Nur noch wenige Jahre bis zum Ruhe­stand – Zeit für Entscheidungen: Wann ist der richtige Zeit­punkt für Ihre Rente? Wie können Sie Ihre Vorsorge optimal nutzen?

Rente Special

Gerd Schmid zählt die Wochen bis zur Rente mit 63: Für jede Woche weniger schneidet der Kunden­dienst­leiter einen Zenti­meter vom Maßband ab.

Die Rente optimieren – viele können das auch noch kurz vor dem Ruhe­stand. Wann soll die Rente beginnen, reicht das Geld für einen vorzeitigen Ruhe­stand? Das sind Fragen, die sich viele stellen. Doch nicht immer ist die richtige Antwort so unver­hofft einfach wie für Hella und Gerd Schmid. Die vor einem Jahr einge­führte Rente mit 63 kam für sie wie gerufen.

„Meine Frau und ich wollen mit 63 Jahren vorzeitig in Rente“, mailte uns Gerd Schmid vor zwei Jahren, als wir unsere Leser gefragt hatten, wie sie ihren frühen Ausstieg planen. Im Jahr 2013 hatte das Ehepaar Schmid noch gut drei Arbeits­jahre vor sich. „Wir können das finanziell packen“, hatte Gerd Schmid über­schlagen. Mit „rund 250 Euro weniger Rente für mich und 120 Euro weniger für meine Frau“, rechnete er damals.

Nun klappt es ohne Abschlag

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Hand in Hand: Hella und Gerd Schmid gehen nächstes Jahr in Rente – dank der abschlags­freien Rente mit 63 ohne Einbußen. Beide haben dann mehr als 48 Jahre gearbeitet. „Wir wollen noch etwas vom Ruhe­stand haben“, sagt Gerd Schmid.

Jetzt haben wir noch einmal bei den Schmids nachgefragt. Sie sind dem Ruhe­stand ein großes Stück näher gekommen. Die Bedingungen für ihre Alters­rente haben sich inzwischen entscheidend verbessert: Ganz ohne Abschlag kann sich das Ehepaar aus Stutt­gart im Jahr 2016 vorzeitig zur Ruhe setzen. Die Rente mit 63 machts möglich.

Die Schmids zählen die Wochen bis zum Ruhe­stand – jeweils mit einem Maßband, von dem sie jede Woche einen Zenti­meter abschneiden. „Bei mir sind es noch 52 Wochen, bei meiner Frau 82“, freut sich Gerd Schmid. „Nach gut 48 Versicherungs­jahren haben wir das verdient!“

45 Jahre hätten schon gereicht für die abschlags­freie Frührente. Wer weniger vorweisen kann, kann unter bestimmten Voraus­setzungen auch vorzeitig gehen, allerdings nur mit Renten­abschlägen, Tabelle: Abschläge bei Frührente.

Schmids sind nicht allein: Knapp zwei Drittel der Erwerbs­tätigen zwischen 50 und 64 Jahren möchten vorzeitig aufhören. Dies zeigt eine Studie der Bundes­anstalt für Arbeits­schutz und Arbeits­medizin.

Frühe Rente nicht für alle

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Renten­abschläge nimmt dagegen Finanztest-Redak­teurin Stephanie Zipp in Kauf: Sie hört im Herbst nach mehr als 30 Jahren bei der Stiftung Warentest auf. Sie kann die vorgezogene Alters­rente für Frauen nutzen.

Auch unsere 64-jährige Finanztest-Kollegin Stephanie Zipp steigt früher aus dem Arbeits­leben aus. Sie nimmt die vorgezogene Alters­rente für Frauen in Anspruch, Tabelle: So geht es früher in Rente. Anders als die Schmids muss sie Abschläge in Kauf nehmen.

Doch diese Einbußen kann sich die Redak­teurin leisten. Denn wer wie die Berlinerin in seiner aktiven Zeit ein gutes Finanz­polster aufbauen konnte, der hat bei Renten­beginn Entscheidungs­spielraum und kann auch dann noch Weichen für seinen Ruhe­stand stellen.

Dies gilt sowohl für die gesetzliche Rente als auch für die betriebliche Alters­vorsorge und die Riester-Rente. Bei jeder dieser drei Renten­arten gibt es Stell­schrauben.

Stephanie Zipp kann mehrere Wahl­möglich­keiten nutzen. So kann sie:

  • bei ihrer gesetzlichen Rente den Abschlag für den vorgezogenen Renten­beginn ausgleichen,
  • bei ihrer betrieblichen Alters­versorgung zwischen Rente und Kapital­auszahlung wählen,
  • bei ihrer Riester-Rente entscheiden, ob sie eine monatliche Rente oder die Tilgung ihres Immobiliendarlehens will.

Renten­abschlag ausgleichen

Stephanie Zipp geht im September in Rente, 15 Monate vor der regulären Alters­grenze. Dafür nimmt sie einen Abschlag in Kauf: 4,5 Prozent werden ihr von der Rente abge­zogen, das sind 0,3 Prozent je vorgezogenem Monat. Zusätzlich ins Gewicht fällt ein etwas geringerer Renten­anspruch, weil sie nicht bis zur regulären Alters­grenze Beiträge zahlen wird.

Rund 82 Euro Bruttorente bekommt sie jeden Monat weniger. Dieser Abschlag bleibt für immer. Doch Zipp kann ihn ausgleichen. Um die 82 Euro doch noch zu erhalten, müsste die Finanztest-Redak­teurin rund 19 100 Euro in die Rentenkasse einzahlen. Viel Geld.

Dennoch ist diese Variante viel güns­tiger, als wenn sie das Geld in eine private Sofortrente oder eine Rürup-Rente steckte. Für 19 100 Euro Einmalbeitrag gäbe es hier jeweils nur gut 66 Euro garan­tierte Monats­rente. Das wissen wir aus unseren Tests.

Freie Wahl: Rente oder Kapital

Zipp möchte das Geld für eine höhere gesetzliche Monats­rente jedoch nicht ausgeben. „Ich habe ja noch meine Betriebs­rente“, sagt sie. Auch hier muss sie einen Abschlag in Kauf nehmen. Aus ihrer Direkt­versicherung vom Versorgungs­verband bundes- und landes­geförderter Unternehmen (VBLU) kann sie mit 549 Euro Rente rechnen; das sind 28 Euro weniger, als sie bei regulärem Renten­beginn bekäme.

Die Rente fließt lebens­lang und enthält eine Hinterbliebenenrente, die Zipps Ehemann bekommen würde. Dies ist einer der Gründe, warum sich die Redak­teurin für die Rente entschieden hat, nicht für die Kapital­auszahlung.

Sie könnte sich das Geld auch auf einen Schlag auszahlen lassen: Rund 103 000 Euro bekäme sie dann. Oder sie könnte sich die Hälfte dieses Kapitals auf einmal auszahlen lassen und den Rest als lebens­lange Rente.

Vor der Wahl zwischen Rente und Kapital müssen sich angehende Ruhe­ständler über ihre weitere Finanz­planung im Klaren sein. Spätere Korrekturen können teuer werden:

Hätte sich Zipp jetzt für eine Kapital­auszahlung entschieden und würde sich später doch noch über­legen, das Geld oder einen Teil in eine lebens­lange Rente zu investieren, wäre dies eine unglück­liche Wahl. Solch ein gutes Renten­angebot wie von der VBLU bekommt Zipp sicher nicht mehr.

Schlechtere Rente bei Neuvertrag

Zahlt Zipp 103 000 Euro Einmalbeitrag in eine sofort beginnende private Renten­versicherung, bekäme sie von einem guten Anbieter gerade mal 357 Euro Monats­rente. Das sind 192 Euro weniger als ihre VBLU-Rente. Und ein Hinterbliebenen­schutz ist darin nicht einmal enthalten. Die Steuerbelastung ist für beide Renten gleich hoch, Tabelle: Steuerfreibeträge für Rentner und Pensionäre.

Die Gründe für den enormen Unterschied bei den Renten­leistungen sind klar: Der Vertrag mit der VBLU läuft seit 1985. Damals lag der Garan­tiezins bei 3 Prozent; heute sind es noch 1,25 Prozent. Die Direkt­versicherung bei der VBLU läuft außerdem als Gruppen­vertrag für viele Arbeitnehmer – und hat daher weniger Kosten und mehr Leistung als ein Einzel­vertrag.

Außerdem rechnen die Versicherungs­unternehmen mit einer immer höheren Lebens­erwartung der Versicherten und bieten deshalb in neuabgeschlossenen Verträgen geringere Leistungen als in solchen, die vor 30 Jahren abge­schlossen wurden.

Regeln für jede Betriebs­rente anders

Zipp hat die Wahl: Rente oder Kapital. Bei anderen Formen der betrieblichen Alters­vorsorge gibt es diese Möglich­keit nicht. So können Angestellte des öffent­lichen Dienstes ihre Zusatz­versorgung von der Versorgungs­anstalt des Bundes und der Länder (VBL) nur als Rente bekommen. Eine Kapital­leistung ist ausgeschlossen. Für Redak­teure bei Tages­zeitungen, die beim Presse­versorgungs­werk versichert sind, gibt es dagegen nur eine Kapital­auszahlung, keine Rente. Bunte Betriebs­renten­welt.

Riester-Geld fürs Eigenheim

Als weitere Säule ihrer Alters­vorsorge hat Zipp eine Riester-Renten­versicherung. Doch statt für eine Rente hat sie sich entschieden, mit dem Riester-Vermögen ihr Eigenheimdarlehen zu tilgen. „Das ist besser als die Mini-Rente“, sagt sie.

Egal ob Riester-Sparer eine Renten­versicherung, einen Bank- oder einen Fonds­sparplan abge­schlossen haben: Wenn sie mindestens 3 000 Euro gespart haben, können sie das Geld aus dem Vertrag nehmen, um damit die Schulden für ihre selbst­genutzte Immobilie abzu­bezahlen.

Den Antrag auf Entnahme des Kapitals hat die 64-Jährige schon bei der Zentralen Zulagen­stelle für Alters­vermögen (ZfA) gestellt. „So bekommen wir unser Haus schneller schuldenfrei“, sagt sie. Schuldenfrei wohnen im eigenen Haus – auch das kann ein optimaler Ruhe­stand sein.

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