Rente gegen Einmalbeitrag Test

Reichen andere Renten für die Grundversorgung im Alter nicht, kann eine Rente gegen Einmalbeitrag eine gute Ergänzung sein. Für 60 000 Euro gibt es etwa 230 Euro Garantierente.

Viel kommt nicht dabei heraus, aber das, was herauskommt, kommt auf Dauer. Wer regelmäßige Auszahlungen bis zum Lebensende braucht, liegt deshalb mit einer Rente gegen Einmalbeitrag richtig.

Die Qualitätsunterschiede sind allerdings groß, wie unser Test zeigt. Finanztest hat 49 sofort beginnende private Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag für Frauen und Männer untersucht. Wir haben angenommen, dass die Kunden 60 000 ­Euro einzahlen und eine Rentengarantiezeit von 20 Jahren vereinbaren. Der Versicherer überweist die Rente dann mindestens 20 Jahre lang, auch wenn der Versicherte vorher stirbt. Restliche Zahlungen gehen an Hinterbliebene.

Mit 216 bis 234 Euro Rente im Monat können 65-jährige Frauen für diese Einzahlung je nach Anbieter zu Anfang rechnen – nicht gerade üppig. Männer erhalten mit 231 bis 250 Euro etwas höhere Renten.

Schon im ersten Jahr bekommen Frauen von guten Anbietern bis zu 216 Euro mehr zurück als von schlechteren, bei Männern geht es um 228 Euro im Jahr.

Nach 25 Jahren belaufen sich die Unterschiede zwischen guten und schlechteren Renten auf 5 400 und 5 700 Euro, wenn man allein die garantierte Leistung betrachtet. Sie fallen noch viel größer aus, wenn Überschüsse dazukommen.

Die Rente erhöht sich über die Jahre durch Überschüsse. Die Europa, die einer 65-jährigen Frau jetzt 228 Euro Anfangsrente zusagt, rechnet beispielsweise vor, dass daraus nach heutigen Annahmen in 20 Jahren 368 Euro im Monat werden können.

Weniger Rente für Frauen

Frauen bekommen immer etwas weniger Rente als Männer, weil ihre Lebenserwartung statistisch betrachtet rund vier Jahre länger ist als die von Männern.

Nur in der gesetzlichen Rentenversicherung und bei der Riester-Rente gelten Unisex-Tarife. Gleiches Geld bringt hier die gleiche Rente. Bei einer rein privaten Versicherung dürfen Versicherer die längere Lebenserwartung von Frauen bisher noch berücksichtigen.

Weil die Unternehmen die Lebenserwartungsunterschiede nicht alle gleichermaßen in ihre Berechnungen einfließen lassen, ergeben sich für Männer und Frauen geringfügig veränderte Rangfolgen.

Kosten senken die Rente

Ein „Sehr gut“ schafften nur die Angebote von Europa und Debeka, aber etliche Tarife kamen auf ein „Gut“. Die Allianz kam bei den Frauentarifen nur knapp auf ein „Gut“ und bei den Männern auf ein gutes „Befriedigend“. Die Garantierente der Allianz fällt wegen höherer Kosten deutlich knapper aus als bei den Spitzenreitern.

Wir haben nach drei Kriterien getestet und ein Finanztest-Qualitätsurteil vergeben. Punkt eins war die Rente, die einem Kunden gleich für das erste Jahr garantiert wird. Dieser Rentenwert sagt viel über die Kosten aus, die ein Unternehmen für seine Arbeit vom Geld des Kunden abzweigt.

Punkt zwei war der Anlageerfolg des Versicherers in den vergangenen drei Jahren, der den Kunden zugute gekommen ist. Der Erfolg am Kapitalmarkt wirkt sich sehr stark auf die Überschüsse aus, die eine Rente im Laufe der Jahre erhöhen.

Drittes Kriterium war die Qualität der ­Informationen für den Kunden in den ­Vertragsunterlagen – die Transparenz des ­Angebots. Wichtig waren uns zum Beispiel die Erläuterungen zu den Überschüssen. Erfährt der Kunde, wie sie sich verändern können? Bekommt er Verlaufstabellen, die ihm die mögliche künftige Entwicklung seiner Rente zeigen?

Das Produkt

Eine Sofortrente beginnt unmittelbar nachdem der Einmalbeitrag beim Versicherer eingegangen ist. Wie bei jeder privaten Rentenversicherung besteht die ausgezahlte Leistung aus einem garantierten Teil und einem unsicheren Teil aus Überschüssen.

Überschüsse erzielt ein Versicherer durch Zinsgewinne am Kapitalmarkt, durch Kosteneinsparungen und durch ­Risikogewinne. Risikogewinne entstehen, wenn die Versicherten im Durchschnitt früher sterben als kalkuliert. Dann muss die Gesellschaft weniger Renten auszahlen.

Risikogewinne müssen die Versicherer zu mindestens 75 Prozent an die Kunden weiterreichen, Kostenüberschüsse zu mindestens 50 Prozent und Zinsüberschüsse zu mindestens 90 Prozent. Wann ein Kunde von den Überschüssen profitiert, hängt davon ab, was im Vertrag vereinbart ist.

Variante 1: Überschuss gleich verteilt

Die erwarteten Überschüsse können zum Beispiel rechnerisch gleichmäßig über die Laufzeit verteilt werden. Dann ist die Anfangsrente recht hoch und eine gleichmäßige Rentenauszahlung vorgesehen. Diese gleichbleibende Rente ist aber nicht zu empfehlen. Denn der Kunde verliert durch die Inflation mit der Zeit erheblich an Kaufkraft. Außerdem besteht die Gefahr einer Rentenkürzung. Erwirtschaftet der Versicherer geringere Überschüsse als anfangs kalkuliert, zahlt er weniger aus. Das kann auch geschehen, wenn die Lebenserwartung steigt.

Variante 2: Überschüsse bringen Steigerung

Wir empfehlen deshalb eine andere Art der Überschussverrechnung: Die Auszahlung beginnt mit der Garantierente und steigt mit der Zeit durch Überschüsse. Eine einmal erreichte Rentenhöhe kann nicht mehr gekürzt werden. Bei fast allen Angeboten in unserem Test ist eine solche steigende Rente möglich.

Sicherheit bis ans Lebensende

Ihre Leistung bis ans Lebensende macht die private Rentenversicherung einzigartig. Wer diese Sicherheit benötigt, findet keine Alternative. Beim vergleichbar sicheren Produkt, dem „Bankentnahmeplan“, ist das Geld irgendwann weg, wenn der Kunde Summen in gleicher Höhe entnimmt. Außerdem gibt es kaum Bankentnahmepläne, die über mehr als zehn Jahre ausgelegt sind.

Die Privatrente ist auch steuerlich deutlich attraktiver als ein Bankentnahmeplan: Steuerpflichtig ist von der Rente nur der ­geringe Ertragsanteil, dessen Höhe vom Jahr des Rentenbeginns abhängt.

Wird die erste Rente überwiesen, wenn der Versicherte 65 Jahre alt ist, sind 18 Prozent davon steuerpflichtig. Von 230 Euro Rente zählen also nur 41,40 Euro zum steuerpflichtigen Einkommen.

Wie viel Steuern dafür fällig sind, hängt von den sonstigen steuerpflichtigen Einkünften des Ruheständlers ab. Hat er wenig, bleiben diese 41,40 Euro steuerfrei, sonst gehen je nach Steuersatz ungefähr zwischen 6 und 20 Euro an das Finanzamt.

Für einen Bankentnahmeplan sind viel mehr Steuern fällig. Die Zinsen für die ­gesamte Summe bei der Bank sind steuerpflichtig, sobald der Freibetrag von 801 ­Euro im Jahr anderweitig ausgeschöpft ist.

Bei 4 Prozent Zinsen bekäme der Kunde im ersten Monat für 60 000 Euro 200 Euro Zinsen. Ab 2009 gilt dafür die Abgeltungsteuer von pauschal 25 Prozent, macht 50 Euro Steuern für den Monat.

Versicherung kontra Bank

Wie man es dreht und wendet – langfristig schneidet die Rente gegen Einmalbeitrag besser ab als der Bankentnahmeplan. Langfristig heißt, wenn der Kunde sehr lange lebt. Einige Beispielrechnungen verdeutlichen das.

Ein Sparer zahlt 60 000 Euro in einen Bankentnahmeplan ein. Er genehmigt sich daraus beispielsweise 230 Euro im Monat – mit so viel Anfangsrente könnten Interessenten im Schnitt bei einer Sofortrente rechnen. Bei unterstellten 4 Prozent Zinsen wäre das Geld nach rund 43 Jahren verbraucht. Dass der Kunde mit 108 Jahren noch lebt, ist nicht wirklich wahrscheinlich.

Rechnet man die Steuern auf die Zinserträge ein und dazu eine Steigerung der Entnahme um 2 Prozent jährlich, würden 60 000 Euro aber lediglich 24 Jahre und acht Monate reichen. Noch vor dem 90. Geburtstag fiele das Zusatzeinkommen des Sparers weg. Könnte er den Sparerfreibetrag voll nutzen, käme er ein wenig länger mit dem Geld aus.

Eine Bankentnahme könnte auch ewig laufen. Das funktioniert, wenn der Kunde sich nur die Zinsen auszahlen lässt.

Mit 60 000 Euro wäre bei 4 Prozent Zinsen eine ewige Entnahme von 196 Euro im Monat möglich. Netto blieben davon 147 Euro, bei noch offenem Freibetrag 164 Euro. Jedes Jahr mehr herausnehmen, ginge nicht. ­Allerdings bliebe das gesamte Kapital für die Erben erhalten.

Zum Vergleich: Aus einer „sehr guten“ Rentenversicherung, zum Beispiel von der Debeka, bekommen Männern nach 20 Jahren vielleicht sogar 412 Euro im Monat. Und davon müsste selbst ein reicher Rentner maximal rund 35 Euro für Steuern abgeben.

Eine Frau könnte bei der Debeka mit 85 Jahren immerhin auf 386 Euro Rente hoffen. Lebt sie danach noch weitere 10 bis 20 Jahre, steigt ihre Rente weiter. Dann hat sich die Investition auf jeden Fall gelohnt.

Angehörige absichern

Rentenversicherungen sind allerdings nicht familienfreundlich. Nach dem Tod des oder der Versicherten fällt das Restguthaben der Versichertengemeinschaft zu. Partner und Kinder schauen in die Röhre. Mit kleinen Maßnahmen lässt sich der Verlust aber einigermaßen abfedern.

Möchte der Kunde, dass Angehörige nicht leer ausgehen, kann er etwa eine Rentengarantiezeit vereinbaren. Bis zu dem Ende ­dieser Frist wird die Rente auf jeden Fall ausgezahlt, auch wenn der Kunde schon verstorben ist. In unseren Modellen sind 20 Jahre Rentengarantiezeit eingerechnet.

Alternativ kann der Kunde eine Beitragsrückgewähr im Todesfall festlegen. Dann zahlt das Unternehmen seinen Angehörigen das Restkapital einschließlich Überschüssen aus, wenn er stirbt.

Beide Leistungen gibt es nicht umsonst. 20 Jahre Rentengarantiezeit oder die Beitragsrückgewähr kosten jeweils rund 10 Prozent Rente. Das ist ziemlich teuer.

Nicht abgesichert bleibt die Zeit nach dem Ende der Garantiezeit. Stirbt ein Ehepartner beispielsweise zwei Jahre vor deren Ablauf, erhält seine Witwe oder ihr Witwer nur noch zwei Jahre Rente.

Viele Versicherer lassen maximal 20 Jahre Rentengarantiezeit zu, manche nur zehn. Bei der Hannoverschen Leben aber beispielsweise sind bis zu 24 Jahre möglich.

Das Geld zurückholen

Zwei Drittel der Anbieter im Test geben dem Kunden die Möglichkeit, vorzeitig Kapital aus dem Vertrag zu ziehen, wenn sie eine Todesfallleistung vereinbart haben. Testsieger Europa bietet dies an, der Versicherer auf Platz zwei, die Debeka, ebenfalls mit einem „Sehr gut“ bewertet, nicht.

Haben Kunden die Option auf eine Kapitalzahlung (siehe rechte Spalte in den Tabellen Sofortrenten für Frauen und Sofortrenten für Männer), können sie sich maximal den Betrag auszahlen lassen, den ihre Angehörigen zu diesem Zeitpunkt im Falle ihres Todes erhielten. Schöpfen sie die Summe aus, endet die Rente damit häufig.

Unter Renditegesichtspunkten ist ein Ausstieg aus einem laufenden Vertrag schlecht, und schon die Option dafür kostet Geld. Wer seine Sofortrente optimieren will, verzichtet lieber auf jegliche Zusatzleistung und hat eine höhere Rente.

Ohne Todesfallleistung können Männer mit bis zu 280 Euro Anfangsrente rechnen und nach 20 Jahren mit deutlich über 400 Euro. Frauen erhalten bis zu 260 Euro. Nach 20 Jahren können es fast 400 Euro sein.

Doch keiner weiß, ob sich die eigene Lebenserwartung nicht plötzlich durch eine schlimme Diagnose drastisch verkürzt. Dann will man das Ersparte vielleicht doch lieber gleich ausgeben.

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