Auszahlung Riester-Rente Geld oder Rente? Entscheiden Sie klug

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Auszahlung Riester-Rente - Geld oder Rente? Entscheiden Sie klug
Durch­rechnen. Wer die Riester-Rente kündigt, muss die staatliche Förderung zurück­zahlen. © Getty Images PA

Riester-Sparer müssen vor Renten­beginn entscheiden, wie sie sich ihr Kapital auszahlen lassen. Eine lebens­lange Rente ist nicht immer die beste Option.

Auszahlung Riester-Rente Geld oder Rente? Entscheiden Sie klug

Nach der Anspar­phase hat zwar das Zulagen prüfen, Raten anpassen, Beiträge absetzen ein Ende – aber auch für die Auszahlung legt der Gesetz­geber genau fest, was mit dem Angesparten passieren soll. Denn Rentne­rinnen und Rentner sollen möglichst für den Rest ihres Lebens etwas vom Ersparten haben.

Nicht für alle ist die klassische Riester-Rente der beste Weg. Neben der Verrentung des Angesparten gibt es noch vier weitere Optionen. Ob tatsäch­lich eine lebens­lange Rentenzahlung sinn­voll ist, hängt vom einzelnen Vertrag ab. Vor der Entscheidung heißt es daher rechnen. Wie das geht, zeigen die Experten der Stiftung Warentest für alle fünf Auszahl­varianten – inklusive Steuern.

Warum sich die Unter­suchung „Riester-Auszahl­phase“ für Sie lohnt

  • Umfassende Entscheidungs­hilfe. Die Renten-Expertinnen der Stiftung Warentest helfen angehenden Riester-Rentne­rinnen und Riester-Rentnern, die richtige Entscheidung für die Auszahl­phase zu treffen. Sie erklären Vor- und Nachteile von fünf möglichen Auszahlformen und deren steuerlichen Auswirkungen.
  • Optionen im Einzel­check. Anhand eines Beispiel-Vertrags einer Modell­kundin haben wir ausgerechnet, wie sich die fünf verschiedenen Auszahl­varianten steuerlich auswirken.
  • Heft­artikel als PDF. Nach dem Frei­schalten erhalten Sie den Heft­artikel aus Finanztest 8/2022 sowie die vorherigen Artikel aus 5/2021 und 1/2020 aus Finanztest zum Download.

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Fünf Alternativen: Welche ist die richtige für mich?

Angehende Rentne­rinnen und Rentner müssen früh­zeitig über­legen, welche der folgenden fünf Auszahl­varianten sich am ehesten für sie rechnet und am besten zu ihnen passt:

  • eine lebens­lange monatliche Rente,
  • eine Teil­kapital­auszahlung in Höhe von 30 Prozent kombiniert mit lebens­langer Rente,
  • die Auszahlung des Kapitals nach einer Kündigung
  • selbst genutztes Wohn­eigentum: Tilgung, Bau, Kauf oder alters­gerechter Umbau oder
  • die Abfindung bei kleinen Renten, wenn die Riester-Rente kleiner ist als 32,90 Euro monatlich.

Bei Auszahlung der Riester-Rente, Steuern bedenken

Die Entscheidung, welche der Riester-Auszahlformen am besten passt, hängt – typisch Riester – von vielen Faktoren ab. Es ist nicht einfach, abzu­schätzen, wie sich die Wahl letzt­endlich finanziell und steuerlich auswirkt.

Wir erklären im kosten­pflichtigen Teil dieses Artikels die Vor- und Nachteile der einzelnen Auszahlformen und zeigen, wie Sparende vorgehen müssen, um für sich die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Riester-Auszahl­optionen im Einzel­check

Die Riester-Expertinnen haben an einer Modell­kundin mit Riester-Rente alle fünf Auszahl­optionen konkret durch­gerechnet und zeigen, wie sie sich steuerlich unterscheiden. Dafür mussten sie viele Annahmen über den Riester-Vertrag treffen, unter anderem zu Lauf­zeit, dem Einkommen in der Spar- und Renten­phase, zur Kranken­versicherung oder zum Renten­start.

Daraus ergibt sich für unseren Modell­fall ein genaues Bild. Einen konkreten Rat, welches generell die beste Option ist, können wir daraus wegen der vielen individuellen Faktoren zwar nicht geben. Wir können aber sagen, mit welchen vier Fragen Riester-Sparende ihren Vertrag jeweils abklopfen können, um für sich die richtige Entscheidung zu treffen. So viel vorweg: Für unserer Modell­kundin war die Kündigung keine unattraktive Option.

Das meint das Finanztest-Team

„Die Regierung hat kurz vor Erscheinen dieses Artikels den Grund­frei­betrag rück­wirkend zum 1. Januar 2022 erhöht. Das hieß für uns, zurück auf Start und alles noch mal neu rechnen. So sind die Steuerbe­rechnungen jetzt aber auf dem aktuellen Stand und eine echte Entscheidungs­hilfe.“

Katharina Henrich, Alters­vorsorge-Redak­teurin bei der Stiftung Warentest

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175 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.09.2022 um 14:05 Uhr
Kapitalerhalt

@vpn.rrr.de: Die Kapitalerhaltsgarantie von § 1 AltZertG gilt nur für Verträge, die nicht (förderschädlich) gekündigt werden. Das Gesetz gibt vor, dass zu Beginn der Auszahlungsphase zumindest die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen und für die Leistungserbringung (der ass zu Beginn der Auszahlungsphase zumindest die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen und für die Leistungserbringung genutzt werden.

vpn.rrr.de am 15.09.2022 um 13:24 Uhr
Nominalwertzusage

Um an mein eingezahltes Geld zu kommen muss ich doch VOR dem Auszahlungszeitpunit kündigen, was bringt dann die Nominalwertzusage ZUM Auszahlungszeitpunkt?
Ebenso ist es nicht so, dass der Wert des Fondsplans gesunken wäre. Aber die jährlichen Kosten sind so hoch, dass nach Rückzahlung der staatlichen Förderung ein Minus bestehen bleibt. DAS ist das eigentliche Problem und die Frage ist, ob die (massiven) Kosten des Verwalters von der Nominalwertzusage überhaupt mit abgedeckt sind.

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.09.2022 um 14:58 Uhr
Verluste steuerlich geltend machen?

@vpn.rrr.de: Wer einen Riester-Vertrag vorzeitig kündigt, verwendet das angesammelte Vermögen schädlich. Deshalb muss der Riester-Sparer nicht nur die während der Ansparphase erhaltenen Altersvorsorgezulagen und die gesondert festgestellten Steuerermäßigungen zurückzahlen, sondern muss auch die im ausgezahlten Altersvorsorgevermögen enthaltenen Erträge und Wertsteigerungen versteuern. Der sogenannte Rückkaufswert, den dem Sparer nach Kündigung ausgezahlt wird, gehört zu den sonstigen Einkünften nach § 22 Nr. 5 Satz 2 EStG. Dieser gehört in Anlage R-AV/bAV. Die entsprechenden Daten werden allerdings schon vom Anbieter elektronisch an das Finanzamt übermittelt, sodass auf eigene Angaben verzichtet werden kann.
Durch den Abzug der Zulagen kann der Rückkaufswert in besonders gelagerten Fällen auch negativ ausfallen. Hat der Anleger etwa einen Riester-Fondssparplan abgeschlossen und ist der Wert der Fondsanteile im Zeitpunkt der schädlichen Verwendung erheblich gesunken – die Nominalwertzusage greift erst zu Beginn der Auszahlungsphase –, kann sich ein Verlust ergeben, da die Zulagen in Höhe der nominell gewährten Beträge in Abzug gebracht werden. Ein solcher negativer Betrag kann sowohl mit weiteren, sonstigen Einkünften im Sinne des § 22 EStG als auch mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Mehr dazu auch in unsere Special:
www.test.de/Riester-Rente-Den-Riester-Vertrag-kuendigen-5610391-0/

vpn.rrr.de am 13.09.2022 um 13:38 Uhr
Verluste steuerlich geltend machen?

1. Kann man Verluste aus einer Riesterrente bei Kündigung steuerlich ansetzen?
Bei mir ist es so, dass die jährlichen Verwaltungskosten meines Ergo Produkts komplett die staatliche Förderung aufgefressen haben. Gleichzeitig sind die Kapitalgewinne minimal, so dass ich bei Kündigung Verluste hinnehmen muss.
2. Ein Zweiter Punkt - wird bei der Berechnung ab wann sich die monatliche Auszahlung lohnt nicht ein gewichtiger Punkt vergessen - nämlich die Inflation? Was sind 70€ Auszahlung denn noch in 20 Jahren? Im Umkehrschluss kann man folgern, dass sich monatliche Auszahlung für fast niemanden lohnt und fast allen die Kündigung ans Herz gelegt werden sollte?

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.09.2022 um 12:05 Uhr
Einmalige Kapitalleistung und Familienversicherung

@swimgamer: Einmalige Kapitalleistungen aus einer betrieblichen und privaten Altersversorgung werden nicht zum Gesamteinkommen familienversicherter Angehöriger gezählt.
Bei der Prüfung, ob eine Einnahme die maßgebende Gesamteinkommensgrenze überschreitet, ist die zu erwartende Regelmäßigkeit des Einganges zu prüfen. Bei einmaligen Kapitalleistungen aus Altersvorsorgeverträgen ist demzufolge nicht vom Gesamteinkommen auszugehen, unabhängig davon, ob es sich dabei um Einkünfte im Sinne des Einkommenssteuerrechts handelt.
Siehe hierzu: Grundsätzliche Hinweise Gesamteinkommen zur Prüfung der Voraussetzungen der Familienversicherung vom 12. Juni 2019, Punkt 2.8 auf Seite 28 und die Tabelle auf der Seite 40: