Menschen mit Schwerbehin­derung Special

Der Ruhe­stand kann für Menschen mit Schwer­behin­derung früher beginnen. Bereits zwei Jahre vor der allgemeinen Regel­alters­grenze können sie ihre Rente beziehen, wenn sie das möchten. Noch früher können sie gehen, wenn sie Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen. Die fallen allerdings kräftig aus; und auch ohne Abschläge geht der vorzeitige Ruhe­stand mit Verlusten einher. Die Alters­vorsorge-Experten der Stiftung Warentest erklären, mit welchen finanziellen Einbußen Menschen mit Schwerbehin­derung rechnen müssen und unter welche Voraus­setzungen ein vorzeitiger Renten­start über­haupt in Frage kommt.

Alters­rente für Schwerbehinderte – das Wichtigste in Kürze

Renten­start. Als Versicherter mit Schwerbehin­derung können Sie zwei Jahre früher regulär in Rente gehen; mit Abschlägen auch noch früher. Abschläge mindern die Rente allerdings teils deutlich.

Ausweis. Um vorzeitig Ihre Rente beziehen zu können, brauchen Sie einen Schwerbehinderten­ausweis. Zuständig sind die Versorgungs­ämter der einzelnen Bundes­länder. Einen Über­blick über die einzelnen Ausgabestellen finden Sie auf der Website Einfach teilhaben.

Voraus­setzung. Die Alters­rente für Menschen mit Schwerbehin­derung kommt für Sie nur dann in Betracht, wenn Sie zum Zeit­punkt Ihres Renten­antrags mindestens einen Grad der Behin­derung von 50 haben und auf mindestens 35 Versicherungs­jahre kommen.

Beratung. Um Ihre Rente optimal zu gestalten, sollten Sie möglichst schon einige Jahre vor dem gewünschten Renten­beginn Kontakt zu Ihrem Renten­versicherungs­träger suchen. Unter 0 800/10 00 48 00 berät Sie die Deutsche Renten­versicherung. Die Mitarbeiter helfen Ihnen fest­zustellen, ob Sie die erforderliche Mindest­versicherungs­zeit erfüllen und wie sich ein vorzeitiger Renten­beginn finanziell für Sie auswirken wird.

Probleme. Wenden Sie sich bei Streitig­keiten mit der gesetzlichen Renten­versicherung an Fachleute, etwa Sozial­verbände wie den VdK (vdk.de) und den Sozial­verband Deutsch­land (SoVD.de), an Rentenberater (rentenberater.de) oder Sozial­rechts­anwälte (anwaltauskunft.de). Fragen Sie vorher aber immer nach deren Kosten.

Bis zu fünf Jahre vorzeitiger Renten­beginn möglich

Eine gesonderte Alters­rente ermöglicht es vielen Menschen mit Schwerbehin­derung bis zu fünf Jahre früher als andere Versicherte in Rente zu gehen. Schließ­lich ist der Arbeits­alltag mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behin­derung oft deutlich schwerer zu meistern. Voraus­setzung ist allerdings: Die Versicherten haben einen Grad der Behin­derung von mindestens 50 und kommen auf mindestens 35 Versicherungs­jahre. Hinzu kommt: Sie müssen sich den frühen Renten­start auch leisten können. Wir haben errechnet, dass die Rente eines west­deutschen Durch­schnitts­verdieners mit Schwerbehin­derung, der fünf Jahre vor der allgemeinen Alters­grenze in den Ruhe­stand geht, auf der Basis heutiger Rechen­grund­lagen monatlich 272 Euro nied­riger ausfällt; ein ostdeutscher Durch­schnitts­verdiener müsste auf 261 Euro monatlich verzichten. Summen, die die wenigsten einfach so wegstecken. Die wichtigsten drei Schritte auf dem Weg zur Rente sind deshalb:

  • Fest­stellen, ob die Voraus­setzungen für die Alters­rente für schwerbehinderte Menschen erfüllt sind (siehe unten).
  • Heraus­finden, welche Alters­grenzen gelten (siehe Tabellen).
  • Mit Hilfe der Renten­versicherung ausrechnen, ob ein vorzeitiger Renten­beginn finanziell zu stemmen ist.

Renten­art bestimmt den Renten­start

Die Rente für Menschen mit Schwerbehin­derung ist nur eine von vier Alters­renten­arten der gesetzlichen Renten­versicherung. Die anderen drei sind die allgemeine Regel­alters­rente, die Rente für lang­jährig Versicherte und die für besonders lang­jährig Versicherte. Das Renten­eintritts­alter fällt bei ihnen jeweils unterschiedlich aus. Auch die Voraus­setzungen, die Versicherte für die einzelnen Renten­arten erfüllen müssen, sind unterschiedlich. In den meisten Fällen dürfte die Alters­rente für schwerbehinderte Menschen die beste Option sein. Sie bietet nicht nur Vorteile beim Renten­eintritts­alter. Auch sind die Abschläge bei vorzeitigem Renten­eintritt nied­riger als etwa bei der Rente für lang­jährig Versicherte, die auch einen früheren Renten­start ermöglicht.

Regulärer Renten­start der Schwerbehindertenrente

Die Alters­grenze der Rente für schwerbehinderte Menschen steigt auf 65.

Jahr­gang

Alter (Geburts­tag + Monate)

Renten­start zwischen (Monat/Jahr)

1954

63 + 8

09/2017–09/2018

1955

63 + 9

10/2018–10/2019

1956

63 + 10

11/2019–11/2020

1957

63 + 11

12/2020–12/2021

1958

64

01/2022–01/2023

1959

64 + 2

03/2023–03/2024

1960

64 + 4

05/2024–05/2025

1961

64 + 6

07/2025–07/2026

1962

64 + 8

09/2026–09/2027

1963

64 + 10

11/2027–11/2028

Ab 1964

65

Ab 1/2029; immer nach Voll­endung des 65. Lebens­jahres

      Vorzeitiger Renten­start der Schwerbehindertenrente

      Der Beginn für einen vorzeitigen Renten­start mit Abschlägen steigt auf 62.

      Jahr­gang

      Alter (Geburts­tag + Monate)

      Renten­start zwischen (Monat/Jahr)

      Ein Jahr früher – Abschlag 3,6 Prozent

      1955

      62 + 9

      10/2017–10/2018

      1956

      62 + 10

      11/2018–11/2019

      1957

      62 + 11

      12/2019–12/2020

      1958

      63

      01/2021–01/2022

      1959

      63 + 2

      03/2022–03/2023

      1960

      63 + 4

      05/2023–05/2024

      1961

      63 + 6

      07/2024–07/2025

      1962

      63 + 8

      09/2025–09/2026

      1963

      63 + 10

      11/2026–11/2027

      1964

      64

      01/2028–01/2029

      Zwei Jahre früher – Abschlag 7,2 Prozent

      1956

      61 + 10

      11/2017–11/2018

      1957

      61 + 11

      12/2018–12/2019

      1958

      62

      01/2020–01/2021

      1959

      62 + 2

      03/2021–03/2022

      1960

      62 + 4

      05/2022–05/2023

      1961

      62 + 6

      07/2023–07/2024

      1962

      62 + 8

      09/2024–09/2025

      1963

      62 + 10

      11/2025–11/2026

      1964

      63

      01/2027–01/2028

      Drei Jahre früher – Abschlag 10,8 Prozent

      1957

      60 + 11

      12/2017–12/2018

      1958

      61

      01/2019–01/2020

      1959

      61 + 2

      03/2020–03/2021

      1960

      61 + 4

      05/2021–05/2022

      1961

      61 + 6

      07/2022–07/2023

      1962

      61 + 8

      09/2023–09/2024

      1963

      61 + 10

      11/2024–11/2025

      1964

      62

      01/2026–01/2026

          Kinder­erziehung und Arbeits­losig­keit gehören zur Warte­zeit

          Auf die 35 Versicherungs­jahre zu kommen, die Voraus­setzung für die Schwerbehindertenrente sind, fällt nicht allen leicht. Eine nicht erreichte Warte­zeit – so der Fach­ausdruck für Mindest­versicherungs­zeit – ist nach Aussage der Deutschen Renten­versicherung der häufigste Grund für die Ablehnung eines Antrags auf Schwerbehindertenrente. Entmutigen lassen sollten sich Versicherte hier­von aber nicht. Denn nicht nur Zeiten, in denen sie sozialver­sicherungs­pflichtig beschäftigt waren, gelten, auch Zeiten der Kinder­erziehung oder freiwil­liger Versicherung, des Bezugs von Kranken- oder Arbeits­losengeld oder aus einem Versorgungs­ausgleich. Eine Aufschlüsselung, was alles zu den rentenrecht­lichen Zeiten gehört, steht im Sozialgesetz­buch VI ab Paragraf 54.

          Grad der Behin­derung entscheidend für die Rente

          Neben einer ausreichend langen Warte­zeit wollen die Renten­versicherungs­träger beim Renten­antrag einen Nach­weis über den Grad der Behin­derung sehen. Dieser muss mindestens 50 betragen. Als Nach­weis reicht der Schwerbehinderten­ausweis oder – nach Arbeits­unfällen und bei Berufs­krankheiten – auch eine aktuelle Bescheinigung der Berufs­genossenschaft.

          Besser nicht mit dem Renten­antrag warten

          Problematisch für die Rentenplanung können Bescheide der Versorgungs­ämter sein, die im Stadium der Heilungs­bewährung ausgestellt wurden, etwa nach Trans­plantationen oder bösartigen Tumor­erkrankungen. Da sich der Gesund­heits­zustand über die Jahre hin wieder verbessern könnte, sieht das Versorgungs­amt in solchen Fällen Nach­prüfungen vor. Nach einer Nach­prüfung kann sich der Grad der Behin­derung wieder auf unter 50 verringern. Versicherte wissen vorher nicht, welche der Alters­renten für sie in Frage kommt. Arbeitnehmer, die in Rente gehen möchten und deren Grad der Behin­derung noch nicht fest­steht, sollten mit ihrem Renten­antrag trotzdem nicht warten. Denn bei späterer Bewil­ligung wird die Rente nur dann rück­wirkend gezahlt, wenn der Antrag vorlag.

          Keine Extra-Prüfung des Versorgungs­amts zu Renten­beginn

          Eine gesonderte Prüfung des Grads der Schwerbehin­derung durch das Versorgungs­amt zu Renten­beginn gibt es nicht. Dokumentiert der Ausweis zum Zeit­punkt des Renten­antrags mindestens einen Grad der Behin­derung von 50, steht dem früheren Renten­beginn nichts im Wege. Das gilt auch dann, wenn der Schwerbehinderten­status befristet ist. Wer erst einmal die Alters­rente für Schwerbehinderte bezieht, bekommt diese auch weiterhin.

          Renten­eintritts­alter steigt auf 65 Jahre

          Generell wird – wie für alle anderen Arbeit­nehmer – das Berufs­leben für Schwerbehinderte länger. Während die Grenze für die allgemeine Alters­rente stufen­weise von 65 Jahren auf 67 Jahre ansteigt, erhöht sich das reguläre Renten­eintritts­alter bei der Rente für Schwerbehinderte von 63 Jahren auf 65 Jahre (siehe Tabellen). Versicherte des Jahr­gangs 1964 werden die Ersten sein, die regulär erst mit 65 Jahren ihre Rente beziehen können. Regulär meint, dass keine Abschläge anfallen. Versicherte können die Schwerbehindertenrente aber auch bis zu drei Jahre vorzeitig beziehen. In diesem Fall werden Abschläge fällig.

          Beispiel – Jahr­gang 1965

          Ein Versicherter ist 1965 geboren.

          Regulärer Renten­start der allgemeinen Alters­rente: 67 Jahre.

          Regulärer Renten­start für die Schwerbehindertenrente: 65 Jahre.

          Vorzeitiger Renten­start: ab 62 Jahre. Abschläge werden fällig.

          Früher in Rente heißt auch länger in Rente

          Der Grund für die Abschläge: Ein vorzeitiger Renten­start bedeutet, dass Versicherte ihre Rente länger beziehen. Mit den Abschlägen will die Rentenkasse die höheren Ausgaben ausgleichen. Pro Monat vorzeitiger Schwerbehindertenrente zieht sie 0,3 Prozent von der eigentlichen Rentenzahlung ab.

          Beispiel Rente Ost und West

          West: Ein west­deutscher Durch­schnitts­verdiener kommt, wenn er nach 40 Versicherungs­jahren regulär in Rente geht und die allgemeine Alters­rente bezieht, nach heutigen Werten auf eine Monats­rente von 1 241 Euro. Bezieht er statt­dessen bereits nach 35 Versicherungs­jahren vorzeitig die Alters­rente für schwerbehinderte Menschen, liegt seine Rente bei 969 Euro monatlich. Das sind 272 Euro weniger. Das liegt zum einen an den hohen Abschlägen von 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3), zum anderen an insgesamt fünf Jahren fehlender Einzahlung.

          Ost: Ein ostdeutscher Durch­schnitts­verdiener kommt unter den gleichen Voraus­setzungen auf eine reguläre Alters­rente von 1 188 Euro monatlich. Geht er als Arbeitnehmer mit Schwerbehin­derung fünf Jahre vor der regulären Alters­grenze in den Ruhe­stand, liegt seine Rente bei 927 Euro monatlich. Das sind 261 Euro weniger.

          Weniger einzahlen, nied­rigere Rente

          Selbst bei einem abschlags­freien Start in die Schwerbehindertenrente fallen die Zahlungen geringer aus. Wenn der Versicherte aus dem Beispiel oben die Rente für Menschen mit Schwerbehin­derung abschlags­frei bezieht, fehlen immer noch zwei Jahre an Einzahlungen im Vergleich zur regulären Alters­grenze der allgemeinen Alters­rente. Er hat dadurch weniger Entgelt­punkte auf seinem Renten­konto. Bei einem Durch­schnitts­verdiener macht das nach derzeitigen Werten ein monatliches Minus von 62 Euro im Westen und 59 Euro im Osten aus.

          Dieses Special ist erst­mals am 18. Oktober 2016 auf test.de erschienen. Es wurde am 4. Mai 2018 aktualisiert.

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