Riesenrad-Fonds Meldung

Rund 10 000 Fondsanleger des in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden Fonds Global View Great Wheel Beteiligungs GmbH & Co. KG haben jetzt ein Angebot ihrer Fondsgesellschaft erhalten. Danach sollen sie einen Teil ihres Geldes wieder bekommen, das sie in bisher nicht gebaute Riesenräder in Berlin, Peking und Orlando investiert haben. Doch Anwälte warnen: Wer das Angebot annimmt, verzichtet automatisch auf alle anderen Schadenersatzansprüche.

Auszahlungen von bis zu 85 Prozent der Einlage

Das Angebot der Fondsgesellschaft ist für Anleger auf den ersten Blick verlockend. Denn sie müssen um ihre gesamte Investition bangen, seitdem das Projekt Peking bereits pleite ist und in Berlin vom Anlegergeld lediglich das Grundstück gekauft wurde. Laut Angebot können sich Anleger zwischen zwei Varianten entscheiden: Bis zu 85 Prozent seines Kapitals sollen Anleger zurück erhalten, die bis zum Jahr 2018 warten. Anleger, die nicht warten wollen, sollen 60 Prozent ihres Einsatzes sofort ausbezahlt bekommen.

Anleger sollen auf Ansprüche verzichten

Voraussetzung für beide Auszahlungsvarianten der DBM Fonds Invest GmbH ist eine breite Annahme des Angebots durch die Inhaber von mindestens 75 Prozent der Fondsanteile in Höhe von etwa 156 Millionen Euro. Für die 85-Prozent-Variante müssen 180 Millionen Euro, für die 60-Prozent-Variante 125 Millionen Euro bereitstehen. Garantiert werden die Auszahlungen durch die niederländische Bank ABN Amro. Die DBM Fonds Invest GmbH ist eine Tochter der niederländischen Bank. Alle Anleger, die eine der Auszahlungsvarianten annehmen, müssen unterschreiben, dass sie auf sämtliche Ansprüche gegen andere Beteiligte (z.B. Deutsche Bank aus Falschberatung) hinsichtlich des Restbetrages verzichten.

Anwältin Katja Fohrer: Anleger sollten ablehnen

Rechtsanwältin Katja Fohrer von der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen, die mehrere Hundert Riesenrad-Anleger vertritt, warnt vor dem Angebot: „Anleger sollen hier offenbar schnell und billig abgespeist werden“. Fohrer verweist auf Fehlverhalten der Banken im Zusammenhang mit der Vermittlung der Riesenrad-Fonds an Kunden, die aus ihrer Sicht Schadenersatzansprüche begründen. „Anleger sollten sich auf das Angebot nicht einlassen, sondern weiterhin auf die volle Rückzahlung ihres Kapitals bestehen“, empfiehlt Fohrer. Denn Anlegern seien die Fonds mit falschen Informationen verkauft worden. So hätten Banken nicht über die Verkaufsprovision von mindestens 10 Prozent aufgeklärt.

„Gute Chancen auf Schadenersatz“

Aufgrund der vielen Beratungsfehler seien die Aussichten auf vollen Schadensersatz sehr gut, meint Fohrer. Die Anwältin hat mittlerweile von ehemaligen Mitarbeitern der Delbrück Bethmann Maffei AG von erheblichem Verkaufsdruck, der auf die Bankangestellten ausgeübt wurde, erfahren. Das Provisionsinteresse habe beim Verkauf im Vordergrund gestanden, die Nachteile des verkauften Produkts seien einfach ausgeblendet worden. Bei ordnungsgemäßer Prüfung hätten die Banken erkennen müssen, dass das Riesenrad in Peking unmöglich in nur 15 Monaten errichtet werden konnte. Die hierzu von einem ehemaligen Mitarbeiter der Delbrück Bethmann Maffei AG geäußerten Bedenken sollen nach Auskunft von Fohrer vom Vorgesetzten nicht ernst genommen worden sein.

Webseite für Betroffene

Um die Interessen der Anleger zu bündeln und mehr gegen die Banken erreichen zu können, hat Rechtsanwältin Fohrer eine Webseite einrichten lassen, auf der sich die Global-View-Anleger in einem Forum auch untereinander direkt austauschen können. Die Seite ist unter www.global-view-anleger.de erreichbar.

Zweifelhafte Rettungsinititative für Riesenräder

Auch in der kürzlich ins Leben gerufenen Rettungsinitiative für die Riesenräder sieht die Anwältin eine weitere Irreführung der Anleger. Hinter der Initiative zur „Rettung des Riesenrads“ („Initiative Pro-Riesenrad“) stecke der mittlerweile gefeuerte Geschäftsführer der Fondsgesellschaft, Thomas Bone-Winkel. Wie berichtet, konnten sich Anleger mit Beträgen ab 10 000 Euro an dem Riesenrad-Fonds beteiligen. Insgesamt wurden rund 208 Millionen Euro Anlegergeld eingesammelt, von denen nur mehr 20 Millionen Euro übrig sein sollen. Das Geld reichte in Berlin lediglich für den Kauf eines Grundstücks, nicht für den Bau des Riesenrads. In Peking steht lediglich ein Betonfundament, in Orlando ist eine Finanzierung unwahrscheinlich. Verkauft wurden die Fondsbeteiligungen von der Deutschen Bank und von der Delbrück Bethmann Maffei AG. Initiatorin ist die DBM GmbH, eine Tochter der Delbrück Bethmann Maffei AG.

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