Riester-Sparende haben vier Alternativen, an ihr Vorsorgever­mögen zu kommen. Wem sie nicht passen, bleibt die Kündigung.

Sparer mit Riester-Vertrag müssen am Ende entscheiden, wie sie ihr Kapital in der Auszahl­phase nutzen möchten. Eine klassische Rente ist nicht immer die beste Option.

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TestRiester-Auszahlungen20.04.2021
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Auszahl­phase: Was tun mit dem Riester-Kapital?

Nach der Anspar­phase ist zwar Schluss mit Zulagen prüfen, Raten anpassen, Beiträge absetzen und weiteren Auswüchsen deutscher Vorsorgebürokratie. Aber auch für die Auszahl­phase legt der Gesetz­geber genau fest, was mit dem Angesparten passieren soll. Denn Rentne­rinnen und Rentner sollen möglichst für den Rest ihres Lebens etwas vom Ersparten haben. Doch was ist tatsäch­lich die klügste Variante?

Das bietet das Special Riester-Auszahl­phase

  • Umfassende Entscheidungs­hilfe. Die Renten-Experten der Stiftung Warentest helfen angehenden Riester-Rentne­rinnen und -Rentner, die richtige Entscheidung für die Auszahl­phase zu treffen. Sie erklären Vor- und Nachteile von fünf möglichen Auszahlformen und deren steuerlichen Auswirkungen.
  • Schritt-für Schritt-Anleitung. Mitunter ist es besser, den Riester-Vertrag vor Beginn der Auszahl­phase zu kündigen. Nach dem Frei­schalten erhalten Sie eine Anleitung, mit der Sie einschätzen können, ob die Kündigung eine gute Idee ist. Weitere detailreiche Informationen rund um die Kündigung des Riester-Vertrags kostenfrei im FAQ Riester kündigen.
  • Heft­artikel. Nach dem Frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf die PDF der Testbe­richte aus Finanztest – mit vielen anschaulichen Steuerbe­rechnungen zu den einzelnen Riester-Optionen.

Vier Alternativen – und die Kündigungs­option

Rentne­rinnen und Rentner sollen möglichst für den Rest ihres Lebens etwas vom Ersparten haben. Um das Ziel zu erreichen sind drei Haupt­optionen für Riester-Sparende vorgesehen:

  • lebens­lange Rente,
  • Teil­kapital­auszahlung kombiniert mit lebens­langer Rente oder
  • selbst genutztes Wohn­eigentum.

Aber es gibt noch zwei weitere Auszahlformen, und zwar

  • die Abfindung bei kleinen Renten und
  • die Auszahlung des Kapitals nach einer Kündigung.

Haben angehende Riester-Rentner nur sehr wenig angespart, zahlen die Anbieter das Kapital auf einen Schlag aus. Eine Verrentung lohnt sich für sie nicht. Riester-Sparende können ihren Vertrag aber auch zum Ende der Anspar­phase kündigen. Die staatlich Förderung müssen sie in diesem Fall zurück zahlen.

Entscheidungen für die Auszahl­phase treffen

Die Entscheidung, welche der Riester-Auszahlformen (Über­sicht siehe unten) am besten zu den eigenen Lebens­umständen passt, erscheint erst einmal einfach. Wie sich die Wahl dann aber steuerlich auswirkt, ob sie sich finanziell lohnt und man sie sich über­haupt leisten kann, ist nur schwer abzu­schätzen. Die Entscheidung hängt – typisch Riester – von vielen Faktoren ab.

Wir erklären die Vor- und Nachteile der einzelnen Auszahlformen und fangen mit der Kündigung an. Bevor Sparende sich für eine der Riester-Auszahlvarinaten entscheiden, müssen sie sicher sein, dass sie über­haupt weiter riestern wollen. Im kosten­pflichtigen Teil dieses Specials haben wir einen Schritt-für-Schritt-Anleitung erstellt, mit der sich der eigene Vertrag prüfen lässt.

Auszahl­variante 1: Die Kündigung

Allen, die ihr Erspartes im Ruhe­stand nicht länger in das Riester-Korsett zwingen wollen, bleibt nur, zum Ende der Anspar­phase zu kündigen. Das Guthaben gibt es dann zurück. Zuvor zieht der Anbieter aber die gesamte Förderung aus Zulagen und Steuer­vergüns­tigungen, die Sparende vom Staat erhalten haben, wieder ab.

Das hört sich nicht gut an, kann aber aus Renditegesichts­punkten für einige Sparende, deren Angebot für die Auszahl­phase schlecht ist und die auch im Ruhe­stand höhere Steuern zahlen, trotzdem die beste Alternative sein. Denn die Steuer­regeln für solche förderschädlichen Auszahlung nach einer Kündigung sind güns­tiger als Riester-Auszahlungen. Besteuert werden allenfalls die Erträge, die der Vertrag erwirt­schaftet hat und auch diese oft nicht komplett. Riester-Auszahlungen werden dagegen mit dem persönlichen Steu­ersatz besteuert. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sparende einschätzen, ob eine Kündigung für sie sinn­voll ist, wenn sie das Special frei­schalten.

Auszahl­variante 2: Eine lebens­lange Rente

Nach der Anspar­phase lebens­lang eine garan­tierte monatliche Auszahlung bekommen – das ist der Stan­dard­fall bei Riester. Die Förderung bleibt erhalten, allerdings fallen Steuern auf die Auszahlung an. Je nachdem, wie hoch der persönliche Steu­ersatz im Ruhe­stand ist, haben Rentne­rinnen und Rentner mehr oder weniger von ihrer Riester-Rente.

Bei Riester-Renten­versicherungen wird das Alters­vorsorgever­mögen auto­matisch in eine Rente umge­wandelt. Bei Riester-Bank­sparplänen und Fonds­sparplänen gibt es zwei Varianten:

  • Auszahl­plan bis zum 85. Geburts­tag und ab dann eine Rente über einen Versicherer.
  • Gleich zu Beginn der Auszahl­phase eine Rente über einen Versicherer.

Welcher Versicherer ihnen die Rente zahlt, können sich Sparende mit Bank- oder Fonds­sparplan nicht aussuchen. Das liegt in der Hand ihrer Bank oder Fonds­gesell­schaft. Das führt dazu, dass sie oft selbst schlechte Angebote akzeptieren müssen. Auf eigenen Faust einen Versicherer zu finden, der das Riester-Kapital zu güns­tigeren Konditionen verrentet, ist praktisch unmöglich.

„Es gibt keinen Wett­bewerb. Kunden werden so quasi in eine Friss-oder-Stirb-Situation gebracht“, bemängelt Martin Schulz, Professor für Recht der privaten und betrieblichen Risiko­vorsorge an der Hoch­schule für öffent­liche Verwaltung und Finanzen in Ludwigs­burg. „Das ist nicht im Sinne einer fairen, verbraucher­orientierten Alters­vorsorge. Der Gesetz­geber müsste hier eingreifen“, sagt er. Was solchen Sparenden bleibt, ist die Kündigung (siehe Variante 1) oder das angesparte Vermögen in selbst genutztes Wohn­eigentum zu investieren (siehe Variante 5).

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Auszahl­variante 3: Teil­auszahlung mit Rente

Wer im Ruhe­stand eine größere Summe benötigt, etwa für eine längere Reise, kann dafür sein Riester-Vermögen anzapfen ohne gleich die Förderung zu riskieren. Denn als Alternative zu einer Voll­verrentung, können sich Sparende in der Regel auch bis zu 30 Prozent ihres Alters­vorsorgever­mögens nach Ende der Anspar­phase auszahlen lassen. Mindestens 70 Prozent der Kapitals müssen aber für die Verrentung zur Verfügung stehen oder über einen Auszahl­plan mit Rente ab 85 wie bei Variante 2 laufen (siehe oben).

Die Rendite ist bei dieser Variante nicht unbe­dingt schlechter als bei der Voll­verrentung. Allerdings jagt die Teil­auszahlung nicht nur das Einkommen, sondern auch den Steu­ersatz im Jahr der Auszahlung in die Höhe. Gerade Sparende mit höherem Einkommen sollten hier genau rechnen und die Auszahlung ins erste volle Renten­jahr schieben, wenn das der Vertrag zulässt. Wer ohnehin einen Steuerberater hat oder Mitglied in einem Lohn­steuer­hilfe­ver­ein ist, kann dort vor der Entscheidung nach­fragen.

Auszahl­variante 4: Wohn-Riester

Eine weitere Möglich­keit, die der Gesetz­geber zum Ende der Anspar­phase vorsieht: Das Kapital aus dem Riester-Spar­vertrag nutzen, um in selbst genutztes Wohn­eigentum zu investieren. Schulden zu tilgen kann eine gute Idee sein. Dadurch fallen die Kreditraten weg oder werden kleiner. Sparer können mit dem Geld auch kaufen, bauen oder ihre Wohnung alters­gerecht umbauen, ohne die Förderung zu verlieren.

Entscheiden sie sich für eine dieser Möglich­keiten, müssen sie darauf achten, dies mindestens ein Jahr vor dem gewünschten Auszahl­termin bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen zu beantragen. Ohne deren Bescheid zahlt der Anbieter das Geld nicht aus.

Auch wenn es beim Wohn-Riestern keine klassische Auszahlung gibt, fallen Steuern an. Sparer können hier zwischen zwei Besteuerungs­optionen wählen:

  • Sie versteuern das Kapital auf einen Schlag, müssen dann aber nur 70 Prozent des Betrags versteuern.
  • Sie versteuern den vollen Betrag gleich­mäßig verteilt auf die Jahre bis zu ihrem 85. Geburts­tag.

Je nach Einkommen und Steu­ersatz kann die eine oder andere Option sinn­voller sein.

Auszahl­variante 5: Sonderfall Abfindung

Ist das Riester-Guthaben zu Renten­beginn klein, zahlt der Anbieter es auf einen Schlag aus. Sparende haben hier keinen Einfluss. Der Anbieter entscheidet das allein. Die Förderung zurück­zahlen müssen Sparende in diesem Fall aber nicht. Allerdings müssen sie die Auszahlung versteuern. Gerade bei wohl­habenderen Rentne­rinnen und Rentnern können sie höher ausfallen als die Förderung, die sie vom Staat erhalten haben. Und das, obwohl hier eine güns­tigere Besteuerung gilt als etwa für die 30-prozentige Kapital­auszahlung (siehe Auszahl­variante 3). Die sogenannte Fünf­telregelung sorgt dafür, dass der Steu­ersatz nied­riger bleibt als es die Steuer­progression eigentlich vorsieht.

Bis zu welcher Höhe Renten auf diese Weise abge­funden werden, ändert sich jedes Jahr. 2021 liegt der Betrag bei 32,90 Euro. Ob die Rente höher oder nied­riger ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie gut der Versicherer das Kapital verrentet. Als grober Richt­wert: Bei Alters­vermögen unter 10 000 Euro läuft es eher auf eine Abfindung hinaus.

Dieses Special ist im Dezember 2019 erschienen. Wir haben es zuletzt im April 2021 aktualisiert. Ältere Nutzer­kommentare können sich auf frühere Fassungen beziehen.

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