Menschen mit Schwerbehin­derung Special

Für Schwerbehinderte ist das Arbeits­leben kürzer. Laut Gesetz können sie ihre reguläre Alters­rente bereits zwei Jahre früher beziehen als Menschen ohne Schwerbehin­derung. Oder sogar noch früher, wenn sie Abschläge in Kauf nehmen. Die fallen aber oft kräftig aus. Vor dem Renten­antrag heißt es also rechnen. Die Alters­vorsorge-Experten der Stiftung Warentest erklären, mit welchen Abzügen Menschen mit Schwerbehin­derung rechnen müssen und wann ein früher Renten­start möglich ist.

Alters­rente für Schwerbehinderte – das Wichtigste in Kürze

Renten­start. Als Schwerbehinderter können Sie zwei Jahre früher regulär in Rente gehen; mit Abschlägen auch noch früher. Abschläge mindern die Rente allerdings teils deutlich.

Ausweis. Um früher in Rente gehen zu können, brauchen Sie einen Schwerbehinderten­ausweis. Zuständig sind die Versorgungs­ämter der einzelnen Bundes­länder. Einen Über­blick über die einzelnen Ausgabestellen finden Sie auf der Website Einfach teilhaben.

Voraus­setzung. Für die Rente müssen Sie zum Zeit­punkt Ihres Antrags mindestens einen Grad der Behin­derung von 50 haben und auf mindestens 35 Versicherungs­jahre kommen.

Beratung. Um Ihre Rente optimal zu gestalten, sollten Sie möglichst schon viele Jahre vor dem Renten­alter Kontakt zu Ihrem Renten­versicherungs­träger suchen. Unter 0 800/10 00 48 00 berät Sie die Deutsche Renten­versicherung. Fragen Sie, wie sich ein vorzeitiger Renten­beginn finanziell auswirkt und ob es für Sie sinn­voll sein könnte, Verluste durch Sonderzah­lungen auszugleichen.

Das reguläre Renten­alter steigt für Schwerbehinderte auf 65

Für Schwerbehinderte beginnt der Ruhe­stand ganz regulär zwei Jahre früher als für Menschen ohne Schwerbehin­derung. Aber auch sie kommen nicht um längeres Arbeiten herum – zumindest solange sie keine allzu hohen Einbußen bei ihrer Rente hinnehmen wollen. Während das allgemeine Eintritts­alter für die gesetzliche Alters­rente von 65 Jahren auf 67 Jahre steigt, erhöht es sich für Schwerbehinderte von 63 Jahren auf 65 Jahre. Wann genau Schwerbehinderte ihre Rente beziehen können, hängt also – wie bei der allgemeinen Regel­alters­grenze – vom Geburts­jahr ab.

Wann Menschen mit Schwerbehin­derung in Rente gehen

Alle ab Jahr­gang 1964 Geborenen können erst mit 65 Jahren ohne Abschläge gehen. Nehmen sie Abschläge in Kauf, können sie bereits mit 62 Jahren ihre Rente beziehen. Für alle früher Geborenen steigt das Renten­alter gleitend. So kann Jahr­gang 1955 etwa mit 63 Jahren und neun Monaten abschlags­frei in den Ruhe­stand, mit Abschlägen bereits mit 60 Jahren und neun Monaten, wie unsere Tabelle zeigt.

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn für Schwerbehinderte

Frühester Renten­beginn mit Abschlag von 10,8 Prozent

1954

63 Jahren

8 Monaten

60 Jahren

8 Monaten

1955

63 Jahren

9 Monaten

60 Jahren

9 Monaten

1956

63 Jahren

10 Monaten

60 Jahren

10 Monaten

1957

63 Jahren

11 Monaten

60 Jahren

11 Monaten

1958

64 Jahren

0 Monaten

61 Jahren

0 Monaten

1959

64 Jahren

2 Monaten

61 Jahren

2 Monaten

1960

64 Jahren

4 Monaten

61 Jahren

4 Monaten

1961

64 Jahren

6 Monaten

61 Jahren

6 Monaten

1962

64 Jahren

8 Monaten

61 Jahren

8 Monaten

1963

64 Jahren

10 Monaten

61 Jahren

10 Monaten

Ab 1964

65 Jahren

0 Monaten

62 Jahren

0 Monaten

      Abschläge bis zu 10,8 Prozent auf gesetzliche Rente

      Die Abschläge werden fällig, weil ein früherer Renten­start aus der Sicht der Rentenkasse natürlich heißt, dass der Versicherte seine Rente länger als vorgesehen bezieht. Das lässt sich die Kasse durch die Abschläge kompensieren. Und die sind nicht ohne. Pro Monat vorzeitiger Rente zieht die Rentenkasse 0,3 Prozent von der eigentlichen Rentenzahlung ab. Bei einem um drei Jahre vorgezogenen Renten­beginn betrüge der Abschlag also Monat für Monat 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3). Konkret: Aus 1 000 Euro Rente werden monatlich 892 Euro. Geht der Beitrags­zahler zwei Monate früher in Rente, zieht die Rentenkasse 7,2 Prozent ab (24 Monate x 0,3), bei einem Jahr sind es 3,6 Prozent (12 Monate x 0,3 Prozent).

      Weniger einzahlen heißt nied­rigere Rente

      Doch nicht nur die Abschläge selbst führen zu einer geringeren Rente. Was viele über­sehen: Wenn ein Schwerbehinderter ohne Abschlag zwei Jahre früher geht, heißt das nur, dass die Rentenkasse ihm den zwei Jahre längeren Rentenbe­zug nicht in Rechnung stellt. Sie kompensiert aber nicht die geringeren Einzahlungen. Dadurch haben Schwerbehinderte – auch wenn sie regulär, also zwei Jahre früher als Nicht-Schwerbehinderte, in Rente gehen – weniger Entgelt­punkte auf Ihrem Renten­konto als Menschen ohne Schwerbehin­derung. Ihre reguläre Rente fällt also nied­riger aus als die reguläre Rente eines Nicht-Schwerbehinderten mit gleicher Erwerbs­biografie. Allerdings gibt es auch Wege, wie auch Menschen mit einer schweren Behin­derung ihre Rente ab 50 Jahren durch Sonderzah­lungen aufpeppen und Kürzungen so wett­machen können. Hier sollten sich Versicherte aber unbe­dingt früh­zeitig individuellen Rat bei der gesetzlichen Renten­versicherung holen.

      Voraus­setzung ist eine lange Mindest­versicherungs­zeit

      Früher in Rente können Behinderte aber ohnehin nur, wenn sie bestimmte Voraus­setzungen erfüllen. Die zwei wichtigsten: Ein Grad der Behin­derung von mindestens 50 und eine Mindest­versicherungs­zeit von 35 Jahren (die sogenannte Warte­zeit). Das hört sich, gerade für Menschen, denen das Arbeiten aufgrund ihrer Behin­derung schwer fallen mag, nach viel an. Sie sollten sich von der langen Warte­zeit aber nicht abschre­cken lassen. Denn nicht nur Zeiten, in denen Versicherte als Arbeitnehmer in die Rentenkasse gezahlt haben, zählen mit. Auch viele andere Zeiten gehören dazu, etwa aus einer freiwil­ligen Versicherung oder einem Versorgungs­ausgleich, außerdem Zeiten der Kinder­erziehung und des Bezugs von Kranken- oder Arbeits­losengeld. Eine genaue Aufschlüsselung steht im Sozialgesetz­buch VI ab Paragraf 54.

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      Grad der Behin­derung entscheidet über Rente

      Neben einer ausreichend langen Warte­zeit wollen die Renten­versicherungs­träger beim Renten­antrag einen Nach­weis über den Grad der Behin­derung sehen. Dieser muss mindestens 50 betragen, damit der Antrag­steller eine Alters­rente für Schwerbehinderte bekommt. Als Nach­weis reicht der Schwerbehinderten­ausweis vom Versorgungs­amt oder – nach Arbeits­unfällen und bei Berufs­krankheiten – auch eine aktuelle Bescheinigung der Berufs­genossenschaft. Arbeitnehmer, die in Rente gehen möchten und deren Grad der Behin­derung noch nicht fest­steht – etwa weil ein Wider­spruchs­verfahren läuft –, warten mit ihrem Antrag besser nicht auf das Ende des Verfahrens. Sie sollten die Alters­rente für Schwerbehinderte trotzdem bereits für ihren Wunsch­termin beantragen. Denn ohne recht­zeitigen Renten­antrag gibt es erst einmal keine Rente.

      Keine Extra-Prüfung des Versorgungs­amts zu Renten­beginn

      Eine generelle Prüfung des Grads der Schwerbehin­derung durch das Versorgungs­amt zum Renten­beginn ist nicht vorgesehen. Dokumentiert der Ausweis zum Zeit­punkt des Renten­antrags mindestens einen Grad der Behin­derung von 50, steht dem früheren Renten­beginn nichts im Wege. Das gilt auch dann, wenn der Schwerbehinderten­status – etwa nach einer Krebs­erkrankung – befristet ist, und das Versorgungs­amt nach einigen Jahren über­prüfen möchte, ob die Erkrankung über­wunden wurde. Wer erst einmal die Alters­rente für Schwerbehinderte bezieht, bekommt diese auch weiterhin.

      Dieses Special ist erst­mals am 18. Oktober 2016 auf test.de erschienen. Es wurde am 22. Februar 2018 aktualisiert.

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