Fit für die Rente – der Zeit­punkt: Lange dabei, früher fertig

Viele können die starre Grenze für den Renten­beginn über­winden. Die neue abschlags­freie Rente mit 63 ist dabei der Renner.

Rente Special

Rente mit 63: Dorothea (61) und Dieter Fischer (58) wollen mit 63 Jahren in Rente gehen. Sie ist schon in Alters­teil­zeit und nimmt später bei der Rente Abschläge in Kauf. Er bekommt die Rente ohne Abzug.

Auf den ersten Blick scheint es paradox: Frauen und Männer, die vorzeitig in den Ruhe­stand gegangen sind, erhalten oft mehr Rente als solche, die bis zur Regel­alters­grenze durch­gearbeitet haben.

Der Grund dafür ist einfach: Eine Regel­alters­rente gibt es bereits für alle, die vor dem Ruhe­stand fünf Jahre lang renten­versichert waren. Für eine vorgezogene Alters­rente dagegen müssen Versicherte wesentlich mehr Zeiten vorweisen: Wie viele – das hängt von der Art der Frührente und vom Geburts­jahr ab, Tabelle: So geht es früher in Rente. 15 Jahre sind es etwa für die Rente für Frauen, Arbeits­lose und Alters­teil­zeit­beschäftigte, jeweils 35 Jahre für Schwerbehinderte und lang­jährig Versicherte.

Weil ein Frührentner im Durch­schnitt oft viel länger Beiträge gezahlt hat als jemand, der regulär aufhört, bekommt er auch mehr Rente – selbst wenn man die Abschläge für den vorzeitigen Ruhe­stand berück­sichtigt.

Die einen können früher aufhören, die anderen müssen bis zur Regel­alters­grenze arbeiten – selbst wenn sie die Voraus­setzungen für einen vorgezogenen Ruhe­stand mit weniger Rente erfüllen. Sie können sich die Abschläge schlicht nicht leisten. Als Faust­regel gilt: Die Rente ist ein Abbild des Arbeits­lebens, Tabelle: So viel Rente gibt es für den Beitrag. Wer wenig verdient, hat im Alter wenig Rente.

Frei­zeitphase vor der Rente

Rente Special

Dorothea Fischer (61) ist schon im Ruhe­stand, obwohl sie erst mit 63 in Rente geht. Eine Kombination aus Alters­teil­zeit und Frührente macht es möglich. Ihre Alters­rente bekommt sie allerdings nur mit Abschlägen.

Frührentnerin Dorothea Fischer hat gut 38 Jahre auf ihrem Versicherungs­konto. Als Assistentin im Kranken­haus hat sie Operations­besteck sterilisiert und für den erneuten Gebrauch am OP-Tisch vorbereitet. Jetzt ist die 61-Jährige in der Frei­zeitphase ihrer insgesamt siebenjäh­rigen Alters­teil­zeit. In den ersten drei­einhalb Jahren hat sie normal weiterge­arbeitet, aber nur 60 Prozent des Gehalts bekommen. Dieses Geld bekommt sie nun auch in der Frei­zeitphase.

Jetzt tut sie aber weiterhin noch etwas für ihre Rente. Die Beiträge zur Renten­versicherung stockt ihr Arbeit­geber auf. Und zwar um so viel, als bekäme sie in der Alters­teil­zeit 90 Prozent ihres früheren Gehalts.

Erst Alters­teil­zeit, dann Frührente

Rente Special

Dorothea Fischer kombiniert Alters­teil­zeit mit Frührente. Statt regulär mit 65 Jahren und sieben Monaten konnte sie bereits mit 60 Jahren aufhören zu arbeiten. Jetzt genießt sie die Frei­zeitphase ihrer Alters­teil­zeit, ab 63 dann die vorgezogene Rente. Dafür muss sie einen Abschlag von 9,3 Prozent in Kauf nehmen. Er gilt nicht nur bis zur Regel­alters­grenze sondern lebens­lang.

Laut Renten­auskunft bekommt Fischer ab ihrem 63. Geburts­tag 562 Euro Rente. Weil sie lange Teil­zeit gearbeitet hat, sind weniger Rentenbeiträge geflossen, als wenn sie Voll­zeit gearbeitet hätte.

Trotz Teil­zeit­arbeit und Vorruhestand bekommt sie aber 200 Euro mehr als die durch­schnitt­liche Rentnerin in den alten Bundes­ländern, die zum regulären Zeit­punkt in Rente geht. Denn Fischer war sehr lange berufs­tätig.

Mit fast 64 ohne Abschlag

Auch Ehemann Dieter möchte mit 63 in Rente gehen. Weil er auf mehr als 45 Versicherungs­jahre kommt, kann er das ohne Abschlag. Er hat dann länger gearbeitet als seine Frau, deren Frei­zeitphase der Alters­teil­zeit mit 60 begonnen hat und kann sich mit 63 über die volle Rente freuen. „Bis dahin sind es nur noch wenige Jahre“, sagt der Bank­kaufmann. „Jetzt noch Alters­teil­zeit – das lohnt sich nicht.“

Genau genommen muss Dieter Fischer seinen 63. Geburts­tag noch um einige Monate über­schreiten – dann hat er Anspruch auf die abschlags­freie Alters­rente. Nur vor 1953 Geborene können mit 63 ohne Einbußen gehen. Für Jüngere erhöht sich der frühest­mögliche Renten­beginn in Zwei-Monats-Schritten. Fischer, 1956 geboren, muss bis 63 Jahre und 8 Monate arbeiten.

Schon jetzt ist die vor Jahres­frist einge­führte Rente mit 63 ein Renner: Seitdem nutzten mehr als 279 000 Versicherte diese Möglich­keit. Das sind mehr als bei jedem anderen Weg in die Rente.

Dieser Artikel ist hilfreich. 61 Nutzer finden das hilfreich.