Rentenfonds im Minus Lohnt sich der Verkauf jetzt noch?

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Rentenfonds im Minus - Lohnt sich der Verkauf jetzt noch?
Nied­rigzinsen. Die Europäische Zentral­bank (EZB) hält die Leitzinsen seit Jahren auf nied­rigem Niveau. Am Anleihemarkt sind die Zinsen jedoch schon gestiegen. © Getty Images / Thomas Lohnes

Die Zinsen von Anleihen sind gestiegen, das hat Rentenfonds Euro mit Staats- und Unter­nehmens­anleihen ins Minus gedreht. Wir analysieren, wie es weitergehen kann.

Die Zinsen von Euro-Anleihen sind ­deutlich gestiegen. Die Kehr­seite der Medaille: Steigende Zinsen bedeuten fallende Kurse für schon im Umlauf ­befindliche Anleihen – was wiederum ETF und Fonds mit Anleihen aus dem Euroraum ins Minus zieht. Auf ein Jahr liegt unser Vergleichs­index für Rentenfonds mit Staatsanleihen gemischter Laufzeiten 6,4 Prozent im Minus (Stand: 31. März 2022). Auch Rentenfonds mit einem Mix aus Staats- und Unternehmensanleihen sind im Verlust.

Sechs Zins-Szenarien unter der Lupe

Nun fragen uns Anlegende, ob sie nach den aktuellen Verlusten ihre Rentenfonds verkaufen oder lieber abwarten sollen. Wir haben das analysiert: Wir schauen, ausgehend vom aktuellen Zins­niveau, wie sich ein Euro-Staats­anleihen-ETF entwickelt, wenn die Zinsen einem von sechs Szenarien folgen.

Szenario 1: Die Zinsen bleiben so, wie sie sind.

Szenario 2: Die Zinsen fallen jähr­lich um 0,2 Prozent­punkte.

Szenario 3: Die Zinsen steigen jähr­lich leicht um 0,2 Prozent­punkte.

Szenario 4: Die Zinsen steigen mäßig um 0,5 Prozent­punkte pro Jahr.

Szenario 5: Die Zinsen steigen stark um einmalig 1 Prozent­punkt.

Szenario 6: Die Zinsen steigen sehr stark um 2 Prozent­punkte.

Ist der weitere Zins­anstieg schwach, bleiben die Fonds im Plus

Szenario 1, 2 und 3: Steigen die Zinsen jedes Jahr ein biss­chen, ist die Wert­entwick­lung unserer Simulation zufolge über die kurze und die lange Frist positiv. Das Gleiche gilt bei konstanten Zinsen sowie bei wieder fallenden Zinsen.

Szenario 4: Sollten die Zinsen über die nächsten Jahre mäßig steigen, gibt es keinen starken Einbruch, aber es droht eine längere Verlust­phase.

Szenario 5 und 6: Steigen die Zinsen sprunghaft an, wird es weitere Verluste geben. Bei einem Anstieg um einmalig 1 Prozentpunkt wird das Minus weitere 5 Prozent­punkte betragen. Bei noch stärkeren Zins­anstiegen ist der zwischen­zeit­liche Rück­schlag entsprechend größer. Je nachdem, wie stark die Zinsen nach oben schnellen, sind die Verluste nach zirka drei Jahren oder etwas später ­wieder aufgeholt.

Die Ergeb­nisse unserer Analyse

Die folgenden Charts zeigen die Ergeb­nisse unserer Zukunfts­simulationen für die mögliche weitere Entwick­lung von Rentenfonds.

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Tipps für Anlegende mit Rentenfonds

Es ist möglich, dass das Schlimmste bei den ­Rentenfonds mit Euro-Staatsanleihen über­standen ist. Es kann aber auch sein, dass die Zinsen nochmals ­anziehen. Wer auch bei einem weiteren Einbruch am Rentenmarkt mit Kurs­verlusten um 5 Prozent die Nerven behält und außerdem bereit ist, mindestens fünf Jahre zu investieren, kann bei Euro-Rentenfonds bleiben. Wer keine (weiteren) Verluste bei seinen Rentenfonds riskieren möchte, setzt lieber auf Tagesgeld sowie Festgeld.

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69 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.07.2022 um 14:48 Uhr
Steigende Anleihezinsen

@BernieKHB: Unter dem folgenden Link finden Sie unsere stets aktualisierte Berichterstattungen zu Änderungen des Marktgeschehens:
www.test.de/geld-aktuell
Lange waren die Zinsen am Anleihenmarkt für deutsche Staats­anleihen negativ. Mittlerweile liegen sie im Plus. Damit stellen einzelne bonitätsstarke Anleihen, wie zum Beispiel Bundes­anleihen, wieder eine Alternative zu Fest­geld dar.

BernieKHB am 18.07.2022 um 17:08 Uhr
Steigende Anleihezinsen nutzen?

Mich interessiert, ob es sinnvoll wäre, die nächsten Monate die Anleihenzinsen zu beobachten, und im Falle einer weiteren Erhöhung Anleihen mittlerer Laufzeit zu kaufen, deren Kurswert dann stärker gefallen sein müsste,vllt auf 70%, um
1. die mickrigen Zinsen zu kassieren und
2. später den 100% Betrag zu erhalten.
Ist das unrealistisch oder machbar?

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.04.2022 um 11:46 Uhr
Kurzläufer - jetzt doch lieber Tagesgeld?

@jogi9000: Schauen Sie sich bitte unsere aktuelle Rentenfonds-Simulation an, die Sie unter dem nachstehenden Link finden: www.test.de/ukraine-anlegen

jogi9000 am 19.04.2022 um 18:37 Uhr
Kurzläufer - jetzt doch lieber Tagesgeld?

Können Sie mir in kurzen Worten erklären, wie ein Rentenfonds mit 1-2yr hochwertigen Staatsanleihen sich grundsätzlich entwickelt. Müssten nicht durch den wahrscheinlichen Anstieg der Zinsen dann die bisherigen Negatiz-Zinsen der einzelnen Anleihen rausfallen und damit die Anlage attraktiver werden? Oder wo ist mein Denkfehler?
zB hat der "Lyxor EuroMTS Highest Rated Macro-Weighted Govt Bond 1-3Y" seit Anfang 2021 ca 2% verloren. Hat mich gut durch die großen Verlusttage Anfang 2022 gebracht. Aber sollte man jetzt nicht doch den Verlust begrenzen und in Tagesgeld als Sicherheitsanker gehen? Wie gesagt, habe hier leider (mal wieder) eine Denkblockade und über Hilfe zum Weiterdenken würde ich mich freuen. Beste Grüße.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2022 um 13:38 Uhr
Aussteigen aus Renten-ETF?

@Ann74: Wir bieten an dieser Stelle keine individuelle Anlageberatung an. Dem Artikel nehmen Sie unsere Simulationen für unterschiedliche Laufzeiten. Je nach Restlaufzeit des Vertrages unterscheiden sich die Ergebnisse der Szenarien. Wer im Tief aus einem Renten-ETF Euro aussteigt, fixiert damit den Verlust. Da es für Tages- und Festgeld nur geringe Zinsen gibt, muss dieser Verlust durch den Aktien-ETF Welt im Portfolio kompensiert werden.
Rentenfonds mit Staatsanleihen wurden in Krisenzeiten oft als sicherer Hafen angesteuert. Sollte es wegen der Inflation allerdings zu Zinserhöhungen kommen, drohen Verluste.