Fair reguliert

Rente bei Berufs­unfähigkeit Special

Herr Marx, Sie sind 30 Jahre alt und können in Ihrem früheren Beruf als Höhenretter nicht mehr arbeiten. Sie bekommen seit vier Jahren monatlich 1 089 Euro Berufs­unfähigkeits­rente. Wie kam es dazu?

Ich habe als Höhenretter bei einer Kletter-Spezial­einheit auf Groß­baustellen gearbeitet, zuletzt beim Bau eines Kohle­kraft­werks in den Nieder­landen. Bei einem Unfall auf einer betrieblichen Weihnachts­feier ist mein Kreuzband im rechten Knie gerissen. Solch eine Verletzung schwächt die Stabilität des Knies. Während viele damit mehr oder weniger normal weiterleben können, führte der Unfall bei mir zur Berufs­unfähigkeit. In meinem Beruf ist Gesundheit und Fitness ein Muss. Da mein Knie nicht mehr belast­bar ist, wäre ich ein Risiko auf der Baustelle gewesen.

Beispiel: Um eine 90 Kilogramm schwere Person aus 100 Meter Höhe zu bergen, trans­portiere ich mit einem Partner Bergungs­material zur Unglücks­stelle. Die Ausrüstung entspricht quasi der eines Rettungs­wagens: Bahre, Sauer­stoff­gerät, Notfall­koffer, Flaschen­zug etc. Einen Verunglückten muss ich im Notfall versorgen und absolut sicher trans­portieren können (siehe Foto oben rechts). Das geht leider nicht mehr.

Wie verlief die Regulierung?

Die Regulierung verlief korrekt und fair. Ich hatte nach meiner Ausbildung zum Rettungs­assistenten eine Berufs­unfähigkeits­rente beim Versicherer Huk-Coburg Lebens­versicherung AG von rund 1 000 Euro monatlich abge­sichert. In der Police steht der Beruf „Rettungs­assistent“. Doch darauf kam es bei der Prüfung nicht an. Es ging darum, ob ich meinen aktuellen Beruf zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Das konnte ich durch ärzt­liche Gutachten und eine Tätig­keits­beschreibung nach­weisen. Die Rente ist unbe­fristet anerkannt. Im September gibt es allerdings eine Nach­prüfung (siehe „Streit­punkt: Nach­prüfung“).

Was machen Sie jetzt beruflich?

Ich studiere Medizin. Die Rente ermöglicht mir eine Neuorientierung. Außerdem bekomme ich noch rund 400 Euro monatlich aus der gesetzlichen Unfall­versicherung: Mein Unfall war auch ein Arbeits­unfall.

Streit­punkt: Nach­prüfung

Eine Nach­prüfung kann dazu führen, dass der Versicherer die Zahlung für die Zukunft einstellt. Bei der Nach­prüfung berück­sichtigt er neue Tatsachen, die Einfluss auf die Leistungs­pflicht haben können: etwa einen verbesserten Gesund­heits­zustand, zum Beispiel durch eine Therapie oder neue Behand­lungs­methoden. Auch die Aufnahme einer anderen Tätig­keit oder neue Fähig­keiten, die der Versicherte in einer Umschulung erworben hat, können dazu führen, dass der Versicherer auf einen neuen Beruf verweist und nicht mehr zahlt. Einzel­heiten zum Nach­prüfungs­verfahren stehen in den Versicherungs­bedingungen. Je nach Versicherer und Tarif gibt es teil­weise große Unterschiede. Für Verträge, die seit dem 1. Januar 2008 geschlossen wurden, regelt das Versicherungs­vertrags­gesetz ausdrück­lich, dass Versicherer ein Recht auf Nach­prüfung haben.

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