Riester-Banksparpläne Test

Die besten Sparpläne verbinden maximale Sicherheit mit guter Rendite. Für viele Riester-Sparer sind sie ideal. Und wereinen schlechten Vertrag hat, kann leicht wechseln.

Sie stammen aus Günzburg, Pfullendorf, Höxter oder Heuchelheim. Vom Glanz der großen Finanzwelt sind sie Lichtjahre entfernt. Riester-Banksparpläne haben ihre Wurzeln in der deutschen Provinz, sie sind bodenständig und kreuzsolide.

Vor ein paar Jahren fanden das viele ­langweilig, aber in Zeiten internationaler Finanzkrisen wird der vermeintliche Makel zum dicken Pluspunkt.

Schade nur, dass viele Banken nicht mitspielen. Wie wir aus Zuschriften und Gesprächen mit unseren Lesern wissen, sind die Banken oft nur daran interessiert, die für sie lukrativeren Riester-Versicherungen zu verkaufen. Selbst Institute, die Banksparpläne im Programm haben, versuchen erst einmal, eine Versicherung an die Frau oder den Mann zu bringen.

Das Wohl des Sparers haben sie dabei kaum im Sinn, denn der ist mit einem Riester-Banksparplan oft besser bedient. Die Kosten dafür sind viel geringer, die Wertentwicklung ist leichter zu durchschauen und die Sparer können ohne weitere Kosten zwischendurch aussetzen.

Finanztest hat das Alterssparen mit Riester-Banksparplänen seit jeher empfohlen, aber auch stets darauf hingewiesen, dass es große Qualitätsunterschiede gibt. Die zeigen sich auch im aktuellen Test von 65 Sparplänen. Neben einer Reihe ausgezeichneter Produkte entdeckten wir ein paar, von denen Sparer die Finger lassen sollten.

Bestens bedient

Bedenkenlos zugreifen können Sparer bei der Sparkasse Günzburg-Krumbach. Unter den bundesweiten Anbietern hat sie für alle Laufzeiten die besten Renditeaussichten. Der zurzeit etwas magere Basiszins von 2,95 Prozent wird mittelfristig mit ziemlicher Sicherheit steigen und durch fest vereinbarte Bonuszinsen zusätzlich aufgepeppt.

Uneingeschränkt zu empfehlen sind auch die Sparpläne der Sparkassen Höxter, Schwerte und Pfullendorf-Meßkirch. Die Pfullendorfer haben ihren Sparplan nun enger an den Referenzzins angebunden, dessen Entwicklung für die Verzinsung maßgeblich ist. Damit sind sie in die Spitzengruppe aufgestiegen.

Mit den Spitzenreitern unseres Tests sind derzeit auf Sicht von 25 Jahren Renditen von etwa 4,5 Prozent pro Jahr realistisch. Die Kosten sind in dieser Rechnung bereits enthalten, die staatlichen Zulagen und Steuervorteile aber nicht. Der Sparer wird also wohl auf deutlich mehr Rendite kommen – ohne das geringste Risiko.

Wie viel am Ende tatsächlich herausspringt, lässt sich allerdings nicht genau vorhersagen, denn das hängt entscheidend von der künftigen Zinsentwicklung ab. Sollten uns wieder einmal längere Hochzinsphasen bevorstehen, sind deutlich höhere Sparplanrenditen möglich, als sich heute kalkulieren lässt.

Fast alle untersuchten Sparpläne sind an die allgemeine Zinsentwicklung gekoppelt. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist gar nichts anderes erlaubt.

Es soll verhindert werden, dass die Banken erst einmal Kunden mit hohen Zinsen anlocken, um in der Folgezeit in aller Stille abzukassieren. Das können sie recht einfach tun, wenn sie den anfangs gewährten Zins einem steigenden Zinsniveau nicht anpassen oder ihn gar senken.

Immer noch zu wenige Angebote

Unter den Spitzenreitern dieses Tests sind einige neue Namen, wie die Deutsche ­Skatbank, eine Zweigniederlassung der VR-Bank Altenburger Land, und die Volksbank Gronau-Ahaus. Für Riester-Willige ist es erfreulich, dass wir diesmal deutlich mehr Anbieter vorstellen können als im letztjährigen Test.

Am Grunddilemma ändern die neuen Angebote aber nichts. Die großen deutschen Finanzinstitute zeigen Riester-Banksparplänen nach wie vor die kalte Schulter. Im Extremfall müssen Interessierte durchs halbe Land telefonieren, um einen Vertrag abzuschließen.

In vielen Regionen Deutschlands gibt es keine einzige Bank, die einen Riester-Banksparplan anbietet. Aus Sicht der Banken mag das verständlich sein, denn an Sparplänen können sie nicht viel verdienen.

Ein Armutszeugnis ist diese Haltung dennoch. Schließlich wird dem Kunden der Zugang zu einer leicht verständlichen und kostengünstigen Sparform erschwert.

Ganz unterschiedliche Zinsregeln

Die Qualität eines Riester-Sparplans können Kunden kaum selbst beurteilen. Zu unterschiedlich sind die Produkte konstruiert, zu unterschiedlich sind ihre Referenzzinsen und Bonussysteme.

Auf den aktuellen Zinstrend reagieren nur die Sparpläne unmittelbar, die an einen tagesaktuellen Referenzzins gebunden sind. In der Regel handelt es sich um die Umlaufrendite, die börsentäglich das Zinsniveau von Bundeswertpapieren unterschiedlicher Laufzeiten abbildet.

Diese Sparpläne passen sich Zinssteigerungen oder -senkungen sehr schnell an. In der Regel wird der Zins vierteljährlich überprüft und gegebenenfalls verändert. Allen älteren Sparern, die bis zur Rente tendenziell steigende Zinsen erwarten, empfehlen wir deshalb gute Umlaufrendite-Sparpläne. Die finden sie zum Beispiel bei der Volksbank Gronau-Ahaus, der Deutschen Skatbank und der Mainzer Volksbank.

Die meisten Sparpläne sind nicht an die Umlaufrendite oder an einen anderen ­tagesaktuellen Zins gebunden. Sie passen sich schleppender an ein verändertes Zinsniveau an. Ihre Verzinsung bezieht sich nämlich auf Zinsmischungen, die für längere Zeiträume zurückgerechnet werden. Es können schon ein bis zwei Jahre vergehen, ehe ihr Zins nennenswert auf eine stärkere Zinserhöhung reagiert.

Dafür belohnen die Anbieter dieser Sparpläne treue Kunden mit Zinsstaffeln und mit zusätzlichen Bonuszahlungen für ihr Durchhaltevermögen. Je länger Sparer bei der Stange bleiben, desto höher ist ihre ­Rendite. Für Riester-Sparer jenseits der 50-Jahre--Schwelle sind solche Angebote meist weniger attraktiv als Sparpläne mit Bindung an einen tagesaktuellen Zins. Wer für die nächsten Jahre aber stabile oder gar fallende Zinsen erwartet, sollte auch als ­älterer Sparer zugreifen.

Mustersparplan als Maßstab

Finanztest hat ein Muster entworfen, an dem sich verschiedenartige Sparpläne messen lassen. Für unseren Direktvergleich ziehen wir einen Vertrag heran, den es in dieser Form nicht gibt, weil die Bank an ihm keinen müden Cent verdienen würde. Bei unserem Mustersparplan fließen die Sparraten in zehnjährige Bundeswertpapiere, ohne dass dafür Gebühren anfallen.

Für den Test ist es völlig egal, wie realistisch unsere Annahme ist. Hauptsache, die Messlatte ist für alle Sparpläne gleich.

Wir haben für alle Angebote im Test berechnet, wie stark ihre Rendite von der des Mustersparplans abweicht. Je geringer der Renditeabstand, desto besser ist es für den Sparer. In der Tabelle haben wir diese ­Prozentwerte für verschiedene Laufzeiten angegeben und nach einer Laufzeit von 15 Jahren sortiert.

In einigen wenigen Fällen ist der Renditeabstand sogar negativ. Gut für den Sparer, da er dann noch besser wegkommt als mit unserem an Idealbedingungen geknüpften Mustersparplan.

Wie einzelne Sparkassen so günstige Angebote unterbreiten können, bleibt ihr ­Geheimnis. Aber welcher Sparer wird sich schon beschweren, wenn man ihm optimale Konditionen bietet?

Vorsicht bei freiwilligen Zinsen

Vorsichtig sollten Sparer dagegen sein, wenn ein attraktives Angebot auf freiwilligen Leistungen der Bank beruht. Etliche Institute zahlen zurzeit einen höheren ­aktuellen Zins, als dem Sparer nach dem Vertrag zustehen würde.

Der Bank tut es nicht weh, für die anfangs recht geringen Sparplansummen einen Zinsaufschlag zu gewähren. Der Sparer hat allerdings keinerlei Anspruch darauf, dass das auf Dauer so bleibt.

Wir haben deshalb für unsere Berechnungen nur den Zins herangezogen, der vertraglich garantiert ist. Das gilt auch für den empfehlenswerten Sparplan der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch. Sie zahlt ihren Kunden zurzeit ein halbes Prozent mehr, als sie eigentlich müsste. Aber auch das garantierte Zinsniveau reicht in diesem Fall für einen Platz in der Spitzengruppe.

Wechseln ist einfach

Ganz vorne im Test findet sich nun auch die Sparkasse Schwerte, die ihre Konditionen seit unserem Test im vergangenen Jahr deutlich verbessert hat und mit einem viel geringeren Abstand zum Referenzzins kalkuliert. Den Startzins hat sie auf 3 Prozent angehoben – leider nur für Neuverträge. Altkunden, die ihren Vertrag vor dem 8. ­November 2007 abgeschlossen haben, ­behalten die schlechteren Konditionen und einen Basiszins von derzeit 2,19 Prozent.

Für Sparer, die mit ihrem Vertrag unzufrieden sind, ist es jedoch einfach, den Anbieter zu wechseln. Verluste müssen sie beim Umstieg nicht befürchten. Die Kosten für eine Kündigung sind meist überschaubar, üblich sind 50 bis 100 Euro.

Schlechtere Konditionen für Neukunden als bisher hat die Sparkasse Bamberg. Die Zinszuschläge, die sie ab dem sechsten Sparjahr gewährt, hat sie um jeweils 0,25 Prozent reduziert, und den Schlussbonus erhalten Neukunden erst ab dem zehnten Sparjahr. Altkunden sind von den Veränderungen nicht betroffen. Anders als bisher bietet die Sparkasse Bamberg ihren Sparplan auch nicht mehr bundesweit an.

Zwei Sparpläne konnten wir nicht bewerten, da sie nicht an einen Referenzzins gebunden sind. So lassen sich künftige Renditen nicht einmal annähernd kalkulieren. Die Volksbank Baumberge lockt mit 4,5 Prozent Startzins, dem höchsten aller Sparpläne im Test. Völlig ungewiss ist aber, wie sich der Zins in Zukunft entwickeln wird.

Ein Spezialfall ist der Sparplan der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Der Zins von zurzeit 3,25 Prozent orientiert sich am Zins laut Bürgerlichem Gesetzbuch – das aber unverbindlich. Nach jeweils fünf Jahren gibt es auf das bis dahin angesammelte Kapital 5 Prozent Bonus.

Da die Wohnungsbaugenossenschaft ihren Kunden den Zins für zehn Jahre zusichert, ergibt sich für diese Zeit eine Rendite von mehr als 4,5 Prozent. Allerdings müssen Interessierte der Genossenschaft beitreten, um den Sparplan zu bekommen. Wir würden ihn nicht empfehlen, denn es gibt genügend gute Sparpläne am Markt, die langfristig besser kalkulierbar sind.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1701 Nutzer finden das hilfreich.