Interview: 130 Euro mehr Rente

Rentenberatung Special

Marina Herbrich

Marina Herbrich ist Präsidentin des Bundes­verbands der Rentenberater. Die freiberuflichen Berater helfen ihren Mandanten bei Ärger mit der gesetzlichen Renten­versicherung.

Die Deutsche Renten­versicherung muss ihre Versicherten kostenlos so beraten, dass sie ihren Renten­anspruch voll ausschöpfen. Warum sollen Versicherte dann über­haupt noch Geld für einen freiberuflichen Rentenberater ausgeben?

Herbrich: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eine Mandantin hatte in der Beratung der Deutschen Renten­versicherung die Auskunft bekommen, dass sie im Januar 45 Versicherungs­jahre „voll“ hat und dann mit 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen kann. Sie kündigte ihren Job und beantragte die Rente. Doch dann hat ihr die Renten­versicherung geschrieben, dass ihr an den 45 Versicherungs­jahren noch zwei Monate fehlen. Eine vorgezogene Rente sei nur mit Abschlag möglich. Die Frau war wie vor den Kopf gestoßen.

Was haben Sie ihr geraten?

Herbrich: Der Arbeit­geber hat eine Rück­nahme der Kündigung nicht akzeptiert. Und die Frau wollte sich nicht für zwei Monate arbeitslos melden. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie für diese zwei fehlenden Monate freiwil­lige Beiträge zahlen kann. Das macht sie nun, sodass sie dann abschlags­frei in Alters­rente gehen kann.

Wie hoch war Ihr Honorar für diese Beratung?

Herbrich: Wir rechnen nach dem Rechts­anwalts­vergütungs­gesetz ab. Eine Erst­beratung kostet bei komplexen Fragen höchs­tens 190 Euro. In diesem Fall war der Sach­verhalt sehr klar, und ich habe 100 Euro Honorar berechnet. Die Prüfung eines umfang­reichen Versicherungs­verlaufs kostet 300 Euro und mehr, je nach Aufwand.

Die Frau ist vom Renten­versicherer offen­bar falsch beraten worden. Hat sie Anspruch auf Schaden­ersatz?

Herbrich: Kein Dritter war bei dem Gespräch dabei. Ob eine Falsch­beratung vorlag, kann also nicht genau beant­wortet werden. Allen Versicherten kann ich nur raten, sich bei gravierenden Entscheidungen nicht auf die mündliche Auskunft der Renten­versicherung zu verlassen, sondern auf jeden Fall auf einer schriftlichen Auskunft zu bestehen.

Wie setzten Sie die Ansprüche Ihrer Mandanten im Streitfall durch?

Herbrich: Wir führen für unsere Mandanten das Wider­spruchs­verfahren gegen Bescheide der gesetzlichen Renten­versicherung. Bleibt ein Wider­spruch erfolg­los und kommt es zu einem Gerichts­verfahren, vertreten wir unsere Mandanten vor dem Sozialge­richt. Freiberufliche Rentenberater können Versicherte bis hin zum Landes­sozialge­richt vertreten.

Wie hoch können zusätzliche Rentenzah­lungen sein, die Versicherte nach einem erfolg­reichen Wider­spruch bekommen können?

Herbrich: Dabei geht es um monatliche Renten­beträge zwischen 2 Euro und rund 130 Euro.

Wie kommt es dazu, dass in einer Rentenbe­rechnung 130 Euro Monats­rente fehlen?

Herbrich: Der Renten­versicherungs­träger hatte hier nicht alle Zeiten erfasst, in denen der Versicherte gearbeitet hatte.

Haben Ihnen Mütterrente und Rente mit 63 mehr Arbeit und mehr Mandanten beschert?

Herbrich: Ja, die Versicherten haben viele Fragen. Viele wissen zum Beispiel nicht, welche Versicherungs­zeiten für die Rente mit 63 zählen; zum Beispiel, dass Studien­zeiten nicht mitzählen.

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