Geldmarktfonds: Auf Kosten der Anleger gezockt

Als sichere Alternative zu Tages- oder Festgeld haben Banken und Fondsgesellschaften den Sparern Geldmarktfonds verkauft. Solche Fonds seien ­eine täglich verfügbare, „gleichzeitig renditeträchtige und weitgehend kursstabile“ Anlage, heißt es auf der Internetseite des Verbandes der Investmentfondsbranche BVI. Die Fondsgesellschaften haben auch geldmarktnahe Fonds als sicher eingestuft.

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Hohe Renditen für kurzfristiges Geld gibt es am Anleihemarkt aber fast nur für riskantere Anlagen, zum Beispiel für ABS- und ähnliche Papiere, die mit Kreditforderungen gesichert sind und jetzt als giftig gelten. Einige Geldmarktfonds investieren schon seit vielen Jahren in diese Giftpapiere. Jetzt machen sie ­teilweise hohe Verluste.

Der geldmarktnahe Fonds Deka EuroFlex Plus weist per Ende Januar 2009 einen Verlust von 27,5 Prozent aus. Sein Fokus liegt auf ABS-Papieren, das steht im Deka-Fondsporträt. An der Strategie will der Fonds festhalten, schreibt die Deka uns. Die aktuelle Bewertung der Papiere sei schlechter als ihre Qualität. Das biete Aufholpotential.

Auch der Pioneer Euro Geldmarkt Plus (minus 23,9 Prozent) kauft fast nur ABS-Papiere. Das Fondsmanagement will das auf absehbare Zeit ebenfalls nicht ändern, teilt Pioneer mit, „genauso wenig wie ein Aktienfondsmanager aus seinem Fonds einen Anleihenfonds machen wird, wenn die Aktienkurse ­zurückgehen“.
Der Pioneer Euro Geldmarkt (minus 16,5 Prozent) hat rund ein Drittel des Fondsvermögens in ABS investiert.

Der SEB MoneyMarket-Fonds hat 20,5 Prozent verloren. Auch hier sind ABS ein Grund für die Verluste, wenn auch nicht der einzige. „Wir sind weit entfernt von einem geregelten Markt“, sagt Brigitte Schroll von SEB Asset Management. „Die Preise werden diktiert von der Angst vor dem Zahlungsausfall.“ Doch bei keinem Titel im Fonds sei ein Zahlungsausfall zu erwarten.

Nicht nur Giftpapiere brechen ein

Auch der Gerling Money Saving Fund ist laut Fondsprospekt ein Geldmarktfonds. Sein Jahresverlust beträgt 8,6 Prozent. Hier ist der Grund für das schlechte Ergebnis der Ausfall einer Anleihe der Pleitebank Lehman und Kursverluste anderer Bankanleihen in der Folge. Toxische Papiere hat der Fonds keine. Sollten die Anleihen bei Fälligkeit zu 100 Prozent zurückgezahlt werden, wie Christophe Frisch von ­Ampega Gerling erwartet, werden die Verluste wieder aufgeholt.

Der Fonds cominvest Geldmarkt 1 hat per 31. Januar einen Jahresverlust von 6,2 Prozent. Auch hier verursachten die Bankanleihen die Probleme. Wegen der hohen Mittelabflüsse, die übrigens auch viele Geldmarktfonds trafen, musste Fondsmanagerin Martina Wax die Papiere zu schlechten Preisen verkaufen. „ABS-Papiere habe ich aber nie gekauft“, sagt sie. „Mit höheren Renditen gehen nämlich auch immer höhere Risiken einher.“

Um am Geldmarkt einen stetigen Wertzuwachs zu erwirtschaften, ist es nicht nötig, Risiken einzugehen. Das zeigt der Verlauf des Vergleichsindex, des Citigroup Money Market Indexes, der im vergangenen Jahr ein Plus von 4,3 Prozent erwirtschaftet hat (siehe Grafik).

Auch wenn zahlreiche andere Geldmarktfonds auf Jahressicht ein knappes Plus geschafft haben ­– insgesamt geben die Manager dieser Fonds ein schlechtes Bild ab. Nur wenige Fonds haben auf Jahressicht mehr herausgeholt als der Vergleichsindex, über fünf Jahre liegen sie alle dahinter.

Wir sortieren Geldmarktfonds, die untypisch hohe Verluste machen, ihrem tatsächlichen Verlustrisiko entsprechend in andere Fondsgruppen ein.

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