Renten und Pensionen Special

Die Freude über Renten­erhöhungen ist schnell getrübt. Denn das Finanz­amt ist immer öfter mit von der Partie. Doch die Steuer lässt sich kleinhalten.

Jedes Jahr müssen mehr Rentner mit dem Finanz­amt abrechnen. Durch die jüngste Renten­erhöhung im Juli 2017 – 3,59 Prozent im Osten und 1,9 Prozent im Westen – sind rund 120 000 Rentner mehr steuer­pflichtig, hat das Bundes­finanz­ministerium ermittelt.

Zwar bleiben die meisten Rentner derzeit davon noch verschont. Aber schon ein paar Euro mehr Rente im Monat sorgen dafür, dass sie eine Steuererklärung abgeben müssen.

Vor allem Rentnern in den neuen Bundes­ländern kann das passieren. In unserem Fall 2 rutschte die Frau aus Leipzig bereits durch die Renten­erhöhung 2016 in die Steuer­pflicht. Nach Abzug aller anerkannten Ausgaben über­steigen seitdem ihre Einkünfte das steuerfreie Existenz­minimum (Grund­frei­betrag), sodass sie Steuern zahlen muss. Die diesjäh­rige Erhöhung des Grund­frei­betrags um 168 Euro auf 8 820 Euro (Ehepaare 17 640 Euro) mildert etwas die Steuerlast.

Jedes Jahr mit der Steuer rechnen

Renten und Pensionen Special

Ob eine Steuererklärung nötig ist, hängt von Art und Höhe der Alters­einkünfte insgesamt ab. Jeder neue Renten­jahr­gang ist viel eher in der Steuer­pflicht als frühere, da weniger von der gesetzlichen Rente steuerfrei bleibt. Waren 2005 noch 50 Prozent steuerfrei, sind es für Neurentner in diesem Jahr nur 26 Prozent.

Alle, die 2017 nur eine gesetzliche Rente haben, können sich leicht anhand unserer Tabelle unten orientieren. Nur wer mehr Bruttorente hat – das ist die Rente inklusive Versicherungs­beiträge – muss für 2017 eine Steuererklärung einreichen.

So viel gesetzliche Rente bleibt 2017 steuerfrei

Wer neben der gesetzlichen Rente keine weiteren Einkünfte hat, muss erst Steuern zahlen, wenn seine Bruttorente in diesem Jahr höher ist als in der Tabelle genannt.

Renten­beginn (Jahr)

Rente West­tarif (Euro) 1

Rente Osttarif (Euro) 1

Jahr

Monat 2

Jahr

Monat2

Bis 2005

19 244

1 619

18 030

1 529

2006

18 609

1 565

17 510

1 485

2007

18 089

1 522

17 080

1 448

2008

17 712

1 490

16 821

1 427

2009

17 264

1 452

16 493

1 399

2010

16 750

1 409

16 053

1 361

2011

16 370

1 377

15 730

1 334

2012

15 958

1 342

15 500

1 314

2013

15 534

1 307

15 267

1 295

2014

15 195

1 278

14 994

1 272

2015

14 945

1 257

14 829

1 258

2016

14 673

1 234

14 673

1 244

2017

14 208

1 195

14 208

1 205

    • 1 Bruttorente 2017. Gerechnet inklusive 2,55 Prozent Beitrag zur Pflege­versicherung, 8,4 Prozent Beitrag zur Kranken­versicherung.
    • 2 Monats­rente zweites Halb­jahr.

    „Liegen die Beträge sogar deutlich darüber, sollten Sie prüfen, ob auch für frühere Jahre eine Abrechnung beim Finanz­amt nötig ist“, rät Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer vom Bundes­verband Lohn­steuer­hilfe­ver­eine.

    „Allerdings zeigt die Behörde keine Eile, die Steuern einzufordern“, beob­achtet Rauhöft. So gibt es Fälle, in denen die Beamten eine große Summe Steuern für viele Jahre zurück­verlangen und oben­drauf 6 Prozent Zinsen. Ausgaben, die einen Steuer­abzug bringen könnten, sind dann jedoch meist längst vergessen. So weit sollte es nicht kommen.

    Zum Glück zahlt niemand drauf, nur weil die Rente im Sommer gestiegen ist. Unsere Frau aus Leipzig kommt 2017 auf 552 Euro mehr gesetzliche Bruttorente. Das Finanz­amt verlangt 65 Euro mehr Steuern als 2016.

    Mehr Rente – mehr Steuern

    „Vielen ist nicht klar, dass jede Renten­erhöhung zu 100 Prozent steuerlich zählt“, erläutert Steuerberater Wolfgang Wawro das Problem. Sie glauben, dass ihr Rentenfrei­betrag steigen würde. Doch das ist ein Irrtum.

    Den Frei­betrag für die gesetzliche Rente berechnet das Finanz­amt im Jahr nach Renten­beginn anhand der Jahres­rente. Dieser Frei­betrag gilt dann für immer. Das Amt muss ihn nur anpassen, wenn die Rente neu berechnet wird wie bei Einführung der Mütterrente.

    Ähnliche Regeln gelten für Pensionen. Davon geht ein Versorgungs­frei­betrag ab, der ein Leben lang fest ist. Erhöhungen sind wie bei der gesetzlichen Rente voll steuer­pflichtig.

    Manche Renten sind steuerfrei: solche aus der gesetzlichen Unfall­versicherung, Renten für Kriegs­opfer und Schwer­beschädigte, als Schaden­ersatz oder Wieder­gutmachung.

    Frei­betrag für Pensionen

    Ein Versorgungs­frei­betrag geht von lohn­steuer­pflichtigen Pensionen aus Unterstüt­zungs­kassen und Pensions­zusagen und von Beamtenpensionen ab. Diese zählen steuerlich nicht als Renten, sondern als Einkünfte aus nicht­selbst­ständiger Arbeit.

    Beginn der Pension

    Versorgungs­frei­betrag (Prozent) pro Jahr

    Maximal steuerfrei (Euro) pro Jahr1

    Bis 2005

    40,0 

    3 000 + 900 Zuschlag

    2006

    38,4 

    2 880 + 864 Zuschlag

    2007

    36,8 

    2 760 + 828 Zuschlag

    2008

    35,2 

    2 640 + 792 Zuschlag

    2009

    33,6  

    2 520 + 756 Zuschlag

    2010

    32,0

    2 400 + 720 Zuschlag

    2011

    30,4

    2 280 + 684 Zuschlag

    2012

    28,8

    2 160 + 648 Zuschlag

    2013

    27,2

    2 040 + 612 Zuschlag

    2014

    25,6

    1 920 + 576 Zuschlag

    2015

    24,0

    1 800 + 540 Zuschlag

    2016

    22,4

    1 680 + 504 Zuschlag

    2017

    20,8

    1 560 + 468 Zuschlag

      • 1 Wird vom Zwölffachen der ersten vollen Monats­pension berechnet. Höhe bleibt für gesamte Lauf­zeit gleich. Für jeden Monat, in dem es im Jahr keine Pension gibt, sinken Frei­betrag plus Zuschlag um ein Zwölftel. Firmenpensionäre erhalten den Frei­betrag plus Zuschlag ab dem 63. Lebens­jahr, Schwerbehinderte ab dem 60. Lebens­jahr. Keine Alters­grenze für Beamten- oder Firmenpensionen, die wegen Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeit oder an Hinterbliebene gezahlt werden. Der Zuschlag wird maximal bis zur Höhe der Pension abge­zogen, die nach Abzug des Versorgungs­frei­betrags bleibt.

      Neben­einkünfte fallen ins Gewicht

      Das Finanz­amt berück­sichtigt nicht nur gesetzliche Renten und Pensionen. Auch andere Einnahmen zählen, so wie in Fall 1. Wie viel davon versteuert wird, hängt bei Renten aus betrieblicher Alters­versorgung davon ab, ob die Beiträge steuerfrei waren oder nicht. Von privaten Renten ist nur der Ertrags­anteil steuer­pflichtig, dieser Anteil beträgt bei Renten­beginn mit 65 zum Beispiel 18 Prozent.

      Voll steuer­pflichtig sind Riester-Renten, Einkünfte aus Mieten, selbst­ständiger Tätig­keit und Gehälter. So sollte jeder, der dazu­verdienen möchte wie in unserem Fall 3, vorher die steuerlichen Folgen kennen.

      Zumindest können alle, die zum Jahres­anfang 64 Jahre waren, einen Alters­entlastungs­betrag abziehen. Allerdings sinkt auch dieser Frei­betrag für jeden neuen Renten­jahr­gang.

      Entlastung für Ältere

      Geburt vor dem

      Alters­entlastungs­betrag (Euro)

      1. Januar 1941

      40,0 %, maximal 1 900

      1. Januar 1942

      38,4 %, maximal 1 824

      1. Januar 1943

      36,8 %, maximal 1 748

      1. Januar 1944

      35,2 %, maximal 1 672

      1. Januar 1945

      33,6 %, maximal 1 596

      1. Januar 1946

      32,0 %, maximal 1 520

      1. Januar 1947

      30,4 %, maximal 1 444

      1. Januar 1948

      28,8 %, maximal 1 368

      1. Januar 1949

      27,2 %, maximal 1 292

      1. Januar 1950

      25,6 %, maximal 1 216

      1. Januar 1951

      24,0 %, maximal 1 140

      1. Januar 1952

      22,4 %, maximal 1 064

      1. Januar 1953

      20,8 %, maximal 988 (ab Steuer­jahr 2017)

          Steuerlast recht­zeitig optimieren

          Trotz Pflicht zur Steuererklärung müssen aber keine Steuern fällig werden. Denn auch zahlreiche Ausgaben lassen sich abrechnen:

          • Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge,
          • Spenden, Kirchen­steuer,
          • Krank­heits­kosten, Pflege­kosten über der zumut­baren Belastung,
          • bis zu 20 000 Euro für Helfer im Haushalt im Jahr, bis zu 6 000 Euro für Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten für Hand­werk­erarbeiten im Haushalt. Davon bringen 20 Prozent der Kosten direkt Steuer­abzug.

          Wer dauer­haft gesundheitliche Probleme hat, sollte sich vom Versorgungs­amt unter­suchen lassen. Beträgt der Grad der Behin­derung 25 und mehr, mindern zwischen 310 und 3 700 Euro Pausch­betrag die Steuerlast – auch rück­wirkend. Ist der Grad der Behin­derung kleiner 50, gibt es den Pausch­betrag aber nur, wenn entweder aufgrund der Behin­derung eine Rente gezahlt wird oder die Behin­derung „zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglich­keit“ geführt hat.

          Außerdem mindern mindestens 102 Euro Werbungs­kosten die steuer­pflichtigen Renten. Sind die Ausgaben höher, zählen diese – etwa Kosten für Rentenberater, Lohn­steuer­hilfe­ver­ein, Steuerberater, Anwalt und Gericht, wenn um die Rente gestritten wird.

          Das Ergebnis ist das zu versteuernde Einkommen im Jahr: Bei 9 000 Euro beträgt die Steuer 25 Euro (2016: 49 Euro), bei 12 000 Euro 547 Euro (2016: 580 Euro). Ehepaare zahlen bei 20 000 Euro Einkommen im Jahr 358 Euro (2016: 412 Euro) oder bei 25 000 Euro Einkommen 1 302 Euro (2016: 1 370 Euro).

          Abgeltung­steuer zurück

          Gerade Rentner können einen Teil der Abgeltung­steuer zurück­bekommen, die sie auf ihre Kapital­erträge gezahlt haben, da ihr Steu­ersatz oft unter 25 Prozent liegt. Dafür beantragen sie in Zeile 4 der Anlage KAP die Güns­tiger­prüfung. Greift diese, kommt der Alters­entlastungs­betrag für Kapital­erträge zum Zuge (BFH, Az. III B 51/16).*

          Tipp: Mit welchen Ausgaben Sie noch kurz vor Jahres­ende Steuern sparen können, lesen Sie in unserem Special Steuertipps zum Jahresende, Finanztest 12/2017.

          Unser Rat

          Steuern sparen. Auch Rentner und Pensionäre können viele Ausgaben beim Finanz­amt abrechnen – wie Versicherungs­beiträge und Spenden. Schätzen Sie online ab, wie viel Steuern Sie zahlen müssen (Rechner Steuerberechnung für Rentner).

          Hilfe nutzen. Müssen Sie 2016 mehr als 8 652 Euro (2017: 8 820 Euro) Einkünfte versteuern, dann ist eine Steuererklärung nötig. Hilft Ihnen ein Lohn­steuer­hilfe­ver­ein (beratungsstellensuche.de) oder Steuerberater (bstbk.de, dstv.de) haben Sie bis zum 31. Dezember Zeit. Hilfe bietet auch unser Buch Steuererklärung 2016/2017 - Rentner, Pensionäre (für 14,90 Euro im Buch­handel und im test.de-Shop).

          * Korrigiert am 28. September 2017.

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