Restschuldversicherung Test

Ein Zuhause für die Familie: Im Ernstfall zahlt die Versicherung die Schulden.

Bauherren benötigen viele Jahre, um ihre Kredite zu tilgen. Sterben sie vorher, springt eine Restschuldversicherung ein.

Für die eigenen vier Wände gehen ­Bauherren und Immobilienkäufer ­gemeinsam mit ihren Angehörigen hohe finanzielle Verpflichtungen ein. Bis die Kredite abgezahlt sind, dauert es oft länger als 20 Jahre. Doch was passiert, wenn ein Ehepartner stirbt, bevor die Schulden ­getilgt sind?

Die Angehörigen haben nicht nur mit dem Schmerz zu kämpfen, sondern müssen auch die finanziellen Folgen tragen. Reicht das Geld nicht für die Kreditraten, kann die Familie ihr Domizil verlieren. ­Eine ­Risikolebensversicherung für die ­Deckung der Restschuld verhindert das.

Der Schutz ist nicht nur für den Hauptverdiener der Familie sinnvoll, sondern auch für den Erwachsenen, der die Kinder betreut. Stirbt er, kann der verbleibende Partner vielleicht seiner Arbeit nicht mehr in vollem Umfang nachgehen, sodass ein Teil des Einkommens fehlt. Deshalb sollten beide Partner einen Vertrag abschließen oder eine gemeinsame Police haben.

Die Versicherung zahlt im Todesfall einen Betrag, der die Restschuld zumindest größtenteils abdecken soll. Finanztest hat die Angebote von 30 Gesellschaften untersucht und dabei enorme Preisunterschiede ermittelt. Die Beiträge für unseren Musterkunden unterscheiden sich um mehr als 300 Prozent.

Viele Hundert Euro Preisunterschied

Restschuldversicherung Test

Schutz der Kinder: Beide Eltern sollten eine Rest­schuld­versicherung haben – nicht nur der Hauptverdiener.

Will ein 35-jähriger Mann ein Darlehen von 100 000 Euro so absichern, dass sich die Versicherungssumme jährlich an die Restschuld anpasst, zahlt er dafür beim günstigsten Anbieter (Ontos) für die ­gesamte Laufzeit insgesamt 834 Euro. Im ungünstigsten Fall (Generali) zahlt er 3 472 Euro, also mehr als das Vierfache.

Eine Kundin gleichen Alters zahlt bei Ontos 629 Euro, bei Generali kostet ihr Versicherungsschutz 2 070 Euro.

Entscheidend ist der Barwert

Die Summen geben den Barwert der Beiträge an, die der Kunde im Laufe der Jahre zahlen muss. Der rechnerische Umweg ist nötig, weil die Jahresbeiträge nicht immer konstant bleiben und die Dauer, für die der Kunde sie zahlen muss, sich bei den Angeboten unterscheidet. Erst der Barwert macht sie vergleichbar.

Der Barwert gibt an, wie viel Geld heute als Einmalbetrag bei einer Verzinsung von 4,5 Prozent notwendig ist, um über die Jahre die Versicherungsbeiträge zu finanzieren. Je höher der Barwert ist, desto teurer ist der Versicherungsschutz.

Im Gegensatz zu einer Kapitallebensversicherung wird bei der Restschuldversicherung kein Vermögen angespart. Überlebt der Versicherte die Versicherungsdauer, bekommt er kein oder nur sehr wenig Geld ausbezahlt. Verglichen mit der Kapitallebensversicherung sind die Beiträge deshalb niedrig.

Männer zahlen mehr als Frauen

Die Höhe der Versicherungsbeiträge ­richtet sich unter anderem nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand der versicherten Person. Die Beiträge für ­Männer liegen wegen der durchschnittlich geringeren Lebenserwartung höher als die für Frauen. Menschen mit Vorerkrankungen zahlen höhere Beiträge als Gesunde.

Bei manchen Krankheiten ist der Abschluss einer Restschuldversicherung gar nicht mehr möglich. Außerdem gilt: Je ­länger die Laufzeit des Darlehens ist, desto teurer wird der Versicherungsschutz.

Zwei Arten der Versicherung

Die Kunden haben zwei Varianten der Restschuldversicherung zur Auswahl. Von ihrer Entscheidung hängt es ab, ob die Versicherung ziemlich genau die Schulden deckt oder nur ungefähr.

Versicherungsschutz mit jährlicher Anpassung an den Tilgungsplan: Die Versicherungsleistung wird jährlich an die Restschuld angepasst. Dafür muss der Versicherer nicht nur die Gesamtlaufzeit eines Darlehens kennen, sondern auch ­wissen, welcher Nominalzins vereinbart wurde und wie der Tilgungsplan aussieht.

Für jedes Jahr der Laufzeit zahlt der Versicherte einen anderen Beitrag. Da er älter wird, steigen zunächst die Beiträge, denn sie hängen ja vom Alter ab. Sobald jedoch die Restschuld stärker abnimmt, sinken sie deutlich.

Von den Versicherern im Test bieten 18 diese Form der Restschuldversicherung an.

Linear fallender Versicherungsschutz: Bei dieser Variante sinkt die Versicherungsleistung jährlich um einen konstanten Betrag. Zum Beispiel fällt eine ­Versicherungssumme von 100 000 Euro bei einer Laufzeit von 21 ­Jahren um 4 762 Euro (100 000 : 21) pro Jahr. Nach zehn Jahren beträgt sie rund 52 381 Euro.

Dies kann zu Lücken im Schutz führen, denn die Restschuld eines Baudarlehens nimmt nicht im gleichen Maß ab wie die Versicherungsleistung.

In unserem Beispiel beträgt die Restschuld bei einem Kredit von 100 000 Euro mit einem Nominalzins von 4,5 Prozent und einer Gesamtlaufzeit von 21 Jahren nach zehn Jahren 62 200 Euro. Es bleibt ­eine Lücke von 9 819 Euro für die Angehörigen, wenn der Versicherte nach zehn ­Jahren stirbt. Diese ­Gefahr besteht bei der Variante mit jährlicher Anpassung an den Tilgungsplan nicht.

Die Jahresbeiträge für den linear fallenden Versicherungsschutz sind in der Regel konstant. Der Kunde muss sie bei den meisten Anbietern nicht über die gesamte Laufzeit des Vertrags zahlen, sondern meist nur für rund zwei Drittel der Zeit.

Durch die Jahresbeiträge erhält der Kunde deshalb lediglich einen ersten Eindruck von den Kosten für den Versicherungsschutz. Der Jahresbeitrag des insgesamt günstigsten Anbieters Ontos liegt für einen Mann bei 94,96 Euro. Den niedrigsten Jahresbeitrag verlangt Dialog mit 79,20 Euro. Diesen Beitrag muss der Kunde jedoch über einen längeren Zeitraum zahlen, sodass der Barwert letztlich um 257 Euro das günstigste Angebot übersteigt.

Überschüsse werden verrechnet

Da die Versicherungsgesellschaften ihre Beiträge vorsichtig berechnen, erwirtschaften sie Überschüsse. An diesen müssen sie die Ver­sicherten beteiligen.

Die meisten Gesellschaften verrechnen den voraussichtlichen Überschussanteil ­direkt mit dem Tarifbeitrag. Durch diese Beitragsverrechnung zahlt der Kunde von Anfang an einen deutlich niedrigeren ­Beitrag als eigentlich vorgegeben.

Beim zweiten Verfahren, dem „Todesfallbonus“, dienen die Überschüsse dazu, die Leistung im Todesfall zu erhöhen. Beträgt der Todesfallbonus beispielsweise 100 Prozent, genügt der Abschluss einer ­Versicherungssumme von 50 000 Euro, um einen Versicherungsschutz von 100 000 Euro zu haben. Für diese herab­gesetzte Versicherungssumme muss der ­Kunde weniger Beitrag zahlen.

Die Überschüsse sind jedoch nur für ein Jahr garantiert. Ändert sich ihre Höhe, werden bei der Beitragsverrechnung die Jahresbeiträge angepasst. Beim Todesfallbonus ändert sich die Höhe der Versicherungsleistung. Sinken die Überschüsse, besteht die Gefahr, dass der Schutz nicht mehr ausreicht. Die Beitragsverrechnung ist deshalb besser.

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