Die richtige Sparrate hängt bei Riester-Verträgen vom Einkommen und der Zahl der Kinder ab. Um die Zulagen auszuschöpfen, muss ein Sparer jähr­lich mindestens 4 Prozent seines renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens des Vorjahres abzüglich der ihm zustehenden Zulagen einzahlen.

Vor allem Gutverdiener und Sparer ohne Kinder können zusätzlich oft noch Steuer­vorteile erzielen. Für sie ist es meist am besten, wenn sie – inklusive Zulage – den geförderten Höchst­betrag von 2 100 Euro im Jahr einzahlen (Beispiele So nutzen Bausparer die Förderung).

Nur ein Teil der Finanzierung

Eines sollte Sparern klar sein: Für die Haus­finanzierung ist ein Riester-Bauspar­vertrag nur ein kleiner Baustein. In aller Regel benötigen sie zusätzlich ein Bank­darlehen.

Außerdem wird das Riester-Guthaben kaum als Eigen­kapital reichen. Für eine solide Finanzierung brauchen Immobilienkäufer ein Eigen­kapital in Höhe von mindestens 10 bis 20 Prozent des Kauf­preises zuzüglich sämtlicher Neben­kosten, zum Beispiel für Grund­erwerb­steuer, Maklerprovision, Notar- und Grund­buch­kosten.

Zahlt ein Sparer den geförderten Höchst­betrag von jähr­lich 2 100 Euro in seinen Riester-Bauspar­vertrag, hat er nach zehn Jahren rund 20 000 Euro Guthaben auf dem Konto. Das reicht mitunter nicht einmal für den Makler.

Tipp: Ob mit oder ohne Riester-Förderung: Viele Informationen, Tests und Tipps rund ums Bausparen finden Sie auf unserer Themenseite Bausparen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 36 Nutzer finden das hilfreich.