Riester-Bank­sparpläne Test

Staatliche Zulagen und Steuererspar­nisse machen Appetit aufs Sparen.

Die Riester-Förderung macht aus karg verzinsten Sparplänen attraktive Vorsorgepro­dukte. Wir zeigen die besten.

Null Zinsen und dennoch empfehlens­wert? Riester-Bank­sparpläne machens möglich. Dank staatlicher Zulagen und Steuer­vorteile lohnen sich selbst nahezu zins­lose Produkte für sehr viele Alters­vorsorgesparer.

Durch gezielte Auswahl können Sparer ihre Renditen noch steigern. Wir haben 43 Angebote getestet und einige gefunden, die sich deutlich aus der Masse heraus­heben.

Zinslos glück­lich

Die Alters­vorsorge wird in Zeiten nied­rigster Zinsen immer schwieriger. Einer­seits sollte man größere Risiken meiden, wenn es um die Rente geht. Ander­seits kommen Sparer auf keinen grünen Zweig, wenn sie ihr Geld fast unver­zinst anlegen.

Riester-Bank­sparpläne sind in diesem Dilemma ein Licht­blick, denn sie bringen Sparern durch die Förderung eine Rendite, die sie mit sicheren herkömm­lichen Sparformen nie erreichen könnten (Staatliche Förderung).

Banken zahlen (un)freiwil­lig mehr

Die aktuellen Zinsen der Bank­sparpläne leisten dazu einen eher bescheidenen Beitrag. Es gibt zwei Typen von Riester-Bank­sparplänen: Der eine koppelt seine Verzinsung an eine tages­aktuelle Richt­schnur, in der Regel die sogenannte Umlaufrendite. Der andere orientiert sich an oft komplexen Mischungen, die teil­weise aus weit zurück­reichenden Rendite-Zeitreihen errechnet werden.

Eine Mess­latte für die Verzinsung muss sein. Sie ist nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs erforderlich, um will­kürliche Zins­senkungen der Banken zu verhindern.

Die Umlaufrendite als gängiger Maßstab lag Mitte August bei nur 0,45 Prozent. Selbst Riester-Bank­sparpläne mit güns­tigen Konditionen sehen vertrags­gemäß einen Abzug von 0,5 Prozent­punkten vor. Theoretisch müssten Sparer also zuzahlen. Negativzinsen haben die Banken aber ausgeschlossen. Sie bieten einen Mehr­zins und bleiben knapp über null. Die beste Verzinsung in dieser Produkt­gruppe hat die Volks­bank Gronau-Ahaus, die mindestens 0,5 Prozent garan­tiert (Tabelle 16 Riester-Banksparpläne mit fester Bindung an die Umlaufrendite).

Falls die Zinsen irgend­wann deutlich steigen, sind Umlaufrendite-Sparpläne erste Wahl, da sie Erhöhungen schnell weitergeben. Unter den aktuellen Umständen bleiben sie ein gutes Vehikel, um die Riester-Förderung mitzunehmen.

Bei Riester-Sparplänen, deren Verzinsung sich nach gleitenden Zins­mischungen richtet, ist Sparern ein Direkt­vergleich kaum möglich. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Zins­maßstäbe und Bonus­leistungen. Eine von Finanztest errechnete Maßzahl, der Rendite­abstand, sorgt für Trans­parenz.

Die Sparpläne in der Tabelle Riester-Banksparpläne mit unterschiedliche Referenzzinsen sind nach dem Rendite­abstand bei 15 Jahren Lauf­zeit sortiert. Je nied­riger die Zahl, desto besser ist lang­fristig der Vertrag.

Höherer Zins ist trügerisch

Der aktuelle Zins liegt bei vielen dieser Sparpläne deutlich höher als bei denjenigen mit Anbindung an die Umlaufrendite. Sparer sollten allerdings wissen, dass der Zins dieser Sparpläne derzeit meist weiter sinkt. Der Grund: Die Banken orientieren sich fast immer an weit zurück­gerechneten Zins­mischungen. Somit profitieren Sparer zurzeit noch vom höheren Zins­niveau vergangener Jahre. Dieser Vorteil schmilzt jedoch laufend dahin.

Außerdem würden Sparpläne dieser Art einen deutlichen Zins­anstieg nur gedämpft und mit Verzögerung weitergeben. Immerhin haben Sparer die zugesagten Zins­zuschläge und Boni unabhängig von der Zins­entwick­lung sicher. Sollten die Zinsen dauer­haft nied­rig bleiben, könnten die Boni bei manchen Verträgen sogar mehr zur Rendite beitragen als die Grund­verzinsung.

So verzinst sich der Vertrag der Sparkasse Hanauer­land aktuell mit 0,36 Prozent. Über die Boni sind Riester-Kunden nach 15 Jahren zusätzlich 1 Prozent Rendite pro Jahr sicher. Die Berliner Bau- und Wohnungs­genossenschaft von 1892 bietet für diese Lauf­zeit sogar eine sichere Bonusrendite von 1,28 Prozent pro Jahr. Abschließend bewerten konnten wir diesen Sparplan aber nicht. Seine Basis­verzinsung hängt nicht von einem Markt­zins ab, sondern vom Garan­tiezins der Lebens­versicherer (zurzeit 1,25 Prozent).

Die Siegerin unseres letzten Tests, die Sparkasse Rade­vorm­wald-Hückeswagen, hat ihren Sparplan deutlich verschlechtert und liegt nur noch im unteren Mittel­feld. Wer bei ihr zu früheren Konditionen abge­schlossen hat, sollte diesen Sparplan aber unbe­dingt behalten. Das gilt auch für alle anderen attraktiven Angebote aus früheren Tests. Denn Bestands­kunden sind nicht betroffen, wenn eine Bank die Zins- oder Bonusbedingungen verschlechtert.

Auf die Kosten achten

Im Gegen­satz dazu sind die laufenden Kosten von Riester-Bank­sparplänen nicht mit dem Vertrags­schluss fixiert. Die Banken können sie ändern oder neu einführen.

Normaler­weise ist es zu verschmerzen, wenn eine Bank für die Konto­führung 10 Euro pro Jahr nimmt. Bei extrem nied­rigen Zinsen fällt der Preis schon ins Gewicht, vor allem, wenn es um Zulagen­verträge mit sehr geringen Einzahlungen geht. Viele Banken stellen die Gebühr sogar in Rechnung, wenn sie höher ist als die Zins­erträge.

Ärgerlich hoch sind bei einigen Banken auch die Kosten für einen Vertrags­wechsel. Sie reichen bis zu 150 Euro – fast schon ein K.-o.-Kriterium.

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