Für Mütter, privat kranken­versicherte Selbst­ständige und Beamte im Renten­alter lohnt sich eine gesetzliche Sofortrente. Angestellte können Renten­abschläge ausgleichen.

Mit einer Einmalzahlung können sie sich eine lebens­lange Rente sichern: Selbst­ständige, Beamte sowie Hausfrauen und -männer, die nicht in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen mussten. Lange Zeit war mancher froh darüber, für die Alters­vorsorge vermeintlich rendite­stärkere, kapitalge­deckte Geld­anlagen wählen zu können. Finanz­krise und Nied­rigzins­phase lassen die Auszahlungen aber zusam­menschrumpfen. Die umlage­finanzierte Renten­versicherung steht hingegen vergleichs­weise gut da.

Beamte und Selbst­ständige, die vor September 1950 geboren wurden

Rente Special

Beamte/Selbst­ständige. Für sie bieten freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung eine gute Alternative zur privaten Renten­versicherung. Sind sie vor September 1950 geboren, können sie sich nur noch dieses Jahr eine gesetzliche Rente gegen eine Einmalzahlung sichern.

So wird die gesetzliche Renten­versicherung auch für jene attraktiv, die sonst eher einen Bogen um sie gemacht hätten. Seit August 2010 steht sie auch Nicht-Pflicht­versicherten offen. Doch für Beamte und Selbst­ständige, die schon im Ruhe­stand sind, schließt sich bald ein Zeit­fenster: Sie haben nur noch bis Ende 2015 die Möglich­keit, durch eine Einmalzahlung ihr Leben lang eine attraktive Sofortrente aus der gesetzlichen Renten­versicherung zu beziehen. Voraus­gesetzt, sie haben bisher nicht die fünf­jährige Mindest­versicherungs­zeit zusammen, die erforderlich ist, um eine Rente zu bekommen, und sie wurden vor September 1950 geboren.

Im Detail heißt das: Sie waren am 10. August 2010 bereits so alt, dass es bis zu ihrem regulären Ruhe­stand weniger als fünf Jahre dauerte und sie deshalb mit laufenden freiwil­ligen Beiträgen keine gesetzliche Rente mehr erwerben konnten. Nur für sie gilt die Ausnahme­regelung der Einmalzahlung. Das liegt daran, dass die gesetzliche Renten­versicherung erst seit August 2010 für Beamte und Selbst­ständige offen­steht. Man wollte diejenigen nicht benach­teiligen, die zu alt waren, um zu diesem Zeit­punkt noch eine Rente durch reguläre Beiträge aufzubauen. Wer die Voraus­setzungen erfüllt und nach einer Geld­anlage sucht, die eine monatliche Rente bringt, sollte die freiwil­lige Einzahlung in Betracht ziehen.

Infrage kämen auch eine Rürup-Rente oder eine private Sofortrente. Im Vergleich zu ihnen hat die gesetzliche Renten­versicherung zurzeit aber die Nase vorn Tabelle: Drei Sofortrenten im Alter im Vergleich.

Für Beamte wichtig: Die Rente aus freiwil­ligen Beiträgen zur Renten­versicherung schmälert ihre Pension nicht. Für einen Einmalbeitrag von 20 000 Euro bekommt ein Beamter im Ruhe­stand 87 Euro im Monat ausgezahlt. Außerdem spart er Steuern, weil er den Beitrag absetzen kann. Mit dem gleichen Geld würde er bei einer privaten Rente 68 Euro bekommen – ohne die zusätzliche Steuerersparnis.

Auch für andere privat Kranken­versicherte lohnt sich diese Möglich­keit: Sie zahlen keine Beiträge zur Kranken­versicherung auf ihre Rente. Und auf Antrag bekommen sie zusätzlich 7,3 Prozent ihrer Rente als Zuschuss zur Kranken­versicherung von der Renten­versicherung dazu.

Mütter und Väter, denen noch Beitrags­jahre fehlen

Rente Special

Mütter und Väter. Wenn sie nicht die fünf Jahre Mindest­versicherungs­zeit für eine gesetzliche Rente erreichen, sollten sie diese freiwil­lig auffüllen. Durch die ange­rechneten Erziehungs­zeiten zahlt sich das schnell aus.

Auch für eine andere Gruppe zahlt sich eine einmalige Einzahlung in die Renten­versicherung ein Leben lang aus. Durch die Rentenreform 2014 – Stich­wort „Mütterrente“ – erhält eine Frau mit zwei vor 1992 geborenen Kindern vier statt zwei Jahre Erziehungs­zeit gutgeschrieben. Das gilt natürlich auch für Väter, wenn ihnen die Erziehungs­zeit ange­rechnet wurde.

Wir bleiben im Beispiel bei einer Mutter, weil es in der großen Mehr­heit Frauen betrifft: Wenn sie sonst keine Zeiten für die Rente vorweisen kann, weil sie zum Beispiel nie sozial­versicherungs­pflichtig gearbeitet hat, fehlt ihr neben den vier Jahren Erziehungs­zeit für zwei Kinder noch ein Jahr, um die Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren vorweisen und eine gesetzliche Rente beziehen zu können. Mütter, die vor 1955 geboren wurden und die nicht genug Jahre beisammenhaben, dürfen den Beitrag auf einmal einzahlen, der die fehlenden Beitrags­jahre ausgleicht. Das lohnt sich fast immer.

Will sich die gesetzlich kranken­versicherte Beispielmutter mit zwei Kindern jetzt ihren Anspruch sichern, muss sie mindestens 1 009,80 Euro einzahlen. Sie sichert sich in den alten Bundes­ländern damit eine monatliche Rente von 119 Euro, in Ostdeutsch­land 110 Euro. Ihre Einzahlung würde sich schon nach wenigen Monaten lohnen. Auf die Rente fallen aber Beiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung an. Zusammen sind das rund 10 Prozent.

Höhere Einzahlungen rechnen sich nur bedingt. Das liegt daran, dass die Erziehungs­zeit – die ersten vier Beitrags­jahre – mit einem festen Satz abge­golten wird. Würde die Mutter den maximal möglichen Satz von derzeit 13 576,20 Euro einzahlen, erhielte sie eine monatliche Rente von rund 174 Euro in den alten und 165 Euro in den neuen Bundes­ländern. In diesem Fall würde es mehr als sechs Jahre dauern, bis sie ihre Einzahlung wieder einge­nommen hätte. Da hat die etwas kleinere Rente durch die Mindest­einzahlung aber schon ordentlich Plus gemacht. Insgesamt dauert es 19 Jahre, bis die höhere Einzahlung mehr abge­worfen hat als der Mindest­beitrag.

Pflicht­versicherte, die vorzeitig in den Ruhe­stand gehen wollen

Rente Special

Früher in Rente. Eigentlich dürfen Pflicht­versicherte keine freiwil­ligen Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung leisten. Ausnahme: Sie gehen früher in Rente und wollen entstehende Abschläge ausgleichen.

Früher konnten auch Pflicht­versicherte freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen und damit ihre Ansprüche erhöhen. 1997 war Schluss damit. Die „Höher­versicherung“ wurde abge­schafft. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Pflicht­versicherte, die vor ihrem regulären Renten­alter in den Ruhe­stand gehen, können Abschläge aufgrund des vorgezogenen Renten­eintritts ausgleichen. So sichert sich der Pflicht­versicherte die volle Rente – trotz seines früh­zeitigen Ruhe­stands.

Ein Beispiel: Ein Pflicht­versicherter geht 2015 mit 63 Jahren und sechs Monaten in Rente, also 24 Monate vor seinem regulären Renten­eintritt. Regulär würde er 1 300 Euro Rente bekommen. Der Abschlag beträgt 7,2 Prozent – 0,3 Prozent für jeden Monat, den er früher in Rente geht. Er bekäme pro Monat also 93,60 Euro weniger. Diese Abschläge durch eine Einmalzahlung zu verhindern, würde ihn rund 23 000 Euro kosten.

Dieser Schritt sollte gut über­legt sein. Grob gerechnet, Abgaben und Renten­entwick­lung einmal außen vor gelassen, wäre der einge­zahlte Beitrag erst nach 21 Jahren wieder „drin“. Der Rentner hätte dann schon seinen 84. Geburts­tag gefeiert. Allerdings hätte er auch die Gewiss­heit, dass die zusätzliche Rente noch fließt, wenn er sehr, sehr alt wird. Der Kunde muss entscheiden, ob ihm diese Sicherheit so viel wert ist.

Steuerlich begüns­tigt

Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung können Sparer genauso wie Einzahlungen in eine Rürup-Rente von der Steuer absetzen. Dafür fallen bei beiden während der Rente höhere Steuern an als bei einer privaten Renten­versicherung. Die Nettorente, also der Betrag nach Steuern, ist bei der gesetzlichen dennoch höher als bei der privaten Rente. Das gilt für Beamte und Freiberufler mit privater Kranken­versicherung Tabelle: Drei Sofortrenten im Alter im Vergleich.

Für Pflicht­versicherte der Kranken­versicherung der Rentner sind die Nettorenten aus der gesetzlichen Versicherung nicht so hoch wie für privat Kranken­versicherte. Sie müssen mit Abzügen von rund 10 Prozent für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung rechnen.

Wie sich die gesetzliche Rente entwickelt, lässt sich nicht genau voraus­sagen. Ob sie steigt oder fällt, hängt von der Lohn­entwick­lung ab und dem Verhältnis von Rentnern und Beschäftigten. Seit 1992 ist der Wert eines Renten­punkts aber nie gefallen.

Renten­zusagen privater Versicherungen können durch Über­schüsse steigen. Sie hängen davon ab, wie viel ein Versicherer mit dem Geld der Kunden erwirt­schaftet und wie viel vom Ertrag er den Versicherten gutschreibt. Je länger die Nied­rigzins­phase andauert, umso unwahr­scheinlicher sind hohe Über­schuss­zahlungen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 23 Nutzer finden das hilfreich.