Riester-Banksparpläne Test

Thorsten Grasemann hat einen Riester-Banksparplan bei einer weitentfernten Sparkasse abgeschlossen. Das klappte über die Post gut.

Sie eignen sich für fast jeden Sparer, denn sie verbinden staatliche Förderung mit sicheren Zinserträgen. Doch zwischen guten und schlechten Riester-Banksparplänen liegen am Ende leicht über 10 000 Euro.

Thorsten Grasemann hatte reiflich überlegt, ehe er zum Jahresende 2007 einen Riester-Vertrag abschloss. Er entschied sich für einen Banksparplan. Die Fondssparpläne waren ihm zu undurchsichtig, an den Versicherungen störten ihn die hohen Anfangskosten und die mangelnde Flexibilität. Da steckt der 31-jährige Entwicklungsingenieur seine Raten lieber in einen Sparplan mit sicherer Verzinsung.

In der Tat sind Riester-Banksparpläne für viele die einfachste und gleichzeitig beste Lösung. Der Sparer zahlt Monat für Monat in einen Sparplan, dessen Verzinsung flexibel ist und sich am allgemeinen Zinsniveau orientiert. Der Kunde ist sofort im Plus und erhält einen sicheren Wertzuwachs zusätzlich zur staatlichen Förderung.

Weiterer Vorteil: Der Sparer kann kurzfristig aussteigen, wenn er das Geld für die Riester-Finanzierung einer Immobilie benötigt. Kursverluste oder hohe Umstiegskosten muss er, von seltenen Ausnahmen abgesehen (siehe Spalten „Kosten bei Produktwechsel“ in der „Tabelle Riester-Banksparpläne“), nicht fürchten.

Nahe am Finanztest-Mustervertrag

Wie viel ein Sparplan letztlich abwirft, hängt vom Vertrag ab. Die Banksparplan-Idee ist gut, die Umsetzung nicht immer.

Grasemann hat mit dem Sparplan der Sparkasse Günzburg-Krumbach eine erstklassige Wahl getroffen. Im aktuellen Test bietet dieses Produkt erneut die besten Renditeaussichten unter den bundesweiten Angeboten. Mit den schlechtesten Sparplänen verschenken Kunden mehr als 1 Prozent pro Jahr. Bei längerer Spardauer sind das über 10 000 Euro (siehe „Tabelle Was beim Riester-Sparen herauskommt“).

Finanztest hat 60 Riester-Banksparpläne geprüft und dabei große Unterschiede in der Verzinsung ermittelt. Was ein Sparplan am Ende genau bringen wird, wissen auch wir nicht. Dafür sagen wir genau, wie ein bestimmter Sparplan im Direktvergleich mit seinen Konkurrenten abschneiden wird.

Als Maß dient der Renditeabstand zu einem Mustervertrag, den Finanztest für diesen Riester-Vergleich entwickelt hat. Der Mustervertrag ist so gestrickt, dass der Sparer die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen ohne Abzug von Kosten erhalten würde.

Da die Bank an ihm keinen Cent verdienen würde, gibt es diesen vorbildlichen Riester-Sparplan in der realen Finanzwelt nicht. Nicht einmal die Bank für Kirche und Caritas, die für ihre Schäfchen einen hervorragenden Sparplan im Programm hat, kennt so viel Nächstenliebe. Einen kleinen Verdienst gönnt sie sich schon.

Die besten regionalen und überregionalen Anbieter, allen voran die Sparkasse Günzburg-Krumbach und die Kreissparkasse Kelheim, haben jedoch vor allem bei langen Laufzeiten einen sehr geringen Renditeabstand zum Mustervertrag.

Die Zinsregeln beachten

Die tatsächliche Rendite eines Riester-Sparplans hängt von der künftigen Zinsentwicklung ab. Entscheidend ist nicht das Zinsniveau zu Vertragsbeginn, sondern gegen Ende der Laufzeit. Dann liegen große Summen im Sparplan, und eine Hochzinsphase würde die Gesamtrendite über die Laufzeit gewaltig nach oben hieven.

Alle Sparpläne im Test reagieren auf aktuelle Zinserhöhungen und -senkungen – allerdings mit sehr unterschiedlichem Zeitversatz. Um die Art der Anpassung zu verstehen, müssen sich Riester-Kunden wohl oder übel mit dem sogenannten Referenzzins befassen. Darunter versteht man einen unabhängigen Maßstab, der eine regelmäßige Anpassung des Vertragszinses an die aktuelle Zinslandschaft ermöglicht.

Einige Banken, darunter viele Volksbanken, nehmen als Referenzzins die Umlaufrendite. Sie bildet täglich das Zinsniveau von Bundeswertpapieren unterschiedlicher Laufzeiten ab. Diese Sparpläne passen sich Zinssteigerungen oder -senkungen sehr schnell an. In der Regel wird der Zins vierteljährlich überprüft und sofort angepasst. Im Moment ist die Umlaufrendite wie das allgemeine Zinsniveau sehr niedrig.

Vor allem ältere Riester-Berechtigte sind bei diesem Sparplan-Typ dennoch gut aufgehoben. Angesichts der geringen Laufzeit ihrer Verträge ist eine gut kalkulierbare Referenz wichtig. Und selbst für den Fall, dass die Zinsen noch ein paar Jahre auf dem extrem niedrigen Niveau verharren sollten, entsteht ihnen allenfalls ein kleiner Nachteil.

Die meisten Anbieter, zum Beispiel viele Sparkassen, setzen aber nicht auf die Umlaufrendite als Referenz, sondern wählen komplizierte Mischungen aus kurz- und längerfristigen Zinsen. Erschwerend kommt hinzu, dass fast jedes Institut seinen eigenen Zinscocktail zusammengemischt hat. Normalsterbliche haben keine Chance, diese Referenzen zu kontrollieren.

Riester-Sparer müssen das auch nicht und können ohne weiteres einen Vertrag abschließen, dessen Referenzzins sie nicht bis ins Detail verstehen. Sie sollten aber wissen, dass Sparpläne, die nicht an die Umlaufrendite oder einen anderen tagesaktuellen Referenzzins gebunden sind, auf Zinsveränderungen sehr träge reagieren.

Wenn die Zinsen irgendwann einmal nach oben schießen sollten, würde sich das bei ihnen erst viele Monate oder sogar Jahre später deutlich bemerkbar machen.

Dafür belohnen Sparpläne dieser Art den Sparer für seine Beharrlichkeit. Mit der Spardauer werden steigende Bonuszinsen gewährt. Gut ein Drittel der untersuchten Verträge garantiert zusätzlich einen Bonus am Ende der Ansparphase. Aus heutiger Sicht haben solche verschachtelten Sparpläne langfristig oft bessere Renditeaussichten als ihre Umlaufrendite-Konkurrenten. Gerade für junge Sparer wie den erst 31-jährigen Grasemann sind sie deshalb erste Wahl.

Verträge aus der Ferne abschließen

Was gut für den Kunden ist, stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den Anbietern. Riester-Banksparpläne sind gut für den Kunden, und trotzdem haben sich die großen deutschen Geldhäuser diesem Riester-Produkt von Anfang an verweigert, vermutlich, weil es ihnen zu wenig abwirft.

So teilen sich fast ausschließlich Sparkassen und Genossenschaftsbanken das Geschäft, allerdings alles andere als flächendeckend. In großen Teilen Ostdeutschlands gibt es keine Angebote vor Ort.

Wer gerne einen Riester-Banksparplan abschließen möchte, muss sich dann eben an eine ortsfremde Bank wenden und die Formalitäten per Post erledigen. Das ist unbequem, aber auch nicht so kompliziert, wie manche meinen.

Den Antrag muss ohnehin jeder Riester-Sparer ausfüllen, und die Vorlage des Personalausweises in einer Postfiliale sollte kein unüberwindliches Hindernis darstellen. Die Bank schickt dem Sparer normalerweise schon nach einigen Tagen die Vertragsunterlagen zu.

Gute Neuzugänge

Erfreulicherweise gibt es in diesem Test auch ein paar „neue“ Riester-Verträge, die wir guten Gewissens empfehlen können. Die Volksbanken Nordmünsterland und Siegerland landeten mit ihren Banksparplänen auf Anhieb in den Top 10 der überregionalen Angebote. Dort steht jetzt auch die Sparkasse Lünen, nachdem sie die anfängliche Zinsdifferenz zur Referenz zugunsten des Kunden eingedampft hat.

Dagegen konnte die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch ihren dritten Platz aus dem Vortest nicht verteidigen, weil sie ihre Bonuszinsen gesenkt hat. In diesem wie in allen anderen Fällen gilt: Altverträge genießen Bestandsschutz.

Bisher erschienen:

Riester-Bauspartarife
Riester-Angebote mit Fonds
Riester-Rentenversicherungen.

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