Reparaturen und Handwerksarbeiten reklamieren Meldung

Im Umgang mit Handwerkern, der Autowerkstatt oder Baufirmen haben Verbraucher jetzt bessere Karten.

Für Verträge über Reparaturen, Bauten oder Dienstleistungen gelten nach der Schuldrechtsreform seit Jahresbeginn neue Regeln. Meist profitieren davon die Verbraucher.

Werkunternehmer wie etwa ein Maßschneider haben hingegen Pech. Stellt der Schneider für einen Kunden einen Anzug her, hat er zwar ein Werk vollbracht. Doch immer dann, wenn durch die Werkleistung ein neues Produkt hergestellt wird, gilt jetzt ganz eindeutig das Kaufrecht.

Der Schneider muss zwei Jahre für Mängel haften. Diese Verjährungsregel gilt zwar auch bei vielen "echten" Werkverträgen. Doch das Kaufrecht bringt dem Anzugkäufer mehr. Im ersten halben Jahr nach Übergabe des Anzugs ist der Schneider in der Beweispflicht. Reklamiert der Kunde dann etwa eine Verfärbung, muss der Schneider beweisen, dass der Fleck im Laden noch nicht da war. Gelingt ihm das nicht, greifen die Gewährleistungsrechte nach Kaufrecht.

Danach darf der Kunde zunächst bestimmen, ob der Schneider den Mangel beseitigen oder noch mal ganz von vorne beginnen soll. Nur wenn die gewählte Alternative unverhältnismäßig teuer ist, darf der Schneider auf die andere ausweichen.

Anders ist das bei reinen Werkverträgen, etwa wenn ein Installateur ein defektes Rohr repariert. Hier darf der Unternehmer selber auswählen. Er könnte seine schlechte Arbeit also erst einmal nachbessern, auch wenn der Kunde wünscht, dass die ersten Flicken komplett entfernt werden und die Reparatur von Grund auf neu begonnen wird.

Auch Kunden haben Pflichten

Aufpassen müssen Auftraggeber von Werklieferungen trotz des günstigen Kaufrechts immer dann, wenn sie bei der Herstellung mitwirken müssen. Erscheint der Kunde, der einen Anzug will, trotz Termin nicht zum Maßnehmen, gelten die entsprechenden Werkvertragsregeln: Der Schneider darf dann Entschädigung verlangen, wenn er gewartet hat und andere Kunden wegschicken musste. Kommt der vergessliche Kunde erneut nicht, darf der Schneider vom Vertrag zurücktreten und Ersatz seiner Aufwendungen fordern.

Unklarheiten bleiben

Leider bleiben im Werkvertragsrecht trotz Gesetzesreform Fragen offen. So verschwimmen bei den klassischen, "echten" Werkleistungen wie der Autoreparatur jetzt die Grenzen zwischen Werk und Kauf.

Wer einen Austauschmotor ins Auto einbauen lässt (Werk), regelt mit gleichem Vertrag auch, dass er einen neuen Motor bekommt (Kauf). Da hier die Werkleistung klar überwiegt, dürfte im Zweifel ein Werkvertrag vorliegen. Funktioniert drei Monate später das Auto nicht mehr, muss der Kunde beweisen, dass die Werkstatt schuld war, und er kann keinen neuen Motor verlangen, sondern muss Nachbesserungen akzeptieren.

Was aber, wenn sich Werk- und Kaufkomponente die Waage halten, der Autoservice etwa nur die Zündkerzen wechselt? Ob Kunden nach einem fehlerhaften Kerzeneinbau die am Motor entstandenen Schäden nach Werk- oder nach Kaufrecht reklamieren können, wird sicher die Gerichte beschäftigen.

Unklar ist auch, wie häufig ein Unternehmer Nachbesserungen versuchen darf. Im Kaufrecht ist das klar geregelt: Im Zweifel ist nach zwei Versuchen Schluss. Geht etwa ein defekter Computer dann immer noch nicht, heißt es "Geld zurück" oder "Preisnachlass".

Im Werkrecht hat der Gesetzgeber den Punkt "Reparaturversuche" leider offen gelassen. Allerdings ist klar: Ein Installateur hat viel Einfluss auf sein Produkt. Von Anfang an liegt es in seinen Händen, dass die Reparatur oder die versprochene Installation fehlerlos ist. Ein Verkäufer von fertigen Produkten ist nicht so nah "dran am Objekt". Wahrscheinlich werden sich Werkdienstleister daher oft mit nur einem Nachbesserungsversuch begnügen müssen. Entscheiden müssen auch das die Gerichte.

Schneller Schadenersatz

In jedem Fall ist jetzt aber klar geregelt, wie unzufriedene Kunden verfahren müssen, wenn sie nach den ersten Fehlschlägen eine Nachbesserungsodyssee vermeiden wollen. Nun genügt es, dem unzuverlässigen Monteur nach dem ersten Reparaturversuch eine Frist zu setzen, bis er das tropfende Rohr tatsächlich geflickt hat. Dann heißt es abwarten. Verstreicht die Frist, kann der Kunde die Reparatur auf eigene Faust beheben lassen, und dem glücklosen Klempner die Rechnung präsentieren.

Er kann auch vom Vertrag zurücktreten, das Geld zurückfordern oder den vereinbarten Rechnungsbetrag kürzen. Bislang gab es all diese Rechte nur, wenn der Kunde bei Fristsetzung auch erklärt hatte, dass er nach Ablauf zurücktrete. Diese Drohung ist nun entbehrlich.

Der Kunde kann auch Schadenersatz verlangen. Kann er nachweisen, dass der Unternehmer den Mangel des Werks verschuldet hat, also etwa fahrlässig zu Werke gegangen ist, sind alle dadurch entstandenen Schäden einklagbar. Im Fall einer falschen Motormontage und anschließenden Kollapses der Maschine kommen dann als Schaden zum Preis des Motors gegebenenfalls auch die Kosten eines Leihwagens infrage.

Klare Verjährungsregeln

Grundsätzlich muss der Hersteller ab Abnahme des Werks zwei Jahre haften. Bei Bauwerken, Baustoffen und Bauplanungsleistungen wie etwa der Arbeit von Architekten gelten fünf Jahre ab Abnahme der Leistung durch den Kunden. Für andere geistige Werke wie ein Gutachten oder eine individuell hergestellte Software muss der Hersteller drei Jahre die Gewähr übernehmen. Bislang wurde hier mühsam unterschieden: Mängel am Werk verjährten in einem halben Jahr, Ansprüche wegen Schäden, die durch den Mangel entstanden, mitunter erst in 30 Jahren. Nun wurden die Verjährungsregeln kräftig entrümpelt.

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