Riester-Auszahlung: Riester-Sparer sucht Rente

Bank­sparplan-Kunden müssen für die Auszahlung ihrer Riester-Rente nicht bei ihrer Bank bleiben. Es gibt Alternativen.

Die gesetzliche Rente bekommt Reinhold Karl schon. Auf seine Riester-Rente wartet der 62-Jährige noch. Genauer gesagt: Er wartet auf ein gutes Angebot für die Auszahlung seines Riester-Bank­sparplans, den er im Jahr 2003 bei der Mainzer Volks­bank abge­schlossen hat.

Karl hat die Wahl: Entweder er bleibt mit seinem Geld bei der Mainzer Volks­bank und nimmt eines der beiden Angebote von der Bank und ihrem Versicherungs­partner R+V an. Oder er wechselt mit dem Ersparten zu einer anderen Bank, zu einem Versicherer oder einer Fonds­gesell­schaft seiner Wahl.

Banken und Sparkassen bieten ihren Riester-Bank­sparplan­kunden zwei Varianten:

  • einen Bank­auszahl­plan, an den sich ab dem 85. Lebens­jahr eine lebens­lange Renten­versicherung anschließt, für die gleich zu Beginn Kapital beiseitegelegt wird, und
  • eine sofort beginnende Renten­versicherung (Sofortrente).

Über die Versicherungs­gesell­schaft entscheidet in beiden Fällen die Bank. Sie schließt für ihren Kunden einen Vertrag ab.

Doch Karl will lieber selbst nach weiteren Alternativen suchen. Der Chemiker und IT-Fachmann denkt zum Beispiel über eine Sofortrente bei einer anderen Versicherungs­gesell­schaft nach, womöglich käme auch ein Fonds­auszahl­plan infrage (mehr zu den Fonds in Finanztest 12/2012). Allerdings gibt es für Kunden, die sich von ihrer Bank trennen wollen, bisher nur sehr wenige Angebote auf dem Markt. „Ich habe noch keinen Anbieter gefunden“, sagt Karl.

Sofortrente bietet mehr Garan­tierente

Riester-Bank­sparpläne Test

So fließt die Riester-Rente.

Wir haben geprüft, was auf dem Markt ist, und vor allem die Auszahl­pläne und Versicherungs­angebote der Banken mit ihren Versicherungs­part­nern gefunden. Die Sofortrenten bieten oft höhere monatliche Zahlungen als die Auszahl­pläne. Die sofort beginnenden Renten können außerdem nach und nach steigen, die jähr­liche Zins­ausschüttung zusätzlich zur monatlichen Auszahlung aus dem Bank­auszahl­plan wird dagegen eher sinken. Die Angebote der Banken unterscheiden sich deutlich.

Wir haben Angebote für einen 65-jährigen Kunden einge­holt, der mit einem Riester-Vertrag ein Kapital von 10 000 Euro angespart hat und am 1. Januar 2013 in Rente gehen möchte. Die Sofortrenten­tarife der Banken und Sparkassen mit einer Renten­garan­tiezeit von zehn Jahren bieten garan­tierte Monats­renten zwischen 35,60 Euro (viele Sparkassen) und gut 39 Euro (Mainzer Volks­bank). Renten­garan­tiezeit heißt in diesem Fall: Die Rente wird auf jeden Fall zehn Jahre lang gezahlt, auch wenn der Kunde in dieser Zeit sterben sollte. Dann fließt das Geld an die Hinterbliebenen.

Aus dem Auszahl­plan bekommt unser Modell­kunde eine monatliche garan­tierte Summe zwischen gut 29 Euro und 32 Euro. Hinzu kommen die jähr­lichen varia­blen Zins­erträge. Die Sparkassen zahlen etwas geringere Garan­tiebeträge als die Volks­banken. Sterben die Kunden, geht das Rest­kapital aus dem Auszahl­plan an die Erben.

Zins­betrag für Auszahl­plan sinkt

Mit einer garan­tierten Rate von gut 41 Euro fällt der Auszahl­plan der Mainzer Volks­bank aus dem Rahmen. Der Grund: Der Zins­satz liegt in der gesamten Auszahl­phase bei garan­tierten 3 Prozent und geht in dieser Höhe in die Monats­rente ein.

Der feste Zins­satz ist eine Ausnahme. Bei den anderen Sparkassen und Banken ist der Zins auf das angesparte Kapital an einen varia­blen Referenzzins gebunden – ähnlich wie in der Anspar­phase (siehe „Unser Rat“). Die Zinsen werden üblicher­weise am Jahres­ende in einer Summe ausgezahlt – zusätzlich zur Monats­rate. Diese Zins­ausschüttung sinkt bis zum 85. Lebens­jahr, weil das Kapital im Bank­auszahl­plan immer weniger wird.

Ab dem 85. Geburts­tag schließt sich an jeden Auszahl­plan eine Renten­versicherung an. Dafür legt die Bank schon vor Beginn des Auszahl­plans einen Teil der angesparten 10 000 Euro zurück. Je nach Angebot werden davon zwischen 2 307 Euro (Angebot ohne Beitrags­rück­gewähr der VR Geno­bank Fulda) und 3 073 Euro (Angebot mit Beitrags­rück­gewähr der Mainzer Volks­bank) für die Rente ab 85 abge­zweigt.

Die Volks­banken zahlen dieses Geld in der Regel beim Versicherer R+V ein. Er gehört zur Volks­banken-Finanz­gruppe. Die Sparkassen arbeiten mit der Provinzial oder der Versicherungs­kammer Bayern zusammen. Sie sind Teil der Sparkassen-Finanz­gruppe.

Teure Renten­garan­tiezeit

Bei der sofort beginnenden Rente, also der Variante ohne Auszahl­plan, machen fast alle Sparkassen nur ein Versicherungs­angebot mit einer obliga­torischen Renten­garan­tiezeit von 10 oder gar 18 Jahren. So lange zahlen sie die Rente auf jeden Fall.

Singles brauchen diesen Schutz für Hinterbliebene jedoch nicht und viele Verheiratete wollen ihn nicht. Denn er schmälert die Alters­rente.

Kunden sollten wählen dürfen, ob sie eine Renten­garan­tiezeit wollen oder nicht. Bei den meisten Volks­banken ist dies möglich. Die Kreissparkasse Köln macht nur ein Angebot mit 18 Jahren Renten­garan­tiezeit. Die garan­tierte Alters­rente beträgt dann auch nur gut 35 Euro. Die Sparda Bank Hamburg erreicht mit ihrer Sofortrente ohne Renten­garan­tiezeit dagegen fast 38 Euro im Monat.

Über­schüsse kommen jeweils oben­drauf. Bei einer „voll­dynamischen Rente“ gibt es anfangs eine geringere Rente, die im Laufe der Jahre steigt. Bei einem Bank­auszahl­plan kommt – je nach Zins­entwick­lung – nicht mehr so viel hinzu. Kunden sollten dies bedenken, bevor sie zwischen Auszahl­plan und Sofortrente wählen.

Viele wählen den Auszahl­plan

Die Mainzer Volks­bank liegt mit gut 39 Euro Garan­tierente (inklusive zehn Jahre Renten­garan­tiezeit) in unserer Stich­probe der Sofortrenten von Banken an der Spitze. Sie bekommt vom Versicherungs­partner R+V einen anderen Tarif als andere Volks­banken.

Die garan­tierte Rente aus ihrem Auszahl­plan ist mit mehr als 41 Euro noch höher. Doch diese Rente wird bis zum 85. Lebens­jahr um keinen einzigen Euro steigen. Dagegen kann der Kunde mit einer Sofortrente im fünften Jahr nach Renten­beginn auf eine Rente von knapp 45 Euro inklusive Über­schüsse hoffen. Und mit zunehmender Rentendauer hat er die Chance auf mehr.

Von den 266 Kunden der Mainzer Volks­bank, die eine Riester-Rente beziehen, haben sich dennoch nur 19 für eine Sofortrente entschieden, die große Mehr­heit für einen Bank­auszahl­plan. „Bank­sparplan-Kunden sind sehr sicher­heits­bewusst. Sie geben wenig auf prognostizierte Über­schuss­beteiligungen“, sagt Christiane Oschew­sky von der Mainzer Volks­bank.

Wenige Angebote der Versicherer

Kurios: Besser als der Sofortrenten-Tarif der R+V für ihren „Finanz­partner“ Volks­bank ist das Angebot für einen Kunden, der sich selbst umschaut. Gut 40 Euro Garan­tierente im Monat bekommt unser Modell­kunde, wenn er mit seinen 10 000 Euro in eigener Regie zur R+V wechselt und sich von ihr eine lebens­lange Rente auszahlen lässt. Knapp 40 Euro bekäme er von HanseMerkur und HanseMerkur24.

Wir haben nur diese drei Versicherer gefunden, die über­haupt eine Sofortrente zu Renten­beginn anbieten. Doch so richtig markt­reif sind auch deren Angebote offen­bar noch nicht. „Auch bei diesen Versicherern hatte ich keinen Erfolg“, sagt Riester-Sparer Karl. Er will noch weiter warten. Bis zum 65. Lebens­jahr hat er Zeit.

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