Interview: Hohen Basiszins sichern

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) dürfen variable Zinsen von Banksparplänen nicht beliebig gesenkt werden. Die Anbieter müssen eine Richtschnur nennen und sagen, wie die Zinsan­passung erfolgt. Der Finanzexperte Thomas Bieler ­erläutert die Folgen für Riester-Banksparpläne.

Finanztest: Bezieht sich das Zinsurteil auch auf Riester-Banksparpläne?

Bieler: Ja. Die meisten Verträge arbeiten mit unbestimmten Klauseln, wie sie der BGH beanstandet hat. Diese Klauseln müssen nachgebessert werden.

Finanztest: Sollte man den Sparplan nach einem hohen Basiszins auswählen?

Bieler: Ja. Der hohe Basiszins bleibt dem Sparer als Startvorteil erhalten. Auch nach Einführung einer Richtschnur muss der Sparer von dem ursprünglichen Zinsab­stand profitieren.

Finanztest: Was ist mit Altverträgen, die einen hohen Basiszins hatten, den die Bank inzwischen drastisch gesenkt hat?

Bieler: Wenn die Marktzinsen nicht so stark wie der Vertragszins gefallen sind, muss die Bank zu einem höheren Basiszins zurückkehren. Entscheidend ist der Zins bei Abschluss des Vertrags. Er bestimmt die Spanne zu dem Marktzins, den die Bank als Richtschnur (Benchmark) wählt. Im weiteren Vertragsverlauf muss der variable Vertragszins dann so fortgeschrieben werden, dass die Anfangsspanne zur Benchmark erhalten bleibt.

Finanztest: Sehen Sie die Gefahr, dass die Banken sich nun stärker bei den laufenden Verwaltungskosten schadlos halten?

Bieler: Da für die Kosten keine gesetzliche Regelung vorliegt, könnten die Banken dies in der Tat versuchen. Verbraucher sollten deshalb schon bei Vertragsschluss auf die Kosten im Falle eines vorzeitigen Anbieterwechsels achten. Nur wenn diese nicht zu hoch sind, kann der Sparer flexibel auf die Einführung oder Erhöhung von Verwaltungskosten reagieren.

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