Rentenfonds Test

Gute Rentenfonds sind eine sichere und bequeme Geldanlage. Daran ändern vorübergehende Kursverluste nichts. Schlechte Fonds gefährden aber durch hohe Kosten die Renditechancen der Anleger. Wir nennen Top- und Flop-Fonds.

Jahr für Jahr kassiert die Gesellschaft ­Pioneer von den Anlegern ihres Rentenfonds Euro Short-Term A 1,4 Prozent des Fondsvermögens als Verwaltungs- beziehungsweise „Vertriebsstellengebühr“. Zurzeit sind das bei dem über 8 Milliarden ­Euro schweren Fonds mehr als 115 Millionen Euro.

Für diese Summe können Anleger eigentlich ein sehr erfolgreiches Management erwarten. Doch der Pioneer-Fonds gehört zu den schwächsten Euro-Rentenfonds seiner Kategorie. Mit durchschnittlich 1,6 Prozent pro Jahr brachte er seinen Anlegern in den vergangenen fünf Jahren eine erbärmliche Rendite. Selbst ein gut verzinstes Tagesgeldkonto hätte ihnen deutlich mehr gebracht.

Der Pioneer-Fonds ist leider kein Einzelfall. Viele Rentenfonds haben eine erschreckend schwache Wertentwicklung – und meist sind dafür nicht zuletzt die hohen Kosten verantwortlich.

Gute Rentenfonds aus der Gruppe mit sehr geringem Risiko haben in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 3 bis 3,5 Prozent pro Jahr nach Kosten erwirtschaftet. Bei den schlechten Fonds wie dem von Pioneer waren es oft genug sogar weniger als 2 Prozent pro Jahr. Bei jährlichen Kosten von über 1 Prozent sind solch schlechte Renditen kein Wunder.

Das Management ist oft sehr teuer

Rentenfonds Test

Euro-Rentenfonds investieren das Geld der Anleger in sichere festverzinsliche ­Papiere, zum Beispiel in deutsche Staatsanleihen. Der Begriff „Renten“ ist nur ein anderes Wort für Anleihen.

Natürlich sollten die Fondsmanager angemessen dafür bezahlt werden, dass sie die richtigen Papiere auswählen. Nur darf diese Leistung nicht so teuer sein, dass sie die Wertentwicklung des Fonds gefährdet.

Finanztest hat für die jeweils besten und schwächsten Euro-Rentenfonds aus vier Risikogruppen untersucht, wie viel die Fondsgesellschaft für den laufenden Betrieb kassiert. Die Gesamtkostenquote, auch bekannt als TER für „Total Expense Ratio“, unterscheidet sich selbst innerhalb jeder Gruppe dramatisch.

Weit klafft die Schere bei den Fonds mit sehr geringem Risiko auseinander. Bei dem Pioneer Euro Short-Term A sind die ­Gesamtkosten mehr als fünfmal so hoch wie beim Espa Cash Euro-Plus T, der sich mit 0,26 Prozent bescheidet.

Pioneer hat seinen Fonds übrigens in der Rubrik Geldmarkt eingeordnet, aber nach unserer Definition handelt es sich eindeutig um einen Euro-Rentenfonds, da er auch schon mal Verlust gemacht hat. Das dürfte bei einem echten Euro-Geldmarktfonds nicht passieren.

Fast immer besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Qualität eines Fonds und der Höhe seiner Verwaltungskosten. Wie günstig sich Euro-Rentenfonds managen lassen, zeigen die österreichischen Spitzenfonds S700 T (Allianz) und DWS (Austria) Europa Renten, die mit Gesamtkosten unter 0,2 Prozent auskommen.

Am anderen Ende der Skala stehen die Fonds von Mediolanum, bei denen die ­Gesamtkosten zwischen 1,8 und gut 2 Prozent betragen. Kein Wunder, dass die Fonds dieser Gesellschaft in unserer Tabelle zu den Flops gehören.

Kein Grund zur Panik

Rentenfonds Test

In den vergangenen Monaten wurden aber selbst Anleger unruhig, die einen guten Euro-Rentenfonds besitzen. Die steigenden Marktzinsen führten dazu, dass sogar der Kurs von Fonds mit geringem bis mittlerem Risiko leicht 3 bis 5 Prozent einbüßte. Die Erfahrung, dass ein grundsolider Euro-Rentenfonds Kursverluste machen kann, war für viele neu und erschreckend.

Doch es gibt keinerlei Anlass zur Panik. Euro-Rentenfonds sind nach wie vor eine sehr sichere Geldanlage. Wenn ein Fonds eine gute Finanztest-Bewertung und geringe Kosten hat, können Anleger in Ruhe abwarten, bis sich sein Kurs wieder erholt. Wann das der Fall sein wird, hängt von der weiteren Zinsentwicklung ab. Schon eine Phase stabiler Zinsen würde rasch zu einer besseren Wertentwicklung führen.

Obwohl die Anleihen, in die Euro-Rentenfonds investieren, einen erstklassigen Ruf genießen, machen sie während ihrer Laufzeit Kursschwankungen durch. Die übertragen sich auf die Fonds. Ihre Wertentwicklung speist sich aus Kursveränderungen und Zinserträgen.

Fonds mit kurzen Anleihelaufzeiten sind am stabilsten, Langläufer-Fonds bergen mehr Risiko. In unserem Artikel „Kurse und Zinsen“ erläutern wir, wie sie auf Zinsentwicklungen reagieren.

Beim Ausgabeaufschlag sparen

Rentenfonds Test

Die Euro-Rentenfonds mit geringem und mittlerem Risiko können wir jederzeit für eine langfristige Geldanlage empfehlen – selbst in unsicheren Zinszeiten.

Beim Kauf müssen sich Anleger mit den Kosten befassen, nicht nur mit den jährlichen, sondern auch mit dem einmaligen Ausgabeaufschlag. Der kann leicht 3 bis 5 Prozent der Anlagesumme ausmachen.

Dabei ist der Ausgabeaufschlag, den die Fondsgesellschaften angeben, nicht verbindlich. Nur kommen die Anleger bei ­ihrer Hausbank oft gar nicht auf die Idee, über einen Rabatt zu verhandeln.

Gerade bei Rentenfonds, die in kurzlaufende Anleihen investieren, ist ein hoher Ausgabeaufschlag absurd. Wie sollen die 5 Prozent für den MLIIF Short Duration Bond (Euro) A2 oder für den GAM Star EUR Bond acc. wieder hereinkommen? Bei einer ähnlich kümmerlichen Wertentwicklung wie in den vergangenen fünf ­Jahren hätten Anleger nach zwei bis drei Jahren gerade mal den Aufschlag wieder hereingewirtschaftet.

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