Restschuldversicherung Test

Zu einer soliden Baufinanzierung gehört eine Versicherung für den Todesfall. Derselbe Schutz kostet zwischen 770 und 2 400 Euro.

Viele fällen mit dem Hausbau oder dem Kauf einer Eigentumswohnung die weitreichendste Geldentscheidung ihres Lebens. Sie verplanen auf lange Zeit ihr Einkommen, um damit die Raten für ihr Immobiliendarlehen abzuzahlen.

Doch was wäre, wenn ihnen etwas zustieße? Zu einer umsichtigen Finanzplanung gehört es, auch daran zu denken.

Vor allem Menschen, die alleine für die Kreditraten aufkommen, sollten ihre Familien oder ihren Partner absichern. Sonst sitzen diese womöglich auf einem Berg Schulden und haben kein Geld für die Tilgung, wenn dem Hauptverdiener etwas passiert. Von einem Kredit über 100 000 Euro können schließlich zum Beispiel nach elf Jahren noch mehr als 60 000 Euro zu tilgen sein.

Damit Angehörige – egal, was passiert – ihr Zuhause behalten können, gehört zu einem Immobiliendarlehen eine spezielle Risikolebensversicherung zur Deckung der Restschuld. Im Todesfall springt der Versicherer ein. Je nach Vertragstyp bezahlt er die Schulden komplett oder zum großen Teil.

Enorme Preisunterschiede

Wir haben 46 Tarife von 17 Versicherern für diesen sinnvollen Schutz getestet und dabei enorme Preisunterschiede festgestellt.

Die Tarife sind sehr unterschiedlich gestaltet. Bei manchen zahlen die Kunden ihren Versicherungsbeitrag über die gesamte Laufzeit, bei anderen nur über zwei Drittel der Zeit. Manche Beiträge bleiben konstant, andere werden jährlich neu kalkuliert.

Für einen Vergleich haben wir daher den sogenannten Barwert gebildet und alle zukünftigen Beiträge auf den heutigen Wert abgezinst. Der Barwert gibt an, wie viel Geld bei Vertragsschluss als Einmalbetrag bereitgestellt werden müsste, um die künftigen Versicherungsbeiträge zu zahlen.

Für das teuerste Angebot im Test müsste unser Beispielkunde bei dem Versicherer Debeka 2 450 Euro zahlen. Das ist mehr als dreimal so viel, wie der günstigste Anbieter Ontos verlangt. Hier kostet der Schutz nur 772 Euro.

Einstiegspreis führt in die Irre

Restschuldversicherung Test

Will ein Baufinanzierer Angebote vergleichen, sollte er nicht auf den Versicherungsbeitrag im ersten Jahr schauen. Ein niedriger Einstiegspreis im ersten Jahr kann täuschen. Entscheidend ist der Barwert aller Beiträge (siehe Tabelle). Je höher der Barwert, umso teurer ist das Angebot der Versicherung.

Auch die Unterschiede zwischen Frauen- und Männertarifen sind erheblich. Eine Frau zahlt niedrigere Beiträge als ein Mann, weil ihre Lebenserwartung höher eingeschätzt wird. Beim Versicherer Europa sichert in unserem Modellfall eine 35-Jährige ein 100 000-Euro-Darlehen für 588 Euro ab, ein Mann zahlt 803 Euro für den Schutz. Die Höhe der Beiträge richtet sich außerdem nach dem Alter und dem Gesundheitszustand der Versicherten.

Wie gut die Versicherung die Restschuld deckt, hängt von der Art des Vertrags ab. Wir unterscheiden zwei Versicherungstypen.

Restschuldversicherung mit jährlicher Anpassung an den Tilgungsplan: Bei diesem Typ sinkt die Versicherungssumme während der Laufzeit genauso wie die Restschuld des Darlehens. Ein Kreditnehmer vermeidet eine Unterdeckung. Im Todesfall zahlt der Versicherer die volle Restschuld. Um die Police zu kalkulieren, berücksichtigt der Versicherer nicht nur die Gesamtlaufzeit, sondern auch den Nominalzins und den Tilgungsplan des Darlehens. Da das Alter des Versicherten steigt, steigen bei manchen Anbietern, zum Beispiel bei den günstigsten Versicherern Ontos und Europa, die Versicherungsbeiträge zunächst trotz sinkender Restschuld geringfügig an. Dann nehmen sie aber stark ab, wenn die Restschuld weiter sinkt.

Manche Anbieter wie die Interrisk versichern die Restschuld nur bis zu einer Mindestversicherungssumme von 10 000 Euro. Deshalb endet ihre Versicherung schon nach 21 Jahren, obwohl das Darlehen noch ein Jahr läuft.

Restschuldversicherung mit linear fallender Versicherungssumme: Bei diesen Verträgen sinkt die Versicherungssumme jährlich um einen konstanten Betrag. Eine Versicherungssumme von 100 000 Euro fällt bei einer Laufzeit von 22 Jahren jährlich um 4 545 Euro (100 000 : 22). Nach elf Jahren beträgt die Versicherungssumme 50 000 Euro.

Die Restschuld bei einem Annuitätendarlehen, der üblichen Form des Baukredits, nimmt jedoch nicht in gleichem Maße ab wie der Versicherungsschutz. Bei einem Nominalzins von 5 Prozent beträgt die Restschuld nach elf Jahren noch 63 436 Euro. Im Fall des Todes bleibt eine Finanzierungslücke von 13 436 Euro.

Eine linear fallende Versicherungssumme sollten Bauherren daher nur vereinbaren, wenn die Angehörigen über ausreichend Einkommen verfügen, um notfalls diese Lücke finanzieren zu können.

Überschussbeteiligung senkt Beitrag

Erwirtschaften die Restschuldversicherer Überschüsse, müssen sie ihre Kunden daran beteiligen. In den meisten Tarifen im Test verrechnen sie die Überschüsse direkt mit den Versicherungsbeiträgen (BV). Bei guter Ertragslage zahlen Kunden dann einen niedrigeren Versicherungsbeitrag.

In Tarifen mit Todesfallbonus (BO) können Kunden von den Überschüssen profitieren, indem sie eine niedrigere Versicherungssumme vereinbaren, zum Beispiel 55 000 Euro. Dann zahlen sie von Anfang an niedrigere Versicherungsbeiträge. Bei sinkenden Überschüssen haben sie allerdings im Ernstfall eine Deckungslücke.

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