Rentenfonds Euro Test

Rentenfonds Euro sollten eine sichere Anlage sein. Doch viele haben vergangenes Jahr hohe Verluste gemacht. Schuld daran war nicht nur die Finanzkrise. Etliche Manager haben sich verspekuliert und nicht nur sichere, sondern auch riskante Papiere gekauft. Die Dummen sind die Anleger, die davon nichts wussten.

Das ging in die Hose. Rentenfonds Euro galten immer als sichere Geldanlage. Das dachten nicht nur die Anleger, das war auch die Einschätzung der Fondsgesellschaften selbst. Sie stuften diese Fonds als wenig riskant ein.

Doch Pustekuchen. Zahlreiche Fonds liegen im Minus. Anleger, die dachten, ihr Geld sei über ihren Fonds sicher in soliden Zinspapieren angelegt, haben in den vergangenen zwölf Monaten Geld verloren, einige weit über 20 Prozent (Stichtag 31. Januar 2009).

Nicht überall stehen rote Zahlen. Viele Fonds waren Ende Januar auch im Plus. Allerdings hat es kaum ein Manager geschafft, besser abzuschneiden als der Anleihenmarkt – was sein Job gewesen wäre.

Fonds, die einfach nur auf einen Börsenindex für den Anleihenmarkt setzen, haben dagegen teilweise über 8 Prozent Gewinn erwirtschaftet. Das hat kein einziger hochbezahlter Fondsmanager geschafft.

Die Strategien von Rentenfonds

Rentenfonds Euro verfolgen unterschiedliche Strategien. Einige kaufen nur sichere Papiere, die auf Euro lauten, zum Beispiel Staatsanleihen. Manche legen einen Schwerpunkt auf Pfandbriefe, andere investieren in Staatsanleihen, Pfandbriefe, Bank- und Unternehmensanleihen.

Teilweise mischen die Fondsmanager auch Genussscheine bei. Das sind aktienähnliche Papiere, die meist von Banken ausgegeben werden. Sie sind in der Finanzkrise stark gebeutelt worden.

Fonds, die nur in Genussscheine investieren, bilden eine eigene Gruppe. Hier sind die höchsten Verluste angefallen, zum Teil über 30 Prozent.

Mit Fonds, die nur Unternehmensanleihen kaufen, sind Anleger von vornherein ein höheres Risiko eingegangen. Sie wird das schlechte Ergebnis nicht völlig überrascht haben, auch wenn das Risiko von Unternehmenspleiten seit Ausbruch der Krise extrem schnell gestiegen ist.

„Giftige“ Papiere im DWS Inrenta

Rentenfonds Euro Test

Kalt erwischt hat die Anleger allerdings das schlechte Abschneiden von Fonds, die sich in der Vergangenheit immer als solide präsentierten – zum Beispiel der über 40 Jahre alte Traditionsfonds DWS Inrenta.

Noch vor einem Jahr führte der Fonds unsere Tabelle „Rentenfonds Euro mit geringem Risiko“ an. Seine Wertentwicklung im fünfjährigen Untersuchungszeitraum lag bei durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr.

Jetzt steht der Fonds auf Fünfjahressicht bei 0,6 Prozent Rendite pro Jahr. In den vergangenen zwölf Monaten hat er 9,8 Prozent Miese gemacht.

Die Verluste sind vor allem im vierten Quartal 2008 entstanden, als die Preise von Genussscheinen und ABS-Papieren fielen. Hinter ABS-Papieren verbergen sich Anleihen, die mit Kreditforderungen gesichert sind. Sie laufen nur so lange gut, wie die Kreditnehmer ihre Raten zahlen.

Mit Ausbruch der US-Immobilienkrise im Sommer 2007 brachen die Kurse einiger ABS-Papiere ein. Aber auch ABS, die nichts mit dem amerikanischen Markt zu tun hatten, wollte keiner mehr anfassen. Von Giftzeug war die Rede. Der Handel brach ein.

Ende Januar 2009 war das Fondsvermögen des DWS Inrenta zu 25 Prozent in ABS-Papiere investiert. 36 Prozent des Geldes lag in Finanzanleihen, für 25 Prozent hat Fondsmanager Johannes Müller Pfandbriefe gekauft.

Gerade mal 5 Prozent stecken in Staatsanleihen. Warum der Vergleichsindex, an dem sich der Fonds seit zehn Jahren misst, der Staatsanleihen-Index Rex-P ist, kann die DWS nicht schlüssig erklären.

Im Herbst 2007 begann Müller, den ABS-Anteil des Fonds auszubauen, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als andere aus den Papieren flohen. Zuvor hatte der Inrenta einen ABS-Anteil von 3 Prozent.

Zahlreiche Fonds mit Schwerpunkt ABS mussten im Sommer 2007 schließen, weil große Investoren reihenweise ihr Geld zurückhaben wollten. Einer der wenigen, die weiter Anteile zurücknahmen, war der DWS ABS-Fonds – obwohl Anleger allein im Jahr 2007 1,4 Milliarden Euro abzogen.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Papiere, die plötzlich keiner mehr haben wollte, in anderen DWS-Fonds landeten – eine Bad-Fonds-Lösung quasi. Auf ihrer Jahrespressekonferenz im Februar 2009 gab die DWS bekannt, man habe einzelnen Rentenfonds Papiere „mit höheren Renditen“ beigemischt. Das hat ein Gschmäckle, zumal der DWS Inrenta jetzt nicht gut dasteht.

Freiwillige Entscheidung

„Ja, es stimmt, der Inrenta hat auch Papiere gekauft, die der DWS ABS-Fonds verkauft hat. Aber das war meine freie Entscheidung“, sagt Manager Johannes Müller.

„Ich habe gleichzeitig auch außer Haus ABS gekauft“, unterstreicht Müller seinen Entschluss. „Ich fand die Preise damals sehr attraktiv. Es ist meine Strategie. Ich versuche dann zu kaufen, wenn die Kurse günstig sind, und warte darauf, dass sie sich wieder erholen. Das habe ich auch in früheren Jahren getan. Anfangs wurde ich dafür gescholten, später gelobt.“

Auch Genussscheine hat Müller 2008 gekauft. „Die Lehman-Pleite hat die Welt erschüttert“, sagt er, „ich gebe zu, damit habe ich nicht gerechnet. Insofern habe ich das Ausmaß der Krise unterschätzt.“ An seinem mittelfristigen Erfolg zweifelt er aber nicht.

Klare Worte

Die DWS ist nicht die einzige Gesellschaft, die in der Krise Entscheidungen getroffen hat, die den Anlegern Verluste bescheren. Aber kaum eine geht so offen damit um.

Nicht gut ist allerdings, dass die DWS die Anleger des Inrenta über ihre riskante Anlageidee nicht informierte. Jetzt stehen sie da mit ihrem Minus.

Ein Trost: Zurzeit geht die Strategie auf. „Es ist bisher bei keinem einzigen ABS in unserem Bestand zu einem Zahlungsausfall gekommen“, sagt Müller. Er müsse nur abwarten, bis die Papiere fällig werden, und schon werde aus einem Kursverlust von 30 Prozent eine Rückzahlung von 100 Prozent.

Anleger des Fonds müssen sich entscheiden. Fürchten sie eine drastische Verschärfung der Krise, sollten sie verkaufen, denn die Kurse würden weiter einbrechen. Vertrauen sie dem Management aber und wollen das Risiko eingehen, behalten sie den Fonds.

Zuversicht

Auch der Fonds Allianz Pimco Euro Bond Total Return hat ABS- und ähnliche Papiere gekauft. Sein Verlust zum 31. Januar 2009 beträgt 7,3 Prozent. Im Fondsprospekt weist die Gesellschaft allerdings darauf hin, dass es sich um einen „Euro-Anleihenfonds mit erweitertem Anlagenspektrum“ handelt, der auch in riskantere Papiere investieren darf.

Ähnlich wie die DWS gibt sich auch das Allianz-Pimco-Management zuversichtlich, was die erstklassig gesicherten ABS betrifft. Diese Bestände wollen sie beibehalten. So steht es im Factsheet des Fonds von Januar 2009.

Die Krise reißt viele runter

Der Gerling Rendite Fonds weist zum 31. Januar 2009 einen Jahresverlust von 10,6 Prozent aus. „Der Fonds erwirtschaftet seit über 30 Jahren auch über schwierige Kapitalmarktphasen hinweg überdurchschnittliche Ergebnisse“, schreibt Ampega Gerling selbst. Das passt zurzeit nicht.

Das Problem des Fonds war die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und die dadurch ausgelösten Erschütterungen am Markt. Der Fonds war selbst im Besitz einer Lehman-Anleihe und hatte außerdem eine Anleihe der ebenfalls in die Pleite geschlitterten US-Bank Washington Mutual. „Wir haben die Bestände so weit abgebaut, wie wir konnten, es aber leider nicht mehr rechtzeitig geschafft, alles zu verkaufen“, sagt Christophe Frisch von Ampega Gerling.

Der Fonds hat sein Vermögen breit über verschiedene Finanzanleihen verteilt. Doch das hat wenig geholfen, weil nach dem Zusammenbruch von Lehman die Kurse aller Bankenpapiere gefallen sind. „Wir haben das Ausmaß der Krise nicht voraussehen können“, räumt Frisch ein.

Auch die Pfandbriefe, die nach wie vor als erstklassige Papiere gelten, mussten Kursverluste hinnehmen. „Das liegt an der angespannten Situation im Markt“, sagt Frisch, „kaum einer will mehr kaufen.“ Aber gerade weil die Anleihen im Fonds keine schlechten Papiere seien, glaubt Frisch, dass der Fonds aufholen wird.

Geld, das ihm zufließt, etwa wenn fällige Anleihen zurückgezahlt werden, investiert er in kurzlaufende Unternehmensanleihen. „Wir sind der Ansicht, dass hier die Renditechancen höher sind als die Risiken.“

Fonds mit besonderer Strategie

Der Erfolgsgeschichte des Adireth hat die Finanzkrise ein jähes Ende gesetzt. Dem steueroptimierten Rentenfonds von cominvest machten ebenfalls zwei Zahlungsausfälle zu schaffen.

Der Fonds investiert vor allem in niedrig verzinsliche Wertpapiere und Genussscheine. Er hat zum 31. Januar 7,7 Prozent Verlust gemacht.

Hauptgrund sind die isländischen Banken Glitnir und Kaupthing, die ihre Zahlungen nicht pflichtgemäß erfüllt haben. Manager Ulrich Teutsch hat niedrig verzinste Yen-Anleihen gekauft, die von diesen Banken herausgegeben wurden. Sie stürzten im Oktober 2008 so stark ab, dass der Fonds zwischendurch sogar über 10 Prozent Jahresverlust zu Buche stehen hatte. Auch die Kurse der Genussscheine fielen stark.

Lange Jahre hatte der Fonds sehr geringe Schwankungen, weshalb er bei uns in der Gruppe der Rentenfonds Euro mit sehr geringem Risiko einsortiert war. Mittlerweile zählt er aber zur Gruppe der Fonds „mit erhöhtem“ Risiko.

Bessere Zeiten

Rentenfonds Euro haben es immer schwer, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Um dauerhaft besser als der Markt zu sein, müssen die Manager höhere Risiken eingehen. Das kann in guten Zeiten auch wieder zu höheren Erträgen führen.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Anleger das Vertrauen in die Fonds und ihre Manager nicht vollends verlieren und bis dahin nicht längst ihre Anteile verkauft haben. Mehr Offenheit könnte der Fondsbranche nicht schaden.

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