Vom Antrag bis zur Berufs­unfähigkeits­rente

Berufs­unfähigkeits­schutz. Für alle, die von ihrem Einkommen leben, ist eine Absicherung für den Fall unver­zicht­bar, dass ihnen durch eine schwere Erkrankung oder einen schweren Unfall die Existenz­grund­lage genommen wird, weil sie nicht mehr arbeiten können. Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung kann einen Einkommens­verlust ausgleichen oder abfedern. Sinn­voll ist, einen Vertrag möglichst früh abzu­schließen, am besten gleich zu Beginn von Studium oder Ausbildung. Ein Versicherer mit guten Bedingungen zahlt die Leistung bis zum Beginn der Alters­rente – häufig ist aber nur das 60. oder 62. Lebens­jahr vereinbart. Außerdem leistet er, wenn der Versicherte voraus­sicht­lich für mindestens sechs Monate nicht mehr in der Lage ist, in seinem zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent zu arbeiten.

Tipp: Unsere Checkliste hilft Ihnen, Versicherungs­angebote Schritt für Schritt durch­zugehen.

Rechts­schutz­versicherung. Recht zu bekommen, kann teuer werden. Wer sich mit seinem Berufs­unfähigkeits-Versicherer zum Beispiel über einen Betrag von 100 000 Euro vor Gericht streitet, muss rund 20 000 Euro Gesamt­kostenrisiko für einen Prozess einkalkulieren. Hilf­reich ist dann eine Rechts­schutz­police. Sie über­nimmt in der Regel einen Rechts­streit über sogenannte personenbezogene Versicherungs­verträge. Idealer­weise besteht schon eine Rechts­schutz­versicherung, bevor jemand eine Berufs­unfähigkeits­police abschließt. Es kann sonst sein, dass bei einem Streit über eine „vorvertragliche Anzeige­pflicht­verletzung“ (Wer berät zur Berufsunfähigkeitsrente?) der Rechts­schutz­versicherer – je nach Bedingungen – nicht einspringt. Spätestens sollte der Rechts­schutz drei Monate vor Eintritt des Leistungs­falls abge­schlossen sein, sicherer ist ein Jahr vorher. Es gibt auch die Ansicht, es sei besser, wenn ein Rechts­schutz­versicherer nicht zum selben Konzern gehört wie der Berufs­unfähigkeits­versicherer. Im Gesetz sind jedoch Vorkehrungen getroffen, damit es nicht zum Konflikt kommen soll.

Tipp: Finanztest bietet zum Thema Rechts­schutz­versicherung einen Test (Rechtschutzversicherung: Familienpolicen im Test).

Meldung einer Berufs­unfähigkeit an den Versicherer. Wenn bei schwerer Krankheit oder nach einem schweren Unfall ein Arzt bestätigt, dass Berufs­unfähigkeit vorliegt, sollte der Leistungs­fall formlos dem Versicherer gemeldet werden. Ein kurzer Brief genügt. Der Versicherer sendet dann Formulare zum Ausfüllen zu, die 6 oder auch 20 Seiten umfassen können. Die Formulare müssen Versicherungs­nehmer wahr­heits­gemäß ausfüllen und gemein­sam mit weiteren Unterlagen an den Versicherer zurück­schi­cken. Anhand der einge­reichten Unterlagen prüft der Versicherer, ob die Rente ausgezahlt wird – oder nicht.

Tipps für den Leistungs­antrag. Diese Unterlagen sind für den Versicherer wichtig:

  • Darlegung der Ursache, die für die Berufs­unfähigkeit verantwort­lich ist.
  • Berichte der behandelnden Ärzte (Grad der Berufs­unfähigkeit, voraus­sicht­liche Dauer der Berufs­unfähigkeit, Ursache, Beginn und Art der Beschwerden, Prognose über den Verlauf der Beschwerden).
  • Unterlagen über den Beruf und die berufliche Stellung.
  • Tätig­keits­beschreibung des zuletzt ausgeübten Berufs. Anhand einer detaillierten Beschreibung kann der Versicherer erkennen, welche Tätig­keiten in gesunden Tagen möglich waren und welche nicht mehr ausgeübt werden können. Hilf­reich ist, den Tages­ablauf ganz konkret in Stunden oder – je nach Tätig­keit – in Minuten zu schildern.
  • Schwei­gepflicht-Entbindungs­erklärung. In manchen Fällen hat der Antrag­steller schon bei Abschluss der Versicherungs­police dem Versicherer sein Einverständnis gegeben, Ärzte und Kranken­versicherungen befragen zu dürfen. Spätestens beim Renten­antrag benötigen Versicherer das Einverständnis. Es gibt zwei Varianten: die pauschale und die individuelle Schwei­gepflichtentbindung. Der Vorteil eines individuellen Einverständ­nisses: Der Versicherungs­nehmer weiß genau, wen der Versicherer kontaktieren möchte, denn für jede einzelne Auskunft muss der Versicherer eine Einzel­ermächtigung einholen. Versicherer argumentieren oft, dies führe zu einer Verzögerung bei der Antrags­bearbeitung. „Das hat sich in der Praxis nicht bestätigt“, sagt Versicherungs­berater Rüdiger Falken aus Hamburg.
  • Alles schriftlich. Im Zusammen­hang mit dem Leistungs­fall sollte immer alles schriftlich, nicht telefo­nisch laufen. Dann kommt es nicht zum Streit, ob eine Information frist­gerecht über­mittelt wurde. Von allen Unterlagen sollten Antrag­steller Kopien anfertigen.

Professionelle Hilfe. Sinn­voll ist, sich beim Leistungs­antrag recht­lich beraten zu lassen und an Experten zu wenden (Wer berät zur Berufsunfähigkeitsrente?). Oft gibt es weitere Fragen zu klären, etwa: Wie sieht es mit dem Über­gang von einer Kranken­tagegeld­versicherung zur Berufs­unfähigkeits­rente aus? Welche Rolle spielt eine Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung (AU) für den Antrag? Wie ist das Zusammen­spiel mit einem Antrag auf eine Erwerbs­minderungs­rente bei der Renten­versicherung oder einem Antrag bei der Berufs­genossenschaft wegen Berufs­krankheit?

Versicherer prüft. Der Versicherer fordert eventuell weitere Unterlagen oder ordnet ein Gutachten an. Er entscheidet über den Antrag. Entweder es gibt ein Anerkennt­nis, wie es im Versicherungs­deutsch heißt, oder eine Ablehnung. In diesem Fall sollten sich Versicherte im Hinblick auf eine Klage gegen den Versicherer anwalt­lich beraten lassen.

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