Riesenrad-Fonds Meldung

So sollte das Riesenrad in Berlin aussehen.

Anleger, die sich am Fonds „Global View“ beteiligt haben, um in Riesenräder in Berlin, Peking oder Orlando zu investieren, fürchten um ihr Geld. Das Peking Projekt ist bereits insolvent. Dort ist lediglich das Fundament für das Riesenrad gebaut worden.

Fonds informiert über Pleite in Peking

Anleger, die sich in den Jahren 2006 und 2007 an dem Fonds Global View Great Wheel Beteiligungs GmbH & Co. KG beteiligt haben, müssen um ihre Investition fürchten. Die Riesenräder, die nach dem Vorbild des zum Wahrzeichen avancierten „London Eye“ in Berlin, Peking und Orlando gebaut werden sollten, sind in der Planung stecken geblieben. Das Projekt Peking – es steht gerade einmal ein Fundament aus Beton - ist insolvent. Das erfuhren etwa 10 000 Anleger am 5. Februar 2010 durch ein Rundschreiben der Fondsgeschäftsführung.

Finanzierung für Berlin und Orlando nicht gesichert

Auch bei den anderen beiden Projekten des Fonds in Berlin und Orlando sieht es nicht viel besser aus. Etwa 200 Millionen Euro Anlegergeld sind fast verbraucht, die weitere Finanzierung ist nicht gesichert. In Berlin hat das Anlegergeld gerade einmal ausgereicht, um ein Grundstück zu erwerben.

Anleger fühlen sich getäuscht

Nach Auskunft von Anlegeranwältin Katja Fohrer von der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen fühlen sich viele Anleger von ihren Bankberatern und durch den Verkaufsprospekt erheblich getäuscht. Zahlreiche Betroffene wollen gegen die Banken - insbesondere die Deutsche Bank, die ihren Kunden das Berliner Riesenrad als sichere Anlage empfohlen haben soll - auf Schadenersatz klagen. Sie verstehen nicht, dass ihr Geld für ein Grundstück in Berlin ausgegeben wurde, ohne dass die Finanzierung des Riesenrades gesichert war. Auf der nächsten Gesellschafterversammlung, die Ende März stattfinden soll, wollen Anleger einen Anlegerbeirat fordern.

Anwältin wirft Banken irreführende Werbung vor

Rechtsanwältin Fohrer wirft nicht nur der Fondsgeschäftsführung Versagen vor, sondern auch den beratenden Banken, insbesondere der Deutschen Bank AG und der Delbrück Bethmann Maffei AG. „Die Anleger hätten nicht mit der Fertigstellung des Riesenrads zur Olympiade in Peking geworben werden dürfen, denn sie hätten bei ordentlicher Prüfung schon damals erkennen können, dass der Bau innerhalb von nur 15 Monaten vollends unrealistisch war. Außerdem hätten die Banken die Anleger über die Provision von 10 Prozent, die sie für den Verkauf der Fondsbeteiligung erhalten, informieren müssen.“

Deutsche Bank weist Vorwürfe zurück

Ein Sprecher der Deutschen Bank wies die Vorwürfe zurück. Jeder Anleger hätte sich im Verkaufsprospekt der Fondsgesellschaft zu der Riesenradbeteiligung über die Höhe der Provision informieren können. Dort werde auf den Seiten 121,123 und 167 auf die 10prozentige Provision hingewiesen.

Keine Aufklärung über Kick-Backs

Anleger, die nicht über Provision in Höhe von 10 Prozent informiert worden seien, haben nach Einschätzung von Fohrer Anspruch auf komplette Rückzahlung ihres einbezahlten Geldes. Erst vor kurzem habe der Bundesgerichtshof (BGH) seine so genannte Kick-Back-Rechtsprechung bekräftigt und ausgeweitet. Danach müssen auch Banken im Rahmen einer Anlageberatung generell darüber informieren, was sie an Provision erhalten.

Finanztest mahnte zur Vorsicht

Finanztest berichtete 2007 über die Beteiligungsofferten an den Riesenrädern. Wegen des unternehmerischen Risikos schrieben wir: „Doch was sich gut anhört, ist nicht ohne Risiko für Anleger. Wie bei jedem geschlossenen Fonds ... handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung. Anleger werden Mitunternehmer und sind nicht nur an Gewinnen, sondern auch an Verlusten ihrer Anlagegesellschaft beteiligt.“ Wegen der hohen Risiken empfahlen wir Anlegern, nur einen sehr kleinen Teil des Vermögens zu investieren, um mögliche Verluste besser verkraften zu können. Außerdem riet Finanztest, sich alle Versprechen des Beraters, die nicht im Fondsprospekt stehen, schriftlich geben zu lassen.

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