Renten-Indexfonds Special

Das Drama um die griechischen Staatsfinanzen belastet Euro-Anleihen. Anleger in breit streuende Rentenfonds müssen sich aber nicht sorgen.

Italien ist die größte Länderposition in allen wichtigen europäischen Rentenindizes. Denn das Land hat von allen Staaten der Europäischen Union die größte Staatsverschuldung.

Angestoßen vom Drama um die griechischen Staatsfinanzen haben wir die wichtigsten Euro-Rentenindizes untersucht. Sie bilden den Markt für die Staatsanleihen der Euro-Länder ab.

Anders als viele Anleger vermuten, spiegelt ihre Zusammensetzung nicht die wirtschaftliche Stärke der Staaten wider. Entscheidend sind andere Dinge, zum Beispiel die Höhe des ausstehenden Betrags. Nur Anleihen mit großem Volumen haben in den Indizes eine Chance. Damit sind Länder, die besonders viele Schulden machen, auch in den Indizes prominent vertreten.

Solange Italien im Index nur ein paar Prozentpunkte vor Deutschland und Frankreich liegt, ist das nicht schlimm. Anders sieht es aus, wenn die Indexgewichtung der Länder krass von den wirtschaftlichen Rahmendaten abweicht.

Sogar Anleihen von Griechenland, dessen Zahlungsfähigkeit in den Ratings der Schwelle für Schrottanleihen immer nähergerückt ist, sind in einzelnen Indizes stärker vertreten als Deutschland.

Gut gemischte Rentenfonds wählen

Anleger, die mit Rentenfonds in europäische Staatsanleihen investieren, sollten sich also einer soliden Ländermischung vergewissern, auch bei Indexfonds. Ein Indexfonds kann nur so gut sein wie der Index, auf den er sich bezieht. Indizes sind keine objektiven Größen, sondern werden von Finanzfirmen konstruiert.

Stimmt die Mischung, sind Rentenfonds Euro als Basisanlage für gut strukturierte Fondsdepots bestens geeignet. Finanztest empfiehlt sie als Ergänzung zum Aktienfondsanteil im Depot.

Durch eine breite Streuung von Ländern und Laufzeiten verlieren einzelne Anleihen an Bedeutung. Selbst eine wenig wahrscheinliche Pleite Griechenlands würden gut gestreute Rentenfonds wahrscheinlich mit erträglichen Verlusten wegstecken.

Für bequeme Anleger eignen sich Indexfonds. Haben sie beim Kauf auf eine breite Streuung geachtet, müssen sie danach ihren Inhalt nicht mehr regelmäßig kontrollieren, sondern können sie laufen lassen.

Einige Rentenindizes lassen die Risikostreuung über viele verschiedene Länder und Einzelanleihen aber vermissen. So enthält zum Beispiel der Barclays Euro Government 10–15 Year nur Anleihen aus fünf Ländern, fast die Hälfte davon aus Italien. Deutschland ist in diesem Index nur mit rund 6 Prozent vertreten. In dem Index EuroMTS 10–15Y kommt das wichtigste Land der Eurozone überhaupt nicht vor.

An höheren Zinsen verdienen

Renten-Indexfonds Special

Finanztest sieht trotz der aktuellen Probleme einiger Länder keinen Grund, der Eurozone zu misstrauen. Wer dennoch ausschließlich auf Deutschland setzen will, kauft einen Indexfonds, der nur deutsche Staatsanleihen enthält, zum Beispiel denishares eb.rexx Government Germany (Isin DE 000 628 946 5).

Große Renditesprünge sind aber nicht zu erwarten, denn die Bundesrepublik knausert mit den Zinsen. Für Bundesanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit gab es im Februar magere 3,2 Prozent (siehe Grafik).

Griechische Anleihen gleicher Laufzeit brachten gut 3 Prozent mehr. Für irische Anleihen erhielten Anleger 1,6 Prozent Aufschlag gegenüber Bundesanleihen, für portugiesische Staatspapiere rund 1,2 Prozent. Spanische und italienische Anleihen lagen 0,7 bis 0,8 Prozent über Bundesanleihen. Die höhere Rendite ist Ausdruck des höheren Risikos, das die Kapitalmärkte mit diesen Ländern verbinden.

Für risikofreudige Anleger sind speziell die hohen griechischen Zinsen verlockend. Sie können es mit dem Kauf von Einzelanleihen versuchen, die sie zum Beispiel im Internet im „Bondboard“ von www.baadermarkets.de finden.

Unerfahrene Anleger sollten davon die Finger lassen, denn die Auswahl erfordert einige Grundkenntnisse. Außerdem ist es bei Börsenorders unbedingt empfehlenswert, mit Limits zu arbeiten.

Heikle Wette auf Langläuferfonds

Wer sich die Mühe sparen will, kann mit Renten-Indexfonds nicht nur in deutsche, sondern zum Teil in höher verzinste Staatsanleihen anderer Euro-Länder einsteigen. Als Basisanlage eignen sich vor allem die Indizes iBoxx € Sovereigns Eurozone, EuroMTS Global und Citigroup Euroland Government Bond Index. Sie bieten eine gute Länderaufteilung und Laufzeitenmischung.

Ergänzend dazu können Anleger gezielt auf einseitig ausgerichtete Indexfonds setzen. Im besten Fall bringt das höhere Renditen. Allerdings sind Fonds, die Anleihen mit sehr langen Restlaufzeiten bündeln, im aktuellen Zinsumfeld heikel. Die Anleihen reagieren stark auf Zinsänderungen. Wenn die Zinsen steigen, verlieren die bereits herausgegebenen Anleihen an Kurswert.

Als Faustregel gilt: Ein Anstieg des Zinsniveaus um 1 Prozent hat bei zehnjährigen Anleihen etwa 7 Prozent Kursverlust zur Folge. Indexfonds, die Anleihen mit Laufzeiten von 10 bis 15 Jahren oder gar mit 15 bis 30 Jahren vereinen, sind vor diesem Hintergrund eine riskante Wette.

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