Rente für pflegende Angehörige Diese Renten­ansprüche haben Pflegende

02.07.2021
Rente für pflegende Angehörige - Diese Renten­ansprüche haben Pflegende
In Deutsch­land gibt es rund 4,1 Millionen Pflegebedürftige. 3,3 Millionen von ihnen werden zu Hause von Angehörigen oder Freunden versorgt. © Getty Images / PeopleImages
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Die Pflegekassen zahlen Rentenbeiträge für ehren­amtlich Pflegende. Die Stiftung Warentest nennt die Voraus­setzungen und zeigt, wie die Monats­rente im Einzel­fall steigt.

Das Wichtigste in Kürze

Pflegerente – das Wichtigste in Kürze

Pflegerente.
Für ehren­amtliche Pflege bekommen Sie später mehr gesetzliche Rente. Die Rentenbeiträge zahlt die Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen. Dafür müssen Sie den „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbs­mäßige Pflege­personen“ der gesetzlichen Renten­versicherung ausfüllen.
Beratung.
Zur Rente berät Sie kostenlos die Deutschen Rentenversicherung (Tel. 0 800/10 00 48 00). Auch Versicherten­ämter von Städten und Land­kreisen informieren kostenlos. Bei sozialrecht­lichen Fragen oder Problemen mit der Renten­versicherung helfen Sozial­verbände wie der VdK oder SoVD weiter. Die Mitglieds­beiträge liegen monatlich zwischen 6 und 8 Euro für eine Einzel­person. Beratungs­möglich­keiten zur Pflege nennt Ihnen die Pflegeversicherung.
Arbeits­losen­versicherung.
Seit 2017 sind Sie als Pflegender in der Arbeits­losen­versicherung pflicht­versichert. Sie können nach Ende der Pflege­tätig­keit Arbeits­losengeld beantragen und Leistungen der Arbeits­förderung bean­spruchen.

Pflege­versicherung zahlt Rentenbeiträge

Über 4,1 Millionen Menschen sind in Deutsch­land pflegebedürftig. 3,3 Millionen von ihnen leben zu Hause. Die allermeisten werden dabei von Angehörigen oder Freunden unterstützt. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundes­amts.

Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger fordert oft einen hohen persönlichen Einsatz und kann Pflegende an die Grenzen der Belast­barkeit bringen. Hinzu können finanzielle Einbußen kommen, etwa, wenn Pflegende ihre Arbeits­zeit reduzieren müssen, um der Aufgabe über­haupt gerecht werden zu können. Bei der Rente wird ehren­amtliche Pflege deshalb wie Erwerbs­arbeit berück­sichtigt: Die gesetzliche oder private Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen muss unter bestimmten Umständen Renten­versicherungs­beiträge für die pflegenden Angehörigen zahlen. Stiftung Warentest erklärt, welche es sind und zeigt, mit wie viel Rente Pflegende rechnen können.

Tabelle: So hoch ist das monatliche Rentenplus

Pflege­tätig­keit für ein Jahr bei Bezug von ...

Rentenplus / Monat

West (Euro)

Ost (Euro)

Pfle­gegrad 5

Pflegegeld

32,49

31,80

Kombinations­leistungen

27,62

27,03

Pflegesach­leistungen

22,74

22,26

Pfle­gegrad 4

Pflegegeld

22,74

22,26

Kombinations­leistungen

19,33

18,92

Pflegesach­leistungen

15,92

15,58

Pfle­gegrad 3

Pflegegeld

13,97

13,68

Kombinations­leistungen

11,88

11,62

Pflegesach­leistungen

 9,78

 9,57

Pfle­gegrad 2

Pflegegeld

 8,77

 8,59

Kombinations­leistungen

 7,46

 7,29

Pflegesach­leistungen

 6,14

 6,01

Stand: 1. Juli 2021

Quelle: Eigene Berechnung

Wer Anspruch auf Pflegerente hat

Nicht alle, die sich um Angehörige kümmern haben einen Anspruch auf Rentenbeiträge. Wer etwa Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 unterstützt, bekommt wegen des eher geringen Pfle­geaufwands keine Renten­punkte gutgeschrieben. Bei höherer Einstufung müssen pflegende Angehörige noch weitere Voraus­setzungen beachten. Sie müssen den Pflegebedürftigen mindestens 10 Stunden pro Woche versorgen, regel­mäßig an mindestens zwei Tagen.

Wie viel Pflege nötig ist, legt bei gesetzlich Pflege­versicherten der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen fest, bei privat Pflege­versicherten die Firma Medicproof. Neben den zeitlichen Voraus­setzungen gibt es noch einige andere:

  • Pflegende müssen regel­mäßig eine oder mehrere Personen mit Pfle­gegrad 2 bis 5 in häuslicher Umge­bung pflegen.
  • Sie dürfen neben der Pflege­tätig­keit nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbs­tätig sein.
  • Sie dürfen noch keine Voll­rente wegen Alters beziehen.

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Renten­ansprüche für pflegende Angehörige eher gering

Die ehren­amtliche Pflege­tätig­keit bringt für die Rente der pflegende Angehörige weniger als ein durch­schnitt­lich bezahlter versicherungs­pflichtiger Job. Das zeigt unsere Tabelle oben. Das Rentenplus, das sich nach einem Jahr Pflege­tätig­keit nach derzeitigen Werten monatlich ergibt, liegt zwischen 6,14 Euro und 32,49 Euro im Westen und 6,01 Euro und 31,80 Euro im Osten.

Zum Vergleich: Beschäftigte mit einem Durch­schnitts­verdienst von 41 541 im Jahr 2021 kommen auf ein monatliches Rentenplus von 34,19 Euro (West) und 35,34 Euro (Ost).

Tipp: Wer pflegt, ist gesetzlich unfall­versichert. Welche Regeln für die Unfall­versicherung gelten, steht in unseren FAQ Pflegende Angehörige.

Rentenbeiträge auf fiktives Gehalt

Um auszurechnen, wie hoch die Rentenbeiträge für einen Pflegenden sein müssen, legen die Pflege­versicherungen ein fiktives Gehalt zugrunde. Auf dieses zahlt die Kasse dann den vollen Renten­versicherungs­beitrag von derzeit 18,6 Prozent. Die Höhe des Gehalts, das sie für die Berechnung der Beiträge zugrunde legt, hängt von der sogenannten Bezugs­größe ab: einer Kenn­zahl in der gesetzlichen Sozial­versicherung, die das Bundes­arbeits­ministerium jedes Jahr neu fest­gelegt. 2021 liegt sie bei monatlich 3 290 Euro im Westen und 3 115 Euro im Osten.

Das der Rentenbe­rechnung zugrunde liegende fiktive Gehalt kann zwischen 18,9 und 100 Prozent der Bezugs­größe liegen, derzeit also zwischen:

  • 622 Euro und 3 290 Euro (West) und
    589 Euro und 3 115 Euro (Ost).

Interes­sante Informationen der Stiftung Warentest

Medikamente.
In unserer Daten­bank Medikamente im Test bewerten wir die gängigsten rezept­freien und rezept­pflichtigen Medikamente für Sie objektiv und unabhängig. Eine Medikamente-Gesamt­schau bietet der Ratgeber Medikamente im Test: 9 000 Arzneimittel geprüft und bewertet.
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Wir haben acht Hörgeräteversicherer untersucht. Wann sich ein Abschluss lohnt.
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Praxis­nahe Hilfe bei Vorsorgevoll­macht, Patienten- und Betreuungs­verfügung gibt unser Ratgeber Vorsorge-Set. Er führt Schritt für Schritt durch alle wichtigen Dokumente und liefert Ihnen dazu Formulare zum Ausfüllen, Heraus­trennen und Abheften.
Behindertentestament.
Informationen für Eltern, die ihre Kinder mit Behin­derung finanziell absichern finden Sie in unserem Special Behindertentestament.
Pflege.
Das Pflege-Set der Stiftung Warentest bietet praktische Unterstüt­zung und über­sicht­liche Antworten, um Pflege gut zu organisieren.
Kinder und Behin­derung.
So sichern sich Eltern möglichst viel Unterstüt­zung zum Special Kinder mit Behinderung.
Psycho­therapie.
Die Stiftung Warentest hat acht Onlineprogramme zur Akutbehandlung oder Prävention von Depression getestet.

Weniger Rente bei Hilfe durch Pflege­dienste

Welchen Prozent­satz die Pflege­versicherungen für die Berechnung des fiktiven Gehalts ansetzen, richtet sich nach zwei Faktoren:

  • dem Pfle­gegrad des Pflegebedürftigen und
    dem Maß, in dem externe Pflege­dienste bei der Versorgung des Pflegebedürftigen helfen.

Wird nur Pflegegeld von der Pflege­versicherung über­wiesen, liegt die Verantwortung für die Versorgung bei den pflegenden Angehörigen. Pflegebedürftige können statt­dessen aber auch Pflegesach­leistungen bean­spruchen. In diesem Fall sind es vor allem professionelle Pflege­dienste, die die Pflege­tätig­keit über­nehmen. Eine Kombination aus Pflegegeld und Pflegesach­leistung nennt sich Kombinations­leistung.

Hoher Pfle­gegrad, hoher Renten­anspruch

Unsere Tabelle zeigt: Je höher der Pfle­gegrad und je weniger professionelle Hilfe es gibt, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätig­keit. Am höchsten ist das fiktive Gehalt, wenn sie Menschen mit Pfle­gegrad 5 versorgen, also Schwerst­beein­trächtigte mit besonderen Pfle­geanforderungen. Das können Patienten mit Krebs­erkrankungen im Endstadium, Menschen mit schwerer Demenz oder Wachkomapatienten sein.

Gibt es neben dem Pflegegeld der Pflege­versicherung keine Unterstüt­zung durch professionelle Pflege­dienste, zahlt die Pflege­versicherung derzeit pro Jahr 7 343 Euro im Westen und 6 953 Euro im Osten an Rentenbeiträgen für den Pflegenden bei der Renten­versicherung ein. Daraus ergibt sich für sie nach heutigen Werten ein monatliches Rentenplus von 32,49 Euro im Westen und 31,80 Euro im Osten.

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Dieses Special ist im Februar 2017 auf test.de erschienen. Wir haben es zuletzt im Juli 2021 aktualisiert. Nutzer­kommentare können sich auf eine ältere Fassung beziehen.

02.07.2021
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