Kurse und Zinsen: Nur Geduld

Rentenfonds Test

Mit den passenden Rentenfonds können Anleger auch wechselnde Zinstrends gut überstehen. ­Manchmal brauchen sie dazu allerdings ein wenig Geduld.

Besitzer von Rentenfonds haben zurzeit nichts zu lachen. Seit einigen Monaten geht es mit den Kursen bergab, und vielen Anlegern wird allmählich mulmig. Sind ihre Fonds doch nicht so sicher, wie sie immer gedacht haben?

Finanztest gibt Entwarnung und appelliert an die Geduld der Anleger. Wenn sie einen guten Euro-Rentenfonds besitzen, können sie die Durststrecke ruhig aussitzen und auf bessere Zeiten warten. Wer jetzt erst einsteigt, kann den Zinstrend vielleicht sogar für sich nutzen.

Von Gewinnern und Verlierern

Bei jeder Zinsentwicklung gibt es Gewinner und Verlierer. Wenn die Zinsen fallen, freuen sich die Besitzer von Anleihen über Kursgewinne. Da die neu auf den Markt kommenden Papiere geringere Zinsen abwerfen, werden die alten Papiere attraktiver und steigen im Kurs. Davon profitieren auch Rentenfonds.

Je länger die Laufzeiten der Anleihen, umso stärker ist der Effekt. Dagegen hadern Sparer, die ihr Geld auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto geparkt haben, mit den niedrigeren Zinseinnahmen.

Das umgekehrte Bild bei steigenden Zinsen: Kurzfristig orientierte Anleger haben dann gute Karten, während die Besitzer langlaufender Anleihen in der Klemme sitzen. Je stärker der Zinsanstieg, desto mehr verlieren ihre Papiere an Wert, weil die neu herausgegebenen Anleihen für Anleger interessanter sind als ältere Anleihen der gleichen Laufzeit.

Mitunter bleibt nur der Biss in den sauren Apfel: Die Anleihe bis zur Fälligkeit halten, um den Nominalbetrag zurückzubekommen. Das ist zumindest eine Versicherung gegen Verluste.

Allerdings müssen Anleger damit leben, dass sie womöglich über Jahre hinaus weniger Zinsen kassieren, als der Markt eigentlich hergibt.

Den Teilhabern an Rentenfonds, die in Langläufer-Anleihen investieren, bleibt nicht einmal diese Option. Sie können nur hoffen, dass die Fondskurse im Laufe der Jahre wieder steigen.

Finanztest zeigt, wie sich Anleger auf unterschiedliche Zinsentwicklungen einstellen können und welche Strategien für die aktuelle Situation infrage kommen.

Die sichere Variante

Zunächst zu all jenen Anlegern, die sich gar nicht für Zinsentwicklungen interessieren und auch keine Lust haben, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Für sie ist ein Euro-Rentenfonds mit sehr geringem Risiko ideal.

Diese Fonds investieren in Anleihen mit kurzer Laufzeit und knicken selbst bei deutlich steigenden Zinsen nur kurzzeitig ein. Tief in die Miesen können sie nicht geraten, aber große Sprünge sind mit ihnen auch nicht möglich.

In den vergangenen fünf Jahren schafften selbst die renditestärksten Fonds ihrer Klasse, der Kepler Liquid Rentenfonds T und der Volksbank-GeldRent (VKAG), gerade mal 3,4 Prozent pro Jahr.

Noch mehr Sicherheit geben Geldmarktfonds, Tagesgeldkonten oder Festgeldangebote mit kurzer Laufzeit. Doch für bequeme Anleger haben sie alle den Nachteil, dass das keine Dauerlösungen sind. Wer sein Geld für längere Zeit parkt, verschenkt damit Zinseinnahmen. Das kann sich kaum jemand leisten.

Andererseits ist das Zusammenstellen eines Depots, das aussichtsreichere Anleihen verschiedener Laufzeiten enthält, mit erheblichem Aufwand verbunden. Nur mit Rentenfonds bleibt es dem Anleger auf lange Sicht erspart, sich am Ende der Laufzeit einer Anleihe jedes Mal die lukrativste Neuanlage zu suchen.

Der vernünftige Kompromiss

Anleger, die bei Rentenfonds einen vernünftigen Kompromiss aus Sicherheit und Renditechancen suchen, sind am besten bei den Fonds mit geringem bis mittlerem Risiko aufgehoben. Sie investieren in Anleihen mit mittleren Laufzeiten und können mehr herausholen, als mit Kurzläufern möglich wäre.

Zwischenzeitliche Verluste sind zwar auch hier immer einmal möglich, aber sie bleiben in einem für die meisten Anleger gut erträglichen Rahmen. So lagen die maximalen Verluste bei den beiden Spitzenfonds der mittleren Risikokategorie, dem QIK Corporate Bond A und dem QIK Euro Bond A (beide Raiffeisen KAG) nur zwischen 1,7 und 2,2 Prozent.

Und selbst das ist nur Anlegern passiert, die zum jeweils ungünstigsten Zeitpunkt gekauft und wieder verkauft haben. Die anderen konnten sich über Renditen von über 6 Prozent pro Jahr freuen.

Die Spekulation

Noch deutlich mehr konnten Anleger erzielen, die einen Rentenfonds mit erhöhtem Risiko im Depot hatten. In den vergangenen fünf Jahren schafften die besten Fonds dieser Gruppe zwischen 6 und 7,5 Prozent pro Jahr. Allerdings waren mit ihnen in letzter Zeit Verluste von über 8 Prozent möglich.

Diese Rentenfonds, die sich auf langlaufende Anleihen spezialisieren, sind das ideale Produkt für Hochzinsphasen. Davon sind wir im Moment meilenweit entfernt. Dennoch können nicht einmal erfahrene Wirtschaftsexperten vorhersagen, wie sich die Zinsen in den kommenden Jahren entwickeln werden.

Anleger, die glauben, der mittelfristige Zinsgipfel ist bereits erreicht, könnten es mit einem Langläufer-Rentenfonds versuchen. Bei stagnierenden und erst recht bei sinkenden Zinsen verheißt er eine deutlich bessere Wertentwicklung als ein Fonds mit kürzer laufenden Papieren.

Allerdings würden wir niemandem raten, den sicheren Teil seines Fondsdepots auf diese Weise abzudecken. Euro-Rentenfonds mit erhöhtem Risiko sind eine interessante Beimischung, aber keine geeignete Basisanlage.

Anleger, die bereits einen Langläufer-fonds im Depot haben, sollten abwägen, ob und wie stark sie die Zinsen noch steigen sehen. Bei Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit führt ein 1-prozentiger Zinsanstieg zu etwa 7 Prozent Kursverlust.

Daneben sind aber auch die Kaufkosten zu beachten. Wer einen Ausgabeaufschlag von 3 bis 4 Prozent bezahlt hat, sollte nur vorzeitig verkaufen, wenn er saftige Kursverluste befürchtet. Dagegen können Anleger, die ihre Fonds grundsätzlich ohne Ausgabeaufschlag kaufen, ohne große Skrupel die Notbremse ziehen, um ihre Nerven zu beruhigen.

Beim Zaudern verdienen

Menschen, die sich noch nicht entscheiden können, aber möglichst viel herausschlagen wollen, empfehlen wir einen Blick in unseren Marktplatz (Finanztest-Print-Ausgabe), beziehungsweise in unserem Indodokument Einmalanlagen mit Festzins. Darin finden Sie die attraktivsten kurz- und mittelfristigen Bankangebote ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit.

Wer sich zum Beispiel für ein Jahr festlegt, kassiert bis zu 3,8 Prozent. Da können weder Bundesanleihen noch Bundesschatzbriefe mithalten. Möglicherweise herrscht ja nach Ablauf dieses Jahres mehr Klarheit auf dem Zinsmarkt.

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