Rente für pflegende Angehörige Diese Renten­ansprüche haben Pflegende

Rente für pflegende Angehörige - Diese Renten­ansprüche haben Pflegende
Angehörige unterstützen. Rund vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. © Getty Images / PeopleImages

Die Pflege­versicherungen zahlen Rentenbeiträge für ehren­amtlich Pflegende. Die Stiftung Warentest zeigt, wann und wie sich das auf die gesetzliche Rente auswirkt.

Lesen Sie auf dieser Seite:

Das Wichtigste in Kürze

Pflegerente – das Wichtigste in Kürze

Pflegerente.
Für ehren­amtliche Pflege bekommen Sie später mehr gesetzliche Rente. Die Rentenbeiträge zahlt die Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen. Dafür müssen Sie den „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbs­mäßige Pflege­personen“ der gesetzlichen Renten­versicherung ausfüllen.
Beratung.
Zur Rente berät Sie kostenlos die Deutschen Rentenversicherung (Tel. 0 800/10 00 48 00). Auch Versicherungs­ämter von Städten und Land­kreisen informieren kostenlos. Bei sozialrecht­lichen Fragen oder Problemen mit der Renten­versicherung helfen Sozial­verbände wie der VdK oder SoVD weiter. Die Mitglieds­beiträge liegen monatlich bei rund 7 oder 8 Euro für eine Einzel­person. Beratungs­möglich­keiten zur Pflege nennt Ihnen die Pflegeversicherung.
Arbeits­losen­versicherung.
Seit 2017 sind pflegende Angehörige in der Arbeits­losen­versicherung pflicht­versichert. Sie können nach Ende der Pflege­tätig­keit Arbeits­losengeld beantragen und Leistungen der Arbeits­förderung bean­spruchen.

Pflege­versicherung zahlt Rentenbeiträge

Über 4,1 Millionen Menschen sind in Deutsch­land pflegebedürftig. Rund vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Die allermeisten werden dabei von Angehörigen oder Freunden unterstützt. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundes­amts.

Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger fordert oft einen hohen persönlichen Einsatz und kann Pflegende an die Grenzen der Belast­barkeit bringen. Hinzu können finanzielle Einbußen kommen, etwa, wenn Pflegende ihre Arbeits­zeit reduzieren müssen, um der Aufgabe über­haupt gerecht werden zu können. Bei der Rente wird ehren­amtliche Pflege deshalb wie Erwerbs­arbeit berück­sichtigt: Die gesetzliche oder private Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen muss unter bestimmten Umständen Renten­versicherungs­beiträge für die pflegenden Angehörigen zahlen. Welche es sind und mit wie viel Rente Pflegende rechnen können, zeigt dieses Special zur Rente für pflegende Angehörige.

Tabelle: Das monatliche Rentenplus nach derzeitigen Werten

Pflege­tätig­keit für ein Jahr bei Bezug von ...

Rentenplus / Monat

West (Euro)

Ost (Euro)

Pfle­gegrad 5

Pflegegeld

35

34

Kombinations­leistungen

29

29

Pflegesach­leistungen

24

24

Pfle­gegrad 4

Pflegegeld

24

24

Kombinations­leistungen

21

20

Pflegesach­leistungen

17

17

Pfle­gegrad 3

Pflegegeld

15

15

Kombinations­leistungen

13

12

Pflegesach­leistungen

10

10

Pfle­gegrad 2

Pflegegeld

 7

 6

Kombinations­leistungen

 8

 8

Pflegesach­leistungen

 9

 9

Stand: 1. Januar 2022

Quelle: Eigene Berechnung, Beträge gerundet.

Wer Anspruch auf Pflegerente hat

Nicht alle, die sich um Angehörige kümmern, haben einen Anspruch auf Rentenbeiträge. Wer etwa Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 unterstützt, bekommt wegen des eher geringen Pfle­geaufwands keine Renten­punkte gutgeschrieben. Bei höherer Einstufung müssen pflegende Angehörige noch weitere Voraus­setzungen beachten. Sie müssen den Pflegebedürftigen mindestens 10 Stunden pro Woche versorgen, regel­mäßig an mindestens zwei Tagen.

Wie viel Pflege nötig ist, legt bei gesetzlich Pflege­versicherten der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen fest, bei privat Pflege­versicherten die Firma Medicproof. Neben den zeitlichen Voraus­setzungen gibt es noch einige andere:

  • Pflegende müssen regel­mäßig eine oder mehrere Personen mit Pfle­gegrad 2 bis 5 in häuslicher Umge­bung pflegen.
  • Sie dürfen neben der Pflege­tätig­keit nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbs­tätig sein.
  • Sie dürfen noch keine Voll­rente wegen Alters beziehen.

Allumfassende Informationen, was die soziale Pflege­versicherung leistet und wie sie funk­tioniert, haben wir in unserem Special Pflegeversicherung zusammen­gestellt.

Alles rund um die gesetzliche Rente

Grund­legende Informationen
So funktioniert unser Rentensystem
Zu krank zum Arbeiten Das leistet die Erwerbsminderungsrente
Früher in Rente mit Schwerbehin­derungDie Altersrente für Schwerbehinderte
Wenn das Geld später nicht reicht Grundsicherung im Alter
Die Rente planen Rentenberatung im Praxistest
Rente und Scheidung Was beim Versorgungsausgleich passiert

Renten­ansprüche für Pflegende zwischen 6 und 35 Euro

Die ehren­amtliche Pflege­tätig­keit bringt für die Rente pflegender Angehörige oft weniger als ein durch­schnitt­lich bezahlter versicherungs­pflichtiger Job. Nur Angehörige, die ohne Hilfe durch einen ambulanten Pflege­dienst schwerst­pflegebedürftige Menschen mit Pfle­gegrad 5 versorgen, kommen 2022 auf etwas höhere Ansprüche. Das Rentenplus, das sich nach einem Jahr Pflege­tätig­keit nach derzeitigen Werten monatlich ergibt, liegt zwischen rund 7 Euro und 35 Euro im Westen und rund 6 Euro und 34 Euro im Osten (siehe Tabelle oben). Ob Pflegebedürftige West oder Ost-Ansprüche erhalten, hängt vom dem Ort ab, an dem die Pflege ausgeübt wird. In der Regel ist das der Wohn­ort des Pflegebedürftigen und nicht der der Pflege­person.

Tipp: Wer pflegt, ist gesetzlich unfall­versichert. Welche Regeln für die Unfall­versicherung gelten, steht in unseren FAQ Pflegende Angehörige.

Rentenbeiträge auf fiktives Gehalt

Um auszurechnen, wie hoch die Rentenbeiträge für einen Pflegenden sein müssen, legen die Pflege­versicherungen ein fiktives Gehalt zugrunde. Auf dieses zahlt die Kasse dann den vollen Renten­versicherungs­beitrag von derzeit 18,6 Prozent. Die Höhe des Gehalts, das sie für die Berechnung der Beiträge zugrunde legt, hängt von der sogenannten Bezugs­größe ab: einer Kenn­zahl in der gesetzlichen Sozial­versicherung, die das Bundes­arbeits­ministerium jedes Jahr neu fest­gelegt. 2022 liegt sie bei monatlich 3 290 Euro im Westen und 3 150 Euro im Osten.

Das der Rentenbe­rechnung zugrunde liegende fiktive Gehalt kann zwischen 18,9 und 100 Prozent der Bezugs­größe liegen, derzeit also zwischen:

  • 622 Euro und 3 290 Euro (West) und
    595 Euro und 3 150 Euro (Ost).

Interes­sante Informationen der Stiftung Warentest

Medikamente.
In unserer Daten­bank Medikamente im Test bewerten wir die gängigsten rezept­freien und rezept­pflichtigen Medikamente für Sie objektiv und unabhängig. Eine Medikamente-Gesamt­schau bietet der Ratgeber Medikamente im Test: 9 000 Arzneimittel geprüft und bewertet.
Vorsorge. Praxis­nahe Hilfe bei Vorsorgevoll­macht, Patienten- und Betreuungs­verfügung gibt unser Vorsorge-Set. Es führt Schritt für Schritt durch alle wichtigen Dokumente und liefert Ihnen dazu Formulare zum Ausfüllen, Heraus­trennen und Abheften.
Behindertentestament. Informationen für Eltern, die ihre Kinder mit Behin­derung finanziell absichern, finden Sie in unserem Special Behindertentestament.
Pflege. Das Pflege-Set der Stiftung Warentest bietet praktische Unterstüt­zung und über­sicht­liche Antworten, um Pflege gut zu organisieren.
Steuern. Wer andere pflegt, kann seine Ausgaben von der Steuer absetzen. Unser Special erläutert die Steuerregeln für Pflege und Behinderung.
Kinder und Behin­derung. So sichern sich Eltern von Kindern mit Behinderung möglichst viel Unterstüt­zung.

Weniger gesetzliche Rente bei Hilfe durch Pflege­dienste

Welchen Prozent­satz die Pflege­versicherungen für die Berechnung des fiktiven Gehalts ansetzen, richtet sich nach zwei Faktoren:

  • dem Pfle­gegrad des Pflegebedürftigen und
  • dem Maß, in dem externe Pflege­dienste bei der Versorgung des Pflegebedürftigen helfen.

Wird nur Pflegegeld von der Pflege­versicherung über­wiesen, liegt die Verantwortung für die Versorgung bei den pflegenden Angehörigen. Pflegebedürftige können statt­dessen aber auch Pflegesach­leistungen bean­spruchen. In diesem Fall sind es professionelle Pflege­dienste, die einen Groß­teil der Pflege­tätig­keit über­nehmen. Eine Kombination aus Pflegegeld und Pflegesach­leistung nennt sich Kombinations­leistung.

Hoher Pfle­gegrad, hoher Renten­anspruch

Unsere Tabelle zeigt: Je höher der Pfle­gegrad und je weniger professionelle Hilfe es gibt, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätig­keit. Am höchsten ist das fiktive Gehalt, wenn sie Menschen mit Pfle­gegrad 5 versorgen, also Schwerst­beein­trächtigte mit besonderen Pfle­geanforderungen. Das können Patienten mit Krebs­erkrankungen im Endstadium, Menschen mit schwerer Demenz oder Wachkomapatienten sein.

Gibt es neben dem Pflegegeld der Pflege­versicherung keine Unterstüt­zung durch professionelle Pflege­dienste, zahlt die Pflege­versicherung derzeit pro Jahr 7 343 Euro im Westen und 7 031 Euro im Osten an Rentenbeiträgen für den Pflegenden bei der Renten­versicherung ein. Daraus ergibt sich für sie nach heutigen Werten ein monatliches Rentenplus von genau 34,70 Euro im Westen und 33,89 Euro im Osten. Beschäftigte mit einem Durch­schnitts­verdienst von 38 901 im Jahr 2022 kommen auf ein monatliches Rentenplus von 34,19 Euro im Westen und 33,47 Euro im Osten.

Buch­tipp: Meine Rente

Rente für pflegende Angehörige - Diese Renten­ansprüche haben Pflegende

Richtig planen, mehr heraus­holen. Das gesammelte Finanztest-Expertenwissen über Renten­versicherung, Vorsorge, Riester-Rente, Flexirente und Mütterrente finden Sie in unserem im März 2021 erschienenen Buch Meine Rente. Der Ratgeber der Stiftung Warentest geht anhand vieler anschaulicher Praxis­beispiele auf die wichtigsten Fragen rund um den Renten­eintritt ein.

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7 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 28.02.2021 um 11:28 Uhr
Trotz Rentenbeiträgen keine Rente

@rh04: Auch zur Frage "Kann ich noch irgendetwas unternehmen?" bitten wir Sie, sich in der Rentenberatungsstelle individuell beraten zu lassen. Es kann sein, dass Sie durch freiwillige Einzahlungen die Anzahl der Beitragszeiten erhöhen können. Ob das in Ihrem Fall noch möglich ist, sollten Sie in der Beratung klären. Allgemeine Hinweis zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel, den ich empfohlen hatte.

Wer die Voraussetzungen für den Erhalt der gesetzlichen Rente nicht erfüllt, kann sich die selbst einbezahlten Beiträge zurückerstatten lassen. Es werden jedoch nur Beiträge erstattet, die selbst eingezahlt wurden. Beiträge, die vom Staat oder vom Sozialversicherungsträger einbezahlt wurden, verbleiben in der Rentenversicherung.* (maa)

*ergänzt am 1.03.2021

rh04 am 26.02.2021 um 18:09 Uhr
Trotz Rentenbeiträgen keine Rente

Natürlich habe ich die DRV danach gefragt. Ich bekomme die 5 Jahre nicht zusammen auf denen die gesetzliche Rentenversicherung besteht. Denen geht es gar nicht um die Beitragshöhe, sondern um die 5 Jahre und da war ich eben schon zu alt, denn rein rechnerisch können es keine 5 Jahre mehr werden. Sie sind auch nicht gewillt den eingezahlten Betrag zu meiner Versorgungsrente zu schieben.
Meine Frage bleibt bestehen: Kann ich noch irgendetwas unternehmen und was passiert nun mit dem eingezahlten Geld? Ich komme mir echt verhöhnepiepelt vor.

Profilbild Stiftung_Warentest am 26.02.2021 um 17:48 Uhr
Trotz Rentenbeiträgen keine Rente

@rh04: Prüfen Sie, ob Sie durch freiwillige Einzahlungen zusätzliche Beitragszeiten aufbauen können. Bitte lesen Sie hierzu:
www.test.de / Suche / Freiwillige Rentenbeiträge
Sie können sich beim Rentenversicherungsträger dazu auch individuell beraten lassen. (maa)

rh04 am 26.02.2021 um 15:03 Uhr
Trotz Rentenbeiträgen keine Rente

Ich pflegte meine Mutter etwas über ein Jahr lang (Pflegestufe 2) und ihre Krankenkasse hat 8.572,-€ an die Rentenversicherung gezahlt. Nach Kontenklärung etc. dann der Bescheid: Ich bekomme keinen Cent, weil ich vorher nicht in die gesetzliche Versicherung eingezahlt habe und meine Pflegetätigkeit zu einem Zeitpunkt stattfand als ich keine 5 Jahre mehr vor meinem gesetzlichen Renteneintritt zustande bringen könnte.
Dumm gelaufen, oder? Kann ich noch irgendetwas unternehmen und was passiert nun mit dem eingezahlten Geld?
Danke für jede Info.

korichaska am 03.12.2019 um 21:43 Uhr
Flexirente

Anscheinend gibt es mittlerweile eine Möglichkeit. Man muss auf einen Teil der Rente verzichten (1 %) und kann dann weitere Rentenpunkte erwerben.
https://www.vdk.de/deutschland/pages/pflege/75016/durch_pflege_die_rente_aufbessern?dscc=ok