Rheuma bei Kindern

Medikamente

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Inhalt

Was den Kindern hilft

Rheumakranke Kinder und Jugendliche nehmen, wie auch die erwachsenen Rheumakranken, meist mehrere Medikamente aus verschiedenen Medikamentengruppen kombiniert ein. Zu Anfang werden die

nichtsteroidalen Antirheumatika

(NSAR, nichtsteroidal = ohne Kortison) eingesetzt, die antientzündlich, fiebersenkend und schmerzstillend wirken. Als Wirkstoffe kommen Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin und Naproxen in Frage.

Acetylsalicylsäure (ASS) hat bei Kindern zu viele Nebenwirkungen. "Leider gibt es nur Ibuprofen und Indometacin in Saftform, denn Saft akzeptieren die Kinder eher als Tabletten und er lässt sich besser dosieren. Eine Tablette ist oft zu viel", bemängelt Dr. Renate Häfner von der Kinderrheumaklinik in Garmisch-Partenkirchen.

Wenn nur wenige Gelenke betroffen sind, können NSAR zusammen mit gelegentlichen

Kortisonspritzen

ins Gelenk ausreichen.

Sind viele Gelenke betroffen (oder bei hartnäckigen Oligoarthritiden), ist eine

Basistherapie

erforderlich, die das Immunsystem herunterreguliert. Die Basis- medikamente (Immunsuppressiva) kommen aus der Krebstherapie oder Transplantationsmedizin und werden bei rheumakran- ken Kindern in wesentlich niedrigerer Dosierung eingesetzt. Das wichtigste Basismedikament ist Methotrexat (MTX), das die Ärzte meist bei einer Polyarthritis verschreiben. Die Crux bei MTX: Die Kinder entwickeln manchmal einen solchen Ekel gegen das Medikament (warum, weiß keiner), dass die Ärzte auf andere Mittel ausweichen müssen. "Azathioprin oder neuerdings Zyklosporin A sind eine gute Alternative bei MTX-Unverträglichkeit", betont Dr. Häfner. Auch gespritzte Goldsalze sind sehr wirksam, aber schwer einzustellen. "Bei einer frühkindlichen Oligoarthritis sind die Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin günstig, bei einer Oligoarthritis vom Typ II das Sulfasalazin", erläutert die Kinderrheumatologin. Kinder mit einer systemischen Polyarthritis ("Morbus Still") werden oft gleichzeitig mit NSAR, zwei bis drei Immunsuppressiva und Kortisontabletten behandelt. Kortison kommt lokal ­ außer bei Injektionen ins Gelenk ­ auch als Tropfen oder Salben bei der Regenbogenhautentzündung zum Einsatz.

Ein neues Medikament, der TNF-Blocker Etanercept, hat seine Zulassung für die "juvenile Polyarthritis" im Februar 2000 erhalten und ist damit das erste zugelassene Medikament in der Kinderrheumatologie überhaupt. Die anderen Mittel sind nur in ihrer Wirksamkeit für Erwachsene geprüft, ihr Einsatz bei Kindern beruht jedoch auf teilweise jahrzehntelanger Erfahrung. Etanercept hemmt einen bestimmten Botenstoff des Immunsystems, den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF), der maßgeblich an der Gelenkentzündung beteiligt ist. Nach zwei bis drei Injektionen zeigt sich oft schon eine drastische Besserung, doch Erfahrungen über längere Zeiträume fehlen noch.

Nebenwirkungen

Die meisten Medikamente schlagen auf Magen und Darm, bis hin zum Magengeschwür (auch bei Kindern). Die NSAR vertragen Kinder allerdings viel besser als Erwachsene. Außerdem können die Leberwerte erhöht sein, Blutbildveränderungen, Nierenprobleme oder Hautausschläge auftreten. Dr. Häfner: "Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind deshalb entscheidend."

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Jayden am 19.12.2013 um 14:48 Uhr
Ausbildung von Ekel

Die mit den Medikamenten verbundenen Getränke oder Lebensmittel können einen Ekel bei Kindern hervorrufen. Kinder assozieren das jeweilige Getränk z.B. Apfelsaft dann mit dem Medikament und entwickeln langfristig eine Abneigung zu diesem Getränk, egal wie sehr sie es vor der beginnenden Therapie mochten. Der Ekel kann sich schneller verstärken, wenn sich z.B. die Herstellungsfirma des Medikamentes ändert und so die gewohnten Eigenschaften des Medikamentes. Auch kann die Farbe ein Grund für Ekel sein, hat sich einmal eine negative Assoziation mit dem gefärbten Medikament im Kopf des Kindes festgesetzt, ist es schwer diese wieder los zu werden. Zumal hassen es Kinder, wenn sich die Tabletten durch Kanten (auch bei runden Tabletten), ihre Form oder Größe schlecht schlucken lassen oder sich schon im Mund- oder Speiseröhrenraum anfangen auf zu lösen und so einen für sie ekelerregenden Geschmack freisetzen.