Reparatur­services für Smartphones Test

Am Boden zerstört. Stürzt das Smartphone ab, steht der Besitzer vor der Frage: Risse ignorieren oder reparieren?

Ärgerlich, wenn das Smartphone herunter­fällt und das Display splittert. Nur ein Hersteller repariert sehr gut und flott. Andere bieten Kurioses.

Wums, da liegt es am Boden. Häss­liche Risse ziehen sich quer über den Bild­schirm des Smartphones. Ein gesplittertes Display gehört zu den häufigsten Schäden bei Mobiltelefonen. Weil ein selbst verschuldeter Schaden nicht unter die gesetzliche Gewähr­leistung fällt, zahlt der Besitzer die Reparatur.

Reparatur­services für Smartphones Test

Sprung im Glas. Allen 27 Smartphones fügten die Tester den gleichen Displayschaden zu.

Die Heilung des Handys ist oft ebenso schmerzlich wie der Sturz und seine Blessuren – das zeigt der Test von Smartphone-Reparatur­services. Wir gaben 27 gebrauchte Smartphones mit einem Displayschaden und einer kaputten Kopf­hörer­buchse in die Werk­statt – bei sechs Hand­yherstel­lern und drei unabhängigen Online-Reparatur­diensten. Jeder Anbieter erhielt drei Geräte.

Nur die Hersteller Apple und Huawei beseitigten sämtliche Schäden einwand­frei. Alle anderen Dienst­leister arbeiteten nach­lässig, viele Rechnungen waren happig und die Genesung dauerte mitunter wochen­lang. HTC verweigerte zweimal die Reparatur, dann flatterte ein Kosten­vor­anschlag über fast 500 Euro ins Haus. Traurig: Ein Drittel der Kopf­hörer­buchsen blieb defekt, obwohl wir auf den Schaden hinwiesen. Letsfix stellte die nach wie vor lädierte Buchse gar in Rechnung.

Reparaturbranche ist bunt

Reparatur­services für Smartphones Test

Fachmän­nischer Einsatz. Meist ersetzen Reparateure nicht nur das Displayglas, sondern die ganze Display­einheit.

Wer den Schaden hat, steht vor der Frage, von wem er ihn reparieren lässt. Da wären die Hand­yhersteller – im Test sind es Apple, Samsung, Sony, HTC, Huawei und LG. Die meisten von ihnen betrauen Service­partner mit der Reparatur ihrer Markengeräte und kümmern sich selten selbst.

Darüber hinaus tummeln sich im Internet herstel­ler­unabhängige Online-Dienst­leister, wie Hand­yreparatur123, Letsfix und Phonecare. Sie nehmen Handys verschiedener Marken an.

Möglich ist auch der Gang zum Laden um die Ecke. Kleine Vor-Ort-Werk­stätten schießen wie Pilze aus dem Boden. Meist handelt es sich um einzelne Läden, deren Reparaturqualität sich kaum verallgemeinern lässt. Deshalb haben wir sie nicht geprüft. Über­regionale Ketten sind spärlich gesät. Mister Minit flickt neben Schuhen auch Handys, wir testeten exemplarisch je eine Reparatur in zwei Filialen.

Nur ein Hersteller über­zeugte

Hersteller Apple regulierte den Schaden am besten: Der Testsieger tauschte das ramponierte Smartphone gegen ein intaktes vom selben Typ aus – auch der Service war gut. Allerdings hat Apple wie drei weitere Anbieter deutliche Mängel in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen. Andere Hersteller leisteten sich selbst bei der Reparatur Schnitzer. Sony erledigte nur die Hälfte, LG löschte alle persönlichen Daten, bei Samsung lief es mittel­prächtig, Huawei reparierte tadellos, brauchte aber ewig. Details verraten die Test­kommentare (unter dem jeweiligen Anbieter in den Testergebnissen).

Zuerst die Hotline anrufen

Fällt die Wahl auf eine Hersteller-Reparatur, lohnt es sich, vorab die jeweilige Service-Hotline anzu­rufen. Dort wird erklärt, was zu tun ist. Apple etwa schickt einen Paket­dienst, der das Handy abholt. Bei allen anderen Anbietern vers­endet es der Kunde selbst oder gibt es bei einem Service­partner vor Ort ab.

Tipp: Anrufer sollten die 15-stel­lige Identifikations­nummer (IMEI) des Handys parat haben. Das Smartphone zeigt sie an, wenn der Nutzer im Eingabefeld für die Telefon­nummer den Tastenkode *#06# eintippt.

Ein iPhone-Tausch scheiterte

Die IMEI-Nummer verrät etwa, in welchem Land das Handy gekauft wurde oder welche Farbe es hat. Eines unserer gebraucht gekauften iPhones weckte Apples Interesse. IMEI und registrierte Gerätefarbe stimmten nicht über­ein. Offen­bar hatte jemand am Smartphone manipuliert. Der Tester musste das Handy in einem Apple-Geschäft unter­suchen lassen. Apple entschied alternativlos: kein Tausch­handy. Treffen kann das jeden, der sein iPhone gebraucht kauft. Aus Fairness wieder­holten wir den Testfall mit einem unstrittigen Handy.

HTC lehnte Reparatur ab

Schlechter Service könnte das HTC-Image derb ankratzen. Der deutsche Service­partner des taiwanesischen Herstel­lers lehnte zwei Reparaturen ab. Ein halbes Jahr nach Ablauf der Gewähr­leistung waren für das Handy „One X“ angeblich keine Ersatz­teile mehr liefer­bar. Selt­samer­weise galt das nicht für ein weiteres One X. Dafür erhielten wir einen gepfefferten Kosten­vor­anschlag über 469 Euro. Zu diesem Zeit­punkt kostete das Handy neu nur etwa 300 Euro. Wir taten, was kein vernünftiger Kunde tun würde, und ließen reparieren. Nach langen 25 Werk­tagen bekamen wir das One X zurück: Display ganz, Kopf­hörer­buchse kaputt. Insgesamt bewerten wir HTC mit mangelhaft. HTC hat seinen Service­partner mitt­lerweile auf eigene Initiative gewechselt. Bleibt zu hoffen, dass der neue Partner besser arbeitet.

Online heißt es „Schaden raten“

Bei den herstel­ler­unabhängigen Online-Reparatur­diensten lief auch nicht alles rund. Jeder Dienst bekam von uns je ein Handy von Apple, Samsung und Sony. Auf der Internetseite der Anbieter soll der Kunde den Schaden selbst diagnostizieren, ihn aus einem Menü auswählen und den Auftrag in den Warenkorb legen. Schwierig, wenn der Defekt im Menü nicht zu finden ist – wie etwa bei Hand­yreparatur123.

Gut reparierte kein Online­dienst­leister. Hand­yreparatur123 arbeitete nicht in jedem Fall sorgfältig. Letsfix setzte zweimal die Kopf­hörer­buchse nicht instand. Teils zeitraubend lief es bei Phonecare, der Service wechselte außerdem unnötig einen leistungs­fähigen Akku, Testergebnisse.

Nicht immer original Ersatz­teile

Wissens­wert: Internet­services verwenden statt Original­ersatz­teilen oft Nach­bauten. Zum Teil bleibt ihnen keine andere Wahl, denn Hersteller wie Apple hüten ihre Smartphone-Komponenten wie einen Schatz und geben sie nicht an Dritte heraus. Nach­bauten können, müssen aber nicht spür­bar schlechter sein. Hand­yreparatur123 wechselte preis­wert ein iPhone-Display, das dem Original sehr nahe kam. Bei Letsfix waren jedoch zwei Displays deutlich dunkler als ihre Originale.

Neukauf kann sich lohnen

Wirt­schaftlich sind etliche Reparaturen im Test nicht. Wir haben die Reparatur­kosten mit dem Neukauf des gleichen Smartphone-Modells zum Zeit­punkt des Schadens ins Verhältnis gesetzt. In einem Fall war die Reparatur nur 20 Euro preis­werter als das Neugerät. Am meisten sparen iPhone-Besitzer – wenn sie online reparieren lassen und mit der Qualität der Ersatz­teile pokern.

Kaum Ketten in Sicht

Vor-Ort-Werk­stätten mit über­regionalem Filialnetz gibt es fast keine. Exemplarisch testeten wir neben Mister Minit auch den Vor-Ort-Service von Phonecare – in der Tabelle ist der Anbieter jedoch ausschließ­lich mit seinem Online-Dienst bewertet.

Ein Handy ging in Therapie

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Es krankt. Laut Aufkleber ist das Handy „gesund“. Aber es kam mit defekter Kopf­hörer­buchse zurück.

Ein auf der Internetseite ausgewiesener Phonecare-Laden existierte bereits nicht mehr. Eine zweite Adresse führte die Tester zu einer therapeutischen Praxis. Neben medizi­nischen Massagen bietet der Therapeut kosmetische Operationen fürs Handy. Freundlich notierte er im Warteraum auf einem weißen Blatt Papier die Defekte. Nach drei Werk­tagen war das Smartphone fertig. Das Display wurde ausgetauscht, die Kopf­hörer­buchse nicht. Eine seriöse Werk­statt sieht anders aus.

Anleitung zum Selbst­basteln

Gute Reparaturen sind rar. Beträcht­lich ist dagegen die Zahl der Internet­anleitungen zum Displaytausch in Eigen­regie. Die prominenteste Platt­form für Frickler ist iFixit, aktiv in den USA und mehreren europäischen Ländern. Unter iFixit.com gibt es kostenlose, allerdings meist eng­lische Reparatur­anleitungen sowie Ersatz­teile und das nötige Werk­zeug.

Tech­nische Laien sollten aber keine Experimente wagen oder sich zumindest einen Fachmann dazu­holen. Lohnen kann ein Besuch im Repair Café. In einigen dieser Selbst­hilfe­werk­stätten bieten kompetente Handybastler kostenlos Hilfe an.

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