Interview: „Halbkriminelles Milieu“

Der Finanzjournalist Stefan Loipfinger kritisiert das deutsche Spendenwesen als zu intransparent. Dubiose Vereinsgeschäfte von Trittbrettfahrern blieben so häufig im Dunkeln.

Auf Ihrem Portal charitywatch.de warnen Sie vor dubiosen Spendenorganisationen. Wie gehen die vor?

Oft ist es ein ganzes Konglomerat von Vereinen, die das Geld hin und her schieben: Ein Verein spendet an einen anderen, sodass die Einnahmen jeweils aufgebläht werden. Die echten Spendengelder dahinter sind oft viel geringer. Es gibt Verträge mit Werbeagenturen, die tausende Bettelbriefe verschicken und sich das gut bezahlen lassen. Dass 80 Prozent der Spendeneinnahmen für Dienstleistungen ausgegeben werden, ist keine Seltenheit. Noch dazu sind Personen im Vereinsvorstand mit den beauftragten Firmen manchmal sogar familiär verbunden.

Wie ist das möglich?

Es gibt zu wenig Kontrollen, die Vereine müssen nicht veröffentlichen, wie sie die Gelder verwenden. Das ist fast schon eine Einladung an Leute aus dem halbkriminellen bis kriminellen Milieu, sich im Spendenbereich zu betätigen. Die meisten Bundesländer haben außerdem die Aufsicht abgeschafft. Eine Prüfung im Sinne des Spenders findet nur wenig statt. Allein in Rheinland-Pfalz funktioniert das gut.

Wie können Spender dann erkennen, ob eine Organisation serös ist?

Entscheiden Sie nie emotional und lassen Sie sich von Werbern nicht unter Druck setzen. Auf keinen Fall sollten Sie direkt etwas unterschreiben. Recherchieren Sie im Internet, ob es bereits eine kritische Berichterstattung zu dem Verein gibt. Legt der Verein die Zahlen offen?

Aber wie will ich als Spender beurteilen, ob die Angaben stimmen?

Auch wenn nicht alle etwas von den Zahlen verstehen, schafft die Öffentlichkeit eine gewisse Kontrolle. Der einfachste Weg wäre, Vereine ab einer bestimmten Größe müssten, ähnlich wie GmbHs, ihre Mittelverwendung im Bundesanzeiger veröffentlichen.

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