Richter billigt Verkauf von WM-Karten Meldung

Björn Kracht darf zur Fußball-WM. Das Amtsgericht Frankfurt hat heute den Deutschen Fußballverband (DFB) verurteilt, ihm und seiner Frau Tickets für das Viertelfinale in Gelsenkirchen auszustellen. Er war bei den Verlosungen von WM-Tickets leer ausgegangen und hatte dann bei einer Internetauktion zwei Karten für 880 Euro ersteigert. Originelle Begründung des Gerichts: Die Übertragung der Karten muss im Interesse des ursprünglichen Kartenkäufers möglich sein. Nur bei Verkauf von Tickets an auf Hooligan-Listen erfassten Fans darf der DFB nach Auffassung von Amtsrichter Jens Rüger die Zustimmung verweigern. Allerdings: Ob die Begründung für das Urteil auch bei nach dem 19. Januar verkauften Tickets zieht, ist höchst zweifelhaft. Damals kündigten die WM-Organisatoren ihre Kartentauschbörse an und eröffneten Ticket-Käufern damit die Möglichkeit, Karten wieder zurückzugeben.

Im Interesse von Karteninhabern

Die Personalisierung von WM-Tickets geht aus Sicht des Richters in Frankfurt in Ordnung. Allein schon aus Sicherheitsgründen dürfe der DFB bestimmten Kartenkäufern die Ausstellung von Tickets verweigern. Auch Schwarzhandel müsse sich der Fußballverband nicht unbedingt gefallen lassen, erklärte der Richter. Jede Übertragung zu verbieten, sei jedoch nicht zulässig. Sie stelle für Ticketkäufer eine unangemessene Benachteiligung dar. Nach dem Regelwerk der WM-Organisatoren ist die Übertragung einer Karte nur bei Erkrankungen, Todesfällen in der Familie oder in sonstigen Härtefällen möglich. Details dazu liefert die Meldung Rückgabe und Übertragung online. Das reichte dem Amtsrichter in Frankfurt nicht. Ticketinhaber müssen ihre Karte auch wieder loswerden können, wenn Sie einfach keine Lust mehr auf Fußball-WM haben. Schließlich verloste und verkaufte die Fifa die ersten Tickets schon neun Monate vor der WM.

Völliger Ausschluss unfair

Die Bemühungen der WM-Organisatoren um eine faire Verteilung der WM-Karten billigte der Richter. Es sei nicht zu beanstanden, dass überhaupt nur ein Drittel der insgesamt gut drei Millionen Karten frei vergeben werde. Die Fußballverbände dürfen Kartenkontingente exklusiv an Mitglieder, Sponsoren und Unternehmen weitergeben. Sie haben nach Ansicht des Richters in Frankfurt auch das Recht, den Handel von Karten auf dem Schwarzmarkt zu unterbinden, stellte er klar. Dazu hätten Fifa und DFB aber klare und faire Regeln aufstellen müssen. Der vollständige Ausschluss des Weiterverkaufs gehe zu weit und sei unwirksam, argumentierte der Richter. Ob Kartenverkäufe seit 19. Januar noch wirksam sind, hat der Richter allerdings ausdrücklich offen gelassen. An diesem Tag verkündete die Fifa ihre Pläne für eine Online-Kartentauschbörse. Sie ist Ende März gestartet und ermöglicht die Weitergabe von Tickets unter Fifa-Regie.

Entscheidung im Einzelfall

Das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt gilt nur für den Einzelfall. Auf andere Verfahren hat es nur Einfluss, wenn die Begründung den zuständigen Richter überzeugt. Björn Kracht jedenfalls ist fein raus. Das Urteil in seinem Fall ist bereits rechtskräftig. Der DFB verzichtet darauf, Berufung einzulegen. Genützt hätte das allerdings auch kaum: Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, und bis zur Entscheidung in der zweiten Instanz ist die Fußball-Weltmeisterschaft wahrscheinlich vorbei. Unklar ist, ob sich noch weitere Käufer von Tickets aus zweiter Hand gegen die WM-Organisatoren durchsetzen können.

Amtsgericht Frankfurt, Urteil vom 20. April 2006
Aktenzeichen: 31 C 3120/05-17

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