Riester-Bank­sparpläne Wie Sie Riester-Kosten vermeiden

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Kunden mit Riester-Bank­sparplan werden zum Renten­beginn sehr hohe Kosten in Rechnung gestellt. Das sollten sie sich nicht gefallen lassen.

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Erst kassiert die Versicherungs­gesell­schaft

Endlich in Rente. Doch bevor die erste Zahlung der Riester-Rente kommt, kassiert die Versicherungs­gesell­schaft Abschluss­kosten und „übrige Kosten“. So ist es bei Cäcilia Breu, so ist es bei anderen Kundinnen mit einem Riester-Banksparplan. Denn auch bei so einem Sparplan kommt am Ende immer eine Versicherung mit ins Spiel – entweder sofort bei Renten­beginn oder ab dem 85. Geburts­tag, nach Ablauf des vorgeschalteten Bank­auszahl­plans.

Riester-Bank­sparpläne - Wie Sie Riester-Kosten vermeiden
Gegen „exorbitant“ hohe Kosten. Cäcilia Breu wehrt sich mit einer Beschwerde beim Ombuds­mann der Volks- und Raiff­eisen­banken. © Petra Homeier

Abschluss­kosten auf einen Schlag abge­zogen

Banken zahlen das Vorsorgever­mögen als Einmalbeitrag in eine Renten­versicherung. Davon ziehen die Versicherungs­gesell­schaften gleich einen größeren Betrag für Kosten ab, obwohl dies die Bedingungen der ursprüng­lichen Riester-Verträge nicht hergeben. Erst kurz vor Renten­beginn gibt es eine Information über diese Kosten – oder auch erst nach Beginn der Riester-Rente. Bei Cäcilia Breu waren es knapp 599 Euro für „Abschluss- und Vertriebs­kosten“ plus rund 270 Euro für „übrige einkalkulierte Kosten“. Dies entspricht 5,8 Prozent des von Breu angesparten Vorsorgever­mögens, das ihre Raiff­eisen­bank bei der R+V einge­zahlt hat. Dazu kommen noch laufende Verwaltungs­kosten in der gesamten Renten­lauf­zeit. Ulrich Veltgens, Kunde der Volks­bank Gronau-Ahaus, bekam bei Renten­beginn 2018 ebenfalls auf einen Schlag 5,8 Prozent Kosten abge­zogen.

Auch künftige Rentner betroffen

So geht es auch künftigen Rentnern: Rainer Gilbert, der einen Riester-Bank­sparplan bei der Kreissparkasse Kaisers­lautern hat, soll mit Renten­beginn im Juli 6 Prozent vom Angesparten an die Versicherungs­kammer Bayern zahlen. Bei diesem Versicherer schließt die Kreissparkasse für ihre Riester-Kunden eine Renten­versicherung ab. Pro 100 Euro gezahlter Rente fallen zudem noch 1,75 Euro Verwaltungs­kosten an – über die gesamte Renten­lauf­zeit.

Klatsche vom Schlichter: Kosten „exorbitant hoch“

Alle drei Oben­genannten haben bei ihrer Bank Wider­spruch gegen diese Kosten einge­legt. Finanztest-Abonnentin Breu hat sich nach der Ablehnung beim Ombudsmann der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken beschwert. Sein Schlichtungs­vorschlag ist eine Klatsche für Raiff­eisen­bank und R+V: „Abschluss- und Vertriebs­kosten in Höhe von 598,93 Euro stellen meines Erachtens den wirt­schaftlichen Sinn des Alters­vorsorgever­trages ernst­haft in Zweifel. Sie sind nach meiner Einschät­zung exorbitant hoch“, schreibt Ombuds­mann Gerhard Götz.

Auch für die „einmalig übrigen kalkulierten Kosten“ findet er klare Worte: „Einmal abge­sehen davon, was sich hinter dem Sprach­monster ‚einmalig übrige einkalkulierte Kosten‘ über­haupt verbirgt, gibt der Alters­vorsorgever­trag für den Anfall solcher Kosten nichts her, nicht einmal ansatz­weise.“ Bei Veltgens gab die Volks­bank Gronau-Ahaus gleich nach und erstattete ihm und weiteren Kunden die Abschluss­kosten. Die Kreissparkasse Kaisers­lautern stellte sich jedoch bei Gilbert und anderen Kunden stur.

Klatsche vom Gericht: Klausel unwirk­sam

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat die Kreissparkasse Kaisers­lautern und andere Geld­institute verklagt. Die Land­gerichte in Kaiserslautern, Dortmund und München gaben der Verbraucherzentrale recht. Die Abschluss­kostenklausel in den Riester-Bank­sparplan­verträgen sei „völlig unbe­stimmt“ und „unwirk­sam“, so das Land­gericht München. Doch die Sparkassen prozessieren weiter – womöglich bis zum Bundes­gerichts­hof.

Kosten bei Vertrags­schluss nicht absehbar

Bei unseren Tests der Angebote konnten wir uns seiner­zeit nicht vorstellen, dass bei Beginn des Auszahl­phase diese hohen Kosten anfallen. So heißt es etwa in den Bedingungen der Sparkasse West­holstein: „Für den Alters­vorsorgever­trag VorsorgePlus werden während der gesamten Vertrags­lauf­zeit keine [im Original fett gedruckt] Abschluss- und Vertriebs­kosten… berechnet. Im Falle der Vereinbarung einer Leib­rente in der Auszahlungs­phase wird der Sparer ggf, mit angemessenen Abschluss- und/oder Vermitt­lungs­kosten belastet.“

„Abschluss- und Vertriebs­kosten werden nicht berechnet“

Diese und ähnlich lautende Kosten-Klauseln wurde inzwischen von mehreren Land­gerichten als intrans­parent und damit ungültig kassiert. Im Vertrag der Volks­bank Gronau-Ahaus heißt es schlicht: „Abschluss- und Vertriebs­kosten werden für den Alters­vorsorgever­trag nicht berechnet.“ Diese Bank in West­falen erstattet die Abschluss­kosten nach den Erfahrungen unserer Leser denn auch unkompliziert, wenn sie sich beschweren.

Klauseln werden zu „Hinweisen“ umge­deutet

Andere Geldhäuser sind nicht so kundenfreundlich. In ihrer Kommunikation mit den Kunden berufen sich Sparkassen inzwischen gar nicht mehr auf die Kosten-Klauseln in den ursprüng­lichen Bank­sparplan-Verträgen. So schreibt die Sparkasse West­müns­terland an Kunden, es handele sich gar nicht um Klauseln, sondern lediglich um unver­bindliche „Hinweise“.

Kunden erfahren Kosten erst nach Renten­beginn

Sparkassen berufen sich nun auf das Alters­vorsorgever­träge-Zertifizierungs­gesetz, das eine Kosteninformation spätestens drei Monate vor Beginn des Auszahl­phase vorsieht. Davon wussten die Kunden bei Vertrags­beginn jedoch noch nichts. Und selbst kurz vor der Rente bleiben Kunden im Ungewissen. So schreibt die Sparkasse Kaisers­lautern ihrem Kunden Rainer Gilbert: „Die Auszahl­phase ist jedoch … mit Kosten verbunden. Diese haben wir Ihnen in unseren Angeboten vom 17.05.2022 ausdrück­lich, wie gesetzlich nach Alters­vorsorgever­träge-Zertifizierungs­gesetz vorgeschrieben, offen gelegt.“ Diese Kostendar­stellung bekam der Kunde den Unterlagen zufolge allerdings andert­halb Monate später als gesetzlich vorgeschrieben. Denn die geplante Rente sollte am 1. Juli 2022 beginnen.

Andere Kunden haben nach eigenen Angaben von Bank oder Versicherungs­gesell­schaft nie eine Kostendar­stellung bekommen. So haben Riester-Sparer Heike und Uwe Helbig ebenso wie Willi Komes erst im Nach­hinein von den Kosten erfahren: Durch die bei Riester vorgeschriebene Bescheinigung der Bank fürs Finanz­amt über die Höhe des Vorsorgekapitals (Paragraf 92 Einkommensteuergesetz). Dort wurden die Kosten erwähnt.

Leser­aufruf – Schreiben Sie uns!

Welche Erfahrungen haben Sie als Kundin oder Kunde mit einem Riester-Bank­sparplan kurz vor oder in der Renten­phase gemacht? Haben Sie sich über die Abschluss- und Vertriebs­kosten beschwert – bei der Finanz­aufsicht Bafin, Ihrer Bank, bei der Beschwerde­stelle Ihrer Bank? Schildern Sie uns bitte Ihre Erfahrungen: Schi­cken Sie eine E-Mail an riestervertrag@stiftung-warentest.de! Mit Ihren Daten gehen wir selbst­verständlich sorgfältig um.

Mehr zu den Beschwerde­stellen der Banken lesen Sie in unserem Special Schlichtung und Mediation (Tabelle „Schlichtungs­einrichtungen der Banken im Über­blick“).

Das Geld bleibt in der „Familie“

Dabei ist völlig unklar, wofür die Kunden eigentlich zahlen sollen. Die Banken schließen den Versicherungs­vertrag direkt für den Kunden ab. Vermitt­lerprovisionen dürften also nicht anfallen. Auch andere Aufwendungen des Versicherers fallen weg. Zudem können sich die Kunden die Versicherungs­gesell­schaft nicht aussuchen. Zwar haben sie das Recht, zu einem anderen Versicherer zu wechseln, doch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weiß von keinem Unternehmen, das Kunden kurz vor Renten­beginn annimmt. So bleibt das Geld in der „Familie“: Die R+V gehört zur Finanz­gruppe der Volks- und Raiff­eisen­banken. Die Versicherungs­kammer Bayern ist Teil der Sparkassen-Finanz­gruppe. Auch andere Sparkassen und Volks­banken schließen Verträge bei Versicherern ihrer jeweiligen Finanz­gruppe ab.

Sprach­lose Sparkassen

Wir haben 18 Sparkassen und Volks­banken, deren Kunden uns nach den Kosten gefragt hatten, ange­schrieben. Nur die Hälfte hat geant­wortet. „Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihre Fragen nicht beant­worten werden“, teilte uns die Sprecherin der Sparkasse Günzburg-Krumbach mit. Acht weitere Geld­institute antworteten nicht einmal. Dabei wollten wir nur wissen, bei welcher Versicherung die jeweilige Bank einen Versicherungs­vertrag abschließt, wie die Kunden seiner­zeit bei Abschluss des Bank­sparplans über die Kosten informiert wurden und wie sie darüber jetzt vor Renten­beginn in Kennt­nis gesetzt worden sind.

Gleichlautende Antworten

Sparkassen sowie Volks- und Raiff­eisen­banken nutzen zum Teil dieselbe Sprach­regelung für Ihre Antwort. So antworteten die Sparkasse Kaisers­lautern und die VR Bank Fulda wort­gleich: „Dem Kunden wird bei Über­gang in die Verrentungs­phase ein Angebot unterbreitet, welches gesetzes­konform alle Kosten ausweist. Die Kundin/der Kunde hat das Wahl­recht, das Angebot anzu­nehmen oder zu diesem Zeit­punkt einen Anbieter­wechsel vorzunehmen.“ Dabei wissen wohl auch die Geld­institute, dass ein solcher Anbieter­wechsel praktisch nicht möglich ist, weil wechselwil­lige Kunden kein Alternativ­angebot bekommen. Dies ist Markt­versagen bei der Riester-Rente.

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Lampensepp am 23.07.2022 um 18:36 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.07.2022 um 12:30 Uhr
Riester-Fondssparverträge

@cctfer: Auch Riester-Fondssparplan-Sparende sollten überprüfen, ob sich im ursprünglichen Vertrag zum Riester-Fondssparplan eine Klausel befindet, die den zusätzlichen Anfall von Abschluss- und Verwaltungskosten zu Beginn / während der Auszahlphase erlaubt. Kostenpositionen, die dort nicht genannt wurden, sollten Riester-Sparende zurückfordern. Denn bei den Riester-Verträgen dürfen alle Anbieter nur Kosten in Rechnung stellen, auf die sie im Vertrag hingewiesen haben.

cctfer am 12.07.2022 um 10:50 Uhr
Gilt das nur für Banksparpläne?

Vielen Dank für Ihre Recherchen. Man sollte doch meinen, dass Sparkassen, die dem Gesetz nach einen öffentlichen Auftrag haben, zumindest antworten.

Verstehe ich es richtig, dass die Zusatzkosten nur für Bank­sparpläne anfallen können, und die von Ihnen empfohlenen Fondssparpläne (die man ja direkt mit der Versicherung abschließt) nicht davon betroffen sein können? Mir wurde seinerzeit ein Produktinformationsblatt gereicht, in dem hoffentlich inkl. Auszahlphase alle Kosten erfasst sind.