Riester-Banksparpläne: Nur die Rendite zählt

Bei einem Sparplan interessieren vor allem die Erträge. Doch Bonussysteme und Zinsstaffeln stiften Verwirrung.

Von der privaten Altersvorsorge wünschen sich Sparer vor allem eins: Berechenbarkeit. Entnervt durch die Dauerdebatten um die gesetzliche Rente, wollen sie bei ihrer Zusatzrente keinerlei Unwägbarkeiten.

Mit Riester-Banksparplänen liegen sie goldrichtig. Staatliche Zuschüsse und Steuervorteile sorgen automatisch für gute Renditen unabhängig von der eigentlichen Verzinsung des Sparplans. Wie viel ein Sparplan nach 15, 25 oder gar 35 Jahren erwirtschaftet, lässt sich nur grob abschätzen. Als Basis aller Berechnungen muss das aktuelle niedrige Zinsniveau herhalten. Sollte es in Zukunft wieder längere Hochzinsphasen geben, hätte das auch Einfluss auf die Rendite von langfristigen Sparplänen.

Mehr Transparenz

Obwohl also hinter den aktuellen Renditeerwartungen einige Fragezeichen stehen, wollte Finanztest nicht auf sie verzichten. Die absoluten Zahlen sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber sie bieten eine gute Möglichkeit, Sparpläne direkt miteinander zu vergleichen. Wir können und wollen nicht garantieren, dass der Sparplan der Kreissparkasse Hildesheim nach 35 Jahren tatsächlich 5,19 Prozent pro Jahr bringen wird. Aber wichtiger als die absolute Höhe ist der Vergleich zu anderen Angeboten. Und da bietet die Renditeerwartung auf Grundlage der aktuellen Zinskonditionen eine wertvolle Orientierung.

Der Vergleich mit unserem letztjährigen Test Riester-Banksparpläne zeigt zudem eine gewisse Kontinuität der Ergebnisse. Obwohl Verschiebungen in der Rangfolge der Anbieter nicht ausblieben, liegen die Spitzenreiter von damals auch jetzt noch gut im Rennen. So ist der letztjährige Renditeprimus, die Kreissparkasse Kaiserslautern, diesmal Dritter, und die Sparkasse Münsterland Ost liegt nach Rang 2 heute auf Rang 7. Die Kreissparkasse Hildesheim kletterte vom Mittelfeld an die Spitzenposition. Bei den Renditen für 25 und 35 Jahre war sie aber schon im Vorjahr vorn dabei. Das ebenfalls attraktive Angebot der Wüstenrot Bank wurde seit der letzten Veröffentlichung leider vom Markt genommen.

Basiszins als Lockvogel

Es ist verständlich, wenn der Sparer zunächst nur auf den so genannten Basiszins schielt. Das ist die Verzinsung, die er ab sofort auf seine Einzahlungen erhält. Eigentlich sollte es hier keine großen Unterschiede geben. Die aktuelle Spanne reicht jedoch von 1,4 bis 4 Prozent und das sogar bei Kreditinstituten, die demselben Verbund angehören.

Die Kreissparkassen Ludwigsburg und Pforzheim Calw locken gar mit einem Sonderzins von 6 Prozent. Der gilt aber nur bis Ende 2003. Intern kalkulieren die Pforzheimer, wie sie auf unsere Anfrage mitteilten, derzeit mit 2,5 Prozent. Dieser Wert ist auch Grundlage unserer Berechnungen. Die Kreissparkasse Ludwigsburg konnte keinen „echten“ kalkulatorischen Basiszins nennen und blieb in unserer Übersicht deshalb ohne errechnete Renditeerwartung.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Differenzen beim Basiszins auf Dauer so groß bleiben. Solange die Riester-Verträge noch jung sind und nur wenig Kapital in ihnen steckt, können die Anbieter mit den Zinsen klotzen, da es um geringe Beträge geht. Nach zwanzig Jahren Laufzeit wird ein deutlicher Aufschlag zum marktüblichen Zins für die Banken dagegen teuer. Das spricht für eine Annäherung des Basiszinsniveaus.

Wer einen Riester-Vertrag mit variablem Basiszins abschließt, hat jedoch keinerlei Gewähr dafür, wann, wie oft und wie deutlich der Basiszins geändert wird. Der Sparer kann nur hoffen, dass die Banken fair bleiben und Erhöhungen des allgemeinen Zinsniveaus ebenso an den Kunden weiterleiten wie eine Zinssenkung. Die Erfahrungen mit anderen Zinsangeboten geben hier allerdings wenig Anlass zu Optimismus.

Während eine Reihe von Banken den Basiszins seit dem 1. Januar 2002 trotz nachgebender Leitzinsen nicht verändert hat, reagierten andere Institute auf jede Änderung des allgemeinen Zinsniveaus mit hektischen Anpassungen. Spitzenreiter ist die Sparkasse Rhein-Nahe, die den Basiszins in knapp zwei Jahren 17-mal verändert hat.

Finanztest hält das Ignorieren aktueller Zinsentwicklungen ebenso für falsch wie ständiges Drehen an der Zinsschraube. Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel die Sparkasse Münsterland Ost: Drei Zinssenkungen um insgesamt 0,8 Prozent auf immer noch ansehnliche 3,4 Prozent das ist maßvoll und fair.

Nicht nur Gutes am Bonus

Obwohl wahrscheinlich alle Banken intern genau kalkulieren, wie sie auf eine Veränderung der Marktzinsen reagieren werden, teilen die meisten ihren Kunden die Bedingungen dafür nicht mit. Umso detaillierter dokumentieren sie die Zusatzleistungen. Kein Vertrag mit variablem Basiszins verzichtet auf Zinsstaffeln oder Bonusgutschriften. Es fällt den Banken leicht, sich hier großzügig zu zeigen, denn sie können eventuelle Wohltaten jederzeit über einen angepassten Basiszins wieder hereinholen.

Die meisten Sparkassen setzen auf Sparpläne mit variablem Basiszins und laufzeitabhängig steigendem Zinszuschlag. Manchmal gibt es auf die Summe der Einzahlungen auch noch einen Schlussbonus, dessen Höhe mit der Laufzeit wächst.

Auch bei vielen Genossenschaftsbanken gibt es die Kombination eines variablen Grundzinses mit Bonuszahlungen. Diese werden auf die jährliche Sparleistung gewährt und steigen schrittweise mit der Laufzeit des Vertrags. Die genauen Bonusbedingungen sind im Vertrag fest vereinbart. Als wären diese Modelle nicht schon komplex genug, staffeln einige Institute den Zins nach der Guthabenhöhe. Frei nach dem Motto: Wer viel spart, bekommt eher mehr.

Der Transparenz sind Bonussysteme nicht dienlich. Ein Laie kann unmöglich berechnen, welche Rendite bei seinem Sparplan nach Jahrzehnten herauskommt.

Besser mit Benchmark

Nicht nur aus diesem Grund hält ­Finanztest Sparverträge mit fest vereinbarten Zinskonditionen für die bessere Variante. Bei ihnen gibt es keine Zinstreppen und Boni, sondern einen Zins, der sich nach einer so genannten Benchmark, in diesem Fall der Umlaufrendite, richtet und vierteljährlich zur Mitte des Quartals angepasst wird.

Die Umlaufrendite ist ein Durchschnittswert aus den Renditen öffentlicher Anleihen und lag bei der letzten Anpassung am 15. August bei 3,92 Prozent. Die Umlaufrendite steht täglich im Wirtschaftsteil der Tageszeitung, sodass der Sparer jederzeit nachschauen kann.

Dennoch gibt es auch bei Sparplänen dieser Art bemerkenswerte Zinsdifferenzen. Das liegt an den unterschiedlich hohen Abschlägen zur Umlaufrendite. Während einige Anbieter ein halbes Prozent für ihre Bemühungen einbehalten, lassen sich die Groß Gerauer und die Nordthüringer Volksbank mit 1,25 Prozent honorieren.

Die vertraglich vereinbarte Marge ist für geschlossene Verträge bindend. Bei Neuverträgen können die Anbieter sie dagegen neu festlegen. So hatte etwa die Volksbank Nienburg mit einer ursprünglichen Marge von 0,5 Prozent offenbar zu knapp kalkuliert und sie auf 0,75 Prozent heraufgesetzt.

Die Volksbanken Hohenlohe und Montabaur-Höhr-Grenzhausen nehmen keine absolute, sondern eine prozentuale Differenz zur Umlaufrendite. Das ist bei einem niedrigen Zinsniveau zeitweise günstiger als ein fester Abschlag. Nicht aber, wenn die Zinsen stei­gen. Eine Umlaufrendite von 8 Prozent vorausgesetzt, würden die Hohenloher einen stolzen Abschlag von 2 Prozent kassieren. Tritt dieser Fall ein, wenn bereits viel Kapital im Sparplan vorhanden ist, macht sich das für den Sparer mitunter äußerst schmerzlich bemerkbar.

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