Richtig vererben Special

Die Grafik zeigt die gesetzliche Erb­folge­regelung. Weitere Infos erhalten Sie unter Tipps.

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Im Idealfall regelt ein Testament den Nach­lass klar und eindeutig und verhindert Streit zwischen den Erben. Doch nicht einmal ein Drittel der Deutschen schreibt ein Testament. In diesen Fällen bestimmt das Bürgerliche Gesetzbuch die Erbfolge. Problem: Liegt kein Testament vor, gehört jedem alles und alle müssen gemeinsam über das Erbe entscheiden. Streit ist programmiert. Und: Moderne Formen des Zusammenlebens berücksichtigt das Gesetz nicht. Lebensgefährten und Freunde gehen leer aus. Auch bei der Erbschaftssteuer sind sie benachteiligt. Sie zahlen die höchsten Sätze. Bei großen Nachlässen kassiert der Fiskus aber auch beim Ehepartner und den Kindern mit. In beiden Fällen helfen Schenkungen bereits zu Lebzeiten, die Steuerlast der Erben zu mindern. Finanztest sagt, wer was erbt, was im Testament zu regeln ist, wie Erben möglichst wenig Steuern zahlen und was bei Schenkungen zu beachten ist.

Ein Testament verfassen

Jeder, der mit der im Gesetz geregelten Reihenfolge beim Erben nicht einverstanden ist, braucht ein Testament. Das kann er beim Notar aufsetzen, der ihn dazu auch berät und den letzten Willen an das Amtsgericht zur Aufbewahrung weiterleitet. Oder der Erblasser schreibt es selbst, und zwar unbedingt handschriftlich von der ersten bis zur letzten Zeile. Das Testament muss unterschrieben sein, am besten mit vollständigem Namen und Datum. Das verhindert Missverständnisse. Auch die Erben sollte der Verfasser mit vollständigem Namen nennen, am besten mit Geburtsdatum. Wer seinen letzten Willen ändert, sollte ältere Versionen vernichten. Ein gemein­schaftliches Testament dürfen nur Eheleute und gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner schreiben. Ändern können sie es nur gemeinsam. Sind sie sich nicht einig, hilft ein Notar weiter. Dort kann es jeder Partner allein widerrufen. Ist einer der beiden gestorben, hat der andere keine Möglichkeit mehr, den darin verfügten letzten Willen zu ändern. Einzige Ausnahme: Die beiden Partner haben sich die Befugnis dazu eingeräumt. Die gebräuchlichste Form eines gemeinschaftlichen Testaments ist das Berliner Testament.

Die Erbengemeinschaft

Grundsätzlich gilt: Die Erben bekommen den gesamten Nachlass gemeinsam. Sie gehören zu einer Erbengemeinschaft. Für die Aufteilung des Nachlasses sind die Erben selbst zuständig, es sei denn, das Testament sieht Regelungen zur Aufteilung vor. Ist dies nicht der Fall, gibt es häufig Streit. Denn jeder Erbe darf von den Miterben seinen Anteil verlangen und die Auflösung der Erben­gemein­schaft fordern. Das kann soweit führen, dass etwa ein Haus, in dem die Mutter nach dem Tod des Vaters lebt, verkauft werden muss, um eines ihrer Kinder auszuzahlen. Wer solche Auseinandersetzungen vermeiden will, sollte deshalb nicht nur ein Testament schreiben, sondern darin auch klar regeln, wer welche Vermögensgegenstände erhält.

Die wichtigsten Vorkehrungen

  • Teilungsanordnung. Der Erblasser ordnet im Testament an, dass bestimmte Personen bestimmte Gegenstände allein erhalten. Das restliche Vermögen fließt der Erbengemeinschaft zu. Damit keiner benachteiligt ist, wird der Wert der vorher verteilten Vermögens bei der Aufteilung des Restvermögens verrechnet.
  • Vorausvermächtnis. Anders als bei der Teilungsanordnung ist ein Wertausgleich nicht vorgesehen. Das Vorausvermächtnis ist extra. So kann ein Vater etwa einem seiner Kinder ein Auto vererben. Seine anderen Kinder erhalten dafür keinen Ausgleich, ihr Erbe verringert sich.
  • Vermächtnis. Ein Vermächtnis schmälert das Erbe der Erbengemeinschaft. Der Bedachte steht außerhalb der Erbengemeinschaft und kann sie nicht beeinflussen. Dabei kann es sich etwa um einen Freund handeln, der ein Auto erhält. Oder auch um einen Enkel, der in einigen Jahren eine bestimmte Summe erhält, falls er ein Studium beginnt.
  • Auflage. Auch für das eigentliche Erbe sind Auflagen möglich. So kann ein Vater, seine Frau und Kinder mit der Maßgabe als Erben einsetzen, dass sie das Haus erst nach dem Tod der Mutter verkaufen dürfen.
  • Pflichtteil. Wer in seinem Testament die Erbfolge festlegt, muss auf jeden Fall auf den so genannten Pflichtteilsanspruch achten. Sonst ist Streit programmiert. Das Erbrecht sichert den nächsten Angehörigen dieses Mindesterbe zu. Für den Anspruch gilt dieselbe Reihenfolge wie bei der gesetzlichen Erbfolge. Der Pflichtteil ist halb so groß wie das gesetzliche Erbe. Pflichtteilsberechtigte haben nur einen Geldanspruch gegen die Erben.

Steuern sparen durch Schenkung

Bei großen Erbschaften ist der Fiskus immer mit von der Partie. Je größer der Nachlass, desto höher die Steuern. Bei kleineren Vermögen, schützen Frei­beträge vor dem Zugriff des Staates. Den „Schutz“ gibt es aber nur für Familien. Freunde und Lebenspartner werden schon bei geringen Beträgen zur Kasse gebeten, wie der Testkompass zeigt. Auch die Steuer­sätze richten sich nach der Höhe des Vermögens und dem Verwandt­schafts­grad. Die günstigste Steuerklasse I gilt für die engste Familie. Unverheiratete und einge­tragene Lebenspartner zählen zur ungünstigen Steuerklasse III. Wer seinen Lieben Erbschafts- und Schenkungssteuer ersparen will, kann wiederholt Teile seines Vermögens bereits zu Lebzeiten verschenken. Alle zehn Jahre gilt der Freibetrag aufs Neue. Stirbt der Vermögende und seine Schenkung ist noch keine zehn Jahre her, wird die geschenkte Summe zur Erbschaft hinzugerechnet. Übersteigt die Gesamt­summe den Freibetrag, fordert der Fiskus seinen Anteil nachträglich.

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