Rente für pflegende Angehörige Special

Rück­grat des deutschen Pflege­systems: 73 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt – oft von Töchtern, Schwieger­töchtern, Ehefrauen und Enkelinnen.

Wer Angehörige pflegt, kann dafür später mehr Rente bekommen. Seit 2017 sind die Hürden für einen Renten­anspruch nied­riger. Die Pflegekassen zahlen Rentenbeiträge für ehren­amtlich Pflegende. Wir haben anhand der aktuellen Renten­werte ausgerechnet, um wie viel diese die gesetzliche Rente erhöhen. Unsere Tabelle weiter unten zeigt, wie stark die Monats­rente im Einzel­fall steigt.

Drei von vier Pflegebedürftigen werden unentgeltlich zu Hause versorgt

Rund 2,9 Millionen Menschen in Deutsch­land sind pflegebedürftig. Das meldete das Statistische Bundes­amt im Januar. 73 Prozent von ihnen werden ehren­amtlich in häuslicher Umge­bung versorgt. Vor allem nahe­stehende Angehörige, aber auch Freunde oder Nach­barn über­nehmen ihre Pflege. Selbst Schwerst­pflegebedürftige werden laut Bundes­gesund­heits­ministerium häufiger zu Hause gepflegt als im Heim.

Tipp: Wer pflegt, ist gesetzlich unfall­versichert. Welche Regeln für die Unfall­versicherung gelten, steht in unseren FAQ Pflegende Angehörige.

Pflegekassen zahlen Rentenbeiträge komplett

Die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen fordert einen hohen persönlichen Einsatz und bringt Pflegende oft an die Grenzen ihrer Belast­barkeit. Hinzu können finanzielle Einbußen kommen, etwa, wenn der Pflegende seine Arbeits­zeit reduziert. Der Gesetz­geber zählt ehren­amtliche Pflege bei der Rente deshalb wie Erwerbs­arbeit. Konkret: Die Pflegekasse oder private Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen muss Renten­versicherungs­beiträge für den Pflegenden zahlen. Das Rentenplus, das sich später daraus ergibt, liegt für ein Jahr Pflege nach derzeitigen Werten zwischen 5,22 Euro und 29,30 Euro im Monat (siehe Tabelle weiter unten).

Ansprüche aus Beschäftigung werden nicht gekürzt

Der Pflegende selbst zahlt für sein Rentenplus nichts in die Rentenkasse ein. Arbeitet er neben der Pflege, bekommt er seine Ansprüche zusätzlich zu denen aus der Beschäftigung. Sie werden nicht gekürzt. Teilen sich mehrere die Pfle­gearbeit, etwa Geschwister, werden die Versicherungs­beiträge der Pflegekasse unter ihnen aufgeteilt.

Monatliches Rentenplus

Die Pflegekassen zahlen Rentenbeiträge für ehren­amtlich Pflegende. Wir haben anhand der aktuellen Renten­werte ausgerechnet, um wie viel diese die gesetzliche Rente im Monat erhöhen.

Pflege­tätig­keit für ein Jahr und Bezug von ...

Rentenplus / Monat

West (Euro)

Ost (Euro)

Pfle­gegrad 5

Pflegegeld

29,30

27,60

Kombinations­leistungen

24,91

23,46

Pflegesach­leistungen

20,51

19,32

Pfle­gegrad 4

Pflegegeld

20,51

19,32

Kombinations­leistungen

17,43

16,42

Pflegesach­leistungen

14,36

13,52

Pfle­gegrad 3

Pflegegeld

12,60

11,87

Kombinations­leistungen

10,71

10,09

Pflegesach­leistungen

8,82

8,31

Pfle­gegrad 2

Pflegegeld

7,91

7,45

Kombinations­leistungen

6,72

6,33

Pflegesach­leistungen

5,54

5,22

    Stand: 31. Januar 2017

      Voraus­setzungen für die Absicherung

      Im Rahmen des Pfle­gestärkungs­gesetzes II hat der Gesetz­geber 2017 die Hürden für die Pflegerente gesenkt: Statt mindestens 14 Stunden muss der Pflegende für einen Renten­anspruch den Pflegebedürftigen nur noch mindestens 10 Stunden pro Woche versorgen, regel­mäßig an mindestens zwei Tagen. Wie viel Pflege nötig ist, legt bei gesetzlich Pflege­versicherten der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen fest, bei privat Pflege­versicherten die Firma Medicproof. Wer sich um Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 kümmert, bekommt wegen des eher geringen Pfle­geaufwands keine Renten­punkte gutgeschrieben.

      Neben diesen zeitlichen Voraus­setzungen gibt es noch einige andere, die Pflegende für einen Renten­anspruch erfüllen müssen:

      • Der Pflegende muss regel­mäßig eine oder mehrere Personen mit Pfle­gegrad 2 bis 5 in häuslicher Umge­bung pflegen.
      • Er darf neben der Pflege­tätig­keit nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbs­tätig sein.
      • Er darf selbst noch keine Voll­rente wegen Alters beziehen.

      Mehr Pflegende bekommen Rente

      Teil der Pflegereform war auch, die bisherigen Pfle­gestufen 0 bis III durch fünf Pfle­gegrade zu ersetzen und damit die Renten­ansprüche von Pflege­personen neu zu ordnen. Menschen, die Demenz­kranke ohne körperliche Einschränkungen pflegen – bisherige Pfle­gestufe 0 –, haben mit der Über­leitung in den Pfle­gegrad 2 zu Jahres­beginn zum ersten Mal über­haupt rentenrecht­liche Ansprüche. Allzu hoch sind sie allerdings nicht. Sie liegen nach derzeitigen Werten für ein Jahr Pflege­tätig­keit zwischen 5,22 Euro und 7,91 Euro monatlich. Auch Ehren­amtliche, die ohne Hilfe von Pflege­diensten Menschen mit Pfle­gegrad 5 versorgen, stellen sich jetzt besser. So haben etwa Pflegende, wenn sie 2016 einen Demenz­erkrankten mit Pfle­gestufe III mindestens 28 Stunden pro Woche versorgt haben, jetzt einen um 5,86 Euro (West) und 5,52 Euro (Ost) höheren Renten­anspruch im Monat.

      Für manche gilt alte Regelung weiter

      Während sich die neue Regelung für manche positiv auf ihre Rente auswirkt, waren für andere die alten Pfle­gestufen I und II in Bezug auf ihre Renten güns­tiger – vor allem, wenn Pflegebedürftige zusätzlich Sach­leistungen, also Hilfe von Pflege­dienst­leistern, bei der Pflege­versicherung beantragen. Wer bereits im Jahr 2016 Anspruch auf Pflege-Rentenbeiträge hatte und sich nach der alten Regelung besser stellte, muss aber erst mal keine Renten­einbußen befürchten. Für ihn gilt die alte Regelung weiter.

      Rentenbeiträge auf fiktives Gehalt

      Um auszurechnen, wie hoch die Rentenbeiträge für einen Pflegenden sein müssen, tut die Pflegekasse so, als würde dieser für seine Pflege­tätig­keit ein Gehalt beziehen. Auf dieses fiktive Gehalt zahlt die Kasse dann den vollen Renten­versicherungs­beitrag von derzeit 18,7 Prozent. Die Höhe des Gehalts, das sie für die Berechnung der Beiträge zugrunde legt, hängt von der sogenannten Bezugs­größe ab: einer Kenn­zahl in der gesetzlichen Sozial­versicherung, die das Bundes­arbeits­ministerium jedes Jahr neu fest­gelegt. 2017 liegt sie bei monatlich 2 975 Euro im Westen und 2 660 Euro im Osten. Das der Rentenbe­rechnung zugrunde liegende fiktive Gehalt kann zwischen 18,9 und 100 Prozent der Bezugs­größe liegen, derzeit also zwischen:

      • 562 Euro und 2 975 Euro (West) und
      • 503 Euro und 2 660 Euro (Ost).

      Zwei Faktoren entscheidend

      Welchen Prozent­satz die Pflegekasse für die Berechnung des fiktiven Gehalts ansetzt, richtet sich seit 2017 nach zwei Faktoren:

      • dem Pfle­gegrad des Pflegebedürftigen und
      • dem Maß, in dem externe Pflege­dienste bei der Versorgung des Pflegebedürftigen helfen. Dabei geht es darum, ob dieser Pflegegeld, Pflegesach- oder Kombinations­leistungen von der Pflege­versicherung erhält.

      Nicht mal Durch­schnitts­rente

      Je höher der Pfle­gegrad und je weniger professionelle Hilfe es gibt, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätig­keit. Am höchsten ist das fiktive Gehalt, wenn sie Menschen mit Pfle­gegrad 5 versorgen, also Schwerst­beein­trächtigte mit besonderen Pfle­geanforderungen. Das können Patienten mit Krebs­erkrankungen im Endstadium, Menschen mit schwerer Demenz oder Wachkomapatienten sein. Gibt es neben dem Pflegegeld der Pflege­versicherung keine Unterstüt­zung durch professionelle Pflege­dienste, zahlt die Pflege­versicherung derzeit pro Jahr 6 676 Euro im Westen und 5 969 Euro im Osten an Rentenbeiträgen für den Pflegenden ein. Das entspricht nach heutigen Werten einem monatlichen Rentenplus von 29,30 Euro im Westen und 27,60 Euro im Osten. Mit diesem liegen sie bei einem Jahr Pflege­tätig­keit allerdings unter der Renten­anwart­schaft, die sie als Durch­schnitt­verdiener im Jahr aufbauen würden. Die liegt nach derzeitigen Werten bei 30,45 Euro im Westen und 28,66 Euro im Osten.

      Mit Pfle­geaufwand steigt die Rente

      Bean­sprucht dagegen ein Pflegebedürftiger mit Pfle­gegrad 5 Pflegesach­leistungen, fallen die Rentenbeiträge für den ehren­amtlich Tätigen nied­riger aus. Gehalts­grund­lage sind dann 70 Prozent der Bezugs­größe, das entspricht einem monatlichen Rentenplus von 20,51 Euro (West) und 19,32 Euro (Ost). Bezieht ein Pflegebedürftiger Kombileistungen, also kombiniert er Pflegegeldzahlung mit der Unterstüt­zung durch Pflege­dienste, liegt die Renten­anwart­schaft für den Pflegenden bei 24,91 (West) und 23,46 (Ost).

      Tipp: Das Wichtigste zur Pflegereform finden Sie in unserem großen Special Pflege: Neue Pflegegrade, mehr Geld – was die Reform bringt.

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