Fit für die Rente – Steuern und Abgaben: Was von der Rente bleibt

Keine Lust auf Über­raschungen? Da hilft nur rechnen. Auch bei Rentnern kann die Lücke zwischen Brutto und Netto groß sein.

Rente Special

Der Ruhe­stand naht. Unsere Kollegin Stephanie Zipp hat gerechnet: Rund 20 Prozent werden von ihren Renten für Steuern und Abgaben abgehen.

Unsere Kollegin Stephanie Zipp geht im September nach mehr als 30 Jahren bei der Stiftung Warentest in Rente. Die 64-jährige Journalistin hat jahre­lang auch die hintersten Ecken des deutschen Steuer­rechts durch­forstet und von Alkopop- bis Zweit­wohnung­steuer über alle verbraucherrelevanten Steuer­themen berichtet.

Kein Wunder also, dass sie schon vor Monaten ausgerechnet hat, was ihr nach Abzug von Steuern und Sozial­abgaben von ihrer Rente bleiben wird. „Auf Über­raschungen habe ich keine Lust“, sagt sie.

Steuern nied­rig, Sozial­abgaben hoch

Knapp 20 Prozent werden von Zipps Einnahmen für Steuern und Sozial­abgaben in ihrem ersten vollen Renten­jahr 2016 abgehen. Das sind jeden Monat rund 550 Euro.

Ein wenig erstaunt war der Steuer­profi darüber, wie sich die Abgabenlast verteilt: Während das Finanz­amt nur rund 150 Euro im Monat von ihr haben will, kosten Kranken- und Pflege­versicherung rund 400 Euro. Beiträge für Renten- und Arbeits­losen­versicherung fallen für Rentner weg.

Rentner profitieren von Frei­beträgen

Dass die Steuerbelastung vergleichs­weise moderat ausfällt, liegt an Frei­beträgen, die der Fiskus Rentnern gewährt. So sind bei Zipp nur 70 Prozent ihrer gesetzlichen Rente und 19 Prozent ihrer betrieblichen Direkt­versicherung steuer­pflichtig.

Selbst bei Riester-Renten – eigentlich voll steuer­pflichtig – können einige Rentner durch den Alters­entlastungs­betrag Steuern sparen. Zipp wird so als Rentnerin im Endeffekt nur rund 60 Prozent ihrer Einnahmen beim Fiskus abrechnen müssen.

Wie hoch die Frei­beträge sind, kann je nach Einkommens­art davon abhängen, wann Rentner in Rente gehen, wie alt sie zu Renten­beginn sind oder wann sie geboren wurden, Tabelle: Steuerfreibeträge für Rentner und Pensionäre. Weiter reduzieren können sie die Steuerbelastung, wenn sie Ausgaben etwa für Versicherungen oder Haushalt­hilfen absetzen. Mehr dazu im Special Gesetzliche Rente steigt, Finanztest 7/2015.

Individuelle Besteuerung und viele Regeln machen es künftigen Rentnern schwer, sich einen Über­blick zu verschaffen. Unser Steuerrentenrechner hilft.

Rentenkasse zahlt 7,3 Prozent

Über­sicht­licher geht es bei Kranken- und Pflege­versicherung zu. Hier können Fast-Rentner ganz gut einschätzen, was auf sie zukommt, Tabelle: Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung.

Vergleichs­weise gering sind die Abgaben auf die gesetzliche Rente. Hier über­nimmt die Rentenkasse mit 7,3 Prozent einen Teil des Beitrags. Auf ihre gesetzliche Rente müssen Rentner deshalb nur 9,65 Prozent Basisbeitrag für Kranken- und Pflege­versicherung zahlen. Kinder­lose Rentner wie Zipp zahlen etwas mehr: 9,9 Prozent.

Für Pflicht­versicherte (Krankenversicherung) zahlt die Rentenkasse den Zuschuss auto­matisch. Freiwil­lig Versicherte müssen einen Antrag beim Renten­träger stellen.

Hinzu kommt ein Zusatz­beitrag der Kasse, den die Versicherten alleine tragen. Zipps Gesamt­beitrag liegt so bei 10,8 Prozent.

Hohe Abgaben auf Betriebs­renten

Die Abgaben auf Zipps Betriebs­renten liegen deutlich höher. Sie muss für ihre Renten aus Direkt­versicherung, Unterstüt­zungs­kasse und Pensions­kasse jeweils 18,1 Prozent zahlen:

  • 14,6 Prozent allgemeiner Beitrags­satz für die Kranken­versicherung,
  • 0,9 Prozent individueller Beitrag ihrer Krankenkasse DAK,
  • 2,6 Prozent Pflege­versicherungs­beitrag.

Bei anderen Betriebs­rentnern kann der Beitrags­satz für die Kranken- und Pflegekasse höher oder nied­riger ausfallen – je nachdem, wo sie kranken­versichert sind und ob sie Kinder haben. Derzeit liegt er insgesamt zwischen 16,95 und 18,5 Prozent.

Großer Vorteil: Pflicht­versicherung

Pflicht­versicherte Mitglieder der Kranken­versicherung kommen um die Abgaben herum, wenn sie nur eine kleine Betriebs­rente bis zu 141,75 Euro monatlich beziehen.

Noch besser: Anders als freiwil­lige Mitglieder müssen Pflicht­versicherte wie Zipp auch auf Riester-, Rürup-, private Renten und andere Einkünfte keine Beiträge zahlen.

Forderungen von Finanz­amt oder Krankenkasse werden Zipp kaum umhauen. Und wir wünschen ihr, dass der Ruhe­stand nur schöne Über­raschungen bereithält.

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