Riester-Bank­sparpläne Test

Die aktuellen Minizinsen sollten Sparer nicht schre­cken. Mit einem guten Riester-Bank­sparplan liegen sie immer noch richtig.

Weniger als 1 Prozent Verzinsung – wie soll daraus eine vernünftige Rente entstehen? Der Blick auf den Start­zins vieler Riester-Bank­sparpläne ist in der Tat wenig ermutigend. Doch auf lange Sicht bieten sie gute Chancen auf eine attraktive Zusatz­rente. Das gilt vor allem für die Top-Produkte aus unserem Test von 84 Riester-Sparplänen.

Die Spitzen­angebote stammen fast alle von kleinen Sparkassen und Genossen­schafts­banken aus der Provinz. Die erste Geige spielen ausnahme­weise Orte wie Rade­vorm­wald, Ennepetal, Paderborn und Wadersloh.

Nied­rigzins belastet Alters­vorsorge

Riester-Sparer, die den Abschluss eines Bank­sparplans wegen der Minizinsen scheuen, sollten bedenken: Entscheidend für die Höhe ihrer späteren Rente sind nicht die Zinsen von heute, sondern die künftigen Zinsen, wenn schon viel Geld in ihrem Sparplan liegt.

Außerdem betrifft das historisch nied­rige Zins­niveau nicht nur die Sparpläne, sondern auch alle anderen Formen der sicheren Alters­vorsorge. Nur dass bei den Sparplänen jeder sofort sieht, was Sache ist.

Eine Renten­versicherung, die heute abge­schlossen wird, hat keineswegs bessere Perspektiven. Zwar liegt ihr garan­tierter Zins mit 1,75 Prozent höher als der Start­zins der meisten Bank­sparpläne, aber die Garantie bezieht sich nur auf das, was nach Abzug aller Kosten von den Einzahlungen übrig bleibt. Die tatsäch­lich garan­tierte Rendite auf alle Einzahlungen liegt in vielen Fällen unter 1 Prozent.

Bei Riester-Bank­sparplänen gibt es keine versteckten Kosten, sondern allenfalls geringe Konto­führungs­gebühren. Der ausgewiesene Zins fließt fast unge­schmälert dem Sparer zu. Der größte Vorteil dieses Riester-Produkts ist es, dass man keinen großen Fehler machen kann, wenn man es abschließt.

Selbst Unent­schlossene, die noch keine klaren Vorstel­lungen von ihrer weiteren Lebens­planung haben, riskieren mit einem Riester-Bank­sparplan nichts. Sollten sie ihre Pläne ändern und den Sparplan nicht weiter besparen oder sogar vorzeitig auflösen, erleiden sie keinen finanziellen Nachteil.

Den Kunden, die den Sparplan bis zum Ende durch­halten, ist bis zum Beginn der Auszahlung ohnehin eine ordentliche Rendite sicher. Dafür sorgt schon die staatliche Förderung: Zur Grund­zulage von 154 Euro pro Jahr kommen jähr­lich 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind und 185 Euro für jedes ältere Kind. Für Gutverdiener sind die Steuererspar­nisse für ihre Einzahlungen sogar noch attraktiver als die Zulagen (siehe „Riesterförderung im Überblick“ im Test von Riester-Bauspar­verträgen aus Finanztest 11/2012).

Finanztest misst Zins­abstand

Natürlich wollen auch die Anbieter von Bank­sparplänen an ihren Produkten verdienen. Das tun sie, indem sie den Zins, den sie selbst am Markt erzielen, nicht voll an den Sparer weitergeben.

Finanztest hat eine Qualitäts­kenn­ziffer entwickelt, um diese Differenz zu ermitteln: den Rendite­abstand zu einem Musterspar­vertrag (siehe „So haben wir getestet“). Je geringer der Abstand, desto besser ist der jeweilige Sparplan.

Unsere Methode funk­tioniert, weil Banken sich bei variabel verzinsten Sparplänen an Regeln halten müssen. Sie dürfen die Zinsen nicht will­kürlich senken, sondern müssen sich an einem nach­voll­zieh­baren Referenzzins orientieren. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Banken neue Kunden mit kurz­fristigen Top-Zinsen in lang­fristig unattraktive Verträge locken. Steigt der Referenzzins, muss auch der Zins des Bank­sparplans steigen.

Zwischen den besten und schlechtesten Bank­sparplänen unseres Tests liegt ein Rendite­abstand von mehr als 1,5 Prozent­punkten. Das klingt unspektakulär, hat aber große Auswirkungen auf das Endvermögen, das später für die Rente bereit­steht.

Mehr als 11 000 Euro Unterschied

Legt man das nied­rige aktuelle Zins­niveau zugrunde, bringen die besten Sparpläne bei Monats­raten von 150 Euro nach 15 Jahren rund 3 600 Euro mehr als die schlechtesten Angebote, nach 25 Jahren sind es sogar 11 200 Euro. Bei einem höheren Zins­niveau fiele der Unterschied sogar noch größer aus.

Sparer sollten sich aber nicht von hohen Anfangs­zinsen blenden lassen. Der Start­zins ist nur ein Merkmal von vielen, deren Folgen wir durch unseren Vergleich mit einem Mustersparplan berück­sichtigen. Die untersuchten Sparpläne lassen sich in zwei Grund­typen einteilen, in Angebote mit und ohne Bonus.

Bei den Sparplänen ohne Bonus handelt es sich über­wiegend um Angebote von Volks- und Raiff­eisen­banken mit sehr einfachem Strick­muster. Ihre Verzinsung richtet sich nach der Umlaufrendite, einem anerkannten Zins­barometer für Bundes­wert­papiere unterschiedlicher Lauf­zeit.

Am jüngsten Anpassungs­termin, dem 15. August, stand die Umlaufrendite bei 1,2 Prozent. Die Verzinsung vieler daran geknüpfter Sparpläne lag ein halbes Prozent darunter. Die vierteljähr­liche Anpassung sorgt dafür, dass die Sparpläne jeweils auf der Höhe des Zins­geschehens sind. Vor zehn Jahren betrug die Umlaufrendite übrigens noch mehr als 5 Prozent.

Moment­aufnahme täuscht

Einige Sparpläne, wie die der VR-Banken Coburg und Rostock, fallen aus der Reihe. Sie ziehen nicht eine feste Marge von der Umlaufrendite ab, sondern geben einen bestimmten Prozent­satz der Umlaufrendite an den Sparer weiter.

In Phasen extrem nied­riger Zinsen wirkt das attraktiv. Wenn zum Beispiel die VR-Bank Coburg 20 Prozent von der Umlaufrendite abzieht, entspricht das derzeit nur 0,23 Prozent­punkten. Im Durch­schnitt der vergangenen zwanzig Jahre lag die Marge jedoch bei 0,88 Prozent­punkten. Da Finanztest keine Moment­aufnahme bewerten will, rechnen wir mit dem lang­fristigen Durch­schnitt.

Sparkassen belohnen Treue

Die meisten von Sparkassen angebotenen Riester-Bank­sparpläne sehen zurzeit besser aus als die an die Umlaufrendite gekoppelten Sparpläne. Als Referenz nehmen sie oft kombinierte Zins­reihen, die weit in die Vergangenheit zurück­reichen und das aktuelle Zins­niveau noch nicht voll widerspiegeln. Entsprechend höher sind bei ihnen die aktuellen Start­zinsen.

Sparer, die diesen Vorteil mitnehmen, sollten aber bedenken, dass sie im Falle einer Zins­wende das Nach­sehen haben. Während die Umlaufrendite-Sparpläne jeden Anstieg kurz­fristig mitmachen, würden die Produkte mit träge reagierenden Referenzzinsen den neuen Trend nur gedämpft und mit Verzögerung weiterreichen.

Die meisten Sparkassen­verträge enthalten außerdem Bonus­regelungen, die für lange Treue belohnen und die Rendi­teerwartung oft deutlich aufpeppen. Wer 25 oder gar 35 Jahre dabeibleibt, profitiert von ansteigenden Zinstreppen, oft auch von Schluss­boni auf alle Einzahlungen.

Solche Rege­lungen sind mitunter sehr attraktiv, gehen aber zulasten der Flexibilität. Muss ein Kunde zum Beispiel nach 15 Jahren seinen Vertrag unerwartet auflösen, hat er zwar sicher mehr, als er einge­zahlt hat. Er verliert mit dem Schluss­bonus aber einen erheblichen Teil der Rendite.

Drei Exoten ohne Bewertung

Wie schon in früheren Unter­suchungen gibt es einige Angebote, die nicht in unser Bewertungs­schema passen. Das muss nicht heißen, dass sie schlecht sind.

Den Sparplan der Berliner Bau- und Wohnungs­genossenschaft von 1892 halten wir sogar für ein interes­santes Angebot. Er bindet seine Verzinsung an den Garan­tiezins für Lebens­versicherungen, der zurzeit 1,75 Prozent beträgt. Die Berliner Baugenossen zahlen im Moment sogar freiwil­lig den alten höheren Zins von 2,25 Prozent. Diesen Zins reichen sie ohne Abschlag weiter und legen regel­mäßige Bonuszah­lungen drauf.

Für dieses exotische Konstrukt können wir keine Qualitäts­kenn­ziffer berechnen. Der Garan­tiezins ist ein politisch beein­flusster Zins, der sich nicht kalkulieren lässt.

Dennoch können Sparer den Sparplan beruhigt abschließen. Die Konditionen sind fair und im aktuellen Vergleich attraktiv. Die fehlende lang­fristige Kalkulier­barkeit ist gerade für ältere Sparer kein Problem.

Nicht so klar ist die Sache bei den Sparplänen der Stadt­sparkassen Freuden­berg und Hilchenbach. Hier konnten wir den Rendite­abstand nicht berechnen, weil beide gerade dabei sind, sich einen neuen Referenzzins zu suchen. Die Qualität dieser Sparpläne lässt sich derzeit nicht bewerten.

In Heft 10 waren Riester-Rentenversicherungen im Test, in Heft 12 sind es Verträge mit Fonds (siehe auch www.test.de/thema/riester-rente).

Dieser Artikel ist hilfreich. 119 Nutzer finden das hilfreich.