Renten­versicherung Test

Allianz und Ergo gehen voran. Ihre neuen Renten­policen bieten keine festen Zinsen, aber Hoff­nung auf mehr Rendite. Lohnt sich das?

Das Angebot der Lebens­versicherer erinnert Felix Hufeld an einen Donut. Das sagte der oberste Versicherungs­aufseher der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) gegen­über der Frank­furter Allgemeinen Zeitung. Zwischen den klassischen Versicherungen und den fonds­gebundenen gebe es ein Loch.

Kunden mit klassischen Lebens- und Renten­versicherungen bekommen umfang­reiche Garan­tien, Grafik: Die neuen Rentenversicherungen. Das bedeutet Planungs­sicherheit. Reine fonds­gebundene Angebote sind deutlich riskanter, bieten dafür aber höhere Rendite­chancen. Sie eignen sich wegen ihres Verlustrisikos weniger für die Alters­vorsorge.

Der Garan­tiezins soll weg

Bafin-Chefin Elke König fordert die Versicherer auf, „differenziertere Angebote zu entwickeln und das Produkt Lebens­versicherung in Teilen neu zu erfinden.“Es geht wohl vor allem darum, die garan­tierte Verzinsung bei den Versicherern loszuwerden. Sie macht ihnen in der Nied­rigzins­phase zu schaffen.

Zwei Produkte mit neuer Konstruktion, wie sie die Bafin fordert, sind nun auf dem Markt: Die Renten­versicherung „Perspektive“ der Allianz und die „Rente Garantie“ der Ergo. Gleich­zeitig holen mehrere Versicherer Produkte älterer Bauart – die Index­policen – wieder aus den Schub­laden. Wir wollten wissen, was all das für die Alters­vorsorge taugt.

„Perspektive“ der Allianz

Die Renten­versicherung Perspektive der Allianz scheint zumindest gut anzu­kommen. „Perspektive ist die bisher erfolg­reichste Produkt­einführung der Allianz Lebens­versicherung“, erklärt Sprecherin Katrin Wahl.

Das Allianz-Produkt ähnelt weit­gehend einer klassischen Lebens­versicherung. Die Beiträge der Kunden fließen über­wiegend in verzinste sichere Anlagen des Versicherers. Das Produkt eignet sich deshalb prinzipiell als Alters­vorsorge.

In der Anspar­phase erhalten die Kunden statt einer Mindest­verzinsung auf den Spar­anteil ihrer Beiträge aber nur die Zusage, dass ihre Beiträge erhalten bleiben.

Weniger Garantie, mehr Hoff­nung

Schon die Mindest­verzinsung von 1,75 Prozent in klassischen Verträgen ist eine Art tief­gespanntes Sicherungs­netz, falls es ganz schlecht läuft. In den Perspektive-Verträgen hängt die Allianz dieses Netz noch tiefer.

Die tatsäch­liche Verzinsung liegt in der Regel höher als die Mindest­garantie, da Versicherer ihre Kunden zusätzlich an Über­schüssen beteiligen müssen. Deren Höhe kann schwanken. Letzt­endlich kommt es für den Kunden auf die Gesamt­verzinsung inklusive der Über­schuss­beteiligung an.

Perspektive-Kunden erhalten die Aussicht auf eine höhere Gesamt­verzinsung als beim klassischen Allianz-Produkt. Sie müssen der Allianz aber stärker vertrauen, dass sie gut wirt­schaftet.

In der Vergangenheit haben die Versicherer nicht immer bewiesen, dass sie dieses Vertrauen verdienen. Die Ablauf­leistung vieler Verträge lag deutlich unter den Prognosen der Versicherer.

Rendite über dem Markt­durch­schnitt

Wir haben die Rendite der „Perspektive“ anhand eines Modell­falls ermittelt. Sie beträgt 3,6 Prozent, wenn die Über­schüsse 30 Jahre lang auf dem der-zeitigen Niveau bleiben und der Kunde jähr­lich 1 200 Euro einzahlt. Diese Rendite liegt über dem Markt­durch­schnitt für klassische Policen. Die Klassik-Variante der Allianz brächte nur 3,3 Prozent.

Für Kunden, die ihr Guthaben später nicht verrenten lassen, sondern die Kapital­auszahlung wählen, kann der kleine Rendite­aufschlag eine Perspektive sein.

Die Rente aus Perspektive-Verträgen kann dagegen trotz höherem Guthaben nied­riger ausfallen als bei klassischen Produkten. Denn anders als bei diesen behält sich Allianz vor, erst bei Renten­beginn fest­zulegen, wie sie das Kapital in eine Rente umrechnet. Wählt sie eine ungüns­tigere Umrechnung als heute üblich, kann das die Rente deutlich schmälern.

„Rente Garantie“ von Ergo

Auch die neue Police von Ergo verkauft sich offen­bar gut. „Wir sind mit dem Absatz sehr zufrieden“, sagt Sprecher Robert Hirmer.

Die „Rente Garantie“ ist eine Varia­tion der fonds­gebundenen Versicherung, bietet aber trotzdem Kapital­erhalt in der Anspar­phase und eine Mindest­rente im Alter.

Für die Alters­vorsorge empfehlen können wir die Police derzeit dennoch nicht. Um den Beitrags­erhalt zu sichern – und das ist das Neue –, nutzt Ergo den Schweizer Rück­versicherer New Reinsurance Company. Der soll einspringen, wenn das Fonds­investment so schlecht läuft, dass Ergo den Kapital­erhalt nicht mehr gewähr­leisten kann. 10 Prozent des Beitrags unseres Modell­kunden gehen so für den Kapital­erhalt drauf, in den ersten fünf Jahren sogar 20 Prozent. Das ist viel.

Völlig unklar ist, ob und wie Ergo Kunden an Über­schüssen beteiligt, die im Geschäft mit dem Rück­versicherer anfallen können.

Qualität der Ergo-Fonds unklar

Anders als bei vielen gängigen Fonds­policen hat der Kunde keine Auswahl bei den Fonds. Das muss für Sparer, die sich um nichts kümmern wollen, kein Nachteil sein. Sie sind dann aber darauf angewiesen, dass ihr Versicherer auf Fonds mit einer guten Wert­entwick­lung setzt.

Ob das bei der „Rente Garantie“ der Fall ist, können wir nicht sagen. Die beiden Misch­fonds, in die der Anbieter investiert– Flex­Konzept Basis (Isin LU 088 726 243 3) und der Fonds Flex­Konzept Wachs­tum (Isin LU 088 726 251 6) – sind noch keine fünf Jahre am Markt und deshalb zu jung für eine Bewertung in unserem Fonds­dauertest.

Index­policen für Spieler

Auch Index­policen setzen auf die Chancen der Aktienmärkte. Sie sind nicht neu, führten bisher aber eher ein Nischendasein. Nun setzen die Versicherer zunehmend auf sie. Allianz, Condor und R+V bieten sie an. Neuestes Beispiel ist die Axa-Police „Relax“.

Zu Verlusten kann es nicht kommen. Doch eine entspannte Alters­vorsorge sieht anders aus. Denn die Kunden müssen jedes Jahr aufs Neue wählen, ob sie eine fest­gelegte Verzinsung ihres Guthabens möchten oder Aktien­chancen nutzen wollen.

Entscheiden sie sich für Letzteres und gehen die Kurse rauf, streichen sie einen Teil der Aktien­kurs­gewinne ein. Den anderen Teil nutzt der Versicherer, um mögliche Verluste ausgleichen zu können und so die Kapital­garantie zu sichern.

Welcher Anteil beim Kunden bleibt, kann sich jedes Jahr ändern. Um das Beste aus ihrer Police zu machen, müssen Versicherungs­nehmer die Entwick­lungen auf den Zins- und Aktienmärkten im Auge haben. Das dürfte viele über­fordern.

Riester-Förderung nutzen

Sparer, die Chancen der Aktienmärkte nutzen wollen und einen Anspruch auf Riester-Förderung haben, haben auch die Möglich­keit, Riester-Fonds­sparpläne oder -Fonds­policen abzu­schließen. Auch diese Vertrags­varianten vereinen Fonds­investment mit Kapital­erhalt. Durch die staatliche Förderung gibt es sogar eine Art garan­tierte Rendite.

Zwar sind auch die Riester-Fonds­policen nichts zum Füße hoch­legen. Doch Kunden können ihre Police mithilfe unserer regel­mäßigen Fonds­bewertung immer auf dem besten Stand halten. Mehr dazu im Produktfinder Riester-Fondspolicen.

Mehr Wirr­warr bringt nichts

Für Verbraucher macht die Forderung der Versicherungs­aufseher nach neuen kreativen Lösungen nur Sinn, wenn sie mit Trans­parenz und Vereinfachung einhergehen. Schon heute sind die Angebote schwer zu verstehen und zu vergleichen. Das ist aber Voraus­setzung für eine informierte Alters­vorsorge-Entscheidung.

Wichtig wäre es, Konstruktion, Geld­fluss und Kosten der Produkte so zu gestalten, dass der Vergleich möglich wird. Das geht nur, wenn die Designs klar nach­voll­zieh­bar sind und ihre Zahl nicht ausufert.

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