Riesenrad-Fonds Meldung

Ursprünglich geplantes Riesenrad in Berlin.
Foto: Przerwa/Pott Architects

Per Rundschreiben sind die Anleger des gescheiterten Riesenradfonds Global View Great Wheel darüber informiert worden, dass die Fondsgeschäftsführung einen Käufer für die Vermögenswerte des Fonds sucht. Bis zum 17. Juni sollen Interessenten ein Kaufangebot unterbreiten. Die Erlöse sollen anschließend anteilig unter den Anlegern verteilt werden.

Große Kauferlöse werden nicht erwartet

Große Rückflüsse aus dem Verkauf der Vermögenswerte haben die Anleger nach Ansicht von Rechtsanwältin Katja Fohrer nicht zu erwarten. Die Münchner Anwältin von der Kanzlei Mattil und Kollegen vertritt etwa 300 geschädigte Anleger des Fonds. Sie hatten sich unter anderem auf Anraten der Deutschen Bank und der Delbrück Bethmann Maffei AG in den Jahren 2006 und 2007 am Riesenradfonds beteiligt. Als Prospektherausgeberin fungierte eine Tochtergesellschaft der Delbrück Bethmann Maffei Bank /ABN Amro Gruppe. Vermittelt wurden die Fondsbeteiligungen vor allem durch die Deutsche Bank.

200 Millionen Euro in den Sand gesetzt

Das eingesammelte Anlegergeld in Höhe von über 200 Millionen Euro hatte lediglich für den Bau des Fundaments eines einzigen Riesenrads in Peking ausgereicht. Im Prospekt war aber mit dem Bau von mehreren Riesenrädern in Berlin, Dubai, Tsingtao und anderen Standorten geworben worden. Kein einziges dieser Räder wurde tatsächlich gebaut. Insgesamt haben sich rund 10 000 Anleger mit Summen ab 10 000 Euro an dem Fonds beteiligt.

Klagen gegen die Deutsche Bank

Anwältin Fohrer will in den nächsten Wochen Klagen gegen die Deutsche Bank und die Delbrück, Bethmann & Maffei AG einreichen. Sie wirft den Banken vor, die Beteiligung vor dem Verkauf an ihre Kunden nicht richtig auf Plausibilität geprüft zu haben. Auch hätten sie ihre Kunden nicht darüber informiert, dass sie 12 Prozent an Provisionen für die Vermittlung der Anlage erhalten haben. Den Anlegern stünde deshalb Schadenersatz zu. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe zurück. Sie erklärt, dass sich jeder Anleger im Verkaufsprospekt über die Höhe der Provision hätte informieren können.

Abfindungsangebot mit zwei Varianten

Vor Gericht klagen können allerdings nur Anleger, die das Abfindungsangebot einer Tochtergesellschaft der ABN Amro nicht angenommen haben. Das Abfindungsangebot stellte Anlegern zwei Ausstiegsvarianten aus dem maroden Fonds zur Wahl: Anleger konnten entscheiden, ob sie auf die Rückzahlung ihres Kapitals bis zum Jahr 2018 warten und dann bis zu 85 Prozent ihres Kapitals zurück erhalten oder ob sie 60 Prozent ihres Einsatzes sofort ausbezahlt bekommen.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch

Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit dem Berliner Riesenradprojekt sind bislang noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Anlegergeld an Firmen mit Sitz in der Karibik ohne Gegenleistung gezahlt worden sind.

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