Erwerbs­minderung: Für Arbeit zu krank

Menschen, die eine Erwerbs­minderungs­rente bekommen, sind bei Renten­beginn im Durch­schnitt 51 Jahre alt. Es fehlen ihnen noch viele Jahre bis zum regulären Ruhestands­alter – und somit viele Beitrags­jahre für eine auskömm­liche Rente. Doch für diese Zeit gibt es einen Ausgleich. Er soll für Erwerbs­geminderte, die ab Juli in Rente gehen, erhöht werden.

Derzeit erhalten alle, die vor dem 60. Geburts­tag erwerbs­unfähig werden, eine sogenannte Zurechnungs­zeit. Sie bekommen für die Zeit vom Eintritt der Erwerbs­minderung bis zum 60. Geburts­tag zusätzliche Zeiten ange­rechnet. Ab Juli soll diese Zurechnungs­zeit für Neurentner um zwei Jahre verlängert werden.

Beispiel: Ein Versicherter arbeitet seit seinem 25. Lebens­jahr und wird mit 50 Jahren erwerbs­gemindert. Er hat in den Jahren seiner Berufs­tätig­keit immer ein Gehalt in Höhe des Durch­schnitts­einkommens verdient (aktuell 34 857 Euro brutto im Jahr). Derzeit wird er so gestellt, als ob er bis zu seinem 60. Geburts­tag weiterhin so viel verdient und entsprechend Beiträge bezahlt hätte. Das ergibt in den alten Bundes­ländern 1 001 Euro Rente im Monat, in den neuen Ländern rund 924 Euro. Künftig wird er so gestellt, als habe er bis zu seinem 62. Geburts­tag Beiträge gezahlt. Dies ergibt im Westen ab Juli eine Rente von 1 059 Euro. Also ein Plus von rund 58 Euro.

Allerdings werden von den Erwerbs­minderungs­renten Abschläge für den vorgezogenen Renten­beginn abge­zogen: 0,3 Prozent für jeden vorgezogenen Monat, maximal jedoch 10,8 Prozent. Unser Beispielrentner in den alten Ländern bekommt von den 1 059 Euro 114 Euro abge­zogen. Die ungekürzte Rente erhalten nur Versicherte, die erst mit 63 Jahren und acht Monaten oder später erwerbs­unfähig werden. Diese Grenze wird bis zum Jahr 2024 schritt­weise auf 65 Jahre ange­hoben.

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