Rentenfonds Euro Special

Für Finanz­minister Schäuble – hier auf einer Presse­konferenz in Berlin – bleibt noch viel zu tun. Die Euro-Krise ist noch nicht ausgestanden. Zuletzt bereitete die Entwick­lung in Portugal Sorgen.

Steigen die Zinsen, rutschen Anleger mit Rentenfonds erst einmal ins Minus. Meist dauert es aber nur kurz und sie sind wieder im Plus.

Verkehrte Welt. Am 2. Mai 2013 beschloss die Europäische Zentral­bank (EZB), den Leitzins von 0,75 auf 0,5 Prozent zu senken. Doch die Verzinsung zehnjäh­riger Bundes­anleihen stieg – von 1,2 Prozent pro Jahr Anfang Mai auf 1,7 Prozent Ende Juni.

Schuld daran ist Ben Bernanke, der Präsident der amerikanischen Noten­bank, der angekündigt hat, die Ankäufe für US-Staats­anleihen möglicher­weise bald zu beenden. Die Verzinsung amerikanischer Anleihen stieg an – und mit ihr die der deutschen Anleihen. „Wir sind quasi der kleine Bruder“, sagt Rüdiger Kerth von Union Investment.

Kerth spricht von „Anpassung an die Normalität“. Trotz des Anstiegs sei das Zins­niveau historisch betrachtet immer noch nied­rig. Kerth managt den Fonds UniEuroRenta (Isin DE 000 849 106 9), der vorwiegend in Euro-Staats­anleihen investiert. Viele Finanztest-Leser kennen den Fonds von ihrem Riester-Vertrag UniProfiRente.

Auf höhere Zinsen warten Sparer schon lange. Wenn die Zinsen steigen, wird die Anlage in sicheren Papieren attraktiver. Doch für Anleger mit Rentenfonds gibt es erst einmal Verlust, wie das Beispiel des UniEuroRenta zeigt: Von Anfang Mai bis Ende Juni ist sein Anteils­preis zwischen­zeitlich um mehr als 2 Prozent gefallen. Seit Ende 2007 hat der Fonds im Schnitt um 4,8 Prozent pro Jahr zugelegt.

Das Prinzip ist einfach: Sobald es am Markt höhere Zinsen gibt, will niemand mehr die alten, nied­rig verzinsten Anleihen haben. Folg­lich sinkt voüberge­hend ihr Kurs – und damit auch der Wert der Fonds, die Anleihen gekauft haben (siehe Stich­wort).

Leser im Zweifel

Kein Wunder, dass einige Leser an unseren Empfehlungen zweifeln: Nach der Veröffent­lichung unserer Pantoffel­portfolios – den Depot­vorschlägen für Leute, die Geld­anlage gemütlich mögen – erreichten uns besorgte Zuschriften. „Soll ich wirk­lich die Hälfte meines Geldes in einen Rentenfonds einzahlen?“, fragten die Leser. „Sind die noch sicher, wenn die Zinsen steigen?“ Anderen macht die Eurokrise Sorgen. Sie fragen sich, ob Fonds mit Anleihen aus Spanien oder Italien als Sicher­heits­baustein taugen.

Anleihen sind eine andere Anla­geklasse als Aktien, mit geringeren Kurs­schwankungen und begrenzter Lauf­zeit. Sie verleihen einem Depot Stabilität. Das heißt nicht, dass es gar keine Risiken gäbe. Die Kurse schwanken – weil sich am Markt die Zinsen ändern oder ein Emittent nicht mehr zahlen kann.

Verluste vergleichs­weise gering

Rentenfonds Euro Special

Die Rentenmärkte sind gut für die Nerven.

Was passiert, wenn die Zinsen steigen, veranschaulicht ein Blick in die Vergangenheit. In vier Jahr­zehnten haben deutsche Staats­anleihen, gemessen am Index Rex-P, niemals mehr als 7 Prozent verloren. Der Rex-P enthält Anleihen unterschiedlicher Lauf­zeiten, ähnlich wie ein Rentenfonds auch. 7 Prozent – das ist zehn Mal weniger als der schlimmste Verlust deutscher Aktien, der gemessen am MSCI Deutsch­land, knapp 70 Prozent betrug (siehe Grafik).

Und: Es ging an den Rentenmärkten viel schneller, bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Andert­halb Jahre dauerte die längste Durst­strecke. Aktien­anlagen brauchten teils viele Jahre, ehe sie wieder im Plus waren.

Rentenfonds Euro Special

Als es noch mehr als 10 Prozent gab.

Die Kurse von Rentenfonds reagieren umso mehr auf Zins­änderungen, je länger ihre Anleihen noch laufen. Die Rest­lauf­zeit sagt nicht alles über das Zins­änderungs­risiko. So enthält der Kepler Vorsorge Rentenfonds (AT 000 079 986 1) rund 30 Prozent variabel verzinste Anleihen. Hier passt sich der Zins­kupon auto­matisch an den Markt­zins an, weshalb es kaum Kurs­verluste gibt.

Viele Fonds­manager steuern das Zins­änderungs­risiko außerdem über Deri­vate. Wer das Zins­änderungs­risiko seines Fonds wissen will, sucht nach der modifizierten Duration (Produktfinder Fonds). Sie zeigt, wie sehr der Fonds­preis fällt, wenn die Zinsen um einen Prozent­punkt steigen.

Die Euro-Krise schwelt weiter

Rentenfonds Euro Special

EZB-Präsident Mario Draghi hat den Leitzins Anfang Mai auf ein Rekord­tief gesenkt. Trotzdem stiegen an den Anleihemärkten die Renditen.

Ob die Zinsen weiter steigen, ist die Frage. Gerade hat EZB-Präsident Mario Draghi dauer­haft nied­rige Zinsen versprochen. Bei der Fonds­gesell­schaft Pimco hatte man schon erwartet, dass die Leitzinsen nied­rig bleiben würden. Der Manager des Allianz Pimco Rentenfonds (DE 000 847 140 0), Andrew Balls, geht zudem davon aus, dass das Wachs­tum in der Region schwach bleiben wird.

„Die Italiener tun wenig, um ihre Wett­bewerbs­fähig­keit zu verbessern“, stellt etwa Rüdiger Kerth von Union Investment fest. „Auch Spanien befindet sich noch in der Rezession.“ Kerth setzt sicher­heits­halber auf kurz­laufende Anleihen. Italienische plus spanische Papiere machen 16 Prozent des Fonds aus, deutsche rund die Hälfte.

Dagegen nehmen deutsche Anleihen in dem Fonds db x-trackers iBoxx € Sover­eigns Eurozone ETF (LU 029 035 571 7) nur ein Fünftel am Fonds­vermögen ein. Italienische Papiere machen 24 Prozent aus, spanische 11 Prozent. Der Fonds investiert nur in Anleihen derjenigen Staaten, die lang­fristig als zahlungs­fähig gelten. Griechen­land ist nicht dabei. Auch Portugal nicht, wo sich die Krise Anfang Juli wieder zugespitzt hat.

Gegen­über dem Fonds iShares eb.rexx Government Germany (DE 000 628 946 5), der nur deutsche Staats­anleihen kauft, ist die Anlage im Fonds von db x-trackers breiter gestreut. Der Mix birgt höhere Chancen. Zuletzt haben sich die zwei jedoch gleich entwickelt: 5,4 Prozent pro Jahr von Ende 2007 bis 31. Mai 2013. Beide sind ETF, börsen­gehandelte Fonds, die einen Index abbilden – eine nach­voll­zieh­bare, verläss­liche Strategie.

Die Verantwort­lichen gemanagter Fonds können auf aktuelle Ereig­nisse theoretisch schneller reagieren. Gelingt es ihnen, wären sie gegen­über den vergleichs­weise starren Indexfonds im Vorteil. Der Pimco Allianz Rentenfonds etwa hält auch Anleihen aus der Schweiz, Groß­britannien und Skandinavien. Seit Ende 2007 hat der Fonds 7 Prozent pro Jahr erzielt. Euro-skeptische Anleger können auch einen Fonds wählen, der außer Staats- verstärkt Unter­nehmens­anleihen kauft, wie den BNY Mellon Euro­land Bond (IE 003 272 226 0), der seit Ende 2007 um 7,6 Prozent pro Jahr zugelegt hat.

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