Zum Jahresende wollen viele schnell noch etwas Gutes tun. Möglichkeiten gibt es zuhauf. Spender sollten aber immer fragen, wie ihr Geld konkret verwendet wird.

Überschwemmungen in Thailand, Dürre in Ostafrika, Erdbeben in der Türkei – vielen Menschen in Krisenregionen kann nur mithilfe privater Spenden geholfen werden. Und die Deutschen geben gern: Zwischen 2,6 und 5,3 Milliarden Euro spenden sie jedes Jahr an gemeinnützige Vereine und Organisationen, ein Großteil davon kommt Menschen durch die Not- und Katastrophenhilfe zugute.

Spendenorganisationen gibt es viele: Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 500 000 Vereine und 15 000 Stiftungen als gemeinnützig anerkannt. Spenden an gemeinnützige Vereine sind steuerlich absetzbar. Der Spender braucht dazu eine Bescheinigung von der Organisation.

Ob Entwicklungshilfe, Artenschutz oder Hilfen für krebskranke Kinder: Welchem Zweck die Spenden dienen, schreiben die Vereine in ihren Satzungen fest. Wie sie die Spenden verwenden, bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen. Gesetzliche Standards oder eine Pflicht für die Veröffentlichung der Mittelverwendung gibt es in Deutschland nicht.

Auf das DZI-Spenden-Siegel achten

Ein bewährtes Mittel der freiwilligen Kontrolle von Spendenorganisationen ist das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Aktuell tragen es 263 Organisationen. Das klingt wenig. Gemessen an den gesammelten Geldspenden dieser Organisationen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2008 bildet das DZI-Siegel aber einen bedeutenden Anteil des Spendenmarktes ab.

Das DZI vergibt das Siegel an gemeinnützige Organisationen erst nach einer Prüfung. Die Spendenorganisationen müssen es beantragen. Die Prüfung kostet durchschnittlich 2 000 Euro, maximal aber 12 000 Euro pro Jahr – je nach Größe der Organisation. „Diese Kappungsgrenze stellt sicher, dass wir nicht in finanzielle Abhängigkeit einzelner Organisationen geraten“, erklärt Geschäftsführer Burkhard Wilke.

Um das Siegel zu bekommen, müssen die Organisationen sich unter anderem anhand ihrer Rechnungslegung darauf prüfen lassen, ob sie sparsam und wirksam mit den Spendengeldern wirtschaften. Außerdem müssen sie über verschiedene Kontrollmechanismen verfügen und die drei höchsten Gehälter beziffern. Anfang 2011 hat das DZI die Standards für das Siegel verschärft: Nun müssen die Organisationen ihre Finanzlage in einem aussagekräftigen Jahresbericht veröffentlichen. Die Werbe- und Verwaltungskosten dürfen statt aktuell 35 nur noch höchstens 30 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Übergangsfristen laufen noch.

Viel für Werbung und Verwaltung

Sven Brauers kann von solchen Kostenquoten oft nur träumen: Bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Rheinland-Pfalz prüft er die Mittelverwendung von Spendenorganisationen. Häufig seien die Werbeausgaben enorm: „Vereine, denen wir ein Sammlungsverbot erteilt haben, haben teilweise Werbe- und Verwaltungskosten von 60 bis 80 Prozent“, sagt Brauers. Die ADD bildet bundesweit eine Ausnahme: Als einzige Landesbehörde genehmigt sie öffentliche Sammlungen, prüft im Nachgang die Verwendung der Spendengelder und geht Beschwerden nach. Vereine, die in Rheinland-Pfalz sammeln, sind der Behörde auskunftspflichtig und müssen auf Verlangen auch Verträge vorlegen. „Unsere Aufgabe ist es, die schwarzen Schafe herauszufiltern, um seriöse Organisationen zu stärken“, sagt Sven Brauers.

Etwa 10 bis 12 Sammlungsverbote pro Jahr verhängt die Behörde. Doch ihre Aufsicht endet an der Landesgrenze. Wer in Rheinland-Pfalz nicht sammeln darf, kann fast überall sonst weiter werben.

Länderaufsicht auf dem Rückzug

Burkhard Wilke vom DZI hat dafür kein Verständnis: „Die Bundesländer sollten sich abstimmen, damit Spender nicht nur in einem Land geschützt sind.“ Doch die staatliche Spendenaufsicht ist weiter abgebaut worden. In 12 der 16 Bundesländer wurden die Sammlungsgesetze abgeschafft, zuletzt in Hessen und Sachsen. In Baden-Württemberg, Thüringen und im Saarland sind nach wie vor die Kommunen zuständig.

Den Hinweis vieler Organisationen, das Finanzamt würde ja prüfen, hält der ehemalige Fondsanalyst Stefan Loipfinger für Augenwischerei: „Die Finanzämter prüfen Formalia. Es gibt aber keine Instanz, die flächendeckend kontrolliert: Wird das Geld auch im Interesse des Spenders verwendet?“ Mit seinem Portal charitywatch.de will Loipfinger selbst mehr Transparenz schaffen. Fragwürdige Vereine setzt er dort auf die Warnliste (siehe Interview) .

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