Rente für Schwerbehinderte Special

Früher als andere können Schwerbehinderte in Rente gehen. Voraus­setzung sind mindestens 35 Versicherungs­jahre. Finanztest sagt, welche Regeln für Schwerbehinderte gelten und was ältere Versicherte beachten müssen, bei denen der Grad der Behin­derung noch nicht amtlich fest­gesetzt ist.

Für Schwerbehinderte gelten nied­rigere Alters­grenzen

Rente für Schwerbehinderte Special

Seit ihrer Ausbildung zur Bank­kauffrau arbeitet Jutta Lipporte, Jahr­gang 1958, für dieselbe Bausparkasse. Die 58-Jährige ist schwerbehindert und könnte deshalb schon in drei Jahren in Rente gehen.

Gefühlt ist die Rente für Jutta Lipporte noch Licht­jahre entfernt. Tatsäch­lich kann sich die 58-jährige Bank­kauffrau aus Ludwigs­burg bereits in drei Jahren zur Ruhe setzen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Lipporte ist schwerbehindert. Seit ihrer Kindheit leidet sie an schwerem Asthma. In den letzten Jahren sind auch noch Probleme an Rücken und Knien hinzugekommen. Sie möchte wissen, was das für ihre Rente bedeutet. Das Wichtigste: Als Schwerbehinderte gelten für sie nied­rigere Alters­grenzen; sie kann zwei Jahre früher ohne Abschläge gehen. Regulär könnte sie das ohne Abschläge erst mit 66 Jahren. Nimmt sie Abschläge in Kauf, kann Lipporte sogar fünf Jahre früher aufhören.

Grad der Behin­derung entscheidet

Schwerbehindert sind Renten­versicherte, deren Grad der Behin­derung mindestens 50 beträgt. Den Nach­weis über die Behin­derung wollen die Renten­versicherungs­träger beim Renten­antrag sehen. Das kann ein Schwerbehinderten­ausweis des Versorgungs­amts sein oder – nach Arbeits­unfällen und bei Berufs­krankheiten – auch eine aktuelle Bescheinigung der Berufs­genossenschaft. Lipporte hat ihren Schwerbehinderten­ausweis schon sehr lange. „Meine Mutter hat ihn damals für mich beantragt. Da war ich 17 Jahre alt“, sagt sie. Ihr Grad der Behin­derung liegt inzwischen bei 60.

Rente recht­zeitig beantragen

Ältere Arbeitnehmer, die in Rente gehen möchten, deren Grad der Behin­derung aber noch nicht fest­steht – etwa weil ein Wider­spruchs­verfahren läuft –, warten besser nicht auf das Ende des Verfahrens. Sie sollten die Alters­rente für Schwerbehinderte trotzdem schon für ihren Wunsch­termin beantragen. Wird die Schwerbehin­derung rück­wirkend anerkannt, heißt das nämlich nicht, dass sie rück­wirkend auch auto­matisch einen Anspruch auf Rente haben. Ohne recht­zeitigen Renten­antrag gibt es erst einmal keine Rente.

Anspruch auch bei späterer Verbesserung des Gesund­heits­zustands

Ist die Schwerbehindertenrente einmal bewil­ligt, ist sie Behinderten auch dann sicher, wenn sich ihr Gesund­heits­zustand im Ruhe­stand verbessert. Selbst wenn sie nach einiger Zeit nicht mehr schwerbehindert sein sollten, bleibt ihr Renten­anspruch auf die Alters­rente für Schwerbehinderte weiterhin bestehen.

Lange Mindest­versicherungs­zeit

Eine weitere Voraus­setzung, die Lipporte für eine Schwerbehindertenrente erfüllen muss, ist eine sogenannte Warte­zeit von 35 Jahren. Für die Ludwigs­burgerin ist diese gesetzliche Mindest­versicherungs­zeit keine Hürde. Seit ihrer Ausbildung hat sie ununterbrochen gearbeitet. Schon jetzt hat sie mehr als 34 Jahre Beiträge an die Rentenkasse gezahlt.

Auch Kinder­erziehung und Arbeits­losig­keit zählen

Aber auch Personen mit weniger geradlinigen Erwerbs­biografien sollten sich von der langen Warte­zeit nicht gleich abschre­cken lassen. Denn nicht nur Zeiten, in denen Versicherte als Arbeitnehmer in die Rentenkasse gezahlt haben, zählen mit. Auch viele andere Zeiten gehören dazu, etwa aus einer freiwil­ligen Versicherung, aus einem Versorgungs­ausgleich, Zeiten der Kinder­erziehung und des Bezugs von Kranken- oder Arbeits­losengeld. Sie sind ab Paragraf 54 im Sozialgesetz­buch VI zu finden.

Die Renten­alters­grenze steigt

Wann genau schwerbehinderte Arbeitnehmer erst­mals Rente beziehen können, hängt – wie bei der Regel­alters­grenze – von ihrem Geburts­jahr ab. Für jeden neuen Jahr­gang liegt der Renten­beginn etwas später. Erst für Jahr­gang 1964 und alle später Geborenen gelten wieder einheitliche Alters­grenzen (siehe Tabelle unten). Die 1958 geborene Lipporte kann ihre Schwerbehindertenrente frühestens 2022 beziehen, zwei Jahre vor ihrer Regel­alters­grenze. Sie ist dann 64 Jahre. Sie könnte sogar noch drei Jahren früher – im Jahr 2019 – dem Arbeits­leben den Rücken kehren. Das allerdings würde ein ziemliches Loch in ihre Alters­einnahmen reißen. Denn nicht nur würden ihr drei Jahre Einzahlungen bis zum regulären Beginn ihrer Schwerbehindertenrente fehlen. Pro Monat vorzeitiger Rente zieht die Rentenkasse auch noch 0,3 Prozent von der eigentlichen Rentenzahlung ab.

Drei Jahre früher kosten 10,8 Prozent

Der Abschlag auf Lipportes Rente bei einem vorgezogenen Renten­beginn von drei Jahren betrüge 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3). Bei zwei Jahren vorzeitigem Rentenbe­zug wären es noch 7,2 Prozent weniger, bei einem Jahr 3,6 Prozent weniger. Nach heutigen Werten hieße das für eine durch­schnitt­liche Schwerbehindertenrente von derzeit 1 089 Euro im Monat: lebens­lang fast 118 Euro weniger jeden Monat bei einem Ausstieg drei Jahre früher. Zwei Jahre früher würden gut 78 Euro und ein Jahr früher gut 39 Euro im Monat kosten. Für Lipporte ist ein Ausstieg vor ihrem 64. Geburts­tag dann eher doch kein Thema. „Aber auch aus einem anderen Grund“, sagt sie nach kurzem Nach­denken: „Ich arbeite einfach gerne.“

Renten­beginn nach Jahr­gang

Derzeit können Schwerbehinderte mit 63 Jahren und 7 Monaten abschlags­frei in Rente gehen. Jeder Monat vorher kostet sie 0,3 Prozent ihrer Rente.

Geburts­jahr

Abschlags­freier Renten­beginn mit

Frühester Renten­beginn (Abschlag 10,8 Prozent) mit

Jahren

Monaten

Jahren

Monaten

1953

63

7

60

7

1954

63

8

60

8

1955

63

9

60

9

1956

63

10

60

10

1957

63

11

60

11

1958

64

0

61

0

1959

64

2

61

2

1960

64

4

61

4

1961

64

6

61

6

1962

64

8

61

8

1963

64

10

61

10

Ab 1964

65

0

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