Rentenfonds Euro Special

Besitzer von Rentenfonds können sich derzeit freuen. Die Anleihen in ihren Portfolios haben zuletzt deutlich an Wert gewonnen. Aber nun macht sich Angst breit. Sollten die Zinsen steigen, dreht sich das Blatt und die Kurse sinken. Finanztest sagt, ob Rentenfonds in dieser Situation über­haupt noch als Sicher­heits­baustein fürs Depot geeignet sind und mit welchen Rentenfonds Anleger ihr Depot am besten aufstellen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test Rentenfonds und Zinswende.

Elf Prozent waren drin

Es ist zum Heulen: Für zehnjäh­rige Bundes­anleihen gab es im November nicht einmal mehr 1 Prozent pro Jahr – weniger als die Top-Anbieter für Tages­geld zahlen. Manchen Anlegern bereiteten die sinkenden Zinsen allerdings Spaß. Mit Rentenfonds Euro, die Staats­anleihen kaufen, konnten sie im vergangenen Jahr rund 11 Prozent Gewinn erzielen (Stand: 30. September 2014).

Dickes Plus trotz nied­riger Zinsen

11 Prozent? Mit Staats­anleihen, für die es kaum noch Zinsen gibt? Viele Anleger wundern sich darüber, wie solche Erträge über­haupt zustande kommen. Die Erklärung: In den Fonds liegen noch alte, besser verzinste Anleihen. Ihr Wert steigt, wenn nur noch nied­rig verzinste, neue Anleihen auf den Markt kommen. Zum guten Ergebnis der Rentenfonds beigetragen haben nicht nur die fallenden Zinsen in Deutsch­land. Auch die Risiko­aufschläge für Staats­anleihen der Euro-Krisenländer sind gesunken und führten zu steigenden Anleihen­preisen. Allmählich macht sich aber Angst breit. Was, wenn die Zinsen bald nicht mehr sinken, sondern steigen? Anleger fragen sich, ob sie mit ihren vermeintlich sicheren Investments nicht auf einem Pulverfass sitzen. Denn steigende Zinsen wirken sich genau umge­kehrt auf Anleihen aus wie sinkende Zinsen. Sie bringen den Besitzern von Rentenfonds keine Kurs­gewinne, sondern vielmehr Verluste. Doch Anleger, die lang­fristig investieren, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Das verrät ein Blick zurück. Über mehrere Jahre gesehen brachten die Fonds stabile Zuwächse. Rück­schläge blieben moderat.

Nach wie vor gilt: Rentenfonds Euro sind eine flexible Anlage und auf längere Sicht meist rent­abler als Tages- oder Fest­geld. Hier finden Sie kostenlose Fonds-Empfehlungen von Finanztest.

So war es ...

Rentenfonds Euro Special

Die Grafik zeigt am Beispiel des ältesten deutschen Rentenfonds die Entwick­lung bei steigenden und fallenden Zinsen. Selbst in Phasen stark steigender Zinsen wie Anfang der Acht­ziger Jahre waren die Rück­schläge vergleichs­weise gering.

Die Grafik zeigt am Beispiel des ältesten deutschen Rentenfonds die Entwick­lung bei steigenden und fallenden Zinsen. Selbst in Phasen stark steigender Zinsen wie Anfang der Acht­ziger Jahre waren die Rück­schläge vergleichs­weise gering.

Wie wenig dramatisch die Vergangenheit war, zeigt die Wert­entwick­lung des ältesten deutschen Rentenfonds, des Allianz Euro Rentenfonds, bei steigenden und fallenden Zinsen. Die Ergeb­nisse beruhigen. Den größten Verlust mit minus 6,5 Prozent gab es zwischen Februar 1969 und Juni 1970. Damals stiegen die Leitzinsen von 3 auf 7,5 Prozent. Rund 5 Prozent Verlust gab es Anfang der acht­ziger Jahre und in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Das Minus in der Finanz­krise von rund 6 Prozent war nicht nur auf Zins­erhöhungen zurück­zuführen, sondern auch auf die Eurokrise. Meistens waren die Verluste schnell wieder aufgeholt, nach nicht einmal eineinhalb Jahren lag der Fonds wieder im Plus. Nur von 2005 bis 2007 dauerte es mit 27 Monaten länger, da betrug das größte zwischen­zeitliche Minus aber nur knapp 4 Prozent. Im Durch­schnitt hat der Fonds seit Auflage im Januar 1966 pro Jahr eine Rendite von 6,8 Prozent erzielt.

... und so könnte es kommen

Rentenfonds Euro Special

Einen Unterschied zwischen früher und heute gibt es allerdings: das Zins­niveau. Bisher stiegen die Zinsen in Phasen, in denen sie von vorn­herein höher waren als heute. Steigende Zinsen wirken sich dann nicht so gravierend aus, wie es künftig der Fall sein könnte. Dazu eine Über­schlags­rechnung: Bei einem Zins­niveau von 3 Prozent für eine siebenjäh­rige Anleihe würden steigende Zinsen – jeweils 1 Prozent­punkt drei Jahre hinter­einander – zu Verlusten von rund 3 Prozent führen. Liegen die Anleihezinsen zu Beginn aber bei 1 Prozent, könnten sich die Verluste auf rund 8 Prozent belaufen. Die Verlust­phase verlängert sich ebenfalls. Die Frage ist, ob es von einem so nied­rigen Zins­niveau wie dem jetzigen zu Zins­erhöhungen in dieser Größen­ordnung über­haupt kommen wird. Ein Anstieg um jeweils einen Prozent­punkt in drei Jahren wie in dem Beispiel entspricht einer Vervierfachung des Zinses. Und die Frage ist nicht nur, wie hoch Zins­erhöhungen sein könnten, sondern auch, ob sie über­haupt kommen und wenn ja, wann. Einige Experten warten seit Jahren darauf, andere vermuten, dass die Zinsen noch eine Weile auf nied­rigem Niveau verharren.

Hohe Kosten, weniger Rendite

Bleiben die Zinsen unver­ändert, können Anleger mit den Fonds nicht mehr viel verdienen. Der Allianz Euro Rentenfonds weist jetzt schon eine Endfäl­ligkeits­rendite von 1,13 Prozent aus. So viel würden Anleger durch­schnitt­lich bekommen, wenn der Fonds mit dem jetzigen Portfolio weiterlaufen würde. 1,13 Prozent klingt wenig, ist im Vergleich mit Fest­zins­anlagen aber durch­aus konkurrenz­fähig. Anders sieht es jedoch aus, wenn man die Kosten des Fonds berück­sichtigt. Sie betrugen zuletzt 0,8 Prozent im Jahr. Das heißt, übrig blieben nur 0,33 Prozent. Je geringer die Erträge, desto mehr fallen die Kosten ins Gewicht. Deshalb spricht gerade bei Rentenfonds viel für die Wahl von ETF. Das Kürzel steht für „Exchange Traded Funds“, deutsch: börsen­gehandelte Fonds. Sie bilden einen Index nach und sind daher meist billiger als ein gemanagter Fonds. Die Kosten von ETF sind nur ungefähr ein Viertel so hoch wie die der gemanagten Fonds aus der Fonds­gruppe Rentenfonds Staats­anleihen Euro­land. Da bleibt nicht nur unterm Strich mehr übrig für den Anleger, auch das Verlustrisiko bei Zins­erhöhungen ist geringer.

Kurze Lauf­zeiten, geringeres Risiko

Trotzdem kann sich der Kauf gemanagter Fonds lohnen. So können Manager den Folgen steigender Zinsen entgegen­wirken, indem sie Papiere mit kürzeren Lauf­zeiten kaufen, die dann weniger Verlust machen. Ein paar Fonds­manager haben ihr Portfolio schon umge­stellt, wie sich an der modifizierten Duration zeigt Glossar. Je kleiner die Zahl, desto kleiner das Verlustrisiko bei steigenden Zinsen.

Tipp: Anleger finden die modifizierte Duration des Fonds im Produktfinder Fonds und ETF, wenn sie die Detail­ansicht des Fonds aufrufen. Nicht jeder Anbieter gibt die Kenn­zahl allerdings an.

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