Riester-Banksparpläne: Mit Zins und Bonus

Riester-Banksparpläne Test

Die meisten Banken bieten für Riester-Sparpläne einen Mix aus variablen Zinsen und mit der Laufzeit steigenden Boni. Klare Regeln über künftige Zinsänderungen gibt es selten.

Viel Neues haben sich Banken und Sparkassen für ihre Riester-Sparpläne nicht einfallen lassen. Ihre Vorsorgesparverträge sind fast alle nach altem Muster gestrickt: Der Sparer erhält einen variablen Basiszins, den die Bank jederzeit ändern kann. Dazu kommt ein Bonus, der mit der Laufzeit steigt.

Die Sparkassen (S-Vorsorge Plus) zahlen den Bonus meist ab dem 6. Jahr als Zinszuschlag. Er beginnt häufig mit 0,50 Prozent und steigt dann alle fünf Jahre um 0,25 bis 0,50 Prozent auf 1,50 Prozent ab dem 21. Sparjahr. Einige Sparkassen bessern das Kapital zu Rentenbeginn noch mit einem Schlussbonus auf, der von den gezahlten Beiträgen und von der Spardauer abhängt.

Viele Volks- und Raiffeisenbanken (VR-Rente Plus) zahlen den Bonus auf die jährliche Sparleistung. Diese nimmt mit der Laufzeit im Verhältnis zum Sparkapital immer mehr ab. Ein Bonus von 100 Prozent im 35. Jahr (Volksbank Gelsenkirchen-Buer) garantiert daher längst keine Spitzenrendite.

Rendite entscheidet

Von den unterschiedlichen Bonussystemen sollten sich Sparer nicht verwirren lassen. Entscheidend ist die Rendite des Sparplans bis zum Rentenbeginn.

Finanztest hat für verschiedene Sparzeiten jeweils die Rendite der Bonussparverträge ermittelt. Der Vergleich lohnt: Wer bei der Kreissparkasse Kaiserslautern abschließt und in zehn Jahren in Rente geht, kann mit einer Rendite von rund 6 Prozent rechnen. Die Volksbank Leipzig zahlt dagegen mit 2,4 Prozent kaum mehr als auf dem Sparbuch. Fast genauso hoch sind die Renditeunterschiede bei 25 und 35 Jahren. Gerade bei langen Laufzeiten haben sie hohen Einfluss auf die Zusatzrente.

Im Schnitt sind die Sparplanrenditen derzeit eher mäßig. Sparer haben aber die Chance, dass die Kapitalmarktzinsen steigen und ihre Bank dann den Vertragszinssatz anhebt. Verlassen können sie sich darauf nicht. Denn in den meisten Verträgen ist nicht geregelt, wann die Bank den Zinssatz erhöhen muss oder wann sie den Zinssatz senken darf.

Zinsanpassung ungewiss

Die Erfahrung mit variablen Sparzinsen zeigt: Zinssenkungen auf dem Kapitalmarkt geben Banken gerne sofort weiter. Von Zinserhöhungen profitieren Kunden dagegen oft nicht, nur verzögert oder nicht in vollem Umfang. Dieses Risiko gehen Anleger auch bei den meisten Riester-Sparplänen ein.

Auf die Frage nach dem Maßstab für künftige Zinsänderungen verwies zum Beispiel die Sparkasse Bochum lapidar auf ihre „geschäftspolitische Entscheidung“. Andere Sparkassen gaben zwar an, dass sie sich an der Entwicklung eines Mischzinses aus Kapital- und Geldmarktzinsen orientieren. Doch in ihren Verträgen steht dazu nichts.

Bankkunden bleibt die Hoffnung, dass die Gerichte willkürlichen Zinsänderungen einen Riegel vorschieben. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht bereits mit einer Musterklage gegen einseitige Zinsänderungen bei Sparplänen mit variablem Zins vor.

Vorsichtig sollten Sparer bei Lockangeboten mit hohem, aber befristetem Zinssatz sein. So garantiert die Kreissparkasse Reutlingen bis Ende 2003 einen Zins von 6 Prozent. Doch da die Riester-Beiträge und damit die verzinste Summe anfangs niedrig sind, springt für den Sparer nur ein Plus von wenigen Euro heraus. Völlig unklar ist, welchen Zins die Sparkasse ab 2004 zahlt. Wechselt der Kunde den Vertrag, weil er mit dem neuen Zins nicht zufrieden ist, kassiert das Institut 100 Euro Gebühr.

Umlaufrendite als Maßstab

Wer Unsicherheiten vermeiden will, ist besser mit einem Vertrag bedient, der die Zinsanpassungen eindeutig regelt. Klare Bedingungen bieten einige Volks- und Raiffeisenbanken. Sie zahlen dem Sparer stets einen Zinssatz in Höhe der Umlaufrendite öffentlicher Anleihen abzüglich einer festen Marge. Die Umlaufrendite wird täglich von der Bundesbank veröffentlicht. Jeweils zur Mitte eines Quartals, das nächste Mal also am 15. August, passen die Institute den Vertragszinssatz an.

Das ist klar, leicht zu überprüfen und bietet bei niedrigem Abzug auch gute Renditechancen. Denn die Umlaufrendite lag im Schnitt der letzten 20 Jahre immerhin bei 6,80 Prozent.

Diese Variante bieten aber nur 5 der 291 befragten Institute an. Und die besten Offerten sind begrenzt: Die Volksbank Wiesbaden, die nur einen halben Prozentpunkt von der Umlaufrendite abzieht und derzeit 4,65 Prozent zahlt, nimmt nur Kunden aus dem Einzugsgebiet. Den Sparplan der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn (Zinssatz 4,90 Prozent) gibt es zwar bundesweit, aber nur für Mitarbeiter kirchlicher und karitativer Einrichtungen.

Die jedermann zugänglichen Angebote aus der Stichprobe können dagegen wegen hoher Abschläge kaum empfohlen werden. So zwackt die Nordthüringer Volksbank eine Marge von 1,25 Prozent von der Umlaufrendite ab.

Niedrige Kosten

Da Banken ihre Kosten in den Zinssatz einkalkulieren, fallen während der Laufzeit meist keine Zusatzkosten an. Nur einige Volksbanken kassieren für die Verwaltung 10 bis 25 Euro im Jahr.

Weitere Kosten fallen derzeit meist nur bei einer Kündigung an. Die meisten Institute verlangen für den Umstieg zu einem anderen Riester-Vertrag 25 bis 100 Euro. Außerdem geht ein eventueller Schlussbonus, oft auch der Bonus des laufenden Jahres verloren.

Bei den Sparplänen sind aber nicht nur die Zinsen, sondern auch die Kosten variabel. Die Institute behalten sich Änderungen während der Laufzeit vor.

Verrentung noch mit Fragezeichen

Wie es nach der Sparphase weitergeht, ist in den Verträgen nur umrissen. Die Banken verpflichten sich, ihren Kunden zwei Angebote für die Umwandlung des Kapitals in eine Rente zu machen. Der Sparer kann eine sofort beginnende Rentenversicherung wählen. Oder er entscheidet sich für einen Auszahlplan, dem sich erst ab dem 85. Lebensjahr eine Versicherungsrente anschließt. Die Produkte dafür gibt es zurzeit aber noch nicht, sodass wir die Rentenphase nicht in den Vergleich einbeziehen konnten.

Wer sich zum Rentenbeginn die Chance auf eine Sofortauszahlung von 20 Prozent seines Sparkapitals offen halten will, sollte auf eine Regelung im Vertrag achten. Nicht alle Sparpläne bieten das.

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