Rentenfonds im Minus

Rentenfonds in Fonds­policen

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Viele Anleger und Anle­gerinnen halten Rentenfonds als Sicher­heits­baustein in ihren fonds­gebundenen Renten­versicherungen. Manchmal lohnt der Wechsel zu Geldmarkt­fonds.

Wenn Zinsen steigen, sinken die Kurse von Rentenfonds. Wie sich die Kurse von Rentenfonds nach dem Zins­anstieg in verschiedenen Szenarien lang­fristig entwickeln könnten, haben wir unter Zins-Szenarien: aktuelle Simulation zusammengefasst. Unter Umständen bleiben die Kurse über viele Jahre im Minus.

Kein Tages­geld in Fonds­policen

Fonds­policen sind Versicherungs­produkte für die Alters­vorsorge. Es ist in der Regel möglich, aus einer vorgegebenen Liste Fonds auszuwählen, in die das Geld fließen soll. Welche das sind, lässt sich am besten bei der Gesell­schaft selbst, in deren Onlineportal oder den Versicherungs­vertretern erfragen. Tages- und Fest­geld gehören aber nicht dazu.

Tipp: Mehr zu Fonds­policen in unserem Vergleich Rentenversicherung mit Fonds.

Unser Rat

Fonds­police mit Kapital­garantie. Wenn Sie eine Fonds­police mit Kapital­garantie haben, können Sie auf Rentenfonds verzichten. Denn dadurch haben Sie bereits eine Sicher­heits­komponente. Setzen Sie auf welt­weit anlegende Aktien-ETF, wenn dies möglich ist.

Fonds­police ohne Kapital­garantie. Wenn Sie bei einer Fonds­police ohne Garantie einen Sicher­heits­baustein haben wollen, nehmen Sie Rentenfonds. Sie können sie mit Geldmarkt­fonds mischen.

Kurz vor Ablauf. Läuft Ihre Fonds­police nur noch wenige Jahre, können Sie von Rentenfonds in Geldmarkt­fonds wechseln. Deren Rendite ist zwar leicht negativ, aber dafür besteht kaum ein Zins­änderungs­risiko und es sind keine größeren Verluste zu erwarten.

Pantoffel in der Fonds­police

Finanztest hat bei Fonds­policen in der Vergangenheit empfohlen, sich an unser Pantoffel-Portfolio anzu­lehnen. Das simple Konzept sieht vor, chancenreiche und sicher­heits­orientierte Geld­anlage­angebote zu kombinieren. Dafür nutzen Sparer Exchange Traded Funds (ETF), also börsen­gehandelte Fonds, die einem Börsen­index folgen.

Der Rendite­baustein ist optimaler­weise ein welt­weit anlegender Aktien-ETF und der Sicher­heits­baustein ein ETF auf einen Euro-Staats­anleihen-Index. Das Portfolio lässt sich zum Beispiel je zur Hälfte aus beiden bestü­cken. Vorsichtige gewichten die Anleihen höher, Risiko­bereite die Aktien.

Je höher der Anteil des Sicher­heits­bausteins ist, desto weniger schwankt der Wert des Portfolios. Diesen stabilisierenden Zweck erfüllen Rentenfonds weiterhin, weil ihre Kurse deutlich weniger Ausschläge verzeichnen als die von Aktienfonds.

Anle­gerinnen und Anleger sollten regel­mäßig umschichten, damit das gewünschte Verhältnis zwischen beiden Bausteinen gleich bleibt. Bei fallenden Aktien­kursen fließt somit Geld von den Rentenfonds in Aktien-ETF, also dann, wenn diese gerade günstig sind. Ein solches anti­zyklisches Anpassen ist auf Dauer vorteilhaft.

Geldmarkt­fonds als Alternative

Für den Sicher­heits­baustein des Pantoffel-Portfolios in der Fonds­police kommen auch Geldmarkt­fonds infrage, entweder anstelle von oder zusätzlich zu Rentenfonds. Geldmarkt­fonds legen das Kapital als Bank­guthaben oder in Anleihen mit Lauf­zeiten bis zu einem Jahr an.

Ihre Kurse bewegen sich noch weniger als die von Rentenfonds. Sie reagieren auch kaum, wenn sich das Zins­niveau ändert. Da die Zinsen in ihrem Anlagesegment aber nahe oder unter null liegen und trotzdem Kosten für die Fonds anfallen, fällt die Rendite aktuell leicht negativ aus. Das kann sich in Zukunft wieder ändern.

Geldmarkt­fonds kurz vor Ablauf

Ratsam sind Geldmarkt­fonds, wenn die Fonds­police nicht mehr lange läuft. Ein Zins­anstieg wirkt sich besonders ungünstig aus, wenn nur noch kurze Zeit bis zur Auszahlung oder Verrentung der Police bleibt. Unsere Simulationen zeigen, dass die negativen Renditen in den ersten Jahren nach dem Anstieg am höchsten sind. Von dem zukünftigen positiven Aspekt steigender Zinsen profitieren Policen kurz vor Ablauf nicht mehr.

Ein Problem wäre auch ein Börsencrash, der den Kurs der Aktien-ETF einbrechen lässt. Es ist daher empfehlens­wert, das Geld schritt­weise aus den Rentenfonds und nach guten Börsen­jahren auch aus Aktien-ETF in Geldmarkt­fonds umzu­schichten. Der Vorteil von Fonds­policen: Das Umschichten ist in der Regel kostenlos.

Die leicht negative Rendite lässt sich ein paar Jahre lang verkraften. Wer plant, sich die Fonds als Rentenergän­zung nach Ablauf der Police in das eigene Depot über­tragen zu lassen, kann sie einfach laufen lassen, ohne umzu­schichten.

Keine Rentenfonds bei Kapital­garantie

Nicht bei allen Fonds­policen steckt das gesamte Vermögen in Fonds. Manche haben schon einen einge­bauten Sicher­heits­baustein. Der Versicherer garan­tiert, dass ein bestimmter Prozent­satz des investierten Kapitals erhalten bleibt. Es ist bei einem solchen „Zwei-Topf-Hybrid“ im Sicherungs­vermögen des Versicherers angelegt und nicht in Fonds. Spare­rinnen und Sparer können den freien Anteil voll in einen Aktien-ETF stecken und Rentenfonds hinaus­werfen.

Keine Alternative ohne Garantie

Wer eine Fonds­police ohne einge­zogene Garantie hat, aber auch nicht zu 100 Prozent in Aktienfonds investieren will, hat keine Alternative zu Rentenfonds. Sollten die Zinsen in nächster Zeit weiter steigen und die Lauf­zeit beträgt noch mehr als 20 Jahre, läge die Police bis zum Ende aber wieder im Plus.

Problematisch wird es dagegen, wenn ein weiterer stärkerer Anstieg weiter in der Zukunft liegt. Angenommen, die Zinsen blieben in den nächsten Jahren ungefähr auf heutigem Niveau und steigen erst dann lang­sam, bleibt auch nach 20 Jahren noch ein Minus.

Wer mit einer Fonds­police für das Alter sparen will und sogar noch 30 bis 40 Jahre Lauf­zeit vor sich hat, sollte sich keine allzu großen Sorgen um Zins­risiken machen. Junge Anle­gerinnen und Anleger können aufgrund ihres langen Anla­gehorizonts mit 100 Prozent Aktien-ETF starten und selbst Börsencrashs entspannt aussitzen.

Das gilt auch für diejenigen, die teil­weise in Rentenfonds investieren. Die Zinsen können sich im Lauf so vieler Jahre noch viele Male ändern – mal zum Vorteil, mal zum Nachteil der Sparer.

Flexibler ohne Fonds­police

Es ist möglich, flexibler und güns­tiger mit Fonds für das Alter zu sparen. Dafür reicht auch ein einfaches Wertpapierdepot. Dann können zudem Tages- und Fest­geld statt Rentenfonds den Sicher­heits­baustein bilden. Die Versicherungs­policen werden aber steuerlich güns­tiger behandelt.

Tipp: Die Vor- und Nachteile von Fonds­policen gegen­über Fonds­sparplänen haben wir zusammengefasst unter Altersvorsorge mit Fonds – das sollten Sie wissen.

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69 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.07.2022 um 14:48 Uhr
Steigende Anleihezinsen

@BernieKHB: Unter dem folgenden Link finden Sie unsere stets aktualisierte Berichterstattungen zu Änderungen des Marktgeschehens:
www.test.de/geld-aktuell
Lange waren die Zinsen am Anleihenmarkt für deutsche Staats­anleihen negativ. Mittlerweile liegen sie im Plus. Damit stellen einzelne bonitätsstarke Anleihen, wie zum Beispiel Bundes­anleihen, wieder eine Alternative zu Fest­geld dar.

BernieKHB am 18.07.2022 um 17:08 Uhr
Steigende Anleihezinsen nutzen?

Mich interessiert, ob es sinnvoll wäre, die nächsten Monate die Anleihenzinsen zu beobachten, und im Falle einer weiteren Erhöhung Anleihen mittlerer Laufzeit zu kaufen, deren Kurswert dann stärker gefallen sein müsste,vllt auf 70%, um
1. die mickrigen Zinsen zu kassieren und
2. später den 100% Betrag zu erhalten.
Ist das unrealistisch oder machbar?

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.04.2022 um 11:46 Uhr
Kurzläufer - jetzt doch lieber Tagesgeld?

@jogi9000: Schauen Sie sich bitte unsere aktuelle Rentenfonds-Simulation an, die Sie unter dem nachstehenden Link finden: www.test.de/ukraine-anlegen

jogi9000 am 19.04.2022 um 18:37 Uhr
Kurzläufer - jetzt doch lieber Tagesgeld?

Können Sie mir in kurzen Worten erklären, wie ein Rentenfonds mit 1-2yr hochwertigen Staatsanleihen sich grundsätzlich entwickelt. Müssten nicht durch den wahrscheinlichen Anstieg der Zinsen dann die bisherigen Negatiz-Zinsen der einzelnen Anleihen rausfallen und damit die Anlage attraktiver werden? Oder wo ist mein Denkfehler?
zB hat der "Lyxor EuroMTS Highest Rated Macro-Weighted Govt Bond 1-3Y" seit Anfang 2021 ca 2% verloren. Hat mich gut durch die großen Verlusttage Anfang 2022 gebracht. Aber sollte man jetzt nicht doch den Verlust begrenzen und in Tagesgeld als Sicherheitsanker gehen? Wie gesagt, habe hier leider (mal wieder) eine Denkblockade und über Hilfe zum Weiterdenken würde ich mich freuen. Beste Grüße.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2022 um 13:38 Uhr
Aussteigen aus Renten-ETF?

@Ann74: Wir bieten an dieser Stelle keine individuelle Anlageberatung an. Dem Artikel nehmen Sie unsere Simulationen für unterschiedliche Laufzeiten. Je nach Restlaufzeit des Vertrages unterscheiden sich die Ergebnisse der Szenarien. Wer im Tief aus einem Renten-ETF Euro aussteigt, fixiert damit den Verlust. Da es für Tages- und Festgeld nur geringe Zinsen gibt, muss dieser Verlust durch den Aktien-ETF Welt im Portfolio kompensiert werden.
Rentenfonds mit Staatsanleihen wurden in Krisenzeiten oft als sicherer Hafen angesteuert. Sollte es wegen der Inflation allerdings zu Zinserhöhungen kommen, drohen Verluste.